Länderporträt Österreich

Der österreichische Medienmarkt weist einerseits starke Konzentrationstendenzen auf und ist andererseits stark von Deutschland beeinflusst. Durch die Kontrolle der Zeitungstitel „Kronen Zeitung“ und „Kurier“ ergibt sich insbesondere auf dem Printmarkt eine marktbeherrschende Stellung der deutschen Miteigentümer, der Funke-Gruppe (ehemals WAZ-Konzern). Der österreichische Rundfunk wird hingegen klar vom öffentlich-rechtlichen ORF dominiert, der immer wieder für zu starke Verflechtungen mit den Regierungsparteien kritisiert wird. Mit einem Marktanteil von 36 Prozent erzielen die beiden ORF-Hauptprogramme trotz starker privater Konkurrenz regelmäßig in allen Altersklassen die höchsten Einschaltquoten.

Österreich ist ein Zeitungsleserland. Die Auflagenzahlen sind in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nur minimal zurückgegangen. 6500 Journalisten sind im Land tätig, rund 2500 davon Mitglieder in Journalistenvereinigungen. Allein das Boulevardblatt „Kronen Zeitung“ erreicht täglich mehr als 800.000 Leser. Hinzu kommen reichweitenstarke Qualitätszeitungen wie die „Kleine Zeitung“ oder „Der Standard“ sowie ein im Vergleich zu Deutschland florierender Markt für Gratiszeitungen. Zwar kam es 2012 im Vergleich zum Vorjahr zu einem fünfprozentigen Rückgang bei den Ausgaben von Zeitungsanzeigen; mit 56,3 Prozent am Gesamtwerbemarkt ist der Print-Anteil jedoch bemerkenswert hoch. Der Anteil an TV-Werbung (insbesondere im ORF) und im Radio ist dagegen mit 23, bzw. knapp sechs Prozent gering.

Formen direkter und indirekter Presseförderung (durch das Inserieren von mittels Steuergeldern finanzierter Regierungspropaganda) stehen seit geraumer Zeit in der Kritik und sorgen für eine problematische Nähe zwischen Politikern und Redaktionen (wie zuletzt in einem Korruptionsskandal aus dem Jahr 2011). Gegen Bundeskanzler Werner Faymann, ein Freund der Dichand-Familie (Kronen Zeitung) wurde in diesem Zusammenhang zeitweise wegen des Vorwurfs der Korruption ermittelt, zu einer Anklage kam es jedoch nicht.

Der Onlinebereich wird wie in anderen europäischen Ländern von Google und Facebook dominiert. Doch auch die Onlineangebote des ORF gehören zu den beliebtesten Websites des Landes. Die Onlineausgabe von „Der Standard“ – die erste österreichische Tageszeitung, die im Netz vertreten war – ist mittlerweile das beliebteste Nachrichtenportal des Landes.

Basisdaten

Einwohner: 8,221,646 (Juli 2013)
Haushalte: 3,65 Mio (2012 Prognose, statistik austria)    
Durchschn. Haushaltsgröße: 2,26 (Prognose 2013, statistik austria)
Religionen: Römisch Katholisch 73.6%, Protestantisch 4.7%, Muslimisch 4.2%, Andere  3.5%, ungenaue Angabe 2%, keine 12% (2001 census)
Größte Städte: Wien (Hauptstadt) 1.757.353 (2012)
Regierungsform: Parlamentarisch-demokratische Republik
Staatschef: Bundespräsident Heinz Fischer (seit 2004)
Regierungschef: Bundeskanzler Werner Faymann (seit 2008)
EU-Mitglied seit: 1995
Arbeitslosenrate 2012: 4.3%
Staatsverschuldung 2013: 73,4 % des BIP (IV/2012, eurostat)
Haushaltssaldo in Relation zum BIP: -2,23 (2011); -1,33 (2012) (IMF)
BIP Kaufkraftparität global: 0,44 %
Werbeausgaben insgesamt: 3.679 (2010); 3.844 (2011) (gewista/Focus Media Research)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 4,35 Std/Tag (Medienforschung ORF)
Zeitungsleser täglich: 73 % der Österreicher
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne (nach Größe geordnet):
ORF (mit den Kanälen ORF 1, ORF 2, ORF III und ORF SPORT +)
Mediaprint
Styria Media Group AG
Moser Holding
Red Bull Media House
Verlagsgruppe News

Radio/neuartiges Rundfunkgerät (Grundgebühr):  5,78 Euro - 7,28 Euro (regionale Unterschiede)
Fernsehgebühr: 19,78 Euro - 25, 18 Euro

Die größten Medienkonzerne Österreichs

Historische Grundlagen

Der Beginn der österreichischen Presselandschaft lässt sich auf das frühe 17. Jahrhundert datieren. Die ersten österreichischen Zeitungen wurden zwar bereits vereinzelt gegen Ende des 15. Jahrhunderts gedruckt. Doch circa 1620 begannen Wiener Verleger mit der regelmäßigen wöchentlichen Publikation von sog. „Ordinari-Zeitungen“, die vorwiegend Nachrichten aus dem Ausland aufbereiteten. Wichtigste Publikation der stark von Obrigkeit kontrollierten Wiener Presselandschaft wurde bis in das 18. Jahrhundert das staatsnahe „Wienerische Diarium“ das später in „Wiener Zeitung“ umbenannt wurde und noch heute als einer der ältesten Zeitungen der Welt existiert.

Die ohnehin von starker Zensur geplagte Zeitungslandschaft bekam im frühen 19. Jahrhundert einen weiteren Dämpfer, als sämtliche nicht regierungsnahen Blätter verboten oder deren Weiterbetrieb durch unverhältnismäßige Besteuerung unmöglich gemacht wurde. Die repressive Pressepolitik von Staatsmann Fürst Metternich führte in der Vormärz-Periode zu einem de facto Stillstand der Zeitungslandschaft. Die darauf folgenden Phasen der relativen Liberalisierung, während der Modernisierung und Professionalisierung der Presse (1848 – 1919) sowie während der „ersten Republik“, in der auch die die Gründung der ersten Rundfunk-Anstalt und des ORF-Vorgängers Radio-Verkehrs-AG (RAVAG) fiel, währten jedoch nur kurz.

Im Zuge des „Anschlusses“ an Nazi-Deutschland wurde der österreichische Mediensektor am 12. März 1938 über Nacht komplett gleichgeschaltet. Bereits ab 1933 waren kommunistische und sozialdemokratische Zeitungen vom Ständestaat verboten worden, was die Implementierung der Gleichschaltung fünf Jahre später begünstigte. NSDAP-Kommissare übernahmen die Leitungen sämtlicher Großverlage und entließen alle nicht-arischen Journalisten; die Deutsche Reichspost wurde der RAVAG überstellt. Am 14. Juni trat zudem das sogenannte "Schriftleitergesetz" in Kraft, nach dem Journalisten ausnahmslos Mitglieder des Reichsverband der deutschen Presse sein mussten, um ihren Beruf ausüben zu dürfen. Mittels Presseanweisungen des Deutschen Nachrichtenbüros und zentralisierten Pseudo-Pressekonferenzen wurden die österreichischen Zeitungen von den Nationalsozialisten gesteuert, um die Bevölkerung auf Progrome und Krieg vorzubereiten. Bis 1945 wurden zahlreiche jüdische Journalisten ermordet oder verließen das Land. Renommierte Buchverlage wie E.P. Tal und Co, Saturn oder Bermann-Fischer wurden arisiert oder liquidiert.

Auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit war die österreichische Presse noch nicht gänzlich frei. Die Gründung neuer Zeitungen war an entsprechende Lizenzen der alliierten Besatzungsmächte gebunden. Das erste täglich erscheinende Blatt, das eine solche Genehmigung erhielt, war neben der von der Roten Armee ins Leben gerufenen „Österreichischen Zeitung“, das gemeinsam von ÖVP, SPÖ und Kommunisten herausgegebene "Neues Österreich". Schnell kam es jedoch zu journalistischen Lagerkämpfen und die SPÖ-nahen Zeitungen begannen ab 1948 die österreichischen Kommunisten sowie die Sowjetische Besatzungsmacht zu kritisieren. Diese wiederum bezeichnete die sozialdemokratisch eingestellten Zeitungen als Instrumente US-amerikanischer Propaganda.

Die nach 1945 als ORF neu aufgebaute öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt wurde bis in die 1960er Jahre (und darüber hinaus) vor allem als politisierter, SPÖ-naher Staatssender wahrgenommen. Dies ging soweit, das 1964 ein Volksbegehren für die Entpolitisierung des ORF ins Leben gerufen wurde, für das sich knapp 20 Prozent des Elektorats aussprach. Die SPÖ nahm die Anliegen aus der Bevölkerung zwar widerwillig und nur abgeschwächt in ihre Rundfunkgesetzgebung auf, doch die SPÖ-nahe Quasi-Monopolstellung des ORF blieb bis in die 1980er Jahre unangetastet (erst 1993 erklärte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die dominierende Stellung des ORF rückwirkend als nicht in Einklang mit den internationalen Menschenrechtskonventionen).

Zwischen 1945 und 1952 stieg die Anzahl der Zeitungen (darunter die von der amerikanischen Besatzung unterstützen Neugründungen „ Salzburger Nachrichten“, „Tiroler Tageszeitung“ und die „Vorarlberger Nachrichten“) auf 36 und die tägliche Druckauflage auf 2,5 Millionen an. Mit Ende der Besatzung 1955 konsolidierte sich der Markt und musste sich nach dem Ende der Förderung der Alliierten stärker marktwirtschaftlichen Gesetzen unterwerfen: diverse regionale Parteiblätter verschwanden von der Bildfläche und wurden von einer stärker boulevardisierten Journalismuskultur ersetzt, in der die 1959 neugegründete „Kronen Zeitung“ zum einflussreichsten Akteur avancierte. Das von Journalist Hans Dichand reanimierte Blatt konnte seine Auflage zwischen 1960 und 1980 von rund 100.000 Exemplaren auf eine Million täglich verkaufte Exemplare verzehnfachen. Der Erfolg der „Kronen Zeitung“ und des „Kurier“ verbreitete sich von Wien in den 1970er Jahren in den westlichen Teil des Landes und sorgte für einen massiven Umsatzrückgang bei jahrzehntelang etablierten Regionaltiteln.

Die 1980er Jahre stellten für die österreichische Medienlandschaft eine Zäsur dar, da nun deutsche Medienkonzerne den Markt betraten, insbesondere Bertelsmann, Axel Springer und die WAZ-Gruppe. Letztere erwarb 1988 50 Prozent der Anteile am Mediaprint-Konzern, der die „Neue Kronen Zeitung“, den „Kurier“ sowie zahlreiche Zeitschriften herausgibt (die restlichen Anteile gehören seitdem der Bankengruppe Raiffeisen sowie der Dichand-Familie). Deutsche und ausländische Privatsender traten zudem in Konkurrenz mit dem ORF und überfluteten die TV- und Radiolandschaft.

In den 1990er Jahren kam es zu der ersten erfolgreichen Klage gegen das bis dahin noch geltende Verbot privater Fernsehsender. Doch auch als das Bundesverfassungsgericht die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP explizit aufforderte, ein duales Mediensystem zu schaffen, sträubten sich die großen Parteien dagegen. Erst ab 1995 durften private Radiosender legal in Österreich ihren Betrieb aufnehmen. Die letzte Hürde für einen dualen TV-Markt fiel erst 2001 durch das Privatfernsehgesetz; 2003 ging mit ATV+ der erste österreichische Privatsender on Air. Dies lag unter anderem daran, dass es 2000 zur sogenannten „Schwarz-blauen Medienwende“ in der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ gekommen war. Zuvor, während der Ära der Großen Koalition, war die symbiotische Beziehung zwischen den Regierungsparteien und dem ORF (regierungsunkritische Berichterstattung im Austausch für eine privilegierte Sonderstellung der Anstalt) zu stark, um eine Öffnung des Rundfunkmarktes zu realisieren. Die vergleichsweise geringere, jedoch noch immer dominierende Stellung in der heutigen Rundfunklandschaft ist auch Ergebnis einer jahrzehntelang dauernden Verzögerungstaktik.

Medienunternehmen und -konzerne

ORF
Der weiterhin bedeutendste Akteur neben der „Kronen Zeitung“ bleibt der Österreichische Rundfunk ORF. Die nach dem zweiten Weltkrieg mit einem täglich fünfstündigen Programm auf Sendung gegangene Anstalt kann sich weiterhin gegen die inzwischen erwachsene private Konkurrenz halten. Nachdem das Rundfunkmonopol 2001 formal gefallen ist, wurde der ORF von einer Anstalt in eine Stiftung öffentlichen Rechts überführt, die nun von Organen bestehend aus Stiftungsrat, Publikumsrat sowie an der Spitze durch einen Generaldirektor geleitet wird. Im Gegensatz zu den Räten des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks dürfen in den Gremien des ORFs keine Personen sitzen, die politische Ämter bekleiden.

Das ändert jedoch nichts daran, dass weiterhin eine enge Beziehung zwischen dem Sender und dem politischen Establishment besteht. So ist seit 2007 ist mit Alexander Wrabetz ein SPÖ-Mitglied Generaldirektor des ORF. Sein ambitioniertes Vorhaben, die „größte Programmreform der Geschichte“ voranzutreiben (die in erster Linie darin bestand, mehr Entertainment-Formate ins Programm aufzunehmen, um besser mit den privaten Anbietern zu konkurrieren), hat Wrabetz jedoch durch zweifelhafte und – so Kritiker – politisierte Personalentscheidungen selbst erschwert. Der Versuch, Niko Pelinka, den Leiter des SPÖ-Freundeskreises, Anfang 2012 im ORF-Stiftungsrat ohne Ausschreibung als Bürochef durchzuboxen, scheiterte am Protest von ORF-Redakteuren. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jellinek nahm die Pelinka-Affäre gar als Anlass in ihrem Text „Der kleine Niko“ das Ende der österreichischen Sozialdemokratie auszurufen. Erst im Oktober 2013 warnten die ORF-Journalisten selbst – vertreten durch den Redakteursrat – vor einem „Rückfall in ein altes Proporz-System“. Dass Fernsehdirektorin Kathrin Zechner laut Gerüchten vor der Ablösung steht, weil sie Oppositionsparteien angeblich zu viel Redezeit einräumte, und so indirekt für Stimmenverluste bei der letzten Wahl verantwortlich gemacht wird, sorgt ebenfalls für Unmut innerhalb des Senders.

Der ORF hat nach dem sog. ORF-Gesetz einen trimedialen Auftrag und ist in den Bereichen Hörfunk und Fernsehen sowie programmbegleitend auch online aktiv. Die Aktivitäten im Radiosektor umfassen den Betrieb dreier landesweiter Vollprogramme (Österreich 1, Hitradio Ö3 und FM4) sowie neun Regionalradios aus den einzelnen Bundesländern, die 2012 gemeinsam einen Marktanteil von über 68 Prozent hatten. Für die slowenische Volksgruppe in Kärtnen gibt es seit 2004 mit Radio AGORA ein eigens produziertes Vollprogramm in slowenischer Sprache. Vielsprachigkeit ist eines der bedeutendsten Merkmale des öffentlichen-rechtlichen Radios in Österreich. Durch diverse so genannte Volksgruppenredaktionen werden darüber hinaus auch Programme in kroatischer, ungarischer, tschechischer Sprache sowie ein Roma-Magazin ausgestrahlt. Mit insgesamt 5,1 Mio. Hörern und einem Marktanteil von 75 Prozent bei Hörern ab 12 Jahren sind die ORF-Radios trotz privater Konkurrenz deutlicher Marktführer in Österreich.

2012 erreichten alle ORF-TV-Sender jeden Tag durchschnittlich 3,7 Millionen Zuschauer. ORF eins und ORF 2 erreichten zusammen einen Marktanteil von 36 Prozent. Mit 46 Prozent ist fast die Hälfte des ORF-Programms unterhaltungsorientiert, 21 Prozent entfallen auf Information, zwölf Prozent auf den Bereich „Familie“, neun Prozent auf „Wissenschaft/Bildung/Lebenshilfe“, sechs Prozent auf „Kultur/Religion“ und weitere sechs Prozent auf Sport. Der im Vergleich zum Unterhaltungsprogramm relative geringe Anteil an Informationen und Kultur soll durch die Spartenkanäle ORF 2 Europe, ORF III und ORF SPORT + ausgeglichen werden. Die Beliebtheit der ORF-Programme drückt sich auch in hohen Werbeeinahmen aus: 2013 nahm der ORF 260 Millionen Euro durch Werbung ein, was einem Fünftel des gesamten Budgets entspricht. Die Mitarbeiterzahl ist dennoch zwischen 2010 und 2013 von 3900 auf 3000 gesunken.

Online will der ORF durch sein 2012 erst komplett modernisiertes Portal ORF.at die Zuschauer programmbegleitend informieren. Dazu gibt es eigens gestaltete Sub-Domains wie religion.ORF.at, der Programmguide tv.ORF.at sowie die Diskussionsplattform debatte.ORF.at. Letztere wurde 2012 zeitweise offline gestellt, nachdem dem Angebot vorgeworfen wurde, ein verbotenes Forum im Sinne des ORF-Gesetzes darzustellen, das über den Programmauftrag hinaus gehe. ORF.at ist im Ranking der fünf meistbesuchten Websites Österreichs auf Platz 5.

Mediaprint
Der einflussreichste Medienkonzern nach dem ORF ist mit Abstand der Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag. Gegründet wurde Mediaprint 1988, als der langjährige Herausgeber der „Kronen Zeitung“, Hans Dichard gemeinsam mit dem deutschen WAZ-Konzern fünf, bzw. 45 Prozent der Anteile des Blatts vom früheren Mitherausgeber Kurt Falk erwarb. Als die WAZ-Gruppe sich kurze Zeit später ebenfalls mit 49,5 Prozent an der Kurier-Gruppe beteiligte (den Rest der Anteile hält seitdem die Raiffeisen-Gruppe) wurde Mediaprint als Tochtergesellschaft und Bindeglied zwischen „Kurier“ und „Kronen Zeitung“ gegründet, in deren Vorstand Vertreter von WAZ (heute Funke-Gruppe), der Dichand-Dynastie, der Raiffeisen-Gruppe sowie Kurier und Kronenzeitung vertreten sind. Durch eine 30-prozentige Beteiligung an der Zeitschriftenverlagsgruppe News konnte Mediaprint seine Bedeutung im Rahmen des sog. Mediamil-Komplexes noch weiter ausbauen. Kritiker bescheinigen Mediaprint folglich eine höchst problematische Marktmacht von über sechzig Prozent. Österreichische Kartellbehörden dagegen beziffern den Einfluss hingegen nur auf knapp 30 Prozent.

Zum Mediaprint-Imperium gehören neben „Kronen Zeitung“ und „Kurier“ unter anderem sieben Wochenzeitungen, neun special interest-Magazine und drei private Radiosender. In der jüngeren Vergangenheit musste das Konglomerat jedoch mit Umsatzeinbußen kämpfen. So sank der Umsatz 2011/12 von rund 466 auf 453 Millionen Euro; der Jahresüberschuss ging sogar von 20 auf 2,1 Millionen Euro zurück. Vor dem Eigentümerwechsel beim WAZ-Konzern und der Umbenennung in Funke-Gruppe wurde auch immer wieder über einen Ausstieg des Unternehmens aus der Mediaprint-Gruppe spekuliert. Nach der Übernahme diverser Zeitungstitel von Axel Springer und scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass Funke sich in absehbarer Zeit aus dem österreichischen Zeitungsmarkt verabschieden wird. 2014 erwirtschaftete Mediaprint einen Umsatz von 434 Millionen Euro.

Styria Media Group
Gemessen am Umsatz ist die Styria Media Group der zweitgrößte Medienkonzern Österreichs. Hervorgegangen aus dem 1869 gegründeten Katholischen Preßvereins ist Styria Media heute eine international operierende Holding mit einem Schwerpunkt auf der Steiermark und Kärtnen sowie dem osteuropäischen Markt.

In Österreich publiziert Styria u.a. die Qualitätszeitungen „Die Presse“, das „Wirtschaftsblatt“ und die „Kleine Zeitung“ sowie kooperiert im Bereich Gratiszeitungen mit der Moser Holding (siehe unten). Ebenfalls im Portfolio sind jeweils zwei Radio und TV-Sender (Antenne Kärnten und Antenne Steiermark, Sat. 1 Österreich, tele), sechs Buchverlage sowie seit 2012 im Rahmen der Styria Digital Holding auch diverse Onlinemedien (u.a. gutgemacht.at, car4you.at, ichreise.at). Der Anteil der Digitalsparte am Gesamtumsatz Unternehmen soll sich bis 2015 verdreifachen. In den Zeitungsredaktion kommt es derweil zu Zusammenlegungen und Einsparungen: ab 2014 werden Journalisten der „Presse“ auch für das „Wirtschaftsblatt“ schreiben müssen. Künftig mit weniger Mitarbeitern für zwei Zeitungen gleichzeitig zu arbeiten – so die Bedenken der Belegschaft – könnte zu Qualitätseinbußen führen.  

Ebenfalls aktiv ist Styria in Italien, Slowenien, Serbien, Montenegro und Kroatien. In letzterem ist Styria durch die Kontrolle der Tageszeitungen „Vecerni List“ „Poslovni dnevnik“ und „24 sata“ sowie des Suchportals www.njuskalo.hr sogar Marktführer. In Italien  ist das Unternehmen mit einem Mehrheitsanteil an der Wochenzeitung „Il Friuli“ aus der Region Friaul-Julisch-Venetien beteiligt; in Slowenien beteiligte sich Styria „Zurnal“-Gruppe (Gratis-Wochenzeitung „Zurnal“, Gratis-Tageszeitung „Zurnal24“, News-Plattform www.zurnal24.si) sowie dem Dvevnik-Verlag.

Moser Holding
Die Nummer Vier im Ranking der größten österreichischen Medienkonzerne belegt traditionell die Moser Holding. Bis 2002 war der deutsche Medienkonzern Axel Springer Haupteigentümer mit 65 Prozent der Anteile, ehe diese von den Erben des Gründers der „Tiroler Tageszeitung“, Josef Moser, wieder zurückgekauft wurden. Heute gehören rund 85 Prozent den Moser-Erben, den Rest hält die Raiffeisen Oberösterreich Holding. Neben der „Tiroler Tageszeitung“ und ihrem kleineren Ableger „TT kompakt“ betreibt die Moser Holding diversen Druckereien, eine Regionalzeitungskette (die „Bundesländerinnen“) und den Radiosender Life Radio Tirol.

Tab. I: Strukturdatenübersicht Medienunternehmen

Medienkonzern

Gründungs

jahr

Mitarbeiter

Umsatz

Gewinn

Verschuldung

ORF

1955

3.807 (2011)

996,9 Mio. (2011)

25 Mio.

(2011)

124,5 Mio.

Mediaprint

1988

2.050

466,3 Mio.(2011)

20 Mio. (2011)

 

Styria Media Group AG

1869

2.982

465 Mio.

k.A.

 

Moser Holding

1945

1.390

221,9 Mio.

k.A.

 

 Tab. II: Auflagenentwicklung der größten österreichischen Tageszeitungen, 2002-2012

Quelle: www.oeak.at/World Press Trends (eigene Darstellung)

Tab. III: Marktanteile der Österreichischen Radiosender 2012 in Prozent

Quelle: mediaanalyse.at

Tab. IV: Marktanteile der größten TV-Sender in Prozent (2012)

Quelle: Medienforschung ORF

Regulierung

2001 wurde auf Grundlage des gleichnamigen Gesetzes das Regulierungsorgan Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) ins Leben gerufen. Die Behörde übernimmt in Form ihrer die Rechtsaufsicht über den österreichischen Rundfunk und den privaten Mediensektor, vergibt Presseförderungen und verwaltet Frequenzen. Ähnlich wie der deutsche Drei-Stufen-Test hat auch die KommAustria ein System implementiert, dass die Angebote des ORF in Bezug auf Qualität und Auftrag bemisst. Das heißt konkret, dass der ORF verpflichtet ist, sämtliche Konzepte für neue Sendungen und Projekt der KommAustria vorzulegen und Transparenz zu schaffen, indem diese online veröffentlicht werden. Geschäftsstelle der KommAustria ist die Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH.

Die größte Herausforderung für österreichische Medienpolitik bleibt die spätestens seit den 1970er Jahren eingesetzte Konzentration des Mediensektors. Hauptwerkzeug, um eine publizistische Vielfalt zu sichern, ist dabei die direkte Presseförderung, die 2004 noch einmal intensiviert wurde. Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist sicherlich, dass die mit rund zehn nach wie vor reichweitenstarken Titeln Zeitungslandschaft relativ stabil geblieben ist. Andererseits konnte die marktbeherrschende Stellung der „Kronen Zeitung“ nicht reduziert werden und es besteht in der politischen Klasse sowie der Öffentlichkeit kein Interesse, dies zu ändern. Der gebührenfinanzierte ORF wird – ähnlich wie die ARD in Deutschland – von den österreichischen Verlegern als größtes Hindernis für die Entwicklung einer florierenden, diversifizierten Presselandschaft gesehen. Im Radiosektor soll der 2009 installierte Nichtkommerzielle Rundfunkfonds frei Radiosender unterstützen. Doch der Verband Freier Radios hat in der Vergangenheit regelmäßig kritisiert, dass 0,3 Prozent der Einnahmen des Gebühren Info Services des ORF (circa drei Millionen Euro) dafür nicht ausreichen.

Insgesamt ist der österreichische Mediensektor wohl bereits zu konsolidiert, um mittels der novellierten Presseförderung noch effektiv in den Markt eingreifen zu können. Förderungsaktivitäten in den Bereichen Vertrieb, die eine landesweite Frühzustellung auch kleinerer Zeitungen ermöglichen sowie die finanzielle Unterstützung einzelner innovativer Publikationsmodelle sind grundsätzlich hilfreich und notwendig – insbesondere für weiterhin unabhängig operierende Titel wie „Der Standard“. Allerdings profitieren von der Presseförderung auch die Titel, die längst Teil finanzkräftiger Konzerne oder Holdings geworden sind. Hier führt die Presseförderung zu nichts weiter als Kostensenkungen und Aufbesserungen von Unternehmensbilanzen. Ein immer wieder in der Debatte vorgebrachter Vorschlag lautet deshalb, die Presseförderung nicht mehr nach dem Gieskannenprinzip auszuschütten, sondern an bestimmte Kriterien wie etwa journalistische Qualität zu koppeln.

Quellen/Literatur

  • Stark, Brigitte/Magin, Melanie (Hg.) 2009: Einführung. In Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 7-17.
  • Hummel, Roman/ Kassel, Susanne: Strukturdatenanalyse der Entwicklung des österreichischen Journalismus ((1946-2008). In Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 219-239.
  • Steinmaurer, Thomas 2012: Medien und Medienpolitik in Österreich - ein Überblick. In Informationen zur Politischen Bildung Bd. 35, Insbruck-Wien-Bozen: Forum Politische Bildung.
  • http://www.media-analyse.at
  • http://mediaresearch.orf.at
  • www.oeak.at

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