Länderporträt Finnland

Einwohner: 5,3 Millionen (2014)
Haushalte: 2,55 Millionen
Religionen: Evangelisch-lutherisch (78,4%), Orthodox (1,1%)
Größte Städte: Helsinki
Regierungsform: Republik
Staatschef: Sauli Niinisto (seit 2012)
Regierungschef: Jyrki Katainen (seit 2011)
EU-Mitglied seit: 1995
Arbeitslosenrate 2013: 8,1%
Staatsverschuldung: 587 Mrd. US-Dollar (2012)
BIP: 260 Mrd. US-Doller (2013)

Werbeausgaben insgesamt: 1,45 Mrd. Euro (2012)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 150 Min/Tag
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: Sanoma, YLE, Alma Media, Bonnier
Rundfunkgebühren: 470 Millionen Euro (2013)

Die größten Medienkonzerne Finnlands

Geschichte und Profil

Die erste finnische Zeitung wurde 1771 von der Aurora Gesellschaft in Turku gegründet, als Finnland noch Teil des schwedischen Königreichs war. Die geheime Aurora Gesellschaft gehörte zum Dunstkreis der 1640 von der schwedischen Königin Christina gegründeten Akademie zu Turku, einer Bildungsinstitution, die als Vorgänger der Universität Helsinki gilt. Der Gesellschaft gehörten zahlreiche prominente Mitglieder der kulturellen und politischen Eliten Finnlands an und so war es folgerichtig, dass sich Tidningar utgifne af et Sällskap i Abo (Nachrichten der Turku Gesellschaft) zwischen 1790 und 1880 zum offiziellen Sprachrohr des finnischen States entwickelte, als dieser als Großherzogtum des russischen Reiches 1809 erstmals Autonomie erhielt.

Während des gesamten 19. Jahrhundert konnte die finnische Presse jedoch nie frei berichten und war permanent mit Zensurmaßnahmen konfrontiert. Dazu gehörte das 1850 erlassene Dekret, wonach ausschließlich religiöse Texte oder Wirtschaftsnachrichten publiziert werden durften. Die finnischen Behörden orientierten sich bei der Überwachung der Presse am Zensur-Model wie es im zaristischen Russland angewandt wurde. Mit dem Ende der Russifizierung Finnlands, die 1905 einsetzte, wurde auch die Kontrolle der finnischen Presse gelockert; eine formal-gesetzlich Verankerung der Pressefreiheit wurde jedoch erst 1919, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Finnlands eingeführt. Doch selbst danach, als die faschistische Lappobewegung an Einfluss gewann, mussten sich Journalisten und Bürger zweimal überlegen, ob sie kommunistische oder atheistische Meinungen äußern wollten.

Der zweite Weltkrieg, in dem Finnland abwechselnd sowohl gegen russische als auch deutsche Truppen kämpfte, führte erneut zu einem jähen Ende der vorangegangenen Periode relativer Pressefreiheit, in der auch die Gründung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Yleisradio (YLE) fiel. Die Allianz mit dem nationalsozialistischen Deutschland, die zunächst eingegangen wurde, brachte auch einen Import von Nazi-Propagandatechniken mit sich. Die nationale Zensurmaßnahmen wurden politisiert und siebzig speziell ausgebildete Zensurkommissare in die Redaktionen der führenden Zeitungen abgestellt, wo sie deren Inhalt täglich überwachten und filterten. Die Niederlage gegen die Sowjetunion und der darauffolgende Waffenstillstand von 1944 sorgte wiederum für eine Verbannung sämtlicher rechtslastiger und  nationalkonservativer Literatur aus dem öffentlichen Leben. Insgesamt hinterließ der Zweite Weltkrieg in der finnischen Gesellschaft den nachhaltigen Effekt einer Kultur der Selbstzensur, die insbesondere für sensible außenpolitischen Themen galt. In der Ära des Kalten Krieges wurden finnische Journalisten von den politischen Eliten implizit dazu angehalten, den sowjetischen Nachbarn ja nicht allzu deutlich zu kritisieren. Der Term "Finnlandisierung" wurde zu dieser Zeit zu einem Synonym für eine devote Haltung gegenüber der Sowjetunion.

Während Printautoren in ihren Artikeln freiwillig auf Kritik an der Sowjetunion verzichteten, war es in erster Linie der Ende der 1950er Jahre eingeführte öffentlich-rechtliche Fernsehsender YLE, der den Beginn der Professionalisierung des finnischen Journalismus einleitete. Es war insbesondere der in den späten 1960er Jahren eingestellte Nachrichtenchef Ralf Friberg, der YLE nach westeuropäischen Standards umstrukturierte. Friberg hatte während seines Studiums Auslandsaufenhalte in Großbritannien und den USA absolviert und die dort vorherrschenden Journalismus-Praktiken und -Regeln verinnerlicht. Fortan galten bei YLE Werte wie Überparteilichkeit und Objektivität, die während des ersten ernsthaften Tests, der sowjetische Besatzung der Tschecheslowakei im Jahr 1968, unter Beweis gestellt wurden. Doch nach dem Zerfall der Sowjetunion erlitt Finnlands Mediensystem einen erneuten kurzen Rückfall in alte Selbstzensur-Zeiten: im Zuge einer Wirtschaftskrise, die genau in die Jahre vorm EU-Beitritt 1995 fiel, wurde nun nicht mehr die Angst vor der Supermacht von Nebenan, sondern das Bedürfnis zur Europäischen Union zu gehören, zum Leitmotiv. Eng mit den Eliten verbandelte Chefredakteure, so die Kritiker, forcierten in unzähligen Leitartikeln die Notwendigkeit, ein Teil von Europa zu werden, was in keiner Weise der damals vorherrschenden EU-Skepsis in großen Teilen der finnischen Bevölkerung entsprach.

Heute ist das finnische Mediensystem vor allem durch seinen hohen Grad an Konzentration gekennzeichnet - vier Unternehmen kontrollieren 55 Prozent des Pressemarktes; mit Sanoma gibt es einen vorherrschenden, einflussreichen Medienkonzern; und in allen wichtigen Städten des Landes gibt es mittlerweile de facto regionale Zeitungs-Monopole. Auf der anderen Seite herrscht in Finnland trotz oder gerade wegen seiner durch (Selbst-)Zensur geprägten Mediengeschichte eine Kultur des journalistischen Professionalismus vor, die international gesehen ihres gleichen sucht. Finnische Journalisten sind hervorragend ausgebildet und fühlen sich höchsten Qualitätsstandards verpflichtet, während das Vertrauen der Leser und Zuschauer in die finnischen Medien weiterhin konstant hoch ist. Für Journalisten gibt es momentan keinen besseren Ort, ihrem Beruf nachzugehen. Im "World Press Freedom Index" landete Finnland 2014 auf dem ersten Rang.

Medienunternehmen und -konzerne

Sanoma
Die Sanoma Group ist das größte Magazin-Verlagshaus Skandinaviens und der größte Medienkonzern Finnlands. Zum Portfolio gehören Zeitungen, Radio- und Fernsehsender und Online-Portale. Wichtigste Publikation ist „Helsingin Sanomat“ (im Volksmund „Hesari“ genannt), die größte Tageszeitung Finnlands. Das Boulevard-Pendant zur „Hesari“ ist das Tabloid „Ilta-Sanomat“, das sich vornehmlich auf Society-Themen sowie Sport- und Sportwettenberichterstattung beschränkt. Zudem bringt Sanoma eine Gratis-Zeitung in Helsinki heraus. Die "Metro" wird kostenlos innerhalb des städtischen Nahverkehrssystem verteilt. Weitere Tageszeitungen von Sanoma News: „Etelä-Saimaa“, „Kouvolan Sanomat“, „Kymen Sanomat“, „Uutisvuoksi“.

In den 1960er Jahren als Zusammenschluss der Verlags- und Distributionshäuser WSOY, Weilin+Göös, Sanoma Corporation und Rautakirja, sowie einer Reihe weiterer Zeitungshäuser entstanden, ist Sanoma in den letzten zwanzig Jahren durch zahlreiche Zukäufe gewachsen. Dazu zählen unter anderem die Akquisition der Magazinsparte des niederländischen Konzerns VNU (heute: The Nielsen Company) für 1,25 Milliarden Euro im Jahr 2001 sowie eine 2014 wieder verkaufte Beteiligung am russischen Verlag Independent Media der neben den russischen Ausgaben von Cosmopolitan, Men’s Health und FHM seit 1992 die englischsprachige und international ausgerichteten russischen Zeitungen  „Moscow Times“ und  „Vedomosti“ publiziert.

Seit der Übernahme von VNU ist Sanoma der reichweitenstärkste Medienkonzern in den Niederlanden. Sanoma ist Marktführer auf dem niederländischen Zeitschriftenmarkt und darüber hinaus in zwölf weiteren Ländern aktiv. Allein in den Niederlanden bringt Sanoma gegenwärtig mehr als 90 Zeitschriftentitel sowie die gleiche Anzahl an Onlinemedien und Webportalen heraus. Der Umsatz von Sanoma in den Niederlanden betrug 2012 760,4 Mio. Euro.

Außerdem betreibt Sanoma den zweitgrößten privaten finnischen Fernsehsender Nelonen, dessen Programm zum großen Teil aus importierten US-amerikanischen Formaten besteht. Eine ähnliche Programmstruktur wie Nelonen weist der Sender JIM auf. Außerdem betreibt Sanoma Entertainment den Sportkanal Urheilukanava, die Pay-TV-Angebote Kino TV und Urheilu+kanava sowie die privaten Radiostationen Radio Aalto und Radio Rock. Im Februar 2010 startete in Kooperation mit Viasat der Pay-TV-Sportsender Nelonen Sport Pro, im September wurde die Lizenz für einen weiteren Pay-TV-Kanal, Nelonen Maailama, erteilt. Im Sommer 2011 übernahm Sanoma vom deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1 diverse holländische und belgische Sender der SBS-Gruppe. Für 1,2 Milliarden Euro erwarb der Konzern die TV-Sender SBS6, NET5 und Veronica (Holland) sowie VT4 und VIJFTV (Belgien).

Im Onlinebereich war Sanoma Entertainment lange als Provider von Breitband-Internet und Kabeldiensten (Welho) aktiv. Im Mai 2010 wurde Welho jedoch für 200 Millionen Euro an den konkurrierenden Telekommunikationskonzern DNA verkauft. Sanoma betreibt  die Online-Gaming-Plattformen Pelikone.fi und Älypää. Im Online-Bereich ist die Sanoma-Tochter Sanoma Digital für die Online-Marktplätze Oikotie.fi, Huutu.net (Auktionsplattform), Keltainenporssi.fi (Autozubehör und Elektronik) und Hintaseuranta.fi (Unterhaltungselektronik) zuständig. Auf Wirtschaftsinformationen konzentrieren sich Taloussanomat.fi, Itviikko.fi und Digitoday.fi.
Weitere Internetauftritte sind: Tyylitaivas.fi, Blogilista.fi (Mode & Design), Foody.fi (Essen und Trinken) sowie Glossy.fi und Puuhaamo.fi (Kosmetik), Pelikone.fi und Älypää.fi (Online-Gaming).

Der finnische Traditionsverlag WSOY wurde im April 2011 an Konkurrent Bonnier verkauft. Dafür übernahm Sanoma von Bonnier die Bildungsverlage Tammi und Utbildning. In Belgien, Dänemark, Ungarn, Holland, Norwegen, Polen und Schweden verlegt das „Education und Books“-Segment zum größten Teil Schulbücher und wissenschaftliche Literatur. Ebenfalls Teil der Buchsparte von Sanoma ist AAC Global, ein "Globalisierungsdienstleister" (Übersetzungen, Sprachkurse, internationale Kommunikation und internationale Management-Seminare), der in Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Russland und China aktiv ist. Die polnische E-Learning-Plattform Young Digital Planet (YDP), an der Sanoma seit 1999 55 Prozent der Anteile hielt, wurde im Mai 2010 komplett übernommen. Sanoma erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von 2,08 Mrd. Euro.

YLE
Yleisradio nahm erstmals 1926 den Sendebetrieb auf. Heute betreibt YLE vier öffentlich-rechtliche Radiosender, die in finnischer Sprache senden (YLE Radio 1, Yle X, YLE Radio Suomi und Yle Q) zwei schwedischsprachige Stationen (Radio Vega und Radio X3M) und einen samisch-sprachigen Sender (Sami Radio).

Herzstück von YLE sind die beiden Vollprogramme Yle TV1 und Yle TV 2, wobei sich letzterer Sender an jüngere Zielgruppen wendet. Außerdem betreibt Yle die Spartensender Teema (Wissenschaft und Kultur), Fem (schwedischsprachiges Programm) und TV Finland (internationaler Sender für Finnen, die in Schweden leben). Im Internet ist Yle mit seiner gleichnamigen Nachrichten-Angebot präsent, das zu den zehn meistbesuchten Webseiten Finnlands gehört (siehe Tab. I). 2013 wurden Radio- und TV-Gebühren abgeschafft und durch eine Steuer ersetzt, die direkt vom versteuerten Einkommen abgezogen wird. Eine geplante inflationsbedingte Erhöhung dieser sog. "Yle Steuer" wurde 2014 vom finnischen Parlament gestoppt, was die Entlassung von 185 Mitarbeitern zur Folge hatte. Der Etat von YLE betrug 2013 470 Millionen Euro.

Alma Media
Alma Media betreibt 32 finnische Regionalzeitungen, acht Online-Lifestyle-Portale sowie sieben Wirtschafts- und Finanzinformationsdienstleister. Zu den bekanntesten Marken zählen die Zeitung "Aamulehti" aus der Stadt Tampere; die führende Wirtschaftszeitung "Kauppalehti" und das Tabloid "Iltalehti", das auch gleichzeitig das beliebteste Online-Nachrichtenportal des Landes ist. Im Jahr 2013 betrug der Umsatz von Alma Media 300 Millionen Euro.

Bonnier AB
Der vom schwedischen Medienkonzern Bonnier betriebene Privatsender MTV3 war lange Jahre der einschaltquotenstärkste Fernsehsender Finnlands, bevor er 2014 von YLE1 überholt wurde. Der ursprünglich als Mainos-TV bekannte Sender begann in den späten 1950er Jahren fast zeitgleich mit dem öffentlich-rechtlichen Konkurrenten YLE zu senden und teilte sich mit diesem zeitweise sogar die Frequenz. Zur MTV-Gruppe gehören mittlerweile auch die Schwestersender Sub, AVA, MTV Fakta, MTV Leffa, und MTV Juniori sowie Radio Nova, Finnlands erster landesweit ausgestrahlter privater Radiosender.

Abb. I: Werbeumsätze nach Gattungen, 2008-2012 (in Mio. Euro)

Quelle: European Audiovisual Observatory Yearbook 2013

Abb. 2: Marktanteile der größten finnischen TV-Gruppen 2014

Quelle: Finnpanel

Tab. I: Die beliebtesten Internetseiten 2014

 

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Google.fi

Suchmaschine

Google Inc.

2.

Facebook

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

3.

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

4.

YouTube

Videoportal

Google Inc.

5.

Iltalehti.fi

Nachrichten

Alma Media

6.

Iltasanomat.fi

Nachrichten

Sanoma

7.

Wikipedia

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

8.

Yahoo.com

Webportal

Yahoo Inc.

9.

Yle.fi

Nachrichten

Yleisradion Rundradio

10.

Bing.com

Suchmaschine

Microsoft

11.

Nordea.fi

Banking

Nordea Bank AB

12.

Twitter.com

Microblogging

Twitter Inc.

13.

Tori.fi

Kleinanzeige

Schibstedt Media Group

14.

Hs.fi

Nachrichten

Sanoma

15.

Live.com

Email

Microsoft

16.

Blogspot.fi

Blogging

Google Inc.

17.

Amazon.com

E-Commerce

Amazon.com Inc.

18.

Suomi24.fi

Soziales Netzwerk

Aller Media

19.

Imdb.com

 

Fim-DatenbankAmazon.com
20.

Mtv3.fi

 

NewsBonnier AB

Quelle: Alexa.com

Regulierung

In den 1970er und 1980er Jahren war die finnische Medienpolitik von Motiven wie sozialer Verantwortung und Pluralismus geprägt. Doch in den 1990er Jahren, als der finnische Gesellschaftsvertrag im Zuge eines Rückgangs der Wahlbeteiligung, dem Aufkommen von populistischen Bewegungen und Arbeitskämpfen zu bröckeln begann, geriet auch das lange Jahre internationalen Vorbildscharakter aufweisende finnische Mediensystem unter Druck. Die gemeinwohlorientierte Medienpolitik des vergangenen Jahrhunderts wurde Kritikern zufolge durch eine den allgemeinen von der Europäischen Union vorgegebenen Grundsätzen folgenden Medien-Deregulierung ersetzt. Unter dieser leidet insbesondere der finnische Pressesektor extrem. Tatsächlich ist Finnland einer der wenigen europäischen Länder, in denen Zeitungen keine direkten oder indirekten staatlichen Subventionen erhalten.

Mit Hinblick auf die weltweit führende Stellung von Finnland in Bezug auf Presse- und Meinungsfreiheit stehen deshalb andere Themen im Fokus der jüngsten medienpolitischen Initiativen: Medienkonzentration, Kommerzialisierung, wachsender Wettbewerb. Hauptaufgabe ist hierbei die Sicherung von Pluralität und der Zugang zu diversen Informationsquellen. Wichtigstes Gesetz zur Sicherung der Meinungsfreiheit ist das Laki sananvapauden käyttämisestä joukkoviestinnässä (Gesetz über die Wahrnehmung des Rechts auf freie Meinungsäußerung in den Massenmedien). Es definiert die Verantwortlichkeiten der Medienunternehmen und die Rechte Einzelner, ihre Meinung im medialen Umfeld gemäß eines entsprechenden Passus in der finnischen Verfassung zu äußern.

Die zwei wichtigsten Institutionen der finnischen Medienpolitik sind das Liikenne- ja viestintäministeriö (Ministerium für Transport und Kommunikation, LVM) und das Opetus- ja kulttuuriministeriö (Ministerium für Bildung und Kultur, OKM). Die unter dem Dach des LVM operierende Behörde FICORA (Viestintävirasto) reguliert in erster Linie technische Aspekte wie Frequenzen und Datenschutz, während die OKM für Urheberrechtsfragen sowie die Inhalte von Rundfunkprogrammen zuständig ist. Das LVM hat außerdem 2013 angekündigt, eine Gesetzesreform durchzuführen, die der technischen Entwicklung der vergangenen Jahre Rechnung trägt. In den Reformprozess sollen auch die Bürger mittels Onlinekonsultationen einbezogen werden.
Weitere staatliche Institutionen, die mittelbar in medienpolitische Entscheidungen eingebunden werden, sind die Datenschutzbehörde sowie der oberste Gerichtshof, der als letzte Instanz über das Informationsverhalten von Behörden entscheidet. Hinzu kommen diverse selbstregulative Organe der privaten Medienwirtschaft. Dazu zählen u.a. Finnmedia, die Vereinigung der finnischen Medienindustrie, Suomen Journalistilitto, der finnische Journalistenverband, sowie Julkisen sanan neuvosto (Rat für Massenmedien in Finnland).

Der Fernsehsektor wird gemäß den audiovisuellen Vorgaben der Europäischen Union geregelt, der beispielsweise vorsieht, einen gewissen Prozentsatz des Programms europäischen Themen sowie Minderheiten zu widmen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt YLE wird insbesondere auf Grundlage des Yleisradio Oy-Gesetzes sowie des Gesetzes zur Finanzierung des staatlichen Rundfunk reguliert. YLE selbst wird wiederum von einem 21-köpfigen Administrativorgan kontrolliert, das einen Aufsichtsrat wählt, der wiederum den Generaldirektor berufen oder absetzen sowie über das Budget bestimmen kann. Kartellrechtlich werden die finnischen Medienunternehmen schließlich von der Wettbewerbsbehörde Kipailu- ja kuluttajavirasto (KKV) reguliert, die insbesondere auf eine Einhaltung der Artikel 101 und 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union wachen.

Quellen/Literatur

  • Hannu Nieminen et al.: "Finland: The Rise and Fall of a Democratic Subsidy Scheme." In: Paul Murschetz (Hrsg.), State Aid for Newspapers: Theories, Cases, Actions. Heidelberg: Springer (2013), 179-195.
  • Heikki Kuuti: "Finnish Media Policy: Less Restrictive, More Directive." In: Evangelia Psychogiopoulou (Hrsg.), Understanding Media Policies: A European Perspective. New York: Macmillan (2012), 100-116.
  • Salovaara-Moring, I. (2009). "Mind the gap?: press freedom and pluralism in Finland." In A. Czepek, M. Hellwig, & E. Nowak (Eds.), Press Freedom and Pluralism in Europe: Concepts and Conditions. (pp. 213-227). Bristol: Intellect Ltd. (European Communication Research and Education Association series).

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