Länderporträt Tschechien

Tschechien ist trotz seines kleinen Marktes beachtenswert: Es ist nicht nur ein geschichtlicher Sonderfall und besonders im Fernsehsektor wichtig für weitere Staaten Osteuropas (Ungarn, Slowakei, Ukraine etc.) – seit spätestens 1991 kann es große Entwicklungen verzeichnen. In Tschechien wurde seit der politischen Umwälzung im November 1989 eine radikale Privatisierung vorangetrieben, die musterhaft für alle osteuropäischen Staaten stringent umgesetzt wurde. Gerade in den letzten Jahren boomten vor allem der Internet- und Fernsehmarkt. Durch digitale Angebote entstanden neue Sender und das Internet erfährt eine immer größer werdende Verbreitung. Die Werbeausgaben auf dem Onlinemarkt haben sich innerhalb von fünf Jahren verdreifacht, auch die Anzahl der PCs und Internetanschlüsse ist signifikant gestiegen.

Der Fernsehmarkt ist mit zwei öffentlich-rechtlichen Sendern und zwei privaten (TV Nova, deutlicher Marktführer, und Prima) relativ klein. Tschechien ist aber das erste Land in Osteuropa, das nach Zerfall der UdSSR einen kommerziellen Fernsehsender etablieren konnte: TV Nova (1994) – von Anfang an mit extremen Marktanteilen von bis zu 51 Prozent. Das Radio kann eine konstante Zuhörerschaft halten, hat aber in Tschechien eine untergeordnete Rolle.
Die öffentlich-rechtlichen Medien werden durch jeweils getrennt eingenommene Gebühren finanziert. Die Rundfunkgebühren sind auch hier unter anderem auf Grund des kürzlich angehobenen Betrags umstritten.

Der Zeitungsmarkt wird deutlich von deutschen Verlagsgruppen dominiert. So verlegt Ringier Axel Springer CZ das Bild-Pendant Blesk, der Rheinisch-Bergischen Druck- und Verlagsgesellschaft gehört die Mafra-Gruppe und sie beteiligt sich an der von der Verlagsgruppe Passau verantworteten Vltava-Labe-Press, welche hauptsächlich die Regionalzeitungen Deník verlegen.

Wie in vielen Ländern ist in Tschechien eine große Konvergenzbewegung zu registrieren. So verschmelzen mehrere Unternehmen miteinander, um möglichst viele Medienangebote zu vereinen.

Die größten Medienkonzerne Tschechiens

Basisdaten

Einwohner: 10,6 Millionen (Germany Trade and Invest, 2013*)
Haushalte: 4,4 Millionen (eurostat, 2012)
Durchschn. Haushaltsgröße: 2,4 Personen (eurostat, 2012)
Religionen: Römisch-Katholisch (10,4 %), Protestantisch (1,1 %), Orthodox (0,2%) (census 2011)
Größte Städte: Prag (1,2 Millionen Einwohner), Brünn (378,000)
Regierungsform:
Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt: Präsident Miloš Zeman (seit 2013)
Regierungschef: Premierminister Ji?í Rusnok (seit 2013)
EU-Mitglied seit: 2004
Arbeitslosenrate 2012: 7,2% (2013*)
Staatsverschuldung 2013: 44,8Prozent des Bruttoinlandprodukts (2013*)
Haushaltssaldo in Relation zum BIP 2012: -2,9 %
Anteil am globalen BIP: 0,002 %(2013)
Werbeausgaben insgesamt: 3,5 Mrd. $ (ZenithOptimedia, 2012*)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 197 Minuten pro Tag (2012)
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: CME Media Enterprises, Telefónica Czech Republic, T-Mobile Czech Republic, MAFRA (Rheinisch-Bergische Druckerei- und Verlagsgesellschaft), Ringier Axel Springer CZ, Bauer Media, Vltava-Labe-Press.
Rundfunkgebühr (Radio- & Fernsehgebühr):  2160 CZK/Jahr pro Haushalt (85€, 2013)

Tab. 1: Werbeeinnahmen nach Medienart

Quelle: EAO (2012)

Historische Grundlagen

Man kann die Geburt der tschechischen Presse mit der ersten Tageszeitung Národní Noviny (Nationalnachrichten) um 1848 ansetzen. Zeitgleich entstehen weitere Zeitschriften, die sich der Demokratie und Freiheit verschreiben haben – Tschechien befindet sich im Umbruch: die „nationale Wiedergeburt“ wird bis 1918 andauern und in der Gründung der Tschechoslowakei enden.

Während der Besetzung des Landes durch Nazideutschland wurden die Medien stark kontrolliert und zu Propagandazwecken genutzt. Auch nach der Machtergreifung der Kommunisten 1948 wurden die Medien starker staatlicher Regulierung unterworfen, weswegen es nur staatlich geführten Rundfunk und ebenfalls überwachte Presse gab.
Der Prager Frühling 1968, angeführt von der intellektuellen Elite, kämpfte für ein „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, wurde jedoch von der Regierung mit Hilfe militärischer Unterstützung sowjetischer Truppen niedergeschlagen.

Ein wichtiger Schritt, auch in der Medienpolitik, war die „Samtene Revolution“ von 1989. Nach der brutalen Unterdrückung einer Studenten-Demonstration gingen 750.000 Menschen auf die Straße. Sie erzwangen freie, demokratische, parlamentarische Wahlen. Das folgende demokratische System und die Trennung Tschechiens von der Slowakei hatten eine Umwälzung in allen Lebensbereichen zu Folge.

Zum einen wurde frühzeitig (1991) die Meinungs- und Pressefreiheit festgeschrieben, zum anderen wurde die tschechische Planwirtschaft radikal privatisiert. Tschechien öffnete sich  für private ausländische Investoren. Deshalb dominieren deutsche Verlagshäuser den Zeitungsmarkt und international agierende Medienunternehmen den Fernsehsektor. Auch die Verstaatlichung des Fernsehens und Radios im Sozialismus führten zu einer administrativen Trennung dieser beiden Medien. Unter anderem werden die Rundfunkgebühren deshalb von zwei unterschiedlichen Institutionen eingetrieben.

Print

Tschechien besitzt einen kleinen Zeitungsmarkt, der dafür mit einer großen Vielfalt an Tages- und Wochenzeitungen aufwarten kann. Durch die radikale Privatisierung nach der Sametová Revoluce (Samtrevolution) eröffnete sich ausländischen, insbesondere deutschen Medienunternehmen, die Möglichkeit, eigene Produkte auf den tschechischen Markt zu bringen. Es verwundert daher kaum, dass die größten Tageszeitungen in deutscher Hand sind. Lediglich zwei linksorientierte Zeitungen – Právo (Recht) und Haló Noviny – sind in tschechischem Besitz.
Bereits die neun größten Zeitungen decken circa zwei Drittel des gesamten Zeitungsmarktes ab, circa 30 Prozent bilden die regionalen und lokalen Tageszeitungen – die meisten zusammengefasst als Deník des Verlages Vltava-Labe-Press (Moldau-Elbe-Verlag). Dieser Verlag gehört zu 80 Prozent dem Passau Verlag – somit ist auch die regionale Berichterstattung in ausländischem Besitz.
Der Anteil der Gesamtwerbeeinnahmen von Printmedien ist von 31,5 Prozent (2007) auf nur rund 22 Prozent (2013) gesunken.

Ringier Axel Springer CZ
Die auflagenstärkste Boulevardzeitung Blesk (Blitz), dem Pendant zur deutschen Bild, gehört dem Verbund des Schweizer Konzerns Ringier und dem deutschen Axel Springer Verlag. Sie ist immer noch auflagenstärkste Zeitung, zwischen 2007 und 2011 sank der Verkauf jedoch um 100.000 Exemplare täglich. Erweiterungen bilden der Ned?lní Blesk (Sonntagsausgabe der Blesk) und Blesk magazín.
Zu Ringier Axel Springer CZ gehört ebenfalls die Sport (61.000 Expl., 2013*), welche täglich erscheint und ebenfalls als Sonntagsausgabe sowie Magazin verlegt wird.
Weitere Zeitschriften sind u.a. die 2006 neu gegründete Tageszeitung Aha!, die politische Wochenzeitschrift Reflex (79.500 Expl., 2013*) und diverse Automagazine wie AUTO Tip oder Svet motor.
2005 versuchte Ringier Axel Springer CZ mit der 24 hodin (24 Stunden), einer Gratis- Tageszeitung, zur führenden, kostenlosen Metro (MTG) in Konkurrenz zu treten, was 2008 mit dem Einstellen der Zeitung endgültig scheiterte.

Mafra
Die Mafra-Gruppe gehört der deutschen Rheinisch-Bergischen Druckerei- und Verlagsgesellschaft (RBDV) an und ist neben Ringier Axel Springer CZ das umsatzstärkste Medienunternehmen auf dem Zeitungsmarkt.
Mladá fronta dnes (233.500 Expl., 2013*) ist der Nachfolger der früheren Tageszeitung der sozialistischen Jugendorganisation Mladá fronta, die 1990 verschwand und nach Blesk die meistverkaufte Tageszeitung.
Lidové Noviny (Leute täglich, 54.000 Expl., 2013*) ist ebenfalls eine der wenigen Zeitungen, die dem ökonomischen Druck standhalten konnten – sie war die Zeitung der ehemaligen Dissidenten.
Auch Mafra versuchte 2006 zur Metro (MTG) mit Metropolitní Expres in Konkurrenz zu treten. 2007 fusionierten die beiden zur Metro, wobei 60 Prozent nun Mafra gehören. (243.000 Expl., 2013*)
Weitere Zeitungen: DOMA DNES, Magazín Dnes+TV, ONA DNES, Pátek LN, Víkend DNES.

Bauer Media
Bauer Media verlegt die tschechische Version der Bravo, weitere Teenagerzeitschriften und diverse Koch- und Programmzeitschriften. Der Verlag kaufte 2007 die von Ringier Axel Springer CZ verlegten Programmzeitschriften und hält damit in diesem Bereich wie auch bei wöchentlichen, günstigen Lifestyle- und Gesellschaftsmagazinen die führende Position.

Vltava-Labe-Press
Besitzer ist die deutsche Passau Verlagsgruppe, die zu 80 Prozent der Passauer Neue Presse und zu 20 Prozent der RBDV gehört.
Fast sämtliche Regionalzeitschriften, insgesamt 73, wurden spätestens September 2006 unter dem Hauptnamen Deník (Tageszeitung) mit dem jeweiligen Städtenamenzusatz (z.B. Pražský Deník – Prager Tageszeitung) zentralisiert. Sie zeichnen sich durch das einheitliche Design und den jeweiligen Regionalteil aus. Als Verband stellen sie eine erhebliche Konkurrenz zu den landesweit erscheinenden Tageszeitschriften dar.

Mlada fronta
Das neueste Produkt ist die seit 2007 täglich erscheinende Wirtschaftszeitung E15 mit circa 43.000 Exemplaren (2013*). Außerdem werden hier ebenfalls Lifestyle- und Foodmagazine sowie jeweils eine Computer- und Kinderzeitschrift verlegt. Unter dem Übertitel Medical Services erscheinen zudem diverse Gesundheitsmagazine.

Tab. 2: Die größten Wochenzeitungen

Wochenzeitung

Verlag

durchschnittliche Auflage Dez 2012

Gründungsjahr

Týden

EMPRESA Media

60.733

1994

Ekonom

Economia

20.403

1991

Respekt

Respekt Publishing

48.086

1989

Reflex

Ringier Axel Springer CZ

84.810

1990

Quelle: abccr.cz

 

 

 

Tab. 3: Tab. 3: Verkaufte Auflage der acht größten Tageszeitungen Tschechiens 2007–2013 (als Verlaufskurve)

Quelle: ifabc.org; abccr.cz

TV

Die tschechische Fernsehlandschaft besteht aus 4 landesweit ausgestrahlten Programmen (CT1, CT2, TV Nova und TV Prima), 12 lokalen Fernsehsendern, die sich die Frequenz mit TV Prima teilen, und vielen digitalen Satellitenangeboten wie Ócko (Musiksender, 2002), Galaxie Sport (2002), Z1 (Nachrichten, 2008) und TV Barrandov (2009).
2009 konnten etwa 68 Prozent der tschechischen Haushalte nur terrestrisches Fernsehen empfangen, 42 Prozent der Haushalte empfingen es analog. Die Nutzung von DVB-T ist von 6 Prozent 2007 auf 30 Prozent 2009 gestiegen. Das Satellitenfernsehen liegt bei ca. 23 Prozent (2009) und Kabelfernsehen wird von rund 22 Prozent (2009) genutzt.
Die Werbeausgaben sind im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent (2013) gestiegen, somit hat Tschechien den am stärksten wachsenden TV-Werbemarkt in Europa. Da er aber eher klein ist, ist das auch kaum verwunderlich. Das TV erzielt ca. 40 Prozent (2011) aller Werbeausgaben und beherrscht somit ungeschlagen den Werbemakt.

Öffentlich-rechtliches Fernsehen

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen Ceská televize (CT) besteht aus sechs Programmen. Die beiden Hauptsender sind CT1 und CT2. Seit Mai 2005 läuft der Nachrichtenkanal CT24 (digital), Anfang 2006 kam ein weiteres digitale CT-Programm zum Thema Sport hinzu: CT Sport. Das neueste digitale Angebot CT :D ist für Kinder und startete am 31.08.2013. Gesendet wird von 6.00 bis 20.00 Uhr. Anschließend übernimmt der Kunstkanal CT Art bis ca. 2.00 Uhr das Programm.
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird durch Fernsehgebühren bezahlt, die jeder Haushalt zahlen muss. Dafür dürfen die Sender u.a. nur 0,5 Prozent ihrer Sendezeit nur mit Werbung füllen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen liegt bei den Einschaltquoten deutlich hinter dem privaten Sender TV Nova.

Privatsender:
Den relativ kleinen Fernsehmarkt teilt sich CT mit zwei landesweit ausstrahlenden privaten Fernsehsendern: TV Nova und Prima. Beide erzielen sehr hohe Einschaltquoten. (Siehe Tab. 6)
Tschechien war das erste Land, dass nach dem Zerfall der UdSSR einen privaten Fernsehsender landesweit etablieren konnte (TV Nova).
Im Gegensatz zu den Öffentlich-Rechtlichen sind hier pro Stunde 12 Minuten Werbezeit erlaubt.

TV NOVA
TV Nova ist starker Marktführer mit rund 35 Prozent. Nova übernahm die Frequenz des früheren tschechoslowakischen Senders F1, womit bereits bei der Gründung eine flächendeckende Übertragung möglich wurde. Schon innerhalb kürzester Zeit nach dem Sendestart 1994 erreichte der Sender bis zu 51 Prozent Markanteile.
TV Nova verfügt über eine große Sendervielfalt: Nova, Nova Cinema, Smíchov, Telka, Nova Sport, MTV, Nova News und Voyo Cinema (Video on-Demand).
TV Nova gehört zu der amerikanischen Gruppe Central European Media Enterprises (CME), welche u.a. in Rumänien, Slowakei und Kroatien weitere Fernsehsender betreibt.

Prima
Prima wird von der Prima TV Holding betrieben, welche seit 2005 zu jeweils gleichen Teilen der tschechischen Investmentgruppe GES und der skandinavischen Modern Times Group (MTG) gehört. Hier werden u.a. viele westliche Serien wie Bones, Criminal Minds und Monk gesendet.
Zur Prima Family gehören: Prima, Prima Cool, Prima Zoom und Prima Love.
Regionale und örtliche Fernsehsender der Regionální Televizní Argentura (RTA) erhielten bis vor Kurzem noch ein 3-stündiges Programm- bzw. Sendefenster auf Prima. Durch die Lizenzverlängerung des Senders wurde die Zeit nach mehreren Problemen drastisch auf 20 Minuten reduziert; die RTA wird von Prima dafür entschädigend bezahlt.

Tab. 4: Prime-Time Marktanteile der jeweiligen Fernsehsender 2012

'Quelle: ato.cz

Radio

Während bei den Zeitungen immer weniger Leser zu verbuchen sind, kann das Radio seine Hörerschaft trotz kleiner Schwankungen relativ stabil halten. Im Vergleich zu 2011 konnte es sogar noch an Hörern gewinnen.
Das tschechische Radio ist wie das Fernsehen dual organisiert. Ceský rozhlas, das öffentlich-rechtliche Radio, betreibt 21 Radiosender, wovon vier landesweit und vier ausschließlich digital oder über das Internet zu empfangen sind. Die restlichen Sender können nur regional empfangen werden. 65 (2013*) Radiosender werden von privaten Unternehmen geführt, vier senden landesweit. Vier davon führen die Liste des Marktanteils an, erst danach kommt das öffentlich-rechtliche Radiožurnál.
Für das Radio wird am wenigsten in Werbung investiert, weshalb nur 5,2 Prozent (2011) der Werbeausgaben hier landen.

Öffentlich-rechtlich
Ceskoslovenský rozhlas nahm seinen Betrieb am 18.05.1923 auf und wurde dann 1991 zum Ceský rozhlas (Tschechisches Radio). Seitdem gab es mehrere Strukturveränderungen, erst am Anfang 2013 wurden erhebliche Änderungen im Programm vorgenommen. ?eský rozhlas hat nun mehrere neue Sender entwickelt, u.a. Rádio Plus und Rádio Junior, und einige Programme, die teilweise auch europaweit sendeten, eingestellt. Auch mit weiteren ausschließlich digitalen Angeboten – D-Dur, Rádio Cesko, Rádio Wave und Jazz – versucht Ceský rozhlas die Angebote möglichst zeitgemäß und vielfältig zu halten. Alle Sender verfügen über einen Livestream im Internet. Finanziert wird das Radio durch die für jeden Haushalt anfallenden Radiogebühren, die getrennt von den Fernsehgebühren eingetrieben werden, Werbung und Sponsoring.

Rádiožurnál
Der fünftbeliebteste Radiosender sendete zum ersten Mal am 01.01.1993. Hier werden hauptsächlich Nachrichten und Informationen aufbereitet. Er ist vergleichbar mit dem deutschen Inforadio.

Privatsender:
Der Radiomarkt wird von privaten Sendern Rádio Impuls, Frekvence 1 und Evropa 2 angeführt. Zusammen kommen sie auf einen Marktanteil von ca. 32 Prozent – die landesweit sendenden Öffentlich-rechtlichen hingegen nur auf 14,4 Prozent. Es gibt aber keinen klaren Marktführer wie beim Fernsehen, da die ersten fünf Sender jeweils zwischen acht bis 12 Prozent Zuhöreranteil verbuchen können. Zwar werden die drei größten Sender von ausländischen Unternehmen geführt, es gibt aber mit der Radio United Services auch eine tschechische Unternehmensgruppe. Die ersten drei folgenden Radiosender senden hauptsächlich Chartsmusik.

Rádio Impuls
Rádio Impuls führt schon seit einiger Zeit die Liste der Hörerbeliebtheit an, wobei der Marktanteil innerhalb der letzten Jahre um zwei bis drei Prozent gesunken ist. Er ist seit 1999 on Air. Dieser Sender gehört Londa, welche wiederum zur Unternehmensgruppe Eurocast (bzw. Regiocast), ein Joint Venture ostdeutscher Radiosender, gehört. In Tschechien wird ebenfalls Rock Zone von dieser Gruppe gesendet.

Frekvence 1
Bereits 1993 nahm dieser Sender seinen Betrieb auf. Mit einem Marktanteil von 11,3 Prozent liegt er gerade einmal 1Prozent hinter seinem Konkurrenten Rádio Impuls.
Frekvence 1 gehört zur französischen Lagardère Active Radio International, welche ebenfalls Evropa 2, Rádio Bonton, Dance radio und BBC in Tschechien betreiben.

Evropa 2
Evropa 2 war der erste kommerzielle Radiosender in der Tschechischen Republik und begann den Sendebetrieb am 21.03.1990. Es gehört ebenfalls zur Lagardère Active Radio International. Der momentane Marktanteil liegt bei 8,5 Prozent, damit teilt sich der Sender den dritten Platz mit Country Radio.

Country Radio
Country Radio ist der größte Sender, der nur regional sendet. Die hohe Einschaltquote von 8,5 Prozent lässt sich durch das bevölkerungsreiche Sendegebiet erklären: Mittelböhmen und Prag. Hier wird nach eigenen Angaben u.a. Country, Folk, 60er Popmusik, klassischer Rock’n’Roll und spiritueller Gospel gespielt, wobei die Lieder zu 70 Prozent von tschechischen und nur 30 Prozent von ausländischen Interpreten kommen. Country Radio gehört zur Radio United Services, welche auch Radio Beat, Radio 1, Kiss98 und Radio Spin unterhält.

Tab. 6: Senderanteile bei den Radiozuhörern

Sender

Verbreitungsgebiet

Unternehmensgruppe

Typ

Durchschnittliche Hördauer gesamt in Min

Marktanteil 2012/13 in %

durchnittliche Hördauer relativ in Min

Rádio Impuls

national

Eurocast

Privat

24

12,4

208

Frekvence 1

national

Lagardére Active ÈR

privat

22

11,3

201

Evropa 2

national

Lagardére Active ÈR

Privat

17

8,5

158

Rádio Blaník

Prag und Zentralböhmen

City Multimedia s.r.o.

privat

17

8,5

228

ÈRo 1 - Radiožurnál

national

Èeský rozhlas

Öffentlich

15

7,8

186

ÈRo 2 - Praha

national

Èeský rozhlas

Öffentlich

11

5,6

233

Radio Èas

Nordmähren

Juke Box s.r.o.

privat

6

2,8

219

ÈRo - Brno

Südmähren

Èeský rozhlas

Öffentlich

5

2,6

274

Country Radio

Prag und Zentralböhmen

Radio United Services s.r.o.

privat

5

2,4

208

Radio Beat

Prag und Zentralböhmen

Radio United Services s.r.o.

privat

4

2,2

197

Quelle: apsv.cz (Radioprojekt 01.10.2012-30.03.2013)

 

 

 

 

Online

Der Onlinemarkt Tschechiens boomt, was auch die Werbeausgaben in diesem Medium belegen. Von 2007 bis 2011 haben sich die Werbeausgaben fast verdreifacht. Das Internet ist somit mit rund 28 Prozent der zweitstärkste Ausgabesektor für Werbung nach Fernsehen.

Dass es dennoch so relativ gering ist, liegt an der Entwicklung und Verbreitung des Internets. Mitte der 90er wurde der Ausbau nur langsam und schleppend vorangetrieben und Internet wurde auch nur von der Tschechischen Telekom angeboten – zu sehr hohen Preisen. Hinzu kommt, bedingt durch die geringe Kaufkraft Tschechiens, dass 2007 nur 37 Prozent der Haushalte einen PC besaßen. 2011 hatten schon gut 60 Prozent einen eigenen PC und mehr als 56Prozent benutzten das Internet. Heute verfügen über 65 Prozent über einen PC – Tendenz steigend. Die durchschnittliche Nutzung liegt bei 25–30 Stunden pro Monat. Ein weiteres positives Element, das diese Entwicklung begünstigt, ist die gestiegene Konkurrenz für die Telekom, mit günstigen Angeboten.

Bemerkenswert sind auch die am häufigsten besuchten Webseiten: Nach google.cz und google.com kommt die tschechische Seite Seznam.cz – noch vor Facebook. Seznam ist wie web.de oder yahoo.de ein Webportal mit weiteren Diensten, u.a. News, Übersetzer etc. Nachrichten werden von den Tageszeitungen Právo und SuperSpy geliefert. Auffällig ist, dass hauptsächlich Suchmaschinen und Nachrichtendienste in Anspruch genommen werden.

Im März 2013 wurde mit 6,7 Mio. Besuchern ein vorläufiger Höchststand an Internetbesuchern festgestellt. Der lineare Anstieg von Benutzern wird kontinuierlich fortgesetzt.

Tab. 7: Die beliebtesten Internetseiten Tschechiens (2013*)

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1

Google.cz

Suchmaschine

Google Inc.

2

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

3

seznam.cz

Webportal, Email

Seznam.cz a.s.

4

Facebook.com

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

5

youtube.com

Videoportal

Google Inc.

6

novinky.cz

Nachrichten

Borgis a.s.

7

idnes.cz

Nachrichten

Marfa group

8

szn.cz

Webportal, Email

Seznam.cz a.s.

9

wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

10

super.cz

Boulevardnachrichten

Stratosfera a.s.

11

centrum.cz

Webportal - alle Services

Centrum Holdings s.r.o.

12

heureka.cz

Webportal

Allegro Group CZ s.r.o.

13

aukro.cz

Online-Auktionshaus

Allegro Group CZ s.r.o.

14

linkedin.com

Soziales Netzwerk

Linkedin

15

csfd.cz

Filmdatenbank

PROMO Media Group a.s.

16

blesk.cz

Boulevardnachrichten

Ringier Axel Springer CZ

17

sport.cz

Sportnachrichten

Borgis a.s.

18

alza.cz

Online-Auktionshaus

alza.cz a.s.

19

mapy.cz

Karten + Navigation

Seznam.cz a.s.

20

zbozi.cz

Preisvergleich

Seznam.cz a.s.

 

 

 

 

Quelle: Alexa.com

 

 

Medienpolitische Rahmenbedingung / Regulierung

Die meisten rechtlichen Grundlagen für Medien waren Folgen des politischen Umbruchs von 1989. So wurde die freie Meinungsäußerung bereits 1991 festgesetzt und 1993 in die tschechische Verfassung übernommen (Art. 17 der Charta von 1991).
Dass diese neu gewonnene Meinungsfreiheit und die einhergehende Freiheit der Medien den Tschechen sehr ernst ist, verdeutlicht der Streik der Mitarbeiter des Ceská Televize 2001. Man befürchtete eine zu starke Einflussnahme der Politik durch den Fernsehaufsichtsrat, der sich aus Mitgliedern der Regierungs- und Oppositionsparteien des Parlaments zusammensetzte. Der bereits im Voraus umstrittene neue Generaldirektor musste nach 36 Stunden Streik und großen Massenprotesten auf der Straße zurücktreten. Der Fernsehaufsichtsrat wurde aufgelöst und ein neues, politisch unabhängiges Gremium gegründet.

Der Rat für Radio und Fernsehen der Tschechischen Republik gewährt Sendelizenzen und beaufsichtigt die Regulierung der beiden Medien. Er besteht aus 13 Mitgliedern, die alle sechs Jahre gewählt werden (maximal zwei Perioden). Dennoch werden durch den Rundfunkrat (13 Mitglieder, vom Premierminister ernannt, aber vom Parlament gewählt) und durch den Telekommunikationsrat (fünf Mitglieder) Radio und Fernsehen getrennt nach Rundfunkgesetz reguliert und beaufsichtigt.

Für Printmedien – insbesondere für den Inhalt – gibt es keine Regulierungsbehörde, jedoch werden die Pflichten und Rechte der Verleger geprüft. So müssen z.B. Pflichtexemplare öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken bereitgestellt werden.

Diese externen Regulierungsbehörden werden durch eine Reihe von Organen der Selbstkontrolle ergänzt. So gibt es den „Werberat“ (Association of Advertising Agencies), die „Gewerkschaft der Journalisten der Tschechischen Republik“, verschiedene Gewerkschaften der Arbeiter in den Medien und Verlagen von Zeitungen sowie den Verband Privater Rundfunk.

Quellen/Literatur

  • Eckert, Florian: Vom Plan zum Markt. Parteipolitik und Privatisierungsprozesse in Osteuropa. Wiesbaden (2008), S. 63–67; S. 210–229.
  • Klimkiewicz, Beata: A „shaky“ table: Rafoe of the Media in Poland,The Czech Republic and in Slovakia (Summary). In: Hess, Angnieszka/Vyslonzil, Elisabeth (Hrsg.): Der EU-Beitritt der Länder Ostmitteleuropas. Frankfurt/M./u.a. (2004). S. 221f.
  • Koncelík, Jakub/Vecera, Pavel/Orság, Petr: dejiny ceských médií 20. století. Prag (2010).
  • Šmíd, Milan: Das Mediensystem der Tschechischen Republik. In: Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg (Hrsg.): Internationales Handbuch Medien. 28. Auflage. Baden-Baden (2009). S. 658–671.
  • Stegherr, Marc/Liesem Kerstin: Tschechische Republik - Vorzeigeland in Sachen Medienfreiheit. In: Die Medien in Osteuropa. Mediensysteme im Transformationsprozess. Wiesbaden (2010). S. 197-214.
  • Trnka, Ales: Medien in Tschechien. In: Huber, Silvia (Hrsg.): Medien in den neuen EU-Staaten Mittel- und Osteuropas. Krems (2003). S. 111–119.
  • Czech Republic. In: European Audiovisual Observatory (Hrsg.): Yearbook 2012. Vol. 1. S. 58–65.

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