Länderporträt Schweiz

Eine Reihe von strukturellen Besonderheiten kennzeichnet den Schweizer Medienmarkt. Vor dem Hintergrund einer föderalen Staatsordnung mit 26 Kantonen und vier Amtssprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) weist die publizistische Landschaft ein entsprechend vielfältiges und regional geprägtes Angebot auf. Allerdings sind an der überwiegenden Anzahl von Presseerzeugnissen nur eine Handvoll von Medienunternehmen beteiligt, darunter die mit Abstand umsatzstärksten Konzerne mit Anteilen am Tageszeitungsmarkt Ringier und Tamedia. Die im internationalen Vergleich hohe Zahl von 2.352 Pressetiteln (darunter 1.830 Spezial- und Fachpressetitel, Stand Oktober 2013) wird durch die weit verbreitete Praxis der redaktionellen Kooperationen und des Kopfblattsystems in inhaltlicher und redaktioneller Hinsicht relativiert.

Das „Presseland“ Schweiz zeichnet sich ferner durch einen schwach ausgeprägten einheimischen Privatrundfunk aus. Neben der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt SRG SSR idée suisse sind es vor allem deutsch-, italienisch- und französischsprachige (private wie öffentlich-rechtliche) Programme aus dem benachbarten Ausland, die den Rundfunkmarkt in den drei jeweiligen Sprachregionen dominieren.

Die Schweiz verfügt über ein stark ausgebildetes Medienregulierungs- und Förderungsregime. Die verfassungsmäßig garantierten Meinungs-, Informations- und Medienfreiheitsrechte werden komplementiert durch die Auffassung einer staatlichen Fürsorgepflicht für Vielfalt und Qualität im Mediensektor. Die sich hieraus ergebenden staatlichen Fördermaßnahmen machten bspw. im Bereich der indirekten Pressesubventionierung ein Volumen von ca. 50 Mio. CHF im Jahr 2013 aus.

Basisdaten

Einwohner: 8.014.000 (2012)
Haushalte: 3,5 Mio. (2010)
Durchschn. Haushaltsgröße: 2,21 (2010)
Religionen: Römisch-katholisch 41,8%, Protestanten 35,3%, Muslime 4,3%, orthodoxe Christen 1,8%, andere Christen 0,4%, Hindus 0,4%, Buddhisten 0,3%, Juden 0,2%, konfessionslos 11,1%
Größte Städte: Zürich (394.012), Genf (194.245), Basel (172.091), Lausanne (130.515), Bern (125.681)
Regierungsform: Demokratischer und republikanischer Bundesstaat
Staatschef: 2013 Bundespräsident Ueli Maurer (SVP), Funktion im Kreis der sieben Bundesratsmitglieder turnusmäßig jährlich wechselnd
Regierungschef: nicht vorhanden (Der dem Kollegialorgan der sieben Bundesräte vorsitzende Bundesrat, der als Bundespräsident bezeichnet wird, übt die Funktion des Regierungschefs aus.)
Arbeitslosenrate Januar 2013: 3,4 %
Schuldenquote aller öffentlichen Haushalte: 35 %
BIP Kaufkraftparität global: 0,45 %
Werbeausgaben 2012 insgesamt: 4,8 Milliarden CHF
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 2,5 h
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne:  SRG SSR, Ringier AG. Tamedia AG, Publigroupe, Baseler Zeitung Medien, NZZ Gruppe
Radio/neuartiges Rundfunkgerät (Grundgebühr): 169,145 CHF jährlich
Radio + Fernsehen: 400 CHF jährlich (seit 2014 Haushaltsabgabe)

Die größten Medienkonzerne der Schweiz

Presse

Die Schweiz ist traditionell ein Zeitungsland. Erhebungen der letzten Jahre geben einen  unveränderten Anteil von etwa 80% (2010: 82%) unter der Gesamtbevölkerung an, die während der Arbeitswoche einmal pro Tag eine Tageszeitung konsumieren. Im internationalen Vergleich wiesen nach World Press Trends nur Island (96%) und Japan (92%) höhere Leserquoten auf. Die Tagesreichweite von Presseerzeugnissen wird in der Schweiz lediglich durch die Pro-Tag-Nutzungszahlen für Radioprogramme übertroffen.

In der Statistik der Pro-Kopf-Zeitungsnutzung wird die Schweiz (2009: 338 Verkaufseinheiten pro 1.000 Einwohner) im europäischen Vergleich bislang regelmäßig nur von den Ländern Norwegen (2009: 571 pro 1000), Finnland (483) und Schweden (436) abgehängt. Die Werbemarktanteile  der verschiedenen Mediengattungen dokumentieren ebenfalls die hohe Markt- und Nutzungsrelevanz der Presse in der Schweiz. Demnach betrug die Netto-Werbeerlöse der Presse im Jahr 2012 insgesamt 1.783 Mio. CHF, während Fernsehen und Radio auf nur knapp 873 Mio. CHF kamen (siehe Abbildung I).

Abb. I: Erfasste Netto-Werbeumsätze Schweiz (in Mio. CHF)

 

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Netto-Werbeumsätze Schweiz

5'334

5'223

4'604

4'654*

4'693

4'411

Presse

2'487

2'406

1'915

2'001

2'004

1'783

Elektronische Medien

821

803

768

844

919

914

davon TV (inkl. Sponsoring)

637

628

595

669

745

726

Internet

52

75

119

160

176

170

Übrige Medien (Aussen- und Direktwerbung, Adressbücher)

2'025

2'014

1'921

1'701*

1'701

1'714

Quelle: Stiftung Werbestatistik Schweiz

Nach Angaben des Verbands Schweizer Werbegesellschaften (VSW) lag am Stichtag 15. Oktober 2013 die Zahl der publizistischen Einheiten von Tages-, regionaler Wochen- und Sonntagspresse bei 444 Einheiten, wobei alleine 359 Einheiten (80,9%) deutschsprachige Titel ausmachen. In der Kategorie Publikums-, Finanz-, Wirtschafts-, Spezial- und Fachpresse werden 1.908 Titel aufgewiesen, davon entfällt der Großteil auf Einheiten der Spezial- und Fachpresse (1.830).

Derweil weist der jahresübergreifende Blick auf die Nutzungszahlen gerade der Abonnementszeitungen – d.h. der Zeitungstitel, welche abonniert oder im Einzelverkauf erworben können und die mindestens einmal wöchentlich erscheinen –  einen Rückgang der Titelanzahl sowie der Gesamtauflage seit 2003 auf (siehe Abb. II). Dieser ist zum einen Ausdruck der veränderten Leser- und Nutzermärkte im Zeichen des digitalen Wandels, sowie zurückzuführen auf die veränderte Nachfragesituation infolge der Einführung von Gratisangeboten im Bereich der Tagespresse seit Ende der 1990er Jahre.
Die umsatzstärksten Medienkonzerne mit Anteilen auf dem Tageszeitungsmarkt sind Ringier, Tamedia, Edipresse (seit 2011 mit Tamedia fusioniert) sowie die NZZ-Mediengruppe.

Die Ringier Holding AG ist das größte Schweizer Medienunternehmen. Der Konzern mit Hauptsitz in Zürich befindet sich seit seiner Gründung im Jahr 1833 in Familienbesitz. Der Präsident des Verwaltungsrats Michael Ringier führt das Unternehmen in fünfter Generation. Mitbesitzerinnen zu gleichen Teilen sind seine Schwestern Annette Ringier und Evelyn Lingg-Ringier. Ringier beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter und wies für das Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von 1087.6 Mio. CHF auf. 

Der auflagenstärkste Schweizer Pressetitel im Portfolio des Unternehmens ist das seit 1959 erscheinende Boulevardblatt Blick. Mit einer Auflage von 179.181 Exemplaren und einer Reichweite von 703.000 Lesern (beides 2013) ist die Blick die umlaufstärkste kostenpflichtige Zeitung in der Schweiz. Das Kerngeschäft Publishing umfasst insgesamt über 120 Zeitungen, Zeitschriften, Web- und Mobile-Plattformen sowie mehrere Druckereien. Beteiligungen an Radio-Stationen, TV-Sendern, Event-Veranstaltern und Ticketing gehören ebenso zu den Geschäftssegmenten wie Aktivitäten im Online-Rubrikenmarkt und im eCommerce.

Einen wichtigen Teil seines Umsatzes erwirtschaftet Ringier auf ausländischen Medienmärkten - u.a. auch in Deutschland, wo es das monatliche Politmagazin Cicero herausgibt. 2012 machte der Umsatz auf den Märkten in Ost- und Mitteleuropa sowie in Asien ca. 29% des Gesamtumsatzes aus. Der Großteil des Ost- und Mitteleuropageschäfts von Ringier wird über die Ringier Axel Springer Media AG abgewickelt. Das 2010 gegründete 50:50 Joint Venture mit dem deutschen Axel Springer Verlag operiert in den Ländern Polen, Tschechien, Serbien sowie Slowakei und zählt zu einem der führenden Medienunternehmen Osteuropas im Zeitschriften- und Onlinesegment. Das Unternehmen beschäftigt etwa 3100 Mitarbeiter und verfügt über ein Portfolio von über 70 Print- und 60 Digitalangeboten. Mit den Titeln FAKT (Polen), BLESK (Tschechien), NOVY CAS (Slowakei) und BLIC (Serbien) führt es in allen vier Ländern den Markt für Boulevard- und Tageszeitungen an. Im Dezember 2013 gab die Ringier Axel Springer AG den Verkauf ihres tschechischen Tochterunternehmens Axel Springer CZ a.s. und ihrer Beteiligungen auf dem tschechischen Pressemarkt an die Unternehmer Daniel Kretínský und Patrik Tkác? bekannt. Das Unternehmen gab nach dem Rückzug aus dem tschechischen Medienmarkt an, zukünftig die ungarischen Aktivitäten der Ringier AG und Axel Springer SE in das Joint Venture zu integrieren.

Die Tamedia AG mit Hauptsitz in Zürich wurde 1893 gegründet und beschäftigt rund 3.500 Mitarbeiter. Mit einem Jahresumsatz von 1052.4 Mio CHF (2012) stellt es das umsatzstärkste Verlagshaus der Schweiz nach der Ringier AG dar. Zum Repertoire des vornehmlich in der deutschen und französischen Schweiz operierenden Konzerns gehören vor allem Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften, Onlineplattformen sowie Zeitungsdruckereien.

Nach einer umsatzschwachen Periode in den Krisenjahren zwischen 2002 und 2004 (Umsätze für 2002/03/04 in Mio. CHF: 640.3/ 574.4/ 566.6), in der zeitweise der Verwaltungsrat  freiwillig auf zehn Prozent ihrer Löhne verzichtete, befindet sich Tamedia in einer anhaltenden Konsolidierungs- und Wachstumsphase. Vor dem Hintergrund einer teils aggressiven Expansions- und Übernahmestrategie auf den heimischen Medienmärkten sowie stetiger Investitionen in den Ausbau der Digitalsparten, konnte der Konzern in der vergangenen Dekade – mit Ausnahme weniger verlustreicher Geschäftsjahrgänge – ständig wachsen. Die in diesem Zusammenhang aufsehenerregendste Maßnahme war freilich die Übernahme der Lausanner Verlagshauses Edipresse. Die Verlagsaktivitäten von Edipresse, bis dato einer der führenden Presseunternehmen der Schweiz, wurden in den Zeit zwischen 2009 und 2011 sukzessive in die Tamedia-Gruppe eingegliedert. Die Fusion machte sich in einem nahezu 50 prozentigen Sprung in den Umsatzzahlen von Tamedia zwischen 2010 und 2011 bemerkbar.

Der auflagen- und reichweitenstärkste Titel auf dem Schweizer Zeitungsmarkt (Deutschschweiz: 493.236 Leser: 1,564.000, beides 2013) – die kostenlose Pendlerzeitung 20 Minuten – gehört ebenso zum Portfolio von Tamedia wie der seit 1893 erscheinende Tagesanzeiger aus Zürich. Letztere stellt mit einer Auflage von 173.417 und einer Leserreichweite von 504.000 Lesern (beides 2013) die zweitgrößte kostenpflichtige Zeitung der Schweiz dar. Auch im Onlinebereich rangiert Tamedia mit seinen Diensten 20minuten.ch/20minutes.ch/20minutes.tio.ch, newsnet.ch sowie search.ch unter den führenden Websites der Schweiz (nach unique clients).

Die NZZ-Gruppe ist das drittgrößte Tageszeitungen verlegende Medienhaus der Schweiz. Mit einem Umsatz von 519 Mio. CHF und einem Personalbestand von 1639 Mitarbeitern im Jahr 2012 rangiert sie abgeschlagen hinter den Häusern Ringier und Tamedia. Jedoch verfügt sie mit ihrem Aushängeschild und Namensgeber der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) eines der ältesten noch erscheinenden Pressetitel weltweit. Erstmals am 12. Januar 1780 (bis 1821 als Zürcher Zeitung) erschienen, hat die NZZ heute eine tägliche Auflage von 105.067 Exemplaren (internationale Ausgabe: 9.087) und erreicht 288.000 Leser in der Schweiz (2013). Das Qualitätsblatt verfügt über ein hervorragendes internationales Renommee und ist vor allem geschätzt für sein dichtes internationales Korrespondentennetzwerk, seine Wirtschaftsanalysen sowie seine Kunst- und Kulturberichterstattung. Neben der Neuen Zürcher Zeitung gibt die NZZ-Gruppe eine Reihe weiterer regionaler und überregionaler Zeitungs- und Zeitschriftentitel heraus, ist im Buchverlagswesen, unterhält regionale Radio- und TV-Stationen, produziert TV-Formate und ist an digitalen Geschäftsmodellen beteiligt.

Im Oktober 2012 führte die NZZ-Gruppe als bislang einziges Schweizer Zeitungsunternehmen eine Bezahlschranke in Form einer metered-paywall für die Onlineausgabe ihres Premiumprodukts der NZZ ein. Auf die daraufhin folgenden Debatten um die Rentabilität von Bezahlmodellen auf dem Schweizer Markt entgegnete der NZZ-Konzern bislang mit dem Hinweis, dass die Paywall nur eine Maßnahme sei innerhalb einer digitalen Gesamtstrategie. Letztere führe angesichts steigender Zugriffszahlen im Mobil- und Onlinebereich bereits zu ersten Erfolgen.

Abb. II: Entwicklung der der Auflagenzahl von Kaufzeitungen 1996-2012

Quelle: Verband Schweizer Medien, WEMF

Abb. III: Top 7 Tageszeitungen 2012 (Auflagenzahl in Tsd.)

Quelle: Verband Schweizer Medien 2012

Abb. IV: Die größten Medienkonzerne nach Umsatz 2012

Rundfunk

Im europäischen Vergleich sehen die Schweizer am wenigsten fern. Bis zu 40% der Bevölkerung verbringt weniger als oder höchstens eine Stunde täglich vor dem Fernseher. Das Schweizer Rundfunksystem ist geprägt von der hervorgehobenen Stellung ausländischer Sender und der Dominanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die relevantesten Schweizer Privatradio- und –Fernsehsender sind in konzessionierter Form und auf lokaler und regionaler Ebene tätig.

Der überwiegende Teil der konzessionierten 43 Radio- und 13 TV-Sender werden von einem Teil der Rundfunkgebühren – im Verfahren des sogenannten Gebührensplitting – subventioniert. Die Höhe der Splittingbeiträge für Privatradio und -TV hat sich infolge der Totalrevision des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen (RTVG) im Jahr 2007 im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren vervielfacht. Die splittingberechtigten privaten Radioveranstalter erhielten für die Periode 2008 bis 2011 jährlich 18.5 Mio. statt wie zuvor neun Mio. CHF und die privaten Fernsehveranstalter 31.4 Mio. statt wie bis dato 6.5 Mio. Franken zugesprochen. 2012 wurden die Gebührenanteile für Radio und TV aufgrund der Zunahme der Anzahl gebührenzahlender Haushalte abermals von 49.9 auf 54 Mio. CHF (etwa 4% des Gesamtgebührenaufkommens) erhöht; 2014 kam es zu einem erneuten Systemwechsel und die Billag-Gebühr wie in Deutschland in eine Haushaltsabgabe umgewandelt. Während die Anzahl der Gebührenempfänger im Segment Radio über die Jahre relativ konstant blieb, sank die Zahl der TV-Veranstalter von 27 im Jahr 1998 auf 13 im Jahr 2012.

Abb. V: Lokal-/Regionalradio und -fernsehen: Verteilung der Einnahmen aus den Empfangsgebühren (Gebührensplitting), in CHF

 

2007

2008-2011

2012

Lokal-Regionalradio

9.000.012

18.467.718

19.400.000

Lokal-regionalfersehen

6.500.000

31.408.004

34.600.000

Total Gebührensplitting

15.500.012

49.875.722

54.000.000

Quelle: Bundesamt für Statistik, BAKOM

Der Schweizer öffentliche Rundfunk SRG SSR ist als privatrechtlicher Verein konstituiert. Sein organisatorischer Aufbau entspricht einem Zwei-Säulen Modell:  Wahl-, Kontroll- und Beratungsfunktionen werden durch die aus vier Regionalgesellschaften bestehende Trägerschaft wahrgenommen. Zuständig für die Rundfunkproduktion ist das Unternehmen SRG mit seinen 5 Unternehmenseinheiten Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), Radio Télévision Suisse (RTS), Radiotelevisione Svizzera (RSI), Rasiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR) sowie Swissinfo.

Die SRG – mit Hauptsitz in Bern und seit 2011 unter der Direktion von Roger De Weck – beschäftigt rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 1,6 Mrd. CHF (2012), welcher sich zu rund 70 Prozent über Gebühren und zu rund 30 Prozent aus Einnahmen aus kommerziellen Aktivitäten zusammensetzt. Mit seinen 7 TV-Kanälen (drei auf deutsch, jeweils zwei auf französisch und italienisch), 17 Radioprogrammen ist die SRG Schweizer Marktführer und kann sich in den Hauptsendezeiten auch gegen die ausländischen Konkurrenzsender behaupten.

Abb. VI: Marktanteile der wichtigsten schweizer TV-Sender 2012 (in Prozent)

Anmerkungen:

Internet

Die Schweiz nimmt im internationalen Vergleich der Internetanschlussquote der privaten Haushalte sowie der Quote der Breitbandanschlüsse Spitzenpositionen ein. Mit einer Anschlussquote von 85% lag die Schweiz 2010 vor dem EU-Durchschnitt von 76% (laut Omnibus IKT 2010). Im Jahre 2010 waren in der Schweiz mehr als 77% der Haushalte mit einem Breitbandanschluss ausgestattet. Nach Südkorea (97% der Haushalte), den skandinavischen Ländern und den Niederlanden, lag die Schweiz auch in diesem Bereich bereits 2010 über dem EU-Durchschnitt von 2012: 73% (laut OECD).

Der Schweizer Onlinemarkt zeichnet sich durch ein hohes Maß an Marktkonzentration aus. Dies gilt sowohl im Bezug auf die Marktmacht einzelner Unternehmen als auch mit Hinblick Vielfalt nutzungsstarker publizistischer Onlinenagebote. Nach Angaben des Jahrbuchs "Qualität der Medien Schweiz" war die Titelzahl der erfassungsrelevanten Informationsangebote Online 2012 um 40% kleiner als bei der Presse.

Gerade im Bereich der publizistik-relevanten Onlineangebote sind es neben branchenfremden Nachrichtenanbietern in erster Linie die großen Drei (Tamedia, Ringier, NZZ-Gruppe) des Schweizer Medienmarkts sowie die SRG SSR, die den Großteil der Marktanteile unter sich ausmachen. So erzielte Tamedia 2012 in der Deutschschweiz einen Online-Marktanteil von 23%, in der französischen Schweiz gar einen Anteil von 31% (Angaben nach Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz). Ringier und die NZZ-Gruppe kommen  in der Deutschschweiz auf jeweils 17 und 5,8 % während SRG SSR 11,4 % Marktanteile verzeichnete. Den Rest des Informationsmarktes wird von branchenfremden Unternehmen und ihren Newsangeboten (Swisscom, Microsoft Advertising Schweiz, United Internet) dominiert.

Abb. VII: Die meistgenutzten Onlinedienste der Schweiz

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Google.ch

Suchmaschine

Google Inc.

2.

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

3.

Facebook.com

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

4.

Youtube.com

Videoportal

Google Inc.

5.

Wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

6.

Yahoo.com

Kleinanzeigen

Yahoo Inc.

7.

Ricardo.ch

E-Commerce

Naspers

8.

Blick.ch

News

Ringier

9.

20min.ch

News

Tamedia

10.

Live.com

Portal, Suche

Microsoft

11.

Linkedin.com

Networking

LinkedIn

12.

Amazon.de

E-Commerce

Amazon.com Inc.

13.

Blogspot.ch

Blogging

Google Inc.

14.

Twitter.com

Microblogging

Twitter Inc.

15.

Bluewin.ch

ISP-Portal

Swisscom

16.

Google.de

Suchmaschine

Google Inc.

17.

Tagesanzeiger.ch

Nachrichten

Tamedia

18.

Amazon.com

E-Commerce

Amazon.com Inc.

19.

xhamster

Pornographie

 

20.

Search.ch

Suchmaschine

Tamedia

Quelle: Alexa.com

Regulierung

Der Art. 93 über „Radio und Fernsehen“ der Schweizer Bundesverfassung (BV) stellt die Grundlage des regulativen Handels des Schweizer Staates dar. In ihm wird neben der staatlichen Gestaltungskompetenz im Bereich der Medienordnung auch ein allgemeiner Leistungsauftrag an Radio- und Fernsehbetreiber ausgesprochen: „Radio und Fernsehen tragen zur Bildung und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung bei. Sie berücksichtigen die Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone. Sie stellen die Ereignisse sachgerecht dar und bringen die Vielfalt der Ansichten angemessen zum Ausdruck“ (Art.93, II, BV).  

Das Radio und Fernsehgesetz (RTVG) sowie die dazugehörige Verordnung (RTVV) unterscheiden als Hauptadressaten des verfassungsmäßigen Leistungsauftrags den öffentlichen Rundfunk, konzessionierte Radio- und TV-Veranstalter sowie Nichtkonzessionierte Privatsender. Nach dem öffentlichen Rundfunk sind es die Programme der konzessionierten Rundfunkbetreiber, die über den Einsatz eines Qualitätssicherungsverfahrens am stärksten nach Einhaltung von Leistungsstandards kontrolliert werden. Die nichtkonzessionierten Sender hingegen müssen lediglich Minimalstandards einhalten, dürfen hierfür nur wenige Übertragungsfrequenzen nutzen und erhalten keine Zuwendungen aus dem Gebührensplitting.

Ebenfalls in Art.93 BV wird das Gebot formuliert, wonach Radio und Fernsehen eine besondere „Rücksicht“ auf die „Stellung und die Aufgabe anderer Medien, vor allem der Presse“ zu nehmen haben. Die hier zum Ausdruck kommende besondere Geltung der Presse im Schweizer Medien- und Verfassungsgefüge äußert sich auch in den verschiedenen staatlichen Pressesubventionierungsmaßnahmen. Am relevantesten hierbei sind die indirekten Presseförderungen in Form von Verbilligungen der Posttaxen für den Zeitungstransport sowie reduzierte Mehrwertsteuersätze.

Zu den wichtigsten Schweizer Medienregulierungsinstanzen zählt der Schweizer Bundesrat, die Eidgenössische Kommunikationskommission (Comcom), das Eidgenössische Department für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM). Der Schweizer Bundesrat verfügt über weitgehende Regulierungskompetenzen. Neben u.a. der Festlegung von Empfangsgebühren, der Bestimmung von Programmhöchstzahlen beruft es die sieben Mitglieder der ComCom, welche als unabhängige Konzessions- und Regulierungsbehörde u.a. für die Vergabe von Telekommunikationsfrequenzen zuständig ist.
 
Die UVEK prüft u.a. den Finanzhaushalt der SRG, entscheidet über Konzessionen für private Rundfunkveranstalter und legt die Anteile an Geldern aus dem Gebührensplitting fest, welche die konzessionierten Privatsender erhalten.

Das BAKOM wurde 1992 gegründet und ist institutionell an das UVEK angegliedert. Zu seinen Aufgaben gehören neben einer Vielzahl regulatorischer und konsultatorischer Zuständigkeiten, auch die Entwicklung von medienpolitischen Strategien und  die Benennung von Maßnahmen für die „Förderung der Informationsgesellschaft“.

Ausblick

Die Schweiz sei „kein Heidiland für Zeitungsverleger“, so hatte es bereits 2009 der damalige Tamedia-CEO Martin Kall formuliert. Tatsächlich ging die globale Konjunkturschwäche der Presse – trotz einer historisch tief verwurzelten Zeitungskultur, des Ausbleibens dramatischer Auflagen- und Erlöseinbrüche und grundsätzlich solider medienunternehmerischer Strukturen – auch an der Schweizer Medienbranche nicht spurlos vorbei. Tendenzen und Ereignisse wie der Rückgang von Werbelösen, der Zeitungsleserschwund bei jungen Alterskohorten, der Abbau von mehreren hundert Redaktionsstellen in den letzten vier Jahren haben auch in der Schweiz die Sorge um die Zukunft des Printsektors steigen lassen.

Dabei ist ein immer wiederkehrender Streitpunkt innerhalb der Schweizer Debatte die Frage nach einer aktiveren Rolle des Staates bei der Gestaltung und Finanzierung des Pressesektors. So hatte die staatspolitische Kommission des Schweizer Nationalrats bereits Anfang 2012 in einem aufsehenerregenden Motion die demokratiepolitische Funktionen der Medien „zunehmend infrage“ gestellt gesehen und den Bundesrat aufgefordert, binnen zwei Jahren ein Förderkonzept und den Entwurf rechtlicher Grundlagen für die indirekte und direkte Medienförderung vorzulegen. Als Ausgangspunkt ihrer Forderungen nannte die Kommission den Rückgang unabhängiger Zeitungstitel mit relevanter Reichweite. Seit dem Jahr 2000 sei die Zahl unabhängiger Zeitungen von 45 auf 32 (2012) um 25 Prozent gesunken. Der Bundesrat und der Verband der Schweizer wehren sich gegen zu weitreichende Forderungen und vor allem gegen das Anliegen einer direkten staatlichen Presseförderung.

Insgesamt  begegneten Schweizer Medienunternehmen dem digitalen Strukturwandel und Konjunkturkrisen bislang erfolgreich. Allen voran die „großen Drei“ Ringier, Tamedia und NZZ-Gruppe konnten mit der Einführung einer Reihe von neuen Online- und Mobilprodukten und -Diensten sowie mit Investitionen in den technischen und personellen Ausbau steigende Wachstumsraten in den Digitalsparten verzeichnen und den strukturellen Rückgang des Print-Geschäfts kompensieren.

Quellen/Literatur

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