Vivendi und Sony teilen EMI auf

11.11.2011

Laut jüngsten Informationen des "Guardian" wird die EMI Group nach wochenlangem Bieterwettstreit aufgesplittet und verkauft. Die recorded music-Sparte (Tonträger, Labels) geht demnach für 1,9 Mrd. US-Dollar an die Universal Music Group (Teil des Medienkonzerns Vivendi), während sich ein von Sony angeführtes Konsortium für 2,2 Mrd. US-Dollar wohl die publishing-Sparte (Kataloge, Musikverlage) gesichert hat. Das 114 Jahre alte Traditionsunternehmen EMI wurde 2007 von der Private Equity-Firma Terra Firma Capital erworben und brach unter seiner enormen Schuldenlast zusammen, so dass die Großbank Citigroup das Unternehmen seit Februar 2011 verwaltete. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Übernahme näher untersucht:

1. Warum setzten sich letzlich Universal und Sony in der Übernahmeschlacht durch?
Nachdem EMI im Juni dieses Jahres von Citigroup offiziell zum Verkauf angeboten wurde, zeigten sich neben Universal und Sony auch andere Unternehmen und Investoren interessiert. So gingen Branchenkenner eigentlich davon aus, dass die dem russischen Milliardär Leonard Blavatnik gehörende Warner Music-Gruppe die diversen EMI-Labels akquirieren würde. An EMIs Musikverlagen zeigten sich zudem eine Allianz zwischen Bertelsmann und der Private Equity-Firma KKR interessiert. Doch die Verantwortlichen von Warner konnten sich mit Citigroup nicht über den Kaufpreis einigen und KKR/Bertelsmann wurde offensichtlich von einem höheren Sony-Angebot übertrumpft. Warner und Bertelsmann sind jedoch noch nicht endgültig aus dem Rennen und könnten mit einem höheren Angebot wieder in die Auktion einsteigen (was jedoch als unwahrscheinlich gilt). Ebenfalls überraschend ist der kombinierte Verkaufspreis von 4,1 Millirden US-Dollar, den EMI erzielen konnte: Experten gingen nicht davon aus, dass sich noch solche Erlöse in der krisengeschüttelten Musikindustrie erzielen lassen würden.

2. Was bedeutet die Zerschlagung von EMI für die globale Musikwirtschaft?
Noch 1995 war die EMI Group mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 4,95 Mrd. D-Mark im Ranking der größten Medienkonzerne der Welt auf Platz 22, 2006 mit 2,5 Mrd. Euro immerhin noch auf Platz 44. Die Konsolidierung in der internationalen Musikindustrie schreitet weiter voran. Gab es in den vergangenen Jahrzehnten mit den "Big Four" (Warner, Universal, Sony BMG und EMI) immerhin vier große Labels, die den gesamten Musikmarkt unter sich aufteilten, so sind es nun nur noch drei (Warner, Universal, Sony). Eine kartellrechtliche Prüfung der Verkäufe der EMI-Segmente an Universal und Sony durch die Europäische Kommission wird dementsprechend kompliziert sein und Zeit in Anspruch nehmen (Insider gehen von zwischen zehn und 20 Monaten aus). Es wird erwartet, dass Universal gezwungen wird, diverse Sub-Labels im Wert von zusammen 500 Millionen US-Dollar zu verkaufen, damit der Übernahme zugestimmt wird. Die Strategie von Universal im Rahmen der kartellrechtlichen Überprüfung wird sein, zu argumentieren, dass nur eine Übernahme von EMI das langfristige Überleben der durch Online-Piraterie und zunehmender Selbstvermarktung von Künstlern gebeutelten Musikindustrie sichern wird.

Mehr dazu:

Guardian: Universal Music to buy EMI's recorded music division for £1.2bn (11.11.2011)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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