Länderporträt Polen

Polen gilt als einer der dynamischsten Medienmärkte Europas. Jeweils 300 Fernseh- und Radiosender konkurrieren um die Gunst von Zuschauern und Hören. Zudem verfügt das Land über die drittgrößte Presselandschaft Europas. Eine dominierende Rolle spielen hierbei deutsche Medienkonzerne wie Axel Springer Ringier, Burda Media und die Bauer Media Group.

Zwar kämpft der polnische Medienmarkt ebenso wie seine europäischen Nachbarn mit den üblichen Problemen des digitalen Wandels (so ging etwa der Verkauf von Tageszeitungen im Jahr 2012 um insgesamt zehn Prozent zurück, siehe auch Jahresvergleich 2008-2012, Tab. I und II); dennoch gehen Experten davon aus, dass die Medienindustrie in den kommenden Jahren Zuwächse verzeichnen wird: Laut Prognosen des „Global Entertainment and Media Outlook“ der Consulting-Agentur PwC wird der Wert von Polens Medien- und Unterhaltungssektor in den nächsten vier Jahren auf rund 9,5 Mrd. Euro ansteigen.

Ebenso wie in Großbritannien oder Deutschland wird in Polen kontrovers über die Rolle und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert. Kritiker fordern die Abschaffung der Institution, die sich zwar noch immer relativ großer Beliebtheit (insbesondere bei älteren Bevölkerungsschichten) und Zuschauerinteresses erfreut, jedoch aufgrund eines Gebührendefizits vor einem betriebswirtschaftlichen Scherbenhaufen steht.

Basisdaten

Einwohner: 38,5 Millionen
Haushalte: 13,7 Millionen
Durchschn. Haushaltsgröße: 2,8 Personen
Religionen: Römisch-Katholisch (89 %), Orthodox (1,3 %), Protestantisch (0,3%)
Größte Städte: Warschau (1,7 Millionen Einwohner), Krakau (756,000)
Regierungsform: Republik
Staatschef: Bronislaw Komorowski (seit 2010)
Regierungschef: Donald Tusk (seit 2007)
EU-Mitglied seit: 2004
Arbeitslosenrate 2012: 12,6 %
Staatsverschuldung 2013: 53,8% des Bruttoinlandprodukts
Haushaltssaldo in Relation zum BIP 2012: -2,1 %
Anteil am globalen BIP: 0,9 %
Werbeausgaben insgesamt: 6,8 Mrd. Zloty (2012)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 242 Minuten pro Tag (2011)
Zahl der verkauften Zeitungen pro Kopf pro Tag: 0,12
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: Axel Springer/Ringier, Bauer Media Group, Agora, Polsat, ITI-Gruppe
Radio/neuartiges Rundfunkgerät (Grundgebühr):  59.40 Zloty (15€)
Fernsehgebühr:  199,80 Zloty (50€)

Die größten Medienkonzerne Polens

Presse

Nach dem Fallen des Eisernen Vorhangs kam es in Polen zu einem regelrechten Aufblühen der Presselandschaft. In den vergangenen 25 Jahren wurden mehr als 7500 neue Titel registriert. Dies hatte zwei Gründe: zum einen wurde die staatliche Zensur aufgehoben und der Grundsatz der Presse- und Informationsfreiheit eingeführt. Zum anderen sorgten wirtschaftliche Reformen für massive Investitionen in den privaten Pressesektor.

Insbesondere ausländisches Kapital ist seitdem in den Pressemarkt geflossen. Als einer der ersten Akteure betrat der deutsche Bauer Verlag (heute Bauer Media Group) im Jahr 1991 den polnischen Markt. Axel Springer folgte drei Jahre später mit der Gründung eines eigenständigen polnischen Konzernablegers (Axel Springer Polska).

Heute ist Polen der größte Zeitungs- und Magazinmarkt Osteuropas. 15 überregionale Tageszeitungen und 22 Regionalblätter sowie mehr als 300 Wochenzeitungen und Anzeigenblätter wurden 2012 publiziert. Zudem gibt es zwei große Presseagenturen – die staatliche PAP (Polska Agencja Prasowa) sowie das katholische Pendant KAI. 12 Millionen Menschen (oder etwa ein Drittel alle Polen) gelten als regelmäßige Zeitungsleser. Jeden Tag werden circa fünf Millionen Exemplare von Tageszeitungen verkauft. Der polnische Printmarkt wird im Wesentlichen von sechs Verlagen dominiert:

Ringier Axel Springer
Springer bringt in Polen im Verbund mit dem Schweizer Medienkonzern Ringier die größte Boulevard Zeitung "Fakt" (seit 2003) und die einzige tägliche Sportzeitung "PRZEGLAD SPORTOWY" heraus. "Fakt" war 2012 mit einer Auflage von durchschnittlich 370,000 verkauften Exemplaren und einer Leserschaft von fast vier Millionen Menschen die größte Tageszeitung Polens. Zwischen 2006 und 2009 erschien mit der „Dziennik“ auch eine an der deutschen „Welt“ orientierte Qualitätszeitung. Aufgrund von ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg und einer niedrigen Auflage von nur 90.000 Exemplaren verkaufte Springer die „Dziennik“ an den Verlag Infor Bizness, der die Zeitung mit seinem Titel „Gazeta Prawna“ zusammenlegte. Zudem gehören zwölf Magazine zum Portfolio von Springer/Ringier, darunter TOP GEAR, Auto Swiat und Newsweek Polska. 2011 hatte Springer/Ringier einen Marktanteil von 35,8 Prozent und ist damit der größte Zeitungsverlag Polens.

Bauer Media Group
Bauer war 2012 mit einem Marktanteil von 56 Prozent der größte polnische Publikumsverlag. Das Unternehmen publiziert in Polen 86 Zeitschriften (darunter Auto Moto, Bravo und tv14) und betreibt 14 Online-Portale (u.a. PCformat, Mobila und Flirtbox).

Hubert Burda Media
Burda bringt in Polen 17 Zeitschriften heraus (burda, Chip, CRN, Elle, Elle Decoration, Dobre Rady, Panoramy, Sudoku, Szyfrówki, InStyle, Ogrod, Polska gotuje, Przepis Na Ogrod, Przyslij Przepis!, 200 panoram, Przyslij Przepis! Krzyzowki, Kotlety Zrazy-Pulpety, Samo Zdrowic, Sielski Zycie und Sól i Pieprz).

Polskapresse Sp.z o.o.
Polskapresse ist der polnische Ableger der deutschen Verlagsgruppe Passau und verlegt neun Tageszeitungen („Dziennik Baltycki“, „Dziennik Lodzki“, „Dziennik Zachodni“, „Express Ilustrowany“, „Gazeta Krakowska“, „Glos Wielkopolski“, „Gazeta Wroclawska“, „Kurier Lubelski“ und „Dziennik Polska“), vier Wochenzeitungen (Moto Express, Autogielda Wielkopolska, Jarmark, Motojarmark), ein Stadtmagazin (Echo Miasta) sowie drei TV-Supplements (Tele Magazyn, Super Tele, TV Pilot). Die Tageszeitungen haben zusammengenommen eine tägliche Auflage von 3,1 Millionen Exemplaren. Der zuletzt publizierte Jahresumsatz des Verlags betrug 117 Millionen Euro, was einem Marktanteil von 15 Prozent entsprach. Im März 2013 kaufte Polskapresse neun zusätzliche Zeitungen von Konkurrent Media Regionalne (Gazeta Pomorza, Gazeta Pomorska, Gazeta Bialostocka, Wspolczesna, Poranny Kurier, Gazeta Lubuska, Nowa Trybuna Opolska, Echo Dnia, Dziennik Wschodni Nowiny).

Gremi Grupa
An der Zeitungssparte Presspublica, war bis Oktober 2011 die britische Mecom-Gruppe beteiligt, ehe diese ihren 51-prozentigen Anteil an Gremi Media verkaufte. Die restlichen 49 Prozent gehören dem polnischen Staat. Presspublica verlegt insgesamt sechs Zeitungen und Magazine. Neben der rennomierten überregionalen polnischen Tageszeitung, der „Rzeczpospolita“, zählen dazu die Titel Uwazam rze, Parkiet, Zycie Warszawy, Przekrój und Sukces.

Agora
Der polnische Medienkonzern Agora publiziert zwei Tageszeitungen: die „Gazeta Wyborcza“, nach wie vor das wichtigste Organ der politischen Meinungsbildung in Polen und die zweitgrößte Zeitung hinter Axel Springers „Fakt“, sowie den Gratis-Titel „Metro“, die am dritthäufigsten gelesene Zeitung Polens. Die Online-Ausgabe von „Metro“ wird seit Mitte 2012 in Kooperaton mit Microsoft publiziert. Allein mit „Metro“ und „Gazeta Wyborcza“ hat Agora einen Marktanteil von rund 15 Prozent. Hinzu kommen 13 Zeitschriften: Avanti, Logo, Galeria (Lifestyle), CZtery Katy, Landy Dom, Magnolia (Haus und Garten), Dziecko, Kuchnia, poradnik (Essen und Trinken), sowie Swiat Motorykli und Kontynenty.

Tab. I: Die größten Tageszeitungen Polens

 

Medium

Auflage 2012*

Herausgeber / Verlag

Gründungsjahr

Fakt Gazeta Codzienna

Boulevardzeitung

378.811

Axel Springer Polska

2003

Metro

Gratiszeitung

346.659

Agora SA

2008

Echo Miasta

Gratiszeitung

258.298

Polskapresse

2005

Gazeta Wyborcza

Tageszeitung

256.659

Agora SA

1989

Super Express

Boulevardzeitung

161.660

Murator SA

1991

Rzeczpospolita

Tageszeitung

107.449

Gremi Media

1920

Dziennik Gazeta Prawna

Tageszeitung

82.055

Infor Briznes

2009

Nasz Dziennik

 

Tageszeitung

Unbekannt
Schätzungsweise 100.000 (2009)

"Spes" Spó?ka z o.o.

199

Quelle: Teleskop - Zwiazek Kontroll Dystrybucji Prasy (Jahresdurchschnitte)

Tab. II: Die größten politischen Wochenzeitungen Polens

 

Medium

Auflage 2012*

Herausgeber / Verlag

Gründungsjahr

Newsweek Polska

Magazin

137.719

Axel Springer Polska

2001

Wprost

Magazin

132.719

Verlagshaus Platforma Mediowa Point Group

1982

Polityka

Wochenzeitung

127.693

Polityka Spó?dzielnia Pracy

1957

Uwa?am Rze

Magazin

125.676

Gremi Media (Presspublica)

2011

Przekroj

Magazin

25.716

Gremi Media (Presspublica)

1945

Tygodnik Powszechny

 

Wochenblatt

20.422

Stiftung: Tygodnik Powszechny

1945

Quelle: Teleskop - Zwiazek Kontroll Dystrybucji Prasy (Jahresdurchschnitte)

Tab. III: Verkaufte Auflage der vier größten polnischen Tageszeitungen 2008-2012 (jährlicher Durchschnitt, in Tsd. Exemplaren)

Quelle: International Federation of Audit Bureaux of Circulations (IFABC)/Zwiazek Kontroll Dystrybucji Prasy

Fernsehen

Öffentlich-rechtliches Fernsehen
Polen verfügt über einen bedeutenden - wenn auch finanzschwachen - öffentlich-rechtlichen Fernsehsektor. TVP (Telewizja Polska) kommt mit seinen drei Vollprogrammen (TVP1, TVP2, TVP Info), 16 Regionalsendern (TV Regionalna), dem Auslandssender TV Polonia sowie diversen Spartensendern (TVP Belsa, TVP Seriale, Parlament, Info, Kultura, Sport, Historia) auf einen Marktanteil von insgesamt 35 Prozent. TVP1 ist ein typischer öffentlich-rechtlicher Sender mit einem Schwerpunkt auf Informationen (bekanntestes Format ist das Tagesschau-Pendant „Wiadomosci“), während das zweite Programm in erster Linie Unterhaltungsformate ausstrahlt.
TVP finanziert sich - ähnlich wie ARD und ZDF - sowohl durch Rundfunkgebühren als auch durch Werbeeinnahmen. Jeder Pole – mit Ausnahme von Pensionären, Arbeitslosen und Behinderten Menschen – ist gesetzlich verpflichtet, eine jährliche Gebühr in Höhe von 199,80 Zloty (ca 45 Euro) zu zahlen. Die TVP-Sender operieren momentan defizitär, da sich rund zwei Drittel aller Polen in den vergangenen Jahren geweigert haben, die Rundfunkgebühr zu zahlen. So gaben 2011 nur etwas mehr als ein Drittel der rund 13 Millionen polnischen Haushalte an, ein Fernsehgerät zu besitzen. Doch selbst von den angemeldeten Haushalten zahlten nur 1,2 Millionen auch tatsächlich die Rundfunkgebühr. Die polnischen Anstalten können aufgrund dieser Ausfälle nicht mehr seriös wirtschaften: TVP operierte 2011 mit einem Budget von 1,757 Milliarden Zloty, erhielt an Gebührengeldern jedoch nur 205,4 Millionen Zloty.

Privatfernsehen
Im Dezember 1995 ging mit TV Polsat der erste polnische Privatsener on air. Zwei Jahre zuvor waren von einer eigens eingerichteten Behörde die Lizenzen für einen überregionalen sowie diverse regionale Sender ausgeschrieben worden. Den Zuschlag erhielt schließlich TV Polsat, das bereits seit 1992 per Satellit ein polnischsprachiges Programm aus den Niederlanden gesendet hatte. Besitzer Zygmunt Solorz-Zaks, laut Forbes mittlerweile mit einem Vermögen von umgerechnet zwei Milliarden Euro einer der reichsten Polen, baute TV Polsat zum größten privaten Senderverbund des Landes aus. Der einzige nennenswerte Konkurrent von Polsat ist die 1997 gegründete TVN-Gruppe. Polsat und TVN haben einen Marktanteil von jeweils 15 Prozent. Den Rest teilen kleinere Sender unter sich auf. Im Gegensatz zum Zeitungsmarkt befindet sich der TV-Sektor überwiegend in polnischer Hand. Der Versuch der Axel Springer AG im Jahr 2006 ein Viertel der Anteile an TV Polsat zu erwerben wurde von Kartellbehörden untersagt.

TV Polsat

Bereits vier Jahre nach dem Sendestart 1992 erreichte TV Polsat ein Viertel aller Fernsehzuschauer. Heute hat der Sender einen Marktanteil von rund 15 Prozent und ist damit die Nummer Zwei hinter TVP. TV Polsat sendet hauptsächlich Unterhaltungsformate für die Zielgruppe der zehn bis 49-jährigen. Insgesamt gehören mehr als 15 Spartenkanäle zur Senderfamilie darunter TV Polsat 2 International, Polsat News, TV Biznes, Polsat Sport, Polsat Film, Polsat Cafe, Play, JimJam, Polsat Crime, Polsat Food sowie Minderheitsbeteiligungen an den Sendern TV4, TV6 und Superstacia. Außerdem im Portfolio die Pay-TV-Plattform: Cyfrowy Polsat.

TVN
Seit 1997 ist TVN auf Sendung. Der zweitgrößte polnische Privatsender gehört seit März 2015 mehrheitlich dem US-Medienkonzern Scripps Networks. Scripps kaufte 52,7 Prozent der Anteile von der ITI-Gruppe, dem ersten Medienkonzern Polens. Im Gegensatz zu den reinen Unterhaltungsangeboten der TV Polsat-Gruppe sind Informations- und Nachrichtensendungen ein fester Bestandteil von TVN, dessen Zielgruppe vor allem besser verdienende und besser ausgebildete Polen sind. Dazu wurden in der Vergangenheit gezielt Journalisten von TVP abgeworben. Der wichtigste Bestandteil der Informationsoffensive der Gruppe ist TVN24, der erste 24-Stunden-Nachrichtenkanal Osteuropas. TVN24 orientiert sich am US-amerikanischen Vorbild CNN und hatte 2012 immerhin einen Marktanteil von mehr als drei Prozent. Weitere Sender der Gruppe sind unter anderem. TVN International, TVN CNBC (Kooperation mit dem US-Wirtschaftskanal CNBC), TVN Style (Mode) und der Sportsender nSport.

 

Tab. IV: TV- und Radio-Umsätze nach Gattungen, 2007-2011

Quelle: European Audiovisual Observatory

 

Tab. V: Primetime-Markanteile der größten Sendergruppen 2011

Quelle: European Audiovisual Observatory

Radio

Die polnische Radiolandschaft wird von privaten Radioanbietern dominiert. Die vier Programme des öffentlichen-rechtlichen Polskie Radio kamen 2012 auf einen Marktanteil von nur 21 Prozent. Die Einschaltquoten für Polskie Radio sind - mit Ausnahme des Dritten Programms Radio Trójka - rückläufig. Daraus resultierende sinkende Werbeeinnahmen sowie die Weigerung der meisten Polen Gebühren zu zahlen sorgen für eine schwache Position von Polskie Radio. Ähnlich wie der Zeitungsmarkt wird auch der private Radiomarkt von einem deutschen Medienkonzern beherrscht, der Bauer Media Group.

Polskie Radio
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine große Tradition in Polen. Es hat seit 1926 bis auf kriegsbedingte Unterbrechungen ständig gesendet. Neben der überregionalen Anstalt Polskie Radio S.A. mit den vier Sendern Radio Jedynka (allgemeines Programm, Hörspiele), Radio Dwójka (Kultur), Radio Trójka (Information) und Radio Bis (Jugendsender) gibt es 17 weitere regionale Radioanstalten sowie das Radio Parlament, das die Debatten aus dem polnischen Parlament überträgt.

RMF FM
RMF steht für Radio Muzyka Fakty und sendet neben Musik vor allem Informationsprogramme. 1990 als erster privater Sender Polens gegründet (firmierte damals unter dem Namen Radio Malopolska), ist RMF FM heute mit einem Marktanteil von 25 Prozent der größte Sender Polens. RMF ist Teil der Medienholding Grupa RMF/Holding Broker FM, die 2006 von der Bauer Media Group aufgekauft wurde.

Radio Zet
Mit rund 15 Prozent Marktanteil ist das sich im Besitz des französischen Medienkonzern Lagardere befindliche Radio Zet der zweitbeliebteste Radiosender. Auch bei Zet liegt der Fokus auf Information. Ein Vorteil dabei: eine seit 1999 bestehende Partnerschaft mit dem internationalen Nachrichtensender CNN. Weitere zum Mutterkonzern Eurozet gehörende Sender sind Chili ZET, Radio Plus, Antyradio, Planet FM und Studio Zett. Zudem vermarktet Eurozet die Werbezeit von 55 weiteren Radiostationen.

Radio Maryia
Immer wieder für Schlagzeilen sorgt der 1991 von Pater Tadeusz Rydzyk gegründete erzkonservative, gemeinnützige Sender Radio Maryia. 70 Prozent der Hörerschaft sind älter als sechzig, was nicht weiter verwundert, da Maryia in erster Linie Gebete und Kirchelieder sendet, die hin und wieder durch politische Kommentare und Talkshows unterbrochen werden. Kritiker werfen Rydzyk und seinem Sender vor, Nationalistische und antisemitisches Gedankengut zu propagieren und den Katholizismus in Verruf zu bringen.

Radio TOK FM
TOK ist das polnische Pendant zum deutschen Inforadio. Es wurde 1988 unter dem gleichen Namen gegründet und ist seitdem in zehn polnischen Großstädten empfangbar. Unter anderem durch eine institutionelle Partnerschaft mit der britischen Anstalt BBC hat TOK sein Profil als renommierter Nachrichtensender geschärft, allerdings werden seit 2003 auch vermehrt Infotainment-Formate ausgestrahlt. Mehrheitsbesitzer von TOK ist der polische Medienkonzern Agora, der auch Radio Roxy, Radio Z?ote Przeboje, Tuba.pl und Tuba FM kontrolliert. Der Marktanteil von TOK FM betrug 2012 1,4 Prozent.

Internet

Wie in anderen Ländern auch war das polnische Internet bis Anfang der 1990er Jahre ein rein akademisches Netz. Zwar begannen ab 1993 erste Firmen damit eigene Homepages einzurichten, doch bis zum Jahr 2000 nutzte nur ein Bruchteil der polnischen Bürger das Internet. Dies änderte als die polnische Telekom ab 2001 damit begann kostengünstige Flatrates anzubieten. Auch dank milliardenschweren Investitionen der Europäischen Union in den systematischen Ausbau des Breitbandzugangs in strukturschwache Regionen in Ostpolen nutzt heutzutage etwa jeder zweite Bürger das Internet. Das mobile Internet erfreut sich ebenfalls einer wachsenden Beliebtheit. Allein zwischen 2010 und 2012 stieg die Anzahl der Smartphonenutzer von einer Million auf mehr als fünf Millionen. Wie in anderen europäischen Ländern auch, gibt es ein starkes Altersgefälle, was die Internetnutzung angeht. Während in der Altersgruppe der 40- bis 59-jährigen rund 40 Prozent online sind, nutzen weniger als zehn Prozent der über sechzigjährigen das Internet.

Der polnische Online-Medienmarkt wird gleichermaßen von internationalen und polnischen Konzernen dominiert. Eine führende Stellung hat Google, das mit seiner gleichnamigen Suchmaschine sowie dem Videoportal YouTube und der Blog-Plattform Blogspot zu den zehn meist besuchten Webseiten zählt. Hervorzuheben ist auch der südafrikanische Medienkonzern Naspers, der seit der Übernahme des Grupa Allegro im Jahr 2008 drei der beliebtesten Webseiten kontrolliert (siehe Tab. III). Polnische Medienkonzerne dominieren hingegen den Nachrichten- und Informationsektor. Onet.pl, die beliebteste Nachrichtenseite gehört der ITI-Gruppe, die auch die private Sendergruppe TVN kontrolliert. Die Onlineausgabe der „Gazeta Wyborca“ rangiert im Ranking der beliebtesten Webseiten auf Platz acht.

 

Tab. III: Die 20 beliebtesten Internetseiten in Polen 2012

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Google Polska

Suchmaschine

Google Inc

2.

Facebook

Soziales Netzwerk

Facebook Inc

3.

Google International

Suchmaschine

Google Inc

4.

YouTube

Videoportal

Google Inc

5.

Allegro

Online-Auktionshaus

Naspers

6.

Onet.pl

Nachrichten

ITI Group

7.

Wirtualna Polska

Webportal, Email

Wirtualna Polska SA

8.

Gazeta.pl

Nachrichten

Agora SA

9.

Wikipedia

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

10.

Interia.pl

Webportal, Email

Bauer Media Group

11.

Blogspot.com

Blogging

Google Inc

12.

mBank

Online-Banking

Commerzbank

13.

O2.pl

Telekommunikation

Telefónica Europe

14.

Chomik

Filehosting

FS File Solutions Limited

15.

Filmweb

Film-Kritiken

Omnigence

16.

Otomoto.pl

Autoportal

Naspers

17.

GoldenLine

Karriere-Netzwerk

Agora SA

18.

Ceneo

Preisvergleich

Naspers

19.

Sport w Gazeta.pl

Sportnachrichten

Agora SA

20.

Pudelek.pl

Society

Telefónica Europe

Quelle: Alexa.com

Regulierung/Aufsichtsbehörden

Artikel 14 der 1997 in Kraft getretenen polnischen Verfassung garantiert die Freiheit von Presse und anderen Formen sozialer Kommunikation, Artikel 54 gewährt die Meinungsfreiheit sowie das Verbot von Zensur oder staatlicher Einmischung.
Wichtigste Regulierungsbehörde ist die Krajowa Rada Radiofonii i Telewizji (KRRit), die für die Kontrolle und Lizenzierung des polnischen Fernsehens zuständig ist. Der Rat der KRRiT besteht aus fünf Mitgliedern, zwei werden von der Sejm, dem polnischen Unterhaus und eins vom Senat gewählt; die restlichen zwei werden vom polnischen Staatspräsidenten ernannt. Theoretisch als staatsfernes Organ konzipiert, konnte sich die KRRiT in der Vergangenheit jedoch nicht vom Vorwurf befreien, die politischen Interessen der Partein zu vertreten, die für die Entsendung der Gremienmitglieder verantwortlich sind.  

Die gesetzliche Grundlage für die Regulierung des TV-Sektors ist die polnische Rundfunkverordnung von 1992, die 2004 noch einmal an EU-Richtlinien angepasst wurde. Das Gesetz schreibt vor, dass öffentlich-rechtliche und private Radio- und TV-Programme sowohl informieren als auch unterhalten, einen Bildungsauftrag erfüllen und die polnische Kultur stärken sollen. Inhalte sollen sich außerdem stets am christlichen Wertesystem orientieren und über soziale Missstände aufklären. Ferner muss allen öffentlichen Institutionen und politischen Parteien der gleiche Anteil an Sendezeit gewährleistet werden. Gemäß der Television Without Frontiers-Direktive der Europäischen Union wurde die Verordnung 2004 um Minderheitenschutz und der Zugang europäischer Medienunternehmen im polnischen Markt gestärkt.

Quellen/Literatur

  • Ania Lara, The Polish Media Landscape in Georgios Terzis (ed.) European Media Governance. National and Region Dimensions, 2007, 399-411.
  • Polen-Analysen Nr. 50, 21.04.2009. Deutsches Polen Institut, Forschungsstelle Osteuropa (Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V.)
  • Ryszard Filas & Pawel Planeta, Das Mediensystem Polens. In: Hans-Bredow-Institut (Hrsg.): Internationales Handbuch Medien 2009. Mediensysteme in Europa, 2009, 518-540.

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