Länderporträt Portugal

Einwohner: 10,8 Millionen (80. Rang weltweit)      
Haushalte: 4,8 Millionen (2012)      
Durchschn. Haushaltsgröße: 2,6 Personen (2012)    
Religionen: Römisch-Katholisch (79,5 %)      
Größte Städte: Lissabon (2,04 Millionen Einwohner im Großraum), Porto (237.000) 
Regierungsform: Parlamentarische Republik      
Staatspräsident: Prof. Dr. Aníbal Cavaco Silva (seit 2006)
Regierungschef: Ministerpräsident (Primeiro-Ministro) Pedro Passos Coelho (PSD) seit 21.06.2011
EU-Beitritt: 1986
Arbeitslosenrate 2013: 15,4 %      
Staatsverschuldung 2013: 213,6 Mrd. EURO (128,9 % des BIP)   
Haushaltssaldo in Relation zum BIP 2013: -5,9 %     
Werbeausgaben gesamt: 375 Mio. Euro (2013)     
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 238 Min. pro Tag (2013)    
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: COFINA, GLOBAL MEDIA GROUP, IMPRESA, MEDIA CAPITAL, NOS, SONAECOM, PORTUGAL TELECOM, MEO

Einführung

Im April 2011 beantragte Portugal, als drittes Land nach Griechenland und Irland, Finanzhilfen der Europäischen Union – das hochverschuldete, traditionell ärmste Land Westeuropas stand vor dem Bankrott und flüchtete sich unter den milliardenschweren Rettungsschirm von EU und IWF. Die Folgen der Finanzkrise: harte soziale Einschnitte, die die Bevölkerung hinnehmen musste; ein drastischer Werbeeinbruch, der alle Medien traf; Strukturreformen (Liberalisierung im Arbeitsrecht, Stärkung der Finanzverwaltung, Steuerreform, Personalabbau im Öffentlichen Dienst), die dann allerdings erfolgreich umgesetzt wurden (Quelle: Bundesfinanzministerium). Es ist bekannt, dass es 2014 mit Portugal bergauf ging, dass sich Portugal seit Mitte 2014 wieder eigenständig am Kapitalmarkt finanziert. Doch auch wenn die Talsohle der Rezession Mitte 2013 durchschritten wurde, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Wirtschaft leichtes Wachstum verzeichnet: „Der Reformweg ist nocht nicht abegeschlossen“, die Situation bleibt angespannt. Portugal braucht Kapital und Investitionen aus dem Ausland.

Zum Beispiel aus Angola. Und das ist hierzulande wenig bekannt: Das sehr besondere Verhältnis, die enge Verbundenheit von Portugal und seiner ehemaligen, vielhundertjährigen Kolonie in Südwest-Afrika. Man wird heute kaum einen Portugiesen finden, heißt es, der nicht einen Freund oder Verwandten in Angola hat (auch Premierminister Passos Coelho verbrachte seine Kindheit dort). Schätzungsweise 100.000 Portugiesen leben in Angola, dem größten Erdölproduzenten des Kontinents (dazu mit bedeutenden Diamantenvorkommen), der selbsternannten „neuen afrikanischen Großmacht“. Viele, v.a. jüngere Portugiesen suchen Arbeit im Land des Wirtschaftsbooms, die meisten in der Hauptstadt Luanda, der teuersten Stadt der Welt für expatriate workers (vor Moskau, Tokio, Hong Kong). Portugiesisch ist hier die alleinige Amtssprache.

Und jetzt kommen die zu enormem Reichtum gekommenen Angolaner und tun, was sich ihre krisengeplagte frühere Kolonialmacht nur wünschen kann: sie investieren. Und zwar in großem Umfang, in Banken, Telekommunikation, Öl- und Erdgasbetreiber. Und in portugiesische Medien. Sie kaufen Anteile an Zeitungen, Kabelsendern und ganzen Medienkonzernen. Man nennt es auch reverse colonization, oder a curious reversal of fortunes. Das Problem: In Sachen Pressefreiheit hat der große Investor aus Afrika immer schlecht abgeschnitten, 2015 etwa belegte Angola Platz 123 (von 180) in der Rangliste der Pressefreiheit von „Journalisten ohne Grenzen“, ein Platz hinter Afghanistan. Diese shady investments sorgen dann dafür, dass sich Zeitungen und Radios mit allzu kritischer Berichterstattung über Angola zurückhalten, um die Geldgeber nicht zu verstimmen. Beobachter sprechen von Selbstzensur.

Die größten Medienkonzerne Portugals

Historische Grundlagen

Zunächst soll an die erste portugiesische Zeitung erinnert werden, und sei es nur um ihres bemerkenswerten und sehr ungewöhnlich langen Titels willen: 1641 erscheint die „Gazeta, em que se relatam as novas todas, que ouve nesta corte, e que vieram de várias partes no mês November 1641“ („Zeitung, die alle Neuigkeiten berichtet, die an diesem Hof zu hören waren zu verschiedenen Zeitpunkten im Monat November 1641“).

Die Nelkenrevolution im April 1974 – also die gewaltfreie Abschaffung des Estado Novo, der autoritären Salazar-Diktatur – aber war sicherlich für Portugal, wie auch für die portugiesischen Medien, das einschneidende geschichtliche Ereignis des 20. Jahrhunderts. Bis 1974 unterlagen sämtliche Medien der Zensur; die Pressefreiheit wurde dann im Artikel 38 der Verfassung von 1976 (zwei Jahre nach der Revolution) erstmals garantiert – zumindest theoretisch. Tatsächlich waren die ersten Jahre nach dem Aufstand 1974 geprägt von Revoutionswirren und politischer Instabilität. Keine der gewählten, doch nur provisorischen Regierungen war in der Lage eine vollständige Pressefreiheit zu gewährleisten. An Überparteilichkeit im staatlichen Fernsehen z.B. war in diesen frühen Jahren der Demokratie nicht zu denken.

Alle Medien wurden den Zielen der jeweiligen Regierung untergeordnet, etwa während des Gonçalvismo im November 1975 (unter dem kommunistischen Premier Vasco Gonçalves), und noch mehr unter dem darauffolgenden gemäßigten VI provisional government: Beim Fernsehen galt fortan (bis in die frühen 1990er) das Staatsmonopol des öffentlichen RTP-Radiotelevisão Portuguesa, beim Radio ein aus der staatlichen Sendergruppe Radiodifusão Portuguesa (RDP) und dem katholischen Radio Renascença (RR) bis Mitte der 1980er Jahre bestehendes Duopol.

Weiterreichende Veränderungen begannen erst, nachdem eine stabile konservative Mehrheitsregierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Cavaco Silva (dem heutigen portugiesischen Staatspräsidenten) 1987 an die Macht gekommen war (ein Jahr nach dem EG-Beitritt 1986). Es gab einen Wirtschaftsboom, erhöhte Werbeausgaben, vergleichsweise unabhängige Zeitungen wie O Independente und Público wurden gegründet. In der öffentlichen Meinung regte sich zunehmend Widerstand gegen die staatliche Machtkonzentration in den Medien – große Teile des Banken-, Versicherungs- und Mediensektors waren nach der Revolution 1974 nationalisiert worden. Presse, Radio, Fernsehen: Alles stand noch immer unter staatlicher Kontrolle.

Nach den politischen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen in den 1980ern aber wurde deutlich: Eine gewisse Öffnung der Medienmärkte stand bevor. Zunächst im Radiosektor, auch durch eine normative Kraft des Faktischen. Schon Mitte des Jahrzehnts war explosionsartig eine sehr große Zahl von illegalen (regionalen) Sendern entstanden. 1989 dann, endlich, bekamen 310 von ihnen eine Frequenz zugesprochen. 1991 wurden die zwei wichtigsten staatseigenen Tageszeitungen privatisiert: Jornal de Notícias und Diário de Notícias.Umstrittener Käufer war allerdings der bedeutende Medienkonzern Lusomundo, dem enge Verbindungen mit der Regierung nachgesagt wurden.

Dann die wesentliche Neuerung von Cavaco Silvas Medienreform: Im Juni 1989 beschloss die Nationalversammlung eine Verfassungsänderung und machte so den Weg frei für das Privatfernsehen; zwei landesweite TV-Sendefrequenzen sollten vergeben werden. Die katholische Kirche meldete sich damals als erste, mit einem sozusagen naturgegebenen Anspruch auf einen eigenen Kanal, und zwar ohne Teilnahme am Bieterverfahren. Sie berief sich dabei auf den früheren Premier Sá Carneiro, der sich Ende der 1970er dahingehend geäußert haben solle. Das neue Fernsehgesetz vom 13.7.1990 ging darauf allerdings nicht ein, die Kirche fühlte sich benachteiligt, es kam zu ernsthaften Tumulten im Parlament, angefeuert von scharfen Kommentaren im kirchlichen Radio Renascença.

All das half nichts, die Kirche (bzw. das ihr nahestehende Televisão Independente (TVI)) musste sich ganz normal für eine der beiden Frequenzen bewerben. Zwei weitere Kandidaten traten nach Festlegung der Regeln für das Bieterverfahren am 2.4.1991 an: Die Sociedade Independente de Comunicação (SIC) des Unternehmers und konservativen Ex-Premierministers Pinto Balsemão und TV1 Rede Independente. Zehn Monate später, am 6.2.1992, das Ergebnis: SIC bekam den dritten, das kirchliche TVI den vierten landesweiten Kanal. Im Rückblick lässt sich feststellen, dass die Politiker an der Macht, nach Jahrzehnten von Diktatur, Zensur und vollständiger Kontrolle über die staatlichen Sender sehr unsicher im Umgang mit freien Medien, sich nur mit einem mangelhaften Fernsehgesetz zu helfen wussten. Es ging ja auch in der Öffentlichkeit nur darum, wem man die zwei neuen Kanäle zusprechen würde; zentrale Fragen wie die Finanzierung, die Ausgewogenheit des Programms und die nationale Fernsehproduktion wurden ausgeblendet. Die Folge: Nichts verbat den Privatsendern dann den einfachen Weg mit billiger Importware.

Außerdem wurde mit der Lei da Televisão die Rundfunkgebühr abgeschafft – ohne vorher untersucht zu haben, ob das Werbevolumen des portugiesischen TV-Markts überhaupt vier landesweite Fernsehkanäle tragen kann. Besonders RTP geriet zwangsläufig in wirtschaftliche Schwierigkeiten, musste sich um Quote und Werbeetats bemühen und wurde de facto ein weiterer Privatsender. Profitabel war RTP dann aber nie, genauso wie es die klassischen Aufgaben von öffentlich-rechtlichem Rundfunk kaum mehr erfüllen konnte, und wohl auch nicht musste.

Der katholischen Kirche, die schon immer eine bedeutende Rolle in den portugiesischen Medien gespielt hatte (mit hunderten von Regionalzeitungen, dutzenden Lokalradios und besonders den landesweit empfangbaren, erfolgreichen RFM und Rádio Renascença) war also mit TVI die vierte Frequenz zugesprochen worden. Die wichtigsten Shareholder des „christlich inspirierten“ Privatkanals waren Rádio Renascença, die União das Misericórdias, Editorial Verbo und Companhia de Jesus (alle direkt/indirekt mit der Kirche verbunden). Dazu kamen mit der CLT (Luxemburg) und Antena 3 (Spanien) noch internationale Investoren. Fünf Jahre lief das Ganze, dann erkannten die Kirchenoberen, dass der Betrieb eines Fernsehsenders ihre Managementkapazitäten und Finanzmittel doch übersteigen würde. 1997 wurde TVI an den heutigen Besitzer, die Media Capital-Gruppe, verkauft.

Ein erstes portugiesisches Kabel TV-Projekt war 1992 auf der Insel Madeira entstanden, zwei Jahre später im kontinentalen Portugal unter dem Namen TV Cabo. Satellitenfernsehen wurde erstmals 1998 angeboten, IPTV (SmarTV von Optimus Clix) 2006, die Inbetriebnahme von digital terrestrischem DVB-T erst 2009, mit nur den vier großen analogen Sendern. Man kann festhalten: Die Einführung neuer Sendestandards fand in Portugal stets mit etwas Verspätung statt (das Farbfernsehen wurde am 10.3.1980 eingeführt).

Noch zu erwähnen wären die neuen Player, die um 2005 auf den Plan traten. Zum einen die schon erwähnten neureich-finanzstarken Geldgeber aus Angola (was nicht immer auf positive Resonanz stieß, vor allem bei Beobachtern der Pressefreiheit) oder die Ongoing Strategy Investments-Gruppe, die seit der Neugründung 2004 den strategic focus verstärkt auf Telekommunikation, Medien und Technologie legte (Ongoing hält heute z.B. 23% am Medienkonzern Impresa und ist mit 10% größter portugiesischer Anteilseigner an Portugal Telecom).

Medienunternehmen und -konzerne

Neben dem Staat und der katholischen Kirche sind es sechs (im europäischen Vergleich eher kleinere) Mediengruppen, die praktisch das gesamte Print- und TV-Geschäft kontrollieren.

Tab. I: Struturdate der wichtigsten Medienkonzerne 2013

Medienkonzern

Gründungsjahr

Mitarbeiter

Umsatz

Gewinn

COFINA SA

1995

883

107,7 Mio. €

4,7 Mio. €

GLOBAL MEDIA GROUP
Zuvor CONTROLINVESTE

2005

n/a

n/a

n/a

IMPRESA

1991

1134

237,2 Mio. €

6,6 Mio. €

MEDIA CAPITAL

1992

931 (2011)

181,7 Mio. €

13,7 Mio. €

NOS (nach der Fusion 2014 von ZON und Optimus)

1994 (als PT Multimédia)

n/a

1.384 Mio. € (2014)

74,4 Mio. €
(2014)

SONAECOM

1994

675

117 Mio. €

42,6 Mio. €

COFINA ist die führende portugiesische Mediengruppe im Printbereich. Das Konzern-Portfolio umfasst unter anderem die auflagenstarke Boulevard-Tageszeitung Correio da Manhã (tägliche Auflage 150.000), die Gratiszeitungen Metro und Destak, die landesweit führende Sport-Tageszeitung Record und das Wirtschaftsblatt Jornal de Negócios. Außerdem verlegt Cofina das Wochenmagazin Sábado, die Programmzeitschrift TV Guia, das Flash!-Society Magazin, die Frauenzeitschrift Máxima und die portugiesischen Ausgaben von Vogue und GQ. Dazu betreibt Cofina den Kabelsender Correio da Manhã TV („cmTV“) und eine Reihe erfolgreicher Internetportale. Die Verbindung mit Angola ist eher unbedeutend. Nach einer Reihe von Anteilsverkäufen hält die Newshold SGPS SA seit Oktober 2014 noch 1,98% an Cofina. Newshold ist eine 91,25-prozentige Tocher der in Panama gelisteten Pineview Overseas SA, im Besitz des angolanischen Unternehmers/Bankers Álvaro Madaleno Sobrinho und seiner Familie.

GLOBAL MEDIA GROUP (bis Januar 2015 Controlinveste) ist in den Sparten Presse, Radio und Internet aktiv, z.B. mit den angesehenen Tageszeitungen Diário de Notícias und Jornal de Notícias, der Sportzeitung O Jogo, mit dem in erster Linie als Nachrichten- und Informationskanal bekannten Radiosender TSF. Controlinveste war 2005 von dem portugiesischen Medienunternehmer Joaquim Oliveira gegründet worden, der nach der Umstrukturierung und Umbenennung des Konzerns 27,5% der Anteile hält. Weiterer Anteilseigner (27,5%) ist heute eine angolanische Investorengruppe unter Führung von Antonio Mosquito.

Im Zentrum von IMPRESA steht der eminente portugiesische Journalist und Politiker Francisco Pinto Balsemão, Premierminister von 1981 bis 1983, Ururenkel des brasilianischen Kaisers Peter I., Jahrgang 1937. Noch während der Salazar-Diktatur gründete er 1972 die Wochenzeitung Expresso, heute nichts weniger als das portugiesische Leitmedium (zum Print-Portfolio gehören weiterhin das Nachrichtenmagazin Visão und eine große Zahl weiterer Magazine). Dazu zählt zum IMPRESA-Konzern der Fernsehsender SIC, der 1992 gegründete erste Privatsender Portugals. Neben dem terrestrischen Hauptprogramm sendet SIC vier weitere Satelliten- und Kabelprogramme.

Eigentümerstruktur am 31.12.2013: Über 50% werden von Firmengründer und Chairman of the Board Francisco Pinto Balsemão kontrolliert, ca. 23% von der seit Mitte der Nuller Jahre besonders im Medienbereich aktiven portugiesischen Investorengruppe Ongoing, 3,2% von Newshold.

MEDIA CAPITAL, “one of the leading media groups in the Iberian market“, betreibt seit 1999 mit TVI den zweiten privaten Fernsehsender in Portugal (1993), diverse Radiosender und mit Plural Entertainment den führenden Telenovela- und Entertainment-Produzenten (vor allem für den portugiesischen und den spanischen Markt) mit Standorten nahe Lissabon, in Miami, Buenos Aires und São Paulo. Mehrheitseigner an Media Capital zu fast 95% ist die milliardenschwere Grupo Prisa (Madrid), das größte Medienunternehmen auf dem iberoamerikanischen Markt.

NOS ist Internet-Provider und Anbieter von Mobilfunk, Satelliten- und Kabelfernsehen, der wichtigste Akteur auf dem Pay-TV-Markt. Weitere Aktivitäten (Auswahl): Die Produktion von Programmbouquets mit Themenkanälen (TVCine, TVSéries) und des Sport-Bezahlsenders Sport TV (Anteil NOS: 50%). NOS ist der größte Kinobetreiber und einer der größten Filmvertriebe in Portugal. Hervorgegangen ist das Unternehmen 1994 aus einer Abspaltung der Multimedia- und Pay TV-Aktivitäten der staatlichen Telefongesellschaft Portugal Telecom (PT Multimédia). Es folgten eine Reihe von Fusionen und Umbennenungen (TV Cabo, ZON Multimédia, ZON Optimus), die letzte im Mai 2014 mit der Umbennenung von ZON Optimus in NOS. Über Isabel dos Santos, älteste Tochter des seit 1979 regierenden Präsidenten von Angola, José Eduardo dos Santos, ist NOS eng mit Angola verbunden. Isabel dos Santos ist einer der Hauptanteilseigner und hält über die Kento und Unitel Holdings einen 50-prozentigen Anteil an der ZOPT, SGPS, S.A., die wiederum 50,01% an NOS besitzt. Die übrigen 50% an ZOPT hält SONAECOM. In Angola betreibt NOS zudem den Aufbau eines Glasfaser-TV- und Internetnetzes und den Pay-Kanal ZAP (30% NOS, 70% SOCIP (Isabel dos Santos)).

SONAECOM, gegründet 1994, Teil des Mischkonzerns SONAE (größter privater Arbeitgeber, größter Steuerzahler Portugals). Neben Público, eine der führenden Tageszeitungen, betreibt SONAECOM den Software-Entwickler SSI. Dazu hält Sonaecom einen 50%-Anteil am NOS-Mehrheitseigner ZOPT. Fast 90% an SONAECOM besitzt das Mutterunternehmen SONAE SGPS.

Abb. I: Werbeumsätze 2014 nach Gattungen (Prozentsatz am Gesamtumsatz)

Quelle: MediaMonitor, MMV/AdMonitor

Presse

Elektronische Medien spielen die Hauptrolle in Portugal, Zeitungen wurden immer schon deutlich weniger genutzt – was sicherlich auch auf den europaweit vergleichsweise niedrigen Alphabetisierungsgrad von 94,8 Prozent (2011) zurückzuführen ist (auch wenn die Analphabetenquote seit 1991 von 11 Prozent auf 5,2 Prozent gesunken ist). Dieser schwache Print-Markt sah sich den Auswirkungen der Wirtschaftskrise besonders ausgesetzt, durch sinkende Auflagen und Werbeausgaben, durch die starke Konkurrenz der Gratiszeitungen und die Präferenz vor allem der Jungen für Online-Medien. Die New York Times fasst zusammen: “It would be hard to find a less promising country in which to start a newspaper than Portugal.“

Die führenden Titel sind:

Expresso, wöchentliches Nachrichtenmagazin und unabhängige, meinungsführende Qualitätspublikation (Auflage ca. 100.000). Gegründet 1973, also noch unter den Zensurbedingungen vor der Revolution, vom Medienunternehmer und späteren Premier Francisco Pinto Balsemão. Teil des Impresa-Konzerns (an dem der angolanische Investor Newshold seit Oktober 2013 einen 3,21 prozentigen Anteil hält).

Sol, vom ehemaligen Expresso-Chefredakteur José António Saraiva 2005 gegründete samstägliche Wochenzeitung (Auflage ca. 50.000), mehrheitlich im Besitz der angolanischen Offshore-Mediengruppe Newshold.

Visão (Auflage ca. 90.000) ist das dritte große Nachrichtenenmagazin in Portugal. Erscheint seit 1993, internationale Vorbilder: Time und Der Spiegel. Wie Expresso Teil von Impresa.

Correio de Manha, täglich erscheinende Boulevardzeitung, mit ca. 150.000 die portugiesische Publikation mit der höchsten Auflage. Gegründet 1979, Teil des Cofina-Konzerns.

Diário de Noticias, Tageszeitung und liberal-konservatives Traditionsblatt (Auflage 30.000), gegründet in Lissabon 1864 vor dem Ende der Monarchie 1910. Neben Público und dem Jornal de Noticias eine der wichtigen portugiesischen Tageszeitungen. Teil der Global Media Group, die 2014 aus dem Medienkonzern Controlinveste hervorgegangen ist.

Jornal de Noticias, auflagenstarke Tageszeitung (85.000), gegründet 1888 in Porto, gehört ebenfalls zur Global Media Group.

Público, anspruchsvolle portugiesische Tageszeitung, 1990 von ehemaligen Expresso-Redakteuren gegründet (Auflage ca. 35.000). Teil des Mischkonzerns Sonae.

i bzw i Informaçao ist die jüngste Tageszeitungsgründung des Landes mit einer derzeitigen Auflage von ca.12.000. Ein Qualitätsprojekt, innovativ, mit modernem, randlosem Layout, das sich seit Mai 2009 am Markt behauptet. Mehrheitseigner seit Anfang September 2014: die Angolaner von Newshold.

Dazu kommen die für ein kleineres Land wie Portugal erstaunliche Zahl von drei Sport-Tageszeitungen (im wesentlichen mit Fußball befasst): Record (Auflage: 80.000), O Jogo (33.000), A Bola (ca. 80.000) und die auch in Portugal und dem dortigen Werbemarkt erfolgreichen Gratiszeitungen wie Destak und Metro. Die über 600 kleinen, meist wöchentlichen Lokal- und Regionalzeitungen spielen so gut wie keine Rolle.
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Fernsehen

DVB-T
Die Umstellung vom analog-terrestrischen Fernsehen auf das digital-terrestrische DVB-T ist im Europa-Vergleich spät erfolgt, erst 2009, und dann mit nur den vier großen Sendern (RTP1, RTP2, SIC, TVI). Mit diesem sehr geringen Angebot an DVB-T-Sendern belegt Portugal dem European Audiovisual Observatory zufolge unter 34 europäischen Ländern den letzten Platz.

Öffentlich-rechtliches Fernsehen
Die Rundfunkanstalt Rádio e Televisão de Portugal (RTP) betreibt die beiden landesweit digital-terrestrisch ausgestrahlten RTP1 und RTP2. Dazu veranstaltet RTP den Nachrichtensender RTP Informação (Kabel/Satellit) und lusophone Regionalsender (RTP Açores, RTP Madeira). RTP1 (regulärer Sendestart 1957) ist das erste portugiesische Fernsehen, Flaggschiff-Kanal der öffentlich-rechtlichen RTP-Gruppe mit dem typischen Vollprogramm aus Nachrichten, Talk, Sport und portugiesischer/internationaler Fiction (Zuschaueranteil 2014: 15,7%). RTP2 (Sendestart 1968) sendet ein werbefreies Kulturprogramm jenseits des Mainstreams: Dokumentarfilme, Theater, klassische Musik. Qualitätsfernsehen nach dem Modell von Arte und BBC Two (Zuschaueranteil 2014: 2,1%).

Im Zuge der mit der EU/dem IWF vereinbarten Umstrukturierungs- und Sparmaßnahmen hatte die portugiesische Regierung im Sommer 2012 Pläne für eine RTP-(Teil)Privatisierung bekanntgegeben; der öffentlich-rechtliche Rundfunk drohte ein weiteres Opfer der Finanzkrise zu werden. Aus Protest trat die gesamte Unternehmensführung Anfang September 2012 zurück. Im Januar 2013 hieß es dann, die europaweit umstrittenen Pläne würden vorerst zurückgestellt, um dem ohnehin geschwächten privaten Sektor (der Werbemarkt war in den Vorjahren um 46% geschrumpft) nicht weiter zu schaden. Vom Tisch seien die Privatisierungspläne aber nicht. Und hier kommt Angola wieder ins Spiel, denn tatsächlich bekundet die Newshold SA (mit Beteiligungen an Cofina, Impresa, Expresso, Sol, i informaçao) im Dezember 2012 ihr nachhaltiges Interesse an einer Übernahme von RTP. Falls doch noch entschieden wird, das öffentliche portugiesische Fernsehen zu privatisieren.

Privatfernsehen
Zusammen mit RTP1 sind es die zwei privaten terrestrischen Vollprogramme, die den Markt dominieren. SIC (Sociedade Independente de Comunicação) war im Oktober 1992 der erste Privatsender, der auf Sendung ging, und ist Teil des IMPRESA-Medienkonzerns von Ex-Premier Francisco Balsemão. Das SIC-Programm basiert auf Telenovelas (portugiesisch, brasilianisch), dazu Nachrichten und gängige US-Serien mit Untertiteln (Zuschauerquote 2014: 19,3%). Das Programmprofil von TVI (Televisão Independente), gegründet einige Monate nach SIC im Februar 1993, unterscheidet sich nicht wesentlich: Ein üblicher Soap/Reality-Mix, News, einige US-Serien und –Movies, sehr viel Talk-Shows. Trotzdem ist TVI (Media Capital) Marktführer seit 2005 (mit Primetime-Quoten von fast 40% und einem Marktanteil 2014 von 23,4%).

Kabel-Fernsehen, Satelliten-TV, IPTV
Unter diesen Umständen mit wenigen über Antenne empfangbaren Kanälen erklärt sich der für Europa überdurchschnittliche Zuspruch, den Pay TV-Angebote erfahren: Die deutliche Mehrheit der Portugiesen (72,5% der Haushalte 2012) hat Pay-Dienste abonniert. Die meisten Pay TV-Abonnenten (40,8%) nutzten hier Ende 2014 die klassische Kabeltechnologie, 22,6% das Internet (xDSL), 18,7% moderne Glasfasernetze, 17,9% empfingen Satelliten-TV, 67% aller Abonnenten mehr als 80 Kanäle. Ende 2014 sind die wesentlichen Anbieter von portugiesischem Bezahlfernsehen NOS (des gleichnamigen Medienkonzerns, Marktanteil 44%), MEO (Portugal Telecom, Marktanteil 42,2%), Vodafone (Marktanteil 7,5%) und Cabovisão (Marktanteil 6,2%).

Tab. II: Marktanteile der größten TV-Sender Januar bis März 2015

 

Sender

Veranstalter

Marktanteil in Prozent

1.

TVI

Media Capital

23,1

2.

SIC

Impresa

19,3

3.

RTP1

RTP

15,8

4.

Hollywood

AMC (Spanien), NOS (Portugal)

2,3

5.

RTP2

RTP

1,8

6.

SIC Noticias

Impresa

1,7

7.

AXN

Sony Pictures Entertainment

1,5

8.

Disney Channel

Disney

1,4

9.

TVI24

Media Capital

1,2

10.

Fox

Fox

1,2

Quelle: CAEM

Radio

Auch wenn der Prozentsatz zurückgeht, noch immer ist jeder achte Portugiese katholisch, gerade im Radio spielt die katholische Kirche eine große Rolle in Portugal. Rádio Renascença („RR“, Radio Wiedergeburt, zuerst ausgestrahlt 1936) blickt zudem auf eine große Tradition zurück. Hier wurde um Mitternacht am 25.4.1974 das verbotene Lied „Grandola, Vita Morena“ gespielt, was heute als Signal für den Start der Nelkenrevolution gilt. Zur quotenstarken kirchlichen Sendergruppe r/com gehören weiterhin das sehr erfolgreiche RFM (für die Jüngeren), Radio Sim (für Hörer ab 55) und Mega Hits (Charts).

Die Privatsender vom Media Capital-Konzern (Grupo Prisa) bilden die zweite Kraft im Radiomarkt, hier in erster Linie Radio Comerçial (mit 22,7% reichweitenstärkster portugiesischer Sender im Dezember 2014) mit typischem Mainstream-Programm. Dazu Cidade FM (Hits für 15-24-Jährige), M80 (Musik aus den 70ern, 80ern, 90ern) und Smooth FM (Jazz, Blues, Soul).

Die öffentlich-rechtlichen RTP-Radios heißen Antena 1 (der ehemalige 1935 gegründete „Nationalsender“, Vollprogramm mit Aktuellem und hauptsächlich portugiesischer Musik), Antena 2 (Kultur, klassische Musik, seit 1948) und 3 (Jugendsender, abseits des Mainstream, gegründet 1994). Ein Blick in aktuelle Quoten-Rankings zeigt: Mit dem Hörerzuspruch der Kommerziellen kann das öffentliche Programm nicht mithalten, da rangiert man deutlich abgeschlagen.

Weiter kann man das landesweit sendende TSF ansprechen (führendes portugiesisches News-Radio, gegründet 1988, Teil der Global Media Group) und die mehr als 300 privaten Regional- und Lokalradios.

Tab. III: Größte Radiosendergruppen, Marktanteile 2014

 

Unternehmen

Eigentümer

Wichtigste Sender (Marktanteil Dezember 2014)

Marktanteil Dezember 2014

r/com

Katholische Kirche

RFM (22,3%)

Renascença (8,0%)

Radio Sim (2,3%)

Mega Hits (2,2%)

34,9 %

Media Capital Rádios

Media Capital (Grupo Prisa)

Radio Comercial (22,7%)

M80 (5,9%)

Cidade (3,3%)

Smooth FM (0,8%)

32,8 %

RTM

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Antena 1 (5,7%)

Antena 2 (2,9%)

Antena 3 (0,7%)

9,5 %

TSF

Global Media Group

 

4,0 %

Weitere Radiosender

 

 

16,8%

Quelle: Marktest

Internet

Ca. 59 Prozent der portugiesischen Bevölkerung hatten 2012 Zugang zum Internet, der durchschnittlich 13,2 Stunden pro Woche genutzt wurde (nur 59 Prozent, müsste man sagen, wo doch Portugal eines der wenigen europäischen Länder ist, in denen DSL praktisch auf dem gesamten Territorium verfügbar ist). Größte Anbieter sind Portugal Telecom (bzw. die Tochter SAPO) und Sonaecom, ZON, Vodafone.

Tab. IV: Die 20 beliebtesten Internetseiten 2014

 

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Google.pt

Suchmaschine

Google Inc.

2.

Facebook.com

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

3.

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

4.

Youtube.com

Videoportal

Google Inc.

5.

Sapo.pt

Suchmaschine, Internet-
Provider

Portugal Telecom

6.

Wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

7.

Bet365.com

Online-Wetten

Bet365

8.

Live.com

Suchmaschine

Microsoft

9.

Olx.pt

Online-Marktplatz

Naspers

10.

LinkedIn.com

Soziales Netzwerk

Linkedin Corporation

11.

Twitter.com

Microblogging

Twitter

12.

xl.pt

Webportal

Cofina

13.

Yahoo.com

Webportal, Suchmaschine

Yahoo Inc.

14.

Abola.pt

Sportnachrichten

Sociedade Vicra Desportiva

15.

iol.pt

Webportal

Media Capital

16.

Wareztuga.tv

Video-on-demand

n/a

17.

Instagram.com

Microblogging, Foto-und
Video-Sharing

Facebook Inc.

18.

Publico.pt

Nachrichten

Sonaecom

19.

Imdb.com

Internet-Filmdatenbank

amazon.com

20.

Wordpress.com

Blog-Platform

Automattic Inc.

Quelle: Alexa.com

Regulierung

Die zentrale Regulierungs- und Aufsichtsbehörde für den Kommunikationssektor (und die Post) in Portugal heißt „Autoridade Nacional de Comunicações“ (Anacom), gegründet 1981. Ihre Hauptaufgaben sind die Vergabe von Sendelizenzen und die Überwachung von Meinungsvielfalt, Wettbewerb und Preis-Transparenz v.a. im Bereich des privaten Rundfunks.

Um eine Rundfunkgebühr im klassischen Sinne muss sich die Anacom nicht kümmern – die wird seit 1992 nicht erhoben. RTP1 etwa wird durch Staatssubventionen, Werbegelder und eine geringe Steuer (monatlich eingenommen mit der Stromrechnung) finanziert.

Quellen/Literatur

  • Hans-Bredow-Institut (Hrsg.): Internationales Handbuch Medien 2009.
  • Europäische Audiovisuelle Informationsstelle: Jahrbuch 2014, Straßburg 2014.
  • PwC: Global Entertainment and Media Outlook: 2013-2017.
  • Helena Sousa: The liberalisation of media and communications in Portugal, London 1999.
  • Helena Sousa, Sandra Marinho: Media Network Policy in Portugal. A Case Study Approach, Universidade do Minho, 2002.

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