"Spider-Man": Erfolgreiche Kooperation zwischen Sony und Disney

10.07.2017

Sony Pictures-Studio in Hollywood. (CC BY-SA 3.0 by Coolcaesar)

In den letzten Jahren befand sich Sony Pictures in einer ernsten Krise. 2016 spielten die 22 im Kino veröffentlichten Filme vergleichsweise geringe 912 Millionen Dollar ein - nur unwesentlich mehr als das erfolgloseste der sechs großen Studios, Paramount, und nur ein Drittel des Umsatzes von Box Office-Anführer Walt Disney. Doch spätestens mit dem Erfolg von "Spider-Man: Homecoming", das am ersten Wochenende global insgesamt rund 260 Millionen Dollar eingespielt hat, hat Sony das Ruder herumgerissen. Es war bereits der dritte Reboot des Spider-Man-Charakters und Sony musste in regelmäßigen Abstände neue Teile produzieren, um die Rechte am Superhelden nicht zu verlieren. Kritiker, die befürchtet hatten, dass Kinozuschauer angesichts der Fülle vergangener Filme keine Lust mehr auf neue Abenteuer des Spinnenmanns haben, wurden eines besseren belehrt.

Die Gründe für den Erfolg des Filmes und den Aufschwung von Sony Pictures sind vielfältig. Zum einen verbringt Konzernchef Kazuo Hirai seit Beginn des Jahres deutlich mehr Zeit in seinem Büro in Hollywood, um seinen Managern besser auf die Finger schauen zu können. Nach dem desaströsen Hack der firmeninternen Emails durch mutmaßlich nordkoreanische Hacker und der anschließenden Entlassung der langjährigen Film-Chefin Amy Pascal (die als unabhängige Produzentin jedoch auch an "Spider-Man: Homecoming" beteiligt war) hat Hirai mit der Ernennung von Tom Rothman einen geeignet Pascal-Nachfolger gefunden. Hauptgrund für den jüngsten Spider-Man-Coup ist jedoch ein umfangreiches Abkommen mit Konkurrent Disney, das die Rechte an den übrigen Superhelden des Marvel-Universums hält. Sony erlaubte Disney, dass Spiderman im vergangenen Jahr in seinem "Captain America"-Film auftauchen durfte. Im Gegenzug spielt im aktuellen Spiderman-Film die Disney-Marvel-Figur Iron Man mit. Der Deal zahlt sich für beide Seiten aus: Sony darf die komplette Einspielergebnisse behalten, während Disney sämtliche Merchandising-Gewinne einstreicht. "Spiderman: Homecoming" istzudem ein Vorreiter in Zeiten, in denen über das Ende der traditionellen Werbung spekuliert wird: ein zweistündiger Spielzeug-Werbespot, für den die Leute bereit sind zu bezahlen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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