Google: Wiedereinstieg in China

12.01.2012

Der Suchmaschinenbetreiber Google steigt nach einer zweijährigen Auszeit wieder in den chinesischen Markt ein. Das Engagement des Konzerns war aufgrund der Zensurfrage lange umstritten. Von einem offiziellen Rückzug konnte jedoch nicht die Rede sein, da etwa 500 Mitarbeiter in China, davon 300 Programmierer, im Reich der Mitte verblieben. Die Redaktion von mediadb.eu hat sich die Aktivitäten Googles und anderer ausländischer Medienunternehmen auf dem chinesischen Markt genauer angeschaut und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

1. Wie lässt sich das Engagement Googles in China beschreiben?
Google stieg im Jahr 2005 in den größten Internetmarkt der Welt ein. Nach ersten Startschwierigkeiten aufgrund einer Klage durch Microsoft (siehe Ausführungen zu den China-Aktivitäten im mediadb-Konzernporträt) konnte sich der Konzern auf dem Markt etablieren. Insbesondere aufgrund von gezielten Manipulationen bei Suchanfragen auf google.cn im Sinne der chinesischen Regierung – regierungskritische Aufrufe wurden verhindert – wurde das Unternehmen lange Zeit geduldet. Als jedoch ersichtlich wurde, dass chinesische Nutzer unzensierte Google-Versionen nutzen, wurde die Seite google.com in China gesperrt. Nach einem Hackerangriff auf Gogglemail-Accounts entschloss sich Google im März 2010, die zensierte Seite google.cn einzustellen.

Derzeit stellt  Google in China Programmierer, Produktmanager und Anzeigenverkäufer ein, um den Bereich Werbung und Produktsuche auszubauen. Insbesondere das mobile Android-Betriebssystem soll in China eingeführt werden. Im September soll außerdem die Webseite „Shihui“ gelauncht werden, die eine Rabattsuche in lokalen Geschäften ermöglicht.

2. Warum wurde Googles Engagement in China kritisiert?
Neben der Zensur im Suchmaschinengeschäft wurde Google kritisiert, weil es in dem umstrittenen „Projekt goldener Schild“ mit der chinesischen Regierung zusammenarbeitete. Außerdem machte das Unternehmen im Februar 2006 weitere Zugeständnisse gegenüber der chinesischen Regierung, um technische Geräte auf dem chinesischen Festland aufbauen zu dürfen.

 
3. Welche weiteren Konzerne sind in China aktiv?
In China ließ die Regierung im Rahmen des „Projekts Goldener Schild“ das soziale Netzwerk Facebook sowie YouTube, Wikipedia und Twitter sperren. Nichtsdestotrotz versuchen einige Konzerne weiterhin, in den Markt einzutreten. Mit 505 Millionen Internetnutzern bei einer Marktdurchdringung von 37,7 Prozent stellt das Reich der Mitte weltweit die größte Online-Nation dar.

Microsoft: Der Softwareriese hat den zweitgrößten Markt der Welt für PCs (nach den USA) nicht unerschlossen gelassen. Insbesondere die Suchmaschine „Bing“, die sich der chinesischen Regulierung anpasst, soll Umsätze einfahren. Eine Kooperation mit dem chinesischen Suchmaschinen-Marktführer Baidu soll dies seit Juli 2011 unterstützen, indem Bing englische Suchanfragen bearbeitet und dann zurück an Baidu schickt.

Facebook: In Zusammenarbeit mit dem chinesischen Suchmaschinenmarktführer Baidu will das Unternehmen ein soziales Netzwerk für China aufbauen.

Apple: Apple produziert in China und hält dort derzeit vier Apple-Stores. In den nächsten Jahren sollen jedoch 25 weitere Stores eröffnet werden. Aufgrund eines blühenden Schwarzmarkts und wegen Patentstreits, insbesondere bezüglich des iPhones, gestaltet sich der Verkauf der Endprodukte jedoch als nicht so lukrativ wie beispielsweise in Europa.

Mehr dazu:

The Wall Street Journal: Google greift in China neu an (12.01.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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