10. Wikimedia Foundation, Inc.

Umsatz 2012: $ 0,042 Mrd. (€ 0,033 Mrd.)

Überblick

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Die unabhängige Non-Profit-Organisation Wikimedia mit Sitz in San Francisco (Kalifornien, USA) hat sich das Ziel gesetzt, das gesammelte Wissen der Menschheit im Internet frei zugänglich zu machen. Zur Sammlung, Erstellung und Verbreitung der Inhalte setzt sie Wikis ein, eine leicht bedienbare Computer-Software, die es Nutzern ermöglicht, Texte zu verfassen, zu ändern und mit anderen Seiten zu verlinken. Die Wikimedia Foundation stellt die nötige Infrastruktur und den Organisationsrahmen für das mehrsprachige Wikiprojekt zur Verfügung. Sie garantiert außerdem dafür, dass alle Inhalte jederzeit verfügbar sind und ausschließlich entgeltlos bereitgestellt werden. Das bekannteste Projekt der Stiftung ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Wikimedia Foundation Inc.
149 New Montgomery Street, 3rd Floor
San Francisco, CA 94105
USA
Tel.: +1-415-839-6885
Fax: +1-415-882-0495
Email: info(at)wikimedia.org
Homepage : www.wikipedia.org

Branche: Software, Online-Publikationen
Rechtsform:  Inc.
Geschäftsjahr:  1.7.-30.6.
Gründungsjahr:  2003

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $): 2008-2012

2012**

2011

2010

2009

2008

Budget*

42,1

27,2

20,4

10,6

7,3

Geldmittel

k.A.

12,026

7,177

6,243

2,999

Außenstände

k.A.

0,695

0,353

0,072

0,027

Investitionen

k.A.

5,849

5,540

k.A.

0,038

Betriebskapital

k.A.

20,784

14,231

7,802

4,169

Computer, Equipment & Software (akkumulierte Abschreibungen)

k.A.

3,402

1,194

0,800

0,521

Andere Aktiva

k.A.

1,978

0,661

0,186

0,085

Summe der Aktiva

k.A.

26,166

15,425

8,602

5,664

* Das Budget wird jeweils dem Zweijahresplan der Wikimedia Foundation entnommen und nach Bekanntgabe des Finanzberichts auf den realen Wert aktualisiert. Alle anderen Daten stammen direkt aus den jährlichen Finanzberichten. Für Details siehe den Annual Plan der Wikimedia Foundation für 2012-2013

** Für das Jahr 2012 liegt bisher nur ein Halbjahresbericht (PDF) vor.

Geschäftsführung

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Vorstand*:

  • Kat Walsh, Vorstandsvorsitzende (bis Juli 2013)
  • Jan-Bart de Vreede, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender (bis Dezember 2013)
  • Jimmy Wales, Vorstandsmitglied und Gründer (bis Dezember 2013)
  • Stu West, Vorstandsmitglied (bis Dezember 2013)
  • Bishakha Datta, Vorstandsmitglied (bis Dezember 2014)
  • Samuel Klein, Vorstandsmitglied (bis Juli 2013)
  • Ting Chen, Vorstandsmitglied (bis Juli 2013)
  • Patricio Lorente, Vorstandsmitglied (bis Juli 2014)
  • Alice Wiegand, Vorstandsmitglied (bis Juli 2014)

 

* Der Wikimedia-Vorstand wird in Wahlen mit unterschiedlichen Schlüsseln durch Wikimedia-Community und Vorstand besetzt. Daraus resultieren u.a. die unterschiedlichen Legislaturperioden der Vorstandsmitglieder.

Geschichte

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wiki wiki ist das hawaiianische Wort für schnell. Das von 1994 bis 1995 von Ward Cunningham entwickelte WikiWikiWeb gilt als erstes Wiki weltweit. Die Inspiration für dieses Ur-Wiki war die HyperCard aus dem Hause Apple: ein Hypermediasystem, das es Usern noch vor Entstehen des WWW ermöglichte, Informationen zu speichern, die zugleich geändert werden konnten.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden Wikis in technikaffinen Unternehmen zunehmend als Software für die Projektkoordination und -kommunikation, für Intranets und zur Dokumentation von Abläufen genutzt.

Seit März 2007 steht das Wort wiki im Oxford English Online-Wörterbuch. Ein Wiki bezeichnet demnach eine Software, die es Usern erlaubt, Webseiten browser-basiert und in Echtzeit zu erstellen, zu bearbeiten und zu verlinken. Wikis werden deshalb oft für Gemeinschaftsprojekte genutzt. Ward Cunningham beschrieb ein Wiki als "the simplest online database that could possibly work".

Das heute wohl bekannteste Wiki ist die Wikipedia. 1993 wurde erstmals die Idee diskutiert, das Internet für den Aufbau einer freien Enzyklopädie zu nutzen, doch dauerte es eine ganze Weile, um über das Planungsstadium hinaus zu kommen. Erst im Jahr 2000 startete Jimmy Wales sein Online-Enzyklopädie-Projekt. Zusammen mit dem Philosophiedozenten Larry Sanger gründete er die „Nupedia“. Für dieses Lexikon mussten sich Redakteure einzeln bewerben, jeder Text wurde durch Peer-Review geprüft. 2001 wurden Wales und Sanger auf das Wiki-Prinzip aufmerksam und integrierten das erste Wiki in ihr System. 

Ab dem 15.01.2001 war dieses Wiki dann unter der eigenständigen Domain wikipedia.com erreichbar - dieser Tag gilt als Geburtstag des weltweiten Erfolgslexikons. Den Namen Wikimedia erfand übrigens Sheldon Rampton, US-Autor und Betreiber von SourceWatch (vormals Disinfopedia).

Auch die Wikipedia arbeitete zu Beginn noch mit dem Peer-Review-Verfahren, doch aufgrund des rasanten Wachstums konnte dieser Aufwand rasch nicht mehr gestemmt werden. Bereits im März 2001 wurde Wikipedia auch in anderen Sprachen, darunter auf Deutsch und Französisch, angeboten. Ende des Jahres 2001 existierten Wikipedia-Artikel bereits in 18 Sprachen.

Einen ersten Rückschlag musste das Netzwerk 2002 mit dem Ausscheiden Sangers verkraften. Zahlreiche spanische Autoren wandten sich von Wikipedia ab und gründeten die Enciclopedia Libre. Ursache dieser Entwicklung waren Gerüchte, dass Wikipedia Werbevermarktung plane und die englischsprachige Projektkoordination zu großen Einfluss ausüben würde. Jimmy Wales beeilte sich zu erklären, dass Wikipedia werbefrei bleiben solle und änderte die Domain in wikipedia.org, um den nicht-kommerziellen Charakter der Organisation zu unterstreichen. Ein Jahr später, am 20.06.2003, gründete Wales die Wikimedia Foundation und übereignete ihr die Server und Namensrechte.

Heute sind Artikel der Wikipedia in über 270 Sprachen verfügbar (Stand: April 2013), darunter auch in Dialekten wie Kölsch. Die magische Grenze von 20 Millionen Artikeln ist längst überschritten (25.10.2011). Seit 2007 hält die Online-Enzyklopädie ihren Platz auf den Top-10-Listen der weltweit meistbesuchten Webseiten - aktuell auf Platz 6.

Wikipedia-Autoren behalten die Rechte an ihren Einträgen, müssen diese aber unter einer freien Lizenz herausbringen: Bis Mitte 2009 wurde zumeist die GNU-Lizenz verwendet, seither hat sich die Community aber der Creative Commons BY-SA-3.0-Lizenz, kurz Creative Commons, verschrieben. Diese Lizenz erlaubt es jeder anderen Person, den Beitrag unter derselben Lizenz fortzuschreiben.
Dieses Prinzip der freien Inhalte (contents) soll gewährleisten, dass das gemeinsam erschaffene Werk für alle verfügbar bleibt. Dafür, dass auch ältere Versionen von Einträgen nicht verloren gehen, sorgt ein Archivsystem, das auf den Seiten der jeweiligen Begriffe einsehbar ist.

Seit 2007 ist eines der wichtigsten Ziele der Wikimedia-Foundation die Qualitätssicherung. Verschiedene Initiativen der Wikimedianer wurden 2011 im ersten Strategieplan der Stiftung zusammengefasst und zu fünf Zielen verdichtet, die bis 2015 umgesetzt werden sollen: 1) Infrastruktur stabilisieren, 2) Partizipation erhöhen, 3) Qualität verbessern, 4) Reichweite vergrößern und 5) Innovation fördern. Mitte 2011 erschien zum Strategieplan ein Update (PDF), indem sich die Wikipedia stärker als "movement" charakterisiert.

Management und Förderer

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Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, wurde 1966 in Huntsville, Alabama, geboren und hat Abschlüsse von der Auburn University und der University of Alabama. Er arbeitete als Leiter der Forschungsabteilung bei der Wertpapierhandelsfirma Chicago Options Associates und startete Mitte der 90er Jahre Bomis, ein Suchportal für popkulturelle Themen. Für das Portal nutzte er als einer der Ersten die freie Software des Open Directory Projects. 1999 entwickelte Wales die Vision einer kostenfrei zugänglichen, internationalen Enzyklopädie und gründete Nupedia. Als Chefredakteur heuerte er den Philosophen Larry Sanger an.

Nupedia scheiterte vor allem an der Kritik der Internet-Szene am hierarchisch aufgebauten Kathedralen-System. Die Bezeichnung Kathedralen-System geht auf Eric S. Raymond zurück, der damit ein Open-Source-Projekt charakterisierte, bei dem ein Chef überwacht, wie das Team nach seinem Bauplan stufenweise eine Pyramide aufbaut. Im Unterschied dazu beteiligten sich bei der Entwicklung nach dem Basar-Prinzip viele Menschen, die ihre Inputs gratis für alle zur Verfügung stellen. Dabei ist niemand mächtiger als ein Anderer; eine Person soll aber darauf achten, dass alles korrekt verläuft. Der Basar setzt sich aus vielen Teilen zusammen, auch wenn eines der Teile, einmal nicht vertreten ist, ist der Basar trotzdem vollständig.
Bei der Software-Entwicklung sind die Programmierer also wie Händler, die ihre Waren anbieten. Sie liefern einzelne Programmteile oder nehmen Verbesserungen vor, um sie in das Projekt zu integrieren. Wächter des Handels sind die Maintainer des Software-Projekts. Daraus folgt auch, dass die Software nie "fertig" sein kann: die IT-Industrie ist dewegen keine Fertigungsindustrie, sondern eine Dienstleistungsindustrie.

Erst als aus dem Mutterprojekt Nupedia die Tochter Wikipedia wird, die auf den Einzeloperationen unabhängiger Beteiligter nach dem demokratischen Basar-Prinzip basiert, beginnt der bis heute unvergleichliche Siegeszug der Internetenzyklopädie. Dabei war die Wikipedia nach zwei Jahren ursprünglich nur gegründet worden, um Inhalte für Nupedia zu generieren. Wales aber erkannte die Zeichen der Zeit rechtzeitig und besiegelte das Ende des Nupedia-Projekts.

Noch im gleichen Jahr, 2003, gründete Wales die Wikimedia Foundation, eine in San Francisco ansässige Non-Profit-Organisation. Sie soll die Wikipedia unterstützen, neue Projekte entwickeln und zur Popularisierung der Idee des freien Contents beitragen. Die Foundation zielt darauf ab, dem vielsprachigen Wiki-Projekt seine essentielle Infrastruktur und einen organisatorischen Rahmen zu geben sowie die Mission der freien Nutzung dauerhaft zu garantieren. Dazu koordiniert sie ein weltweites Netzwerk und knüpft Kooperationen mit internationalen Unternehmen und Projektleitern. Die Wikimedia Foundation ist Eigentümerin der Wikimedia Server, der Domain und der Markennamen aller Wikimedia-Projekte sowie der MediaWiki-Software.

Das Wikimedia Board of Trustees managt die Stiftung, überwacht und verwaltet das Ersuchen und die Vergabe von Spenden und fungiert damit als wichtigste Autorität der Wikimedia Foundation Inc. Die Kommunikation zwischen den unbezahlten Board-Mitgliedern und Kommissionsmitgliedern, den gering bezahlten Verwaltungsmitarbeitern, Entwicklern, Praktikanten und der Community erfolgt in der Regel online über Wikis, Mailinglisten und elektronische Chats (IRC). Die jährliche Konferenz Wikimania wurde vom Kernteam der Wikipedia etabliert, um Probleme zu besprechen und neue Ideen zu diskutieren.

Bisher finanziert sich die Stiftung fast ausschließlich durch Spenden, überwiegend sind dies kleine Einzelspenden von Privatpersonen. Weitere Unterstützung erhält Wikimedia in Form von Geld- und Sachzuwendungen anderer Stiftungen und Unternehmen. Zu den Förderern zählen unter anderem Google und Apple. Das internationale Wikimedia-Netzwerk macht sich bezahlt: Aus über 50 Ländern kommen die Finanzspritzen, vorwiegend aus den USA, England, Kanada und Australien.
Die bisher größte Einzelspende kam im Oktober 2011 von der Stanton Foundation und belief sich auf 3,6 Mio. US-Dollar (2,69 Mio. Euro).

Die Wikimedia Foundation nutzt das Geld, um Personal einzustellen, die Software-Qualität zu verbessern und neue Spenden-Initiativen anzustoßen. Jimmy Wales wird nicht müde zu betonen, dass Wikipedia nur mit Spenden werbefrei bleiben kann. Seit 2008 findet deshalb jährlich eine große Kampagne statt.

Doch auch Jimmy Wales geriet bereits in die Kritik: Im März 2008 behauptete der ehemalige Novell-Chefwissenschaftler und langjährige Geschäftspartner der Wikimedia Foundation, Jeffrey Merkey, dass er der Stiftung 5.000 US-Dollar überwiesen habe. Im Gegenzug habe Jimmy Wales Merkey's Wikipedia-Eintrag überarbeitet und ihn in ein besseres Licht gerückt. Wales und die Wikimedia-Sprecher bestreiten dies. Allerdings waren Wochen zuvor bereits Vorwürfe wegen Verschwendung erhoben worden. Ein ehemaliger Wikimedia-Angestellter hatte erklärt, Wales habe seinen Etat mit Ausgaben für teure Weine, Massagen und Abendessen derart belastet, dass ihm die Kreditkarte entzogen worden sei. Als Konsequenz dieser Skandale war Wales zwischendurch gezwungen, den Vorstand zu verlassen - 2012 wurde er aber erneut vom damaligen Vorstand vorgeschlagen und von der Community wiedergewählt. Letztlich bleibt es auch 2010 sein Gesicht, dass die internationale Öffentlichkeit mit dem Wikipedia-Projekt verbindet.

Im Mai 2010 sorgte Wikimedia-Chef Jimmy Wales für einen "Porno-Skandal", indem er Bilder mit pornografischen Inhalten aus der Sammlung Wikimedia Commons herauslöschte. Vorausgegangen war dieser Maßnahme ein Streit mit dem Mitgründer Larry Sanger, der die Nachricht gestreut hatte, er habe die Wikimedia Foundation bei US-amerikanischen Behörden wegen der Verbreitung eindeutiger Inhalte angezeigt.  Der Nachrichtensender Fox News griff das Thema auf und behauptete, Wales werde nun alle seine Rechte als oberster Administrator für Wikipedia und andere Projekte der Foundation aufgeben. Dabei soll Wales gegenüber ZDNet versichert haben, er bleibe der oberste Schlichter bei größeren Konflikten und behalte auf jeden Fall das letzte Wort bei Regelfragen. Der Fall zeigte indes, wie kritisch die Lösch- und Editiertätigkeiten der Wikipedia-Administratoren mittlerweile generell beäugt werden. Bereits im Mai 2009 gab es Kritik, als Wikipedia Autoren der Organisation Scientology von der Plattform ausgeschlossen wurden.

Die Wikimedia Foundation hatte in den Jahren 2010 und 2011 jeweils ein Budget von 20.4 Mio. US-Dollar avisiert (2011 wurden es real dann 34.8 Mio. USD). Mehr als die Hälfte des Etats wird nach wie vor für den Betrieb der Server und für Internet-Bandbreiten aufgewandt. Infolge der sehr guten Spendeneinnahmesituation sieht der aktuelle Jahresplan für 2012 und 2013 ein jährliches Budget von 42.1 Mio. US-Dollar vor. Der Stiftung gelingt es immer besser, die zunehmende Nutzung auch mit einem Anwachsen der Spenden zu verbinden. Gleichzeitig sucht die Stiftung nach wie vor nach alternativen Finanzierungskonzepten, beispielsweise Stipendien. Seit längerem verkauft man zum Beispiel WikiReaders (PDF-Versionen von Artikeln der Wikipedia). Projekte wie "Wikipedia 1.0", in welchem ein Großteil der Wikipedia regelmäßig auf CD-Rom oder gedruckt zusammengefasst und verkauft werden soll, laufen ebenfalls, allerdings bisher ohne präsentable Ergebnisse (Stand: April 2013).

2005 wurde Jimmy Wales zum Fellow des Harvard Law School's Berkman Centers for Internet and Society ernannt. Im Oktober 2005 wurde er Aufsichtsratmitglied von Socialtext, einem Provider zur Anwendung der Wiki-Technologie in Geschäftskontexten.

Jimmy Wales und Angela Beesley gründeten 2004 zusätzlich zur Wikimedia Foundation das Unternehmen Wikia Inc., dessen Geschäftsidee es ist, das Wikipedia-Modell auf andere Projekte zu übertragen. Ziel ist es, viele weitere Wikis zu schaffen, die spezialisierten Content wie Fanguides, Reiseinformationen oder auch die Uncyclopedia (eine von vielen Wikipedia-Parodien) anbieten. Anders als die spendenfinanzierte Wikipedia, finanziert sich Wikia über Investoren und Werbung. Gleichwohl sind die Wikia-Seiten der Wikipedia sehr ähnlich. Auch hier werden freie Inhalte, an denen jeder mitarbeiten kann, angeboten und Wikipedia-Autoren schreiben häufig auch bei Wikia. Seit einigen Jahren scheint Wikia Inc. sehr gut zu laufen und die Zahl der Unternehmen und Organisationen, die die Software nutzen wächst stetig und zunehmend erscheinen auch prominente Namen auf der Referenzliste der Ausgründung.

Ende März 2013 gab die langjährige Wikimedia-Chefin Sue Gardner bekannt, dass sie sich bis September 2013 aus der Stiftung zurückziehen wird. Sie wolle sich auch weiterhin für ein offenes und freies Internet engagieren - dies möglicherweise aber mit einer eigenen Organisation oder mithilfe eines Buchprojekts. Gardner ist maßgeblich für  viele Erfolge der Wikimedia weltweit verantwortlich. Unter ihrer Führung (seit 2007) zog die Wikimedia Foundation nach San Francisco, professionalisierte sich maßgeblich und startete viele der erfolgreichsten Projekte der Gruppe. Darüber hinaus schärfte die Stiftung mit Gardner an ihrer Spitze auch ihr politisches Profil. Mehr zu ihrem Rücktritt und der Suche nach Nachfolgern: hier

Geschäftsfelder/Produkte

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In allen Wikimedia-Projekten erstellen Autoren die Inhalte gemeinschaftlich. In der Regel sind alle Inhalte frei verfügbar, da die Texte und Medien unter der Creative Commons-Lizenz publiziert sind. Als technische Plattform fungiert die Software MediaWiki.

Zu den wichtigsten Projekten zählen neben der freien Enzyklopädie Wikipedia das Wörterbuch Wiktionary; Wikibooks, ein Projekt zur Entwicklung freier Lernmaterialien, sowie die Zitatsammlung Wikiquote. Weitere Projekte sind Wikisource für freie Texte, das Artenverzeichnis Wikispecies, Wikimedia Commons für Bilder und Multimedia-Daten; Wikinews, eine freie Nachrichtenquelle; Wikiversity, eine Plattform zur gemeinschaftlichen Bearbeitung wissenschaftlicher Projekte; Wikidata, ein Informationsspeicher für die Wikipedia und WikiVoyage, ein Online-Reiseführer.

Zum Betrieb der verschiedenen Projekte unterhält die Wikimedia Foundation eine umfangreiche technische Infrastruktur. Kernstücke sind drei Rechenzentren in den US-Bundesstaaten Virginia und Florida sowie in den Niederlanden: insgesamt circa 885 Server gewährleisten den Betrieb (Stand: April 2013). Der Umzug aller Wikimedia-Projekte auf die Server in Ashburn (Virginia) wurde im Januar 2013 endlich vollzogen. Daneben gibt es einen weiteren kleinen Standort in Paris.

Aktuell erreichen alle Projekte der Wikimedia zusammen jeden Monat 500 Mio. Unique User weltweit (Stand: April 2013).

Die Wikimedia-Familie
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Wikipedia ist ein Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, freie Enzyklopädien in allen Sprachen der Welt aufzubauen, sodass jede Person mit einem Internetzugang nicht nur vom kostenfreien Zugriff auf Wissen profitieren, sondern auch an dessen Aufbau mitwirken kann.
Das Projekt wurde im Januar 2001 in einer einzigen Sprache, Englisch, initiiert. Im Oktober 2012 waren in der Online-Enzyklopädie nach eigenen Angaben weltweit circa 23,7 Mio. Artikel online. Aktuell ist Wikipedia als Lexikon in rund 270 Sprachversionen vertreten (Stand: Dezember 2012).

Die größte Version von Wikipedia ist die englische Version mit ungefähr 4 Mio. Artikeln, gefolgt von der deutschen (1,5 Mio. Artikel) und der französischen Version (1,3 Mio. Artikel) (Stand: Dezember 2012).

Wikipedia ist außerdem bekannt für seine große Leser-Community. Die Autoren-Community ist im Verhältnis dazu sehr klein. Nur ein Bruchteil aller User befasst sich mit dem Verfassen von Artikeln. Seit Beginn des Projekts haben mehr als 100,000 registrierte Benutzer mindestens zehn Beiträge editiert. Die Gesamtzahl der Accounts der englischen Wikipedia allein überschreitet 18 Millionen (Stand: Dezember 2012). Die meisten Einträge der englischen Version stammen von den tausend engagiertesten Nutzern.

Diese Einschätzungen decken sich auch mit den Erkenntnissen der Editor Trends Study, die 2011 von Diederik van Liere und Howie Fung für (die englische, deutsche, russische, französische und japanische) Wikipedia durchgeführt wurde. Demnach wächst die Zahl der Leser kontinuierlich (weltweit ca. 400 Mio. Leser monatlich; 9,9 Mio. Suchen auf Wikipedia weltweit pro Tag), während immer weniger Autoren zur Wikipedia beitragen. Bis zum Jahr 2005 waren 40 Prozent der Autorenneulinge auch ein Jahr nach ihrer ersten Bearbeitung noch aktiv. Zwischen 2005 und 2007 fiel dieser Wert dramatisch auf 12-15 Prozent. Für den Nachwuchs, den Wikipedia dringend braucht, wird es also immer schwieriger Teil der Community zu werden. Auf einen möglichen Weg aus diesem Teufelskreislauf weisen die Forscher hin: Trotz der Professionalisierung und Qualitätssteigerung sollte der Spaßfaktor beim Schreiben und Editieren der Onlineenzyklopädie nicht zu kurz kommen, damit auch Anfänger dabei bleiben.

2004 gewann Wikipedia den „Webby Award“ in der Kategorie „Community“ und die „Golden Nica“ der „Prix Ars Electronica“ in der Kategorie „Digital Communities“.
Einige Wikipedia-Versionen veröffentlichen unregelmäßige Momentaufnahmen. Bis zum Jahr 2007 wurde die deutsche Wikipedia zweimal im Jahr in Kooperation mit Directmedia Publishing als DVD veröffentlicht, ebenso erschien die polnische Sprachversion. Die Wikipedia-Version von 2007/2008 steht mittlerweile einfach kostenfrei zum Download bereit.

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Wiktionary ist ein Projekt zur Erschaffung inhaltsbasierter Wörterbücher und Synonymwörterbücher in jeder Sprache. Das Projekt begann im Dezember 2002 und ist gegenwärtig in mehr als 170 Sprachen und Dialekten mit insgesamt über 10 Mio. Einträgen erhältlich (Stand: Dezember 2012). Die größte Version ist die englischsprachige (2,9 Mio. Artikel), dicht gefolgt von den französischen (mehr als 2,1 Mio. Einträge) sowie den chinesischen und malagasischen Versionen, die jeweils mehr als 1 Mio. Einträge aufweisen (Stand: Dezember 2012). Insgesamt haben bereits 26 Sprachen jeweils über 100,000 Einträge im Wörterbuch, weitere 35 Sprachen haben bereits mehr als 10,000 Worte mit Erläuterungen aufgebaut. Wiktionary kooperiert mit Wikimedia Commons: Viele Sounddateien werden dort hochgeladen, um das Wiktionary und andere Projekte mit Beispielen für die entsprechenden Aussprachen anzureichern.

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Wikiquote ist ein virtueller Aufbewahrungsort für Zitate von berühmten Personen, Büchern, Reden, Filmen oder sonstigen intellektuell interessanten Materialien. Auch Sprichwörter, Merksätze und Parolen sind in Wikiquote enthalten. Das Projekt begann im Juli 2003, 2004 erschien es auch in deutscher Sprache. Ende 2012 existierten nach eigenen Angaben circa 100,000 Einträge in rund 60 Sprachen. Die größte Wikiquote-Version ist die englische mit mehr als 20,000 Seiten. Die polnischen und italienischen Versionen verfügen jeweils über ungefähr 15,000 Artikel, das deutsche Zitatforum hat über 7,000 Einträge (Stand: Dezember 2012).

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Wikibooks hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Sammlung kostenloser E-Books anzulegen. Darunter fallen u.a. Textbücher, Fremdsprachenkurse, Anleitungen und kommentierte, lizenzfreie Bücher. Ziel ist es, das Selbststudium von Studenten und Lehrpersonal in Oberschulen und Universitäten zu unterstützen. Die größte Version von Wikibooks ist die englischsprachige, die mehr als 50,000 E-Books umfasst. Das Projekt begann im Juli 2003 und hat gegenwärtig mehr als 140,000 Module in rund 50 Sprachen (Stand: Dezember 2012). Wiederum gehört das deutsche Wikibooks zu den größten Versionen des Projekts (mehr als 25,000 Seiten).

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Wikisource ist ein mehrsprachiges Projekt, das im November 2003 mit dem Ziel gegründet wurde, Texte von besonderem Wert zu archivieren, die als Sammlung kostenlos verbreitet werden können (Open Content). Es handelt sich dabei um klassische Literatur, Gesetzestexte und andere zitierfähige Werke. Diese werden als Hypertext archiviert und dienen als Basis für Übersetzungen. Wikisource umfasst mehr als 1 Mio. Quelltexte (Anfang 2011: 550,000). Die größte Wikisource-Version ist die englischsprachige mit mehr als 358,000 Werken, die russische Sammlung umfasst nunmehr circa 196,000 Werke und an dritter Stelle steht das portugiesische Projekt mit mehr als 87,000 Texten (Stand: Dezember 2012).

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Wikispecies ist ein offenes, wiki-basiertes Artenverzeichnis für Tiere, Pflanzen, Bakterien, Einzeller und andere Lebensformen. Wikispecies orientiert sich insbesondere an den Bedürfnissen wissenschaftlicher Nutzer und hat gegenwärtig mehr als 348,000 Einträge (Stand: Dezember 2012). Es gab zwischenzeitlich Pläne einer Kooperation zwischen Wikispecies und dem „Encyclopedia of Life“-Projekt, die verwirklicht werden sollten, sobald sich letzteres etabliert hat. Zu dieser Idee gibt es aber seit Längerem keine Updates. Bereits seit geraumer Zeit arbeitet Wikispecies aber mit anderen naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften (z.B. ZooKeys, PhytoKeys) zusammen, die passende Inhalte zur Verfügung stellen und auch über das Commons-Schwesterprojekt zugänglich sind.

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Das Wikinews-Projekt wurde im Dezember 2004 aus der Taufe gehoben. Die Mission von Wikinews ist die Zusammenfassung von Nachrichten in Bezug auf verschiedene Sachthemen. Wikinews gibt es in 29 verschiedenen Sprachen und hat bisher über 150,000 Nachrichten-Artikel veröffentlicht (Stand: Dezember 2012). Eigenen Angaben zufolge hatte das englischsprachige Wikinews 2006 zwischenzeitlich rund 30,000 RSS-Abonnenten, aktuell lesen noch circa 4,000 Menschen den RSS-Feed (Stand: Dezember 2012). Mitwirkende aus aller Welt schreiben gemeinsam Nachrichtenartikel. Die Berichte reichen von Originalberichten bis zu Zusammenfassungen von Nachrichten externer Quellen. Jeder Beitrag sollte mit einem neutralen Blickwinkel verfasst worden sein, ansonsten drohen Sanktionen aus der Wikinews-Community. Wikinews verfolgt zwei Ziele: (1) die Schaffung einer kostenlosen Alternative zu kommerziell operierenden Nachrichtenseiten und (2) die Sicherstellung, dass alle Artikel auf die Tatsachen hin überprüft werden. Angesichts der stagnierenden Userzahlen und mit aktuell nur 129 aktiven Usern scheint zumindest das erste Ziel aber spätestens seit Twitter, Facebook & Co. zunehmend obsolet geworden zu sein.

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Wikiversity ist ein Projekt, das sich Lehrmaterialien und Lerncommunities für alle Lehrstufen annimmt. Es wurde als Wikimedia-Projekt am 15. August 2003 (damals noch in der Beta-Phase) gestartet und zunächst sechs Monate getestet. Nach wie vor wird daran gearbeitet, die Leitlinien des Anwendungsbereiches zu bestimmen. Wikiversity ist aufgebaut wie eine richtige Universität und in verschiedene Fachbereiche bzw. Fakultäten unterteilt, in denen Kurse und Projekte stattfinden. Es gibt sogar eine Cafeteria (Fragen-Forum) und eine Termin-Funktion, um sich zur virtuellen "Sitzung" zu verabreden. Auch Schüler und Lehrer haben einen Schule-Bereich auf dem Online-Campus. Die Wikiversity hat 14 Sprachversionen, wobei die englische Online-Uni mehr als 19,000 Kurse anbietet (Stand: Dezember 2012).

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Wikimedia Commons gibt es seit September 2004 als zentrales Archiv für frei zugängliche Videos, Bilder, Musik, gesprochene Texte und andere kostenlose Medien, die so auf leichtem Wege von allen Wikimedia-Projekten wiederverwendet werden können. Im April 2011 konnte Wikimedia Commons die magische 10-Millionen-Marke multimedialer Dateien knacken, aktuell sind fast 15 Mio. Mediendateien frei zugänglich und nutzbar (Stand: Dezember 2012). Nach eigenen Angaben wird auf die Mediensammlung monatlich mehr als 31 Mio. Mal zugegriffen. Zu den "Lieferanten" zählen mittlerweile auch viele öffentliche Institutionen, wie Bibliotheken, die z.B. ihre Bildarchive hier für die Öffentlichkeit verfügbar machen. Wikimedia Commons gewann im Mai 2005 eine Ehrenauszeichnung in der Kategorie “Digital Community” bei den “Prix Ars Electronica Awards”.

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Das Reiseportal WikiVoyage ist das neueste Projekt der Wikimedia-Familie. Im September 2012 wurde das Reiseportal offiziell in den Wiki-Kreis aufgenommen. Erste Initiativen zum Aufbau eines Reiseführers gab es schon seit 2006. WikiVoyage bietet Artikel zu Ländern, Regionen und Städten, die praktische Reiseinformationen und Informationen zu Sehenswürdigkeiten sowie Restaurant- und Hotelempfehlungen enthalten. Aktuell sind sieben Sprachversionen von WikiVoyage online. Die englische Seite hat bereits mehr als 26,000 Einträge, der deutsche Reiseführer umfasst mehr als 12,000 Artikel, an dritter Stelle folgt die niederländische Seite mit mehr als 3,000 Seiten (Stand: Dezember 2012).

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Mediawiki ist eine Wiki-Software, die unter einer „General Public“-Lizenz veröffentlicht wird, also von allen kostenlos benutzt werden kann. Mit dieser Software laufen sämtliche Wikimedia-Projekte sowie weitere Internetseiten. 2005 gewann Mediawiki beim Festival “Les Trophées du Libre“ den Preis in der Kategorie „spezial php prize“. Gegenwärtig wird MediaWiki von vielen Webseiten und Projekten auf der ganzen Welt genutzt (etwa ActivityScout.de, Gamemob.de oder FAQFarm.com benutzt) und wurde vom „SourceForge"-Software-Archiv bereits mehr als 1,5 Mio. Mal heruntergeladen (Stand: Dezember 2012).

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WikiData ist das jüngste und neueste Projekt der Wikimedia Foundation. Im März 2012 kündigte man den Aufbau eines Daten-Wikis an, im Oktober ging das Wiki bereits online. Im WikiData werden technische (Verlinkungen, bestehende Sprachversionen von Artikeln) und statistische Informationen gesammelt und strukturiert. Es bildet einen Wissensspeicher, der es erleichtern soll, Daten in Wikipedia-Artikeln über die verschiedenen Sprachversionen hinweg korrekt und aktuell zu halten. Durch die multilinguale Plattform sollen vor allem die aktiven AutorInnen bei der Erstellung und Redaktion von Artikeln entlastet werden.

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Wikimedia Meta-Wiki ist ein zentrales Wiki zur Koordination und Entwicklung aller Wikimedia-Projekte. Die Meta-Wiki-Seite umfasst Projektanträge, Projektdiskussionen, Taktiken, Entwicklungsfragen und die Verwaltung aller Wikis von Wikimedia.

Ein Projekt, das die Wikimedia Foundation mittlerweile zu den (content-liefernden) Hauptprojekten zählt, das aber vor allem im Hintergrund große Bedeutung hat, ist der Wikimedia Incubator. Dieses Wiki dient als Testumgebung für neue Projekte sowie auch für neue Sprachversionen für die großen, bestehenden Projekte.

Wikipedia und die Zensur

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Gemäß des für alle Projekte gültigen Wikimedia-Systems zensiert sich Wikipedia selbst. Seine Nutzer observieren einander und ihre Artikel gegenseitig. Nur in China läuft das anders. Wikipedias chinesische Version entstand 2001. Sie umfasst heute rund 835,000 Einträge (Stand: Dezember 2012). Zunächst sind vor allem wissenschaftliche und geschichtliche Themen aufgegriffen worden, woraufhin noch Anfang 2004 Chinas staatliche Zeitungen lobend über die US-stämmige Suchmaschine schrieben. Die erste Blockade erfuhr Wikipedia jedoch noch im gleichen Jahr. Seit Oktober 2005 ist Wikipedia wegen kritischer Inhalte in China gesperrt, wobei im April 2008 und während der Olympiade die englische Wikipedia auf internationalen Druck hin partiell geöffnet wurde (s. Aktuelle Entwicklung).
Während Wikipedia in China nur eingeschränkt nutzbar ist, wächst im Reich der Mitte bedeutsame Konkurrenz heran. Baidu, Chinas größte Suchmaschine, baut eine zensierte Online-Enzyklopädie auf, die analog zu Wikipedia funktioniert. Auf den Seiten von Baidu sind Beiträge verboten, die regierungskritisch sind oder „Minderheiten-Meinungen“ enthalten. Baidu verhindert das Abfragen von Wörtern im Zusammenhang mit der in China verbotenen Falun Gong-Bewegung, der Ein-Kind-Politik, der Herrschaft der Kommunistischen Partei und von Begriffen wie "Dalai Lama". Weder auf Chinesisch, noch auf Englisch oder Deutsch erhält man Informationen zu derartigen Themen. Das Internetunternehmen Baidu nutzt die Sperre, um sich in China als Nummer Eins im Bereich offener Enzyklopädien zu etablieren. In einem Interview mit der "Financial Times" tat Baidu-Chef Robin Li so, als wisse er nicht, dass Wikipedia in China gesperrt sei und gab zu, dass "Baidupedia" die Idee der Wikipedia kopiere.
Schätzungen zufolge gibt es in der Volksrepublik rund 563 Millionen Internetnutzer (Stand: Januar 2013). Um sich auf diesem Markt zu etablieren, machen manche Internet-Unternehmen Zugeständnisse an die Zensurbestimmungen der Regierung. Kritiker werfen etwa der Yahoo-Spitze vor, sie hätte mit der Bereitstellung von Verbindungsdaten Pekinger Behördenmitgliedern dabei geholfen, einen Journalisten und einen Internet-Dissidenten zu fassen, die später zu Gefängnisstrafen verurteilt worden seien.
Die Technologie von Cisco soll, Presseberichten zufolge, in China dazu eingesetzt werden, Online-Inhalte zu zensieren und Cyber-Dissidenten zu jagen. Google und Microsoft mussten zugeben, mit chinesischen Behörden zusammenzuarbeiten, was die Zensur von Websites betrifft.

Anfang des Jahres 2013 kam es verstärkt zu staatlichen Bestrebungen, die Wikipedia zu zensieren: In Frankreich forderte der französische Inlandsgeheimdienst DCRI die französische Wikimedia Dependance dazu auf, einen Artikel über eine französische Militäranlage zu löschen. Die französische Organisation weigerte sich, der Artikel ging aber zeitweise offline, weil ein ehrenamtlicher Wikimedia-Mitarbeiter vom Geheimdienst mit einer Haftstrafe bedroht wurde und den Artikel daraufhin löschte. Da der Vorgang verschiedenen anderen Wikipedia-Admins auffiel, wurde der Artikel umgehend wiederhergestellt und darüber hinaus vervielfacht und in andere Sprachen übersetzt, womit der DCRI das Gegenteil erreichte (mehr dazu: hier).

Ebenfalls in der Kritik stand die russische Regierung, die zehn Wikipedia-Artikel zum Themenkreis Drogenmissbrauch, konkret zu Cannabis, Anfang April 2013 sperren ließ (die Regierungsbehörde Roskomnazdor ist für die Sperrung von Webseiten zuständig). Ebenso wie in Frankreich löste Russland damit einen nicht nur nationalen Solidaritäts- und Editionsschub aus. Die betroffenen Artikel sind in der ru-Version der Wikipedia aber weiter blockiert. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales äußerte sich betont kritisch und deutlich zu der Aktion (mehr dazu: hier). 

Engagement in Deutschland

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Am 13. Juni 2004 wurde mit dem Verein „Wikimedia Deutschland - Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V.“ in Berlin die erste nationale Sektion von Wikimedia gegründet. Im Oktober desselben Jahres folgte die französische Organisation „Wikimédia France“.
Der deutsche Verein wurde an der Technischen Universität in Berlin angesiedelt. Satzungsgemäßer Zweck des Vereins ist es, die Erstellung, Sammlung und Verbreitung von freien Inhalten (open content) zu fördern, um die Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen und Bildung im allgemeinen zu fördern. Wikimedia Deutschland unterstützt gemäß seiner Satzung verschiedene Projekte.

Im November 2012 löste Ralf Liebau Sebastian Moleski als Vorsitzenden wachsenden Non-Profit-Organisation ab. Stellvertretende Vorsitzende des Vereins Anja Ebersbach und Delphine Ménarde, Steffen Prößdorf ist Schatzmeister. Zudem besteht der Vorstand noch aus aktuell fünf Beisitzern. Markus Glaser vertritt die deutsche Wikimedia seit neuestem im Rat der Wikimedia Chapters Association (WCA). Die Organisation beschäftigt in Berlin rund 52 Mitarbeiter (2012: 47, 2011: 25) für die Öffentlichkeitsarbeit, technische Entwicklung, das Fundraising sowie die Betreuung der Community und anderer Projekte des Vereins. Vorstand der deutschen Zweigstelle ist seit 2011 Pavel Richter, der zuvor seit August 2009 Geschäftsführer war (Stand: April 2013).

Nicht immer geht es in der Wikimedia-Community Deutschlands harmonisch zu: Nachdem große Debatten u.a. über das Löschen von Artikeln mittlerweile abgeklungen sind, musste sich der Vereinsvorstand im Januar 2011 einem Misstrauensvotum stellen, über das die TAZ ausführlich berichtete. Die Gründung einer Tochtergesellschaft zur Verwaltung der Spendeneinnahmen sowie die Ausgliederung des Vereinsvorstands in ein Präsidium aus hauptamtlichen Mitarbeitern kam bei vielen basisdemokratisch gesinnten Wikimedianern nicht gut an. 

Der Tätigkeitsbericht der deutschen Wikimedia liegt noch nicht vor (Stand: April 2013). Laut dem Tätigkeitsbericht 2011 (PDF) hatte der Verein 1238 Mitglieder (928 davon "aktiv"; Ende 2010: 640 Mitglieder) sowie 345 Fördermitglieder (Ende 2010: 105), Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ist Ehrenmitglied. Das Spendenaufkommen 2011 stieg im Vergleich zu 2010 deutlich: von rund 1 Mio. Euro auf 4,09 Mio. Euro. Damit konnte Wikimedia Deutschland das Spendenaufkommen noch einmal deutlich steigern. Der Bärenanteil der Spenden kam von Privatpersonen, Unternehmen trugen mit 200.813 Euro zu den Einnahmen bei. Nur ein recht kleiner Teil ergibt sich durch die Beiträge der Mitglieder: 54.442 Euro. Zu den Spenden und Mitgliederbeiträgen kamen 2011 (erstmalig 2010) auch Einnahmen aus Fördermitteln hinzu (11.286 Euro), u.a. für das Projekt RENDER, das die EU fördert und das sich mit der Diversität von Wissen auseinandersetzt. Ein weiteres Drittmittel-Projekt des Vereins ist TAO (= Third Age Online), das Wikimedia Deutschland mit der Initiative "Silberwissen" umsetzt, die ältere Menschen besser in die Wikipedia einbinden möchte.

Ausgegeben wird das Geld vor allem für die Community und deren Projekte (317.638 Euro) sowie für die nötige IT (122.996 Euro). Das Schulprojekt von Wikimedia zur Förderung der Medienkompetenz und der Wikimedia-Preis für herausragende Artikel in den Bereichen Geistes- bzw. Naturwissenschaften sowie die Zedler-Medaille und andere Aktivitäten im Bereich "Gesellschaft und Politik" schlagen ebenfalls zu Buche (u.a. 341.408 Euro-Budget plus 200.350 Euro für Autorenförderung). Im Ausgabenbereich "Forschung" sticht das RENDER-Projekt unangefochten hervor - mit Kosten von insgesamt ungefähr 109.869 Euro. Den Rest der Einnahmen reklamieren die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und International Outreach für sich. Überdies engagiert sich Wikimedia mit dem Projekt Nawaro für nachwachsende Rohstoffe (Stand: August 2012).

Mittlerweile verfügt Wikimedia Deutschland über ein weitreichendes Netzwerk in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Personen und Organisationen treten mit Vorschlägen zu wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Zusammenarbeit an den Verein heran. Zudem wurde die Vernetzung auf internationaler Ebene vorangebracht. Vertreter von Wikimedia Deutschland trafen sich mit denen anderer Wikimedia-Organisationen, um über die Förderung freien Wissens zu diskutieren. Im März 2011 war Berlin zum dritten Mal Gastgeber der Internationalen Wikimedia-Konferenz, an der Wikimedianer aus aller Welt teilnahmen.

Im August 2006 schloss sich der Verein der von namhaften deutschen und internationalen Forschungsorganisationen unterzeichneten „Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ (Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities) an, die die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Ergebnissen in Form freier Inhalte fordert. Der Unterzeichnung sind inzwischen mehrere andere Wikimedia-Organisationen gefolgt. Daran anknüpfend beteiligte sich Wikimedia Deutschland Anfang 2007 an der „Petition für den garantierten öffentlichen Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen“ (Petition for guaranteed public access to publicly-funded research results).

Die Wikipedia Academy wird von Wikimedia Deutschland mit Partnern aus der Wissenschaft organisiert, um die Wikipedia stärker im akademischen Feld zu etablieren. Ziele sind die Gewinnung und die sowohl inhaltliche wie strukturelle Einbindung fachkompetenter Autoren sowie die Anregung eines Dialogs unter Wissenschaftlern.

In den Jahren 2007 und 2008 gab es in Deutschland vereinzelt Versuche, werbefinanzierte Online-Enzylköpädien als Konkurrenz zur Wikipedia zu etablieren. Keines der Angebote hat sich jedoch durchsetzen können, sodass die deutschsprachige Wikipedia de facto ein Monopol für frei zugängliches Wissen im Netz besitzt. Im Dezember 2007 schlossen der Spiegel und Wikipedia sich für das Portal Spiegel Wissen zusammen. Bislang kostenpflichtige Inhalte von Spiegel Online wurden hier kostenfrei zur Verfügung gestellt und mit passenden Suchergebnissen von Wikipedia kombiniert. Mangels Rentabilität wurde das Projekt vom Spiegel 2009 eingestellt.

Am 15. April 2008 startete auf den Internetseiten des traditionsreichen Brockhaus-Verlages ebenfalls ein kostenfreies Lexikonportal. Auch dieses Portal sollte sich über Werbung finanzieren. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, wurden Brockhaus-Einträge mit multimedialen Inhalten angereichert. Zugleich sollten die Einträge tagesaktuell überarbeitet werden. Wegen hoher finanzieller Einbußen erschien die Brockhaus-Enzyklopädie in der 21. Auflage letztmalig auf Papier. Mittlerweile ist auch die Online-Version nicht mehr allgemein zugänglich.

Insbesondere durch Wikipedia sind klassische Volllexika wie der "Brockhaus" in den letzten Jahren nahezu vollständig vom Markt verschwunden. In wissenschaftlichen Kreisen übt man noch Zurückhaltung, wenn es darum geht, Wikipedia als sichere Informationsquelle zu akzeptieren. Durchschnittliche Nutzer, auch Schüler und Studenten, haben allerdings immer weniger Bedenken. Nicht zuletzt weil die beliebteste deutsche Suchmaschine, Google, Wikipedia-Einträge prominent in seinen Suchergebnissen platziert, ist der alltägliche Gebrauch der Wikipedia zur Normalität geworden. Erst im Juli 2012 veröffentlichte das Statistische Bundesamt Zahlen, nach denen 72 Prozent der Deutschen ab 10 Jahren die deutsche Wikipedia nutzen.

Eine 2007 angedachte Kooperation mit Bertelsmann für eine Wikipedia-Druckversion, welche die am häufigsten recherchierten Suchbegriffe des Online-Lexikons enthalten hätte, wurde schnell von der Community blockiert. Seither gibt es in diesem Bereich keine neuen Entwicklungen. 

Jimmy Wales und Angela Beesley, die zusammen 2004 Wikia gründeten, freuten sich Mitte Juli 2008 über die Akquisition des Wiki-Hosters "Gratis-Wiki.com", der im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich war. Gratis-Wiki betreute bis dato über 1.500 Wikis. Die Übernahme durch Wikia zielte auf eine verstärkte Positionierung Wikias im deutschen Markt ab.

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden stellte im März 2009 250.000 Fotos der Deutschen Fotothek für Wikimedia Deutschland zur Verfügung. Die Bilder werden von Wikimedia unter der Creative Commons BY-SA-Lizenz angeboten. Diese erfordert es, den Namen der Urheber zu nennen und das Werk unter den gleichen Bedingungen weiterzugeben. Um die Bilder dauerhaft findbar zu machen, will Wikimedia sie mit Metadaten verknüpfen, z. B. mit Informationen zum Fotografen, zu Ort und Zeitpunkt und zum Motiv. 2008 hatte bereits das Bundesarchiv eine Kooperation mit der deutschen Wikipedia realisiert, aus der 100.000 Bilder gewonnen wurden. Im April 2013 folgte diesem Vorbild nun auch das Bundesarchiv der Schweiz. 

Aktuelle Entwicklungen

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Um Vandalismus vorzubeugen und um die Qualität der Artikel zu verbessern, führte Wikimedia Deutschland 2011 Beta-Tests für Beiträge ein - sogenannte „gesichtete Artikel“. Dazu erteilte man zunächst 10.000 Personen, so genannten „Sichtern“,  eine Berechtigung zur Textkontrolle. Diese Sichter sollen in erster Linie dabei helfen, Vandalismus abzuwehren und langfristig höhere Qualität durch geprüfte Artikelversionen gewährleisten. Das Projekt befindet sich auch 2012 noch in der Beta-Phase, hat aber scheinbar an Akzeptanz gewonnen.

Für mehr Verlässlichkeit der Wikipedia soll das Projekt Citizendium sorgen. Erklärtes Ziel der Initiative ist es, die "verlässlichste" Enzyklopädie der Welt aufzubauen. Im Zuge des Projekts überarbeiten Wikipedia-AutorInnen und Experten Artikel unter Verwendung ihres realen Namens. Bevor sie ein Lexikon-Konto auf der Plattform erhalten, müssen sie zunächst das Citizendium Statement of Fundamental Policies und die Bestimmungen zum Datenschutz lesen und diesen zustimmen. Außerdem werden ein Fragebogen und eine Vita verlangt. Beide Beweismaterialien dienen als Tauglichkeitstest dafür, ob an diesem Projekt mitgeschrieben werden darf. 

Bereits seit 2008 arbeitet Wikimedia daran, alle verfügbaren Informationen zu den einzelnen Genen des Menschen zu sammeln und zu veröffentlichen. Wie die übrigen Wikipedia-Projekte soll auch das Gen-Wiki, im Unterschied zu einschlägigen Genom-Datenbanken, frei zugänglich sein. Jeder angemeldete Benutzer soll Informationen hinzufügen oder verändern können. Ziel ist und bleibt ein ständig aktualisiertes Gen-Lexikon, das als verlässliche Datenquelle nutzbar ist. Damit macht die Organisation Google Konkurrenz, das ebenfalls in den Aufbau einer Gen-Datenbank investiert.

2008 ging eine von Google betriebene Wissensdatenbank, genannt Knol, online, die sich mittelfristig als Alternative zur Online-Enzyklopädie Wikipedia etablieren sollte. Knol, eine Kurzform für das englische Wort knowledge (dt. Wissen) hatte das Ziel, qualitativ hochwertigere Artikel zu veröffentlichen. Das Neuartige daran war, dass alle Beiträge mit Namen und (optional) einem Bild des Verfassers gekennzeichnet sein mussten und von anderen Usern nicht ohne Weiteres verändert werden konnten. Google hatte auch erklärt, dass die Autoren die Rechte an ihren Artikeln erhalten und an den Werbeeinahmen aus Anzeigenschaltung beteiligt werden sollten. Doch das Knol-Projekt blieb, gemessen an der Artikelzahl, weit hinter Wikipedia zurück und scheiterte noch innerhalb der ersten drei Jahre. 2009 knackte Google Knol die Grenze von 100.000 Artikeln. Seit dem 01.05.2012 ist Knol offline und alle bestehenden Inhalt gingen an Annotum über, ein ebenfalls akademisches open-content, open-source, open-process Wissensportal (Stand: Dezember 2012). Zur neuen Konkurrenz zur Wikipedia möchte die US Digital Library werden: Sie launcht das neue Portal dp.la Mitte April 2013 und startet mit mehr als zwei Mio. Objekten. 

Ein anderes Projekt des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales war zeitweise die kollektive, „soziale“ Suchmaschine Wikia Search. Wales hatte an großen Anbietern kritisiert, dass Nutzer auf den Mainstream-Seiten vor allem zu Webseiten von Werbetreibenden gelenkt würden. Mit Wikia Search sollte nicht mehr der Zufall eines Suchalgorithmus oder eine solche kommerzielle Fremdeinwirkung die Reihenfolge von Suchergebnissen bestimmen, sondern die Usergemeinde. Doch auch in diesem Segment gab es bereits Konkurrenz, etwa ChaCha.com und Naver.com. Bei beiden Suchmaschinen gibt man einen Suchbegriff ein und wird von Guides gefragt, was genau man gemeint hat. So soll dem Nutzer eine kleine, aber treffendere Auswahl an Ergebnissen in Form von Links geliefert oder ihm seine Frage sogar selbst beantwortet werden. Ende April 2009 gab Wales dann auch bekannt, dass das Projekt aufgrund schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gescheitert sei. Er bedauere diese Notbremse, weil er mit ganzem Herzen an dem Projekt gehangen habe. Im Falle einer verbesserten Finanzsituation wolle er den Faden neu aufnehmen. Statt Wikia Search fördert Wales nun seit 2010 das ähnliche hunch.com, das sich die Flickr-Erfinderin Fake ausgedacht hat. Auch bei diesem Projekt ist aber unsicher, ob es gegen Google, Yahoo oder Facebook bestehen kann. Hierzulande hat man von hunch.com bis heute noch nicht viel vernommen.

Die Wikimedia Foundation schloss im April 2009 eine Content-Partnerschaft mit dem Mobilfunkanbieter Orange, einer France Telecom-Marke. Im Rahmen der Kooperation darf Orange Wikipedia-Inhalte für seine Mobil- und Web-Portale nutzen. Gemeinsam sollen auch neue Dienste rund um Wikipedia-Inhalte entstehen. Wikipedia-Kanäle starteten zunächst in Polen, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Seit Ende 2012 können Orange-Kunden in Afrika und dem nahen Osten kostenfrei, also ohne Roaming-Gebühren, auf Wikipedia zugreifen. Über finanzielle Vereinbarungen wurde nichts bekannt. Sue Gardner erklärte, sie wolle mit den Einnahmen Programme und Aktivitäten bezahlen, außerdem werde Wikipedia werbefrei bleiben. Und dann traf sie noch eine Aussage, die Wikipedia-Autoren wohl ungern gehört haben: die freie Lizenz der Wikimedia-Projekte und -Artikel schließe deren kommerzielle Nutzung durch Dritte nicht aus. Erstaunlicherweise regte sich dagegen wenig Widerstand aus den Reihen der Community. In einer Abstimmung im Mai 2009 sprachen sich die Wikipedianer mehrheitlich dafür aus, die Inhalte der Wikipedia zukünftig doppelt zu lizenzieren:

Außer unter der früher verwendeten GNU Free Documentation License (GFDL) stehen die Artikel und sonstigen Medien seither unter der Creative-Commons-Lizenz "Attribution, Share Alike" (Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, CC-BY-SA). Über 17.000 Wikipedia-Autoren beteiligten sich an der Abstimmung, von diesen sprachen sich 75,8 Prozent für die Lizenzänderung aus. Die CC-Lizenz hat kurze und klare Konditionen, die in ihrer Absicht der GPL und der GFDL ähneln. So erlaubt sie die freie Verbreitung von Inhalten in modifizierter oder unmodifizierter Form. Modifikationen sind dabei erlaubt, müssen aber ebenfalls unter dieser Lizenz vertrieben werden. Außerdem müssen die Autoren genannt werden. Diese Änderung erleichert die Übernahme der Wikipedia-Inhalte durch Dritte. Ziel der von langer Hand geplanten Lizenzänderung ist es laut der Foundation, mehr Kompatibilität mit vorhandenen freien Inhalten für Bildung und Wissen zu erreichen sowie die Pflichten bei der Wiederverwendung von Inhalten klarer und einfacher zu machen.

Seit dem Sommer 2009 können Wikipedia-Artikel auch durch Videos illustriert werden. Die Inhalte stammen aus drei Datenbanken mit frei verwertbaren Inhalten: Neben Wikimedia Commons, der zur Foundation gehörenden Datenbank, zählen eine Sammlung des US-Kongresses (Metavid) und das Internet Archive zum Startfundus. Demnächst sollen die Nutzer auch im ganzen Netz nach Video-Inhalten suchen und sie in die Artikel einbinden können, falls sie gemeinfrei nutzbar sind. Spezielle Software wird dazu nicht benötigt. Die Wikipedia-Macher hoffen, dass Inhalteanbieter ihr Filmmaterial für diese Nutzungsoption frei zur Verfügung stellen. Es könnte sie motivieren, ihre Inhalte freizugeben, um von den Lesern und Sehern der Wikipedia zu profitieren. Eine erste Version der Software, mit der die Bearbeitung der Videos am Browser vorgenommen werden kann, wurde im Juni 2009 auf der Open Video Conference in New York vorgestellt. 

Vor Weihnachten wartet die Wikimedia Foundation nicht auf Geschenke, sondern macht sich auf, diese selbst einzusammeln. Wie stets zum Jahresende wurde der Spendenaufruf gestartet. Das Spendenziel der englischsprachigen Wikipedia bis Ende Januar 2013 lag dieses Mal bei 25 Millionen US-Dollar und war damit deutlich anspruchsvoller als das Ziel der Vorjahreskampagne (20 Millionen). Tatsächlich gelang es der Organisation, innerhalb von nur neun Tagen die avisierten 25 Mio. US-Dollar einzunehmen. Die frischen Gelder sollen u.a. in Projekte zur Verbesserung der Qualität der Online-Enzyklopädie Wikipedia fließen, erläuterte die Stiftung. Die Mitarbeiterzahl wurde im letzten Jahr weltweit deutlich aufgestockt, vor allem um die Implementierung neuer Anwendungen voranzutreiben. Die höheren Einnahmen aus Spenden in den Jahren 2010 und 2011 sind größtenteils in die Verbesserungen der Anwendungen investiert worden, so kam z.B. im September 2010 eine Wikipedia-Version für das iPad in die App-Stores - natürlich kostenlos. Innerhalb der ersten drei Wochen nach Erscheinen wurde diese bereits 250,000 Mal heruntergeladen und scheint damit einen weiteren, erfolgreichen Kanal für das Lexikon eröffnet zu haben.

Darüber hinaus haben die internationalen Wikimedia-Organisationen weitere spannende Bündnisse schließen können. In Deutschland startete Wikimedia gemeinsam mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig (DZB) das Projekt der "Gesprochenen Wikipedia". Bisher sind 570 Wikipedia-Artikel von Nutzern eingesprochen worden (Stand: Dezember 2012).

Auch Microsoft engagiert sich für die Wikipedia: Die indische Forschungsabteilung des Software-Riesen stellte im Oktober 2010 das Projekt WikiBhasha vor. Die Software soll den Wikipedianern helfen, Artikel aus der englischsprachigen Version zu übersetzen und unterstützt zum Start 31 Sprachen, darunter auch Deutsch. Ganz uneigennützig ist die Intitiative von Microsoft natürlich nicht: Die Community-Arbeit soll dabei helfen eigene Übersetzungsdienste zu verbessern. Dies wird durch die Cloud Computing-Technik Microsoft Azure ermöglicht, die alle für die Wikipedia-Versionen übersetzten Sätze speichert und für Microsoft auswertet. Auch Ende 2012 befindet sich die Software noch in der Beta-Version.

Die Idee von Wikipedia-Büchern wurde im November 2010 trotz des Scheiterns von Kooperationsplänen mit Bertelsmann (siehe Engagement in Deutschland) wieder aufgenommen: Wikipedia-User können sich seitdem individuelle Lexika zusammenstellen. Der Wikipedia-Partner, Pedia Press, bietet diese Bücher nun auch als Hardcover-Versionen und in Farbe an. Die Preise für Taschenbücher und Hardcover liegen zwischen 8,90 und 20,00 Euro. Mit dem 2007 gegründeten Online-Verlag hat die Wikimedia Foundation einen langfristigen Partner gefunden.

Auf der Blogger-Messe re:publica am 13.04.2011 in Berlin wurde außerdem eine neue Initiative des deutschen Fördervereins vorgestellt: Die Wikipedia soll nun Weltkulturerbe werden. Über eine Petition sollen Unterschriften für eine entsprechende UNESCO-Eingabe gesammelt werden. Sollte die Plattform ausreichend Unterstützer finden, könnte Wikipedia auf diese Weise das erste weltweite, digitale Kulturerbe werden. Seit die Initiative mit großem Medienecho vorgestellt wurde, haben mehr als 90.000 Unterstützer die Petition unterzeichnet, neue Informationen gibt es aber nicht (Stand: Dezember 2012).

In den Jahren 2011 und 2012 hat die Wikimedia Foundation vor allem mit diesen Themen von sich reden gemacht:

Der Autorenschwund in den verschiedenen Projekten hält ebenso an wie die "Homogenisierung" der aktiven Community. Ein neuer Visual Editor, der im Juli 2012 eingeführt wurde, soll helfen, neue Mitglieder und vor allem auch Frauen wieder zum Mitmachen zu bewegen. Mithilfe der neuen Software soll das altbewährte Prinzip WYSIWYG ("What you see is what you get") auch endlich in allen Wikimedia-Projekten Einzug halten. Um dem anhaltenden Problem besser Herr zu werden, setzt die Wikimedia Foundation außerdem auf "Campus Botschafter" und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit (siehe auch den Strategieplan der Stiftung unter Geschichte). Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung Mitte Juli 2012 erläuterte Deutschland-Vorsitzender Pavel Richter die neuen Maßnahmen.

Aber nicht nur für die aktiven User, sondern auch für die Masse der Leser hat die Wikimedia Foundation sich ins Zeug gelegt. Im August 2012 wurde unter dem Namen "The Wikipedia Redefined" ein schöneres und übersichtlicheres Design der Wikipedia präsentiert. Der Relaunch aller Seiten soll 2015 abgeschlossen sein.

Auch politisch hat sich die Wikipedia 2012 klarer denn je positioniert: Aus Protest gegen eine Verschärfung der Zensur in Russland ging die russische Wikipedia für 24 Stunden vom Netz. Auch die englischsprachige Wikipedia war am 18.01. aus Protest gegen die Gesetzesvorhaben SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP) nicht zu erreichen. In Deutschland hat sich die hiesige Dependance ungewöhnlich klar gegen das Leistungsschutzrecht ausgesprochen, weil sie die Creative-Commons-Lizenzierung, die in allen Wikimedia-Projekten Standard ist, durch die kommende Gesetzgebung bedroht sieht.

Nach mehr als 10 Jahren haben die verschiedenen Wikimedia-Landesorganisationen ein eigenes Gremium gegründet: die Wikimedia Chapters Association (WCA), die ihren Sitz in Genf haben wird. Von den bestehenden 39 Landesvertretungen schlossen sich bisher 21 der WCA an. Die neue Organisation soll eine Art Gegengewicht zur Wikimedia-Zentrale in San Francisco bilden, aber keine eigenen Zuständigkeiten für Wikimedia-Projekte besitzen. Über die WCA wollen die Länderorganisationen stärker zusammenarbeiten und den Austausch von Wissen und Erfahrungen untereinander fördern. Da sich die Wikimedia-Zentrale in Zukunft aber noch stärker auf die Wikipedia konzentrieren will, könnte die WCA ihre Aufgaben mittelfristig auch erweitern (mehr hierzu: Bericht von heise online).

Nachdem lange Zeit keine neuen Wikimedia-Dienste an den Start gingen, haben 2012 gleich zwei neue Wikis das Portfolio erweitert: Die Datenbank WikiData, über die statistische Informationen in Wikipedia-Artikeln versionenübergreifend einfacher aktualisiert werden können und WikiVoyage, einen Online-Reiseführer (s. Geschäftsfelder/Produkte).

Im ersten Quartal 2013 machte die Wikimedia vor allem Schlagzeilen durch den angekündigten Rücktritt Sue Gardners (mehr hierzu, s. Management und Förderer). SZ Online brachte anlässlich des bevorstehenden Wahlkampfs ein Update zu den "Autorenkriegen" in der deutschen Sprachversion der Wikipedia und thematisiert hier auch den anscheinend zunehmenden Einfluss "professioneller Schreiber", die für Parteien und Unternehmen besonders authentische Wikipedia-Artikel erstellen - das Thema Werbung auf den Wikipedias wurde in letzter Zeit immer häufiger diskutiert. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland mischt Wikimedia auch immer stärker politisch mit: So tat sich die deutsche Abteilung jüngst mit der Bundestagsfraktion der Linkspartei zusammen, um die Bundesregierung über die Veröffentlichungspraxis auf dem Portal govdata.de zu befragen

Die Wikipedia-App für Windows Smartphones wurde außerdem jüngst zur besten Applikation gekürt, womit die Wikimedia wieder einmal bewiesen hat, dass auch mit ehrenamtlichem Engagement hochattraktive Contents und Anwendungen in bester Qualität geschaffen werden können. 

Eine enorm spannende Entwicklung, deren Bedeutung sich im Laufe des Jahres zeigen wird, ist der Wikipedia Live Monitor. Dieser sehr simple (und noch recht unschöne) Dienst ermöglicht es, die Anzahl der Edits (Bearbeitungen von Artikeln) in 42 Sprachversionen der Wikipedia nachzuvollziehen. Programmiert wurde der Dienst nicht von Wikimedianern, sondern vom Google-Entwickler Thomas Steiner, der die These vertritt, dass die Anzahl der Edits von Wikipedia-Artikeln ein verlässlicheres oder zumindest komplementär wichtiges Tool zur Früherkennung von Nachrichtenthemen sein kann - insbesondere in Kombination mit Twitter etc. Gleich mehrere Blogs sind von der Idee, Wikipedia als Breaking-News-Lieferant zu verwenden, angetan und berichteten ausführlich über das neue Feature. Nun wird abzuwarten bleiben, ob das Tool auch von Journalisten und Nutzern angenommen wird. 

Laura J. Leithold, Letzte Überarbeitung und Aktualisierung: 15.04.2013