Länderporträt Finnland

Einwohner: 5,5 Millionen (April 2022)
Haushalte: 2021: 2,9 Mio.; 2012: 2,55 Mio.
Religionen: Evangelisch-lutherisch (67,8%), Orthodox (1,1%), Stand 2021
Hauptstadt: Helsinki (656.920, Dezember 2020)
Regierungsform: Republik
Staatschef: Sauli Niinisto (Konservative, seit 2012)
Regierungschefin: Sanna Marin (Sozialdemokraten, seit 2019)
EU-Mitglied seit: 1995
Arbeitslosenrate: 7,6% (2021); 8,1% (2013)
Staatsverschuldung: 168,41 Mrd. € (2021); 107,8 Mrd. € (2012)
BIP: 299 Mrd. US-Dollar (2021); 260 Mrd. US-Dollar (2013)

Digitale Werbeausgaben: 830,70 Mio. € (2021)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 180 Min/Tag (2021)
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: Sanoma, Yle, Alma Media, TV4 Media AB, Bauer Media Group
Rundfunkgebühren: Seit 2013 Finanzierung über die sogenannte Yle-Steuer, je nach Einkommen zwischen 51 und 143 Euro im Jahr

Geschichte und Profil

Die erste finnische Zeitung wurde 1771 von der Aurora Gesellschaft in Turku gegründet, als Finnland noch Teil des schwedischen Königreichs war. Die geheime Aurora Gesellschaft gehörte zum Dunstkreis der 1640 von der schwedischen Königin Christina gegründeten Akademie zu Turku, einer Bildungsinstitution, die als Vorgänger der Universität Helsinki gilt. Der Gesellschaft gehörten zahlreiche prominente Mitglieder der kulturellen und politischen Eliten Finnlands an und so war es folgerichtig, dass sich Tidningar utgifne af et Sällskap i Abo (Nachrichten der Turku Gesellschaft) zwischen 1790 und 1880 zum offiziellen Sprachrohr des finnischen States entwickelte, als dieser als Großherzogtum des russischen Reiches 1809 erstmals Autonomie erhielt.

Während des gesamten 19. Jahrhundert konnte die finnische Presse jedoch nie frei berichten und war permanent mit Zensurmaßnahmen konfrontiert. Dazu gehörte das 1850 erlassene Dekret, wonach ausschließlich religiöse Texte oder Wirtschaftsnachrichten publiziert werden durften. Die finnischen Behörden orientierten sich bei der Überwachung der Presse am Zensur-Model wie es im zaristischen Russland angewandt wurde. Mit dem Ende der Russifizierung Finnlands, die 1905 einsetzte, wurde auch die Kontrolle der finnischen Presse gelockert; eine formal-gesetzlich Verankerung der Pressefreiheit wurde jedoch erst 1919, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Finnlands eingeführt. Doch selbst danach, als die faschistische Lappobewegung an Einfluss gewann, mussten sich Journalisten und Bürger zweimal überlegen, ob sie kommunistische oder atheistische Meinungen äußern wollten.

Der zweite Weltkrieg, in dem Finnland abwechselnd sowohl gegen russische als auch deutsche Truppen kämpfte, führte erneut zu einem jähen Ende der vorangegangenen Periode relativer Pressefreiheit, in der auch die Gründung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Yleisradio (YLE) fiel. Die Allianz mit dem nationalsozialistischen Deutschland, die zunächst eingegangen wurde, brachte auch einen Import von Nazi-Propagandatechniken mit sich. Die nationale Zensurmaßnahmen wurden politisiert und siebzig speziell ausgebildete Zensurkommissare in die Redaktionen der führenden Zeitungen abgestellt, wo sie deren Inhalt täglich überwachten und filterten. Die Niederlage gegen die Sowjetunion und der darauffolgende Waffenstillstand von 1944 sorgte wiederum für eine Verbannung sämtlicher rechtslastiger und  nationalkonservativer Literatur aus dem öffentlichen Leben. Insgesamt hinterließ der Zweite Weltkrieg in der finnischen Gesellschaft den nachhaltigen Effekt einer Kultur der Selbstzensur, die insbesondere für sensible außenpolitischen Themen galt. In der Ära des Kalten Krieges wurden finnische Journalisten von den politischen Eliten implizit dazu angehalten, den sowjetischen Nachbarn ja nicht allzu deutlich zu kritisieren. Der Term "Finnlandisierung" wurde zu dieser Zeit zu einem Synonym für eine devote Haltung gegenüber der Sowjetunion.

Während Printautoren in ihren Artikeln freiwillig auf Kritik an der Sowjetunion verzichteten, war es in erster Linie der Ende der 1950er Jahre eingeführte öffentlich-rechtliche Fernsehsender YLE, der den Beginn der Professionalisierung des finnischen Journalismus einleitete. Es war insbesondere der in den späten 1960er Jahren eingestellte Nachrichtenchef Ralf Friberg, der YLE nach westeuropäischen Standards umstrukturierte. Friberg hatte während seines Studiums Auslandsaufenhalte in Großbritannien und den USA absolviert und die dort vorherrschenden Journalismus-Praktiken und -Regeln verinnerlicht. Fortan galten bei YLE Werte wie Überparteilichkeit und Objektivität, die während des ersten ernsthaften Tests, der sowjetische Besatzung der Tschecheslowakei im Jahr 1968, unter Beweis gestellt wurden. Doch nach dem Zerfall der Sowjetunion erlitt Finnlands Mediensystem einen erneuten kurzen Rückfall in alte Selbstzensur-Zeiten: im Zuge einer Wirtschaftskrise, die genau in die Jahre vorm EU-Beitritt 1995 fiel, wurde nun nicht mehr die Angst vor der Supermacht von Nebenan, sondern das Bedürfnis zur Europäischen Union zu gehören, zum Leitmotiv. Eng mit den Eliten verbandelte Chefredakteure, so die Kritiker, forcierten in unzähligen Leitartikeln die Notwendigkeit, ein Teil von Europa zu werden, was in keiner Weise der damals vorherrschenden EU-Skepsis in großen Teilen der finnischen Bevölkerung entsprach.

Heute ist das finnische Mediensystem vor allem durch seinen hohen Grad an Konzentration gekennzeichnet - vier Unternehmen kontrollieren 55 Prozent des Pressemarktes; mit Sanoma gibt es einen vorherrschenden, einflussreichen Medienkonzern; und in allen wichtigen Städten des Landes gibt es mittlerweile de facto regionale Zeitungs-Monopole. Auf der anderen Seite herrscht in Finnland trotz oder gerade wegen seiner durch (Selbst-)Zensur geprägten Mediengeschichte eine Kultur des journalistischen Professionalismus vor, die international gesehen ihres gleichen sucht. Finnische Journalisten sind hervorragend ausgebildet und fühlen sich höchsten Qualitätsstandards verpflichtet, während das Vertrauen der Leser und Zuschauer in die finnischen Medien weiterhin konstant hoch ist. Für Journalisten gibt es kaum einen besseren Ort, ihrem Beruf nachzugehen. Im "World Press Freedom Index" landete Finnland 2022 auf dem fünften Rang – bis 2015 führte es das Ranking sogar über viele Jahre an.

Die größten Medienkonzerne in Finnland

Sanoma
Die Sanoma Group ist das größte Magazin-Verlagshaus Skandinaviens und der größte Medienkonzern Finnlands. Zum Portfolio gehören Zeitungen, Radio- und Fernsehsender und Online-Portale. Wichtigste Publikation ist „Helsingin Sanomat“ (im Volksmund „Hesari“ genannt), die größte Tageszeitung Finnlands. Das Boulevard-Pendant zur „Hesari“ ist das Tabloid „Ilta-Sanomat“, das sich vornehmlich auf Society-Themen sowie Sport- und Sportwettenberichterstattung beschränkt. Weitere Tageszeitungen von Sanoma News sind „Etelä-Saimaa“, „Kouvolan Sanomat“, „Kymen Sanomat“, „Uutisvuoksi“.

In den 1960er Jahren als Zusammenschluss der Verlags- und Distributionshäuser WSOY, Weilin+Göös, Sanoma Corporation und Rautakirja, sowie einer Reihe weiterer Zeitungshäuser entstanden, ist Sanoma in den letzten zwanzig Jahren durch zahlreiche Zukäufe gewachsen. Dazu zählen unter anderem die Akquisition der Magazinsparte des niederländischen Konzerns VNU (heute: The Nielsen Company) für 1,25 Milliarden Euro im Jahr 2001 sowie eine 2014 wieder verkaufte Beteiligung am russischen Verlag Independent Media der neben den russischen Ausgaben von Cosmopolitan, Men’s Health und FHM seit 1992 die englischsprachigen und international ausgerichteten russischen Zeitungen „Moscow Times“ und „Vedomosti“ publiziert.

Seit der Übernahme von VNU war Sanoma der reichweitenstärkste Medienkonzern in den Niederlanden und Marktführer auf dem niederländischen Zeitschriftenmarkt. 2020 wurde der Geschäftsbereich Sanoma Media Nederland an den belgischen Medienkonzern DPG Media verkauft. Der Nettoumsatz im Jahr 2019 belief sich auf 368 Millionen Euro. Alle 900 Arbeitsplätze sind an den neuen Eigentümer übergegangen. Sanoma erhielt hierfür 460 Millionen Euro. Insgesamt war Sanoma in 20 verschiedenen Ländern tätig, hat aber infolge einer Zentralisierung des Konzerns viele seiner internationalen Aktivitäten eingestellt.

Außerdem betreibt Sanoma den zweitgrößten privaten finnischen Fernsehsender Nelonen. Der Sender konzipiert sich als Vollprogramm mit Nachrichten, Dokumentationen, Sport und Unterhaltung. Doch mehr als die Hälfte seines Programms sind eingekaufte amerikanische und europäische Unterhaltungsformate. Eine ähnliche Programmstruktur wie Nelonen weist der Sender JIM auf. Der Sender strahlt jedoch keine Nachrichten aus. Außerdem betrieb Sanoma Entertainment den Sportkanal Urheilukanava und die Pay-TV-Angebote Kino TV und Urheilu+kanava. Nach mehreren Umstrukturierungen in den 2010er-Jahren, wurden die Pay-TV-Angebote schließlich eingestellt. Auch besitzt Sanoma die privaten Radiostationen Radio Aalto und Radio Rock. Im Sommer 2011 übernahm Sanoma vom deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1 diverse holländische und belgische Sender der SBS-Gruppe. Für 1,2 Milliarden Euro erwarb der Konzern die TV-Sender SBS6, NET5 und Veronica (Holland) sowie VT4 und VIJFTV (Belgien) – ein Preis, der später als zu hoch bewertet wurde.

Im Onlinebereich war Sanoma Entertainment lange als Provider von Breitband-Internet und Kabeldiensten (Welho) aktiv. Im Mai 2010 wurde Welho jedoch für 200 Millionen Euro an den konkurrierenden Telekommunikationskonzern DNA verkauft. Der finnische Traditionsverlag WSOY wurde im April 2011 an Konkurrent Bonnier verkauft. Dafür übernahm Sanoma von Bonnier die Bildungsverlage Tammi und Utbildning.

Ende 2020 hatte Sanoma rund 4.800 Mitarbeiter. Zudem machte der Medienkonzern 2020 einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro, das Gesamtvermögen lag bei 2,05 Milliarden Euro. 2013 Sanoma noch einen Umsatz von 2,08 Mrd. Euro.

Yle
Yleisradio (abgekürzt Yle) nahm erstmals 1926 den Sendebetrieb auf. Das staatseigene Unternehmen und seine Geschäftstätigkeit sind gesetzlich geregelt, ebenso wie seine Finanzierung (Yle-Steuer). Außerdem muss der Staat mindestens 70 Prozent der Anteile an Yle besitzen, aktuell hält er 99,98 Prozent.

 

Gegründet wurde Yle im Mai 1926. Im selben Jahr, am 9. September, begann die Ausstrahlung des ersten Radioprogramms – zunächst jedoch nur sehr eingeschränkt. Erst 1928, also zwei Jahre später, begann die landesweite Ausstrahlung des Hörfunkprogramms. Heute hat Yle neun Radiokanäle, der größte ist Yle Radio Suomi. Mit einem Höreranteil von 32 Prozent im Jahr 2020 ist er nicht nur der meistgehörte Radiosender von Yle, sondern auch von ganz Finnland. Yle Radio Suomi ist ein Nachrichten-, Service- und Kontaktkanal, dessen Programm auch auf Unterhaltung ausgerichtet ist. Die Musikauswahl umfasst in- und ausländische Hits, melodischen Rock für Erwachsene und Nostalgie-Pop. Ein weiterer bedeutender Radiosender ist Yle Radio 1. Dieser fokussiert auf Nachrichten-, Geschichts- und Wissenschaftsserien, Kultur, Religion, Hörspiel, Klassik, Jazz und Volksmusik. Mit einem Höreranteil von 9 Prozent im Jahr 2020 ist der 1990 gegründete Sender, der ursprünglich aus dem Rahmenprogramm von 1926 hervorging, noch immer relativ stark vertreten. Der 2003 gegründete Sender Ylex, der aus dem Parallelprogramm von 1963 hervorging, spielt mit einem Marktanteil von 3 Prozent eher eine Nebenrolle.

Weitere kleinere Sender sind Yle X3M, Yle Vega, Yle Sámi Radio, Yle Mondo, Yle Puhe und Yle Klassinen. Yle Vega und Yle X3M senden in schwedischer Sprache, Yle Sámi Radio ist semisch-sprachig. Zudem präsentiert Yle Mondo seine Programme in verschiedenen europäischen Sprachen wie Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch.

 

Am 24. Mai 1955 führte die Fernsehvereinigung der Funktechnischen Gesellschaft der Technischen Universität (TKK) die erste drahtlose finnische Fernsehsendung aus dem Elektrolabor der TKK in der Albertinkatu in Helsinki durch. Die Übertragung wurde an 13 Empfänger gesendet, die sich in verschiedenen Teilen der Hauptstadtregion befanden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Yle gerade den Ultrakurzwellen-Radiobetrieb (ULA) in Finnland eingerichtet. Finanzierung und Interesse des Unternehmens konzentrierten sich daher nur auf das Radio. 1957 startete Yle dennoch die ersten Testsendungen, am 1. Januar 1958 startete schließlich die regelmäßige Ausstrahlung von Fernsehsendungen unter dem Namen Suomen Televisio.

Das Herzstück von YLE sind heute die beiden Vollprogramme Yle TV1 und Yle TV 2 mit Marktanteilen von 27 bzw. 13,3 Prozent im Jahr 2021, wobei sich letzterer Sender an jüngere Zielgruppen wendet. Außerdem betreibt Yle den Spartensender Teema (Wissenschaft und Kultur), der 2021 einen Marktanteil von 3,1 Prozent erzielen konnte.

Im Internet ist Yle mit seiner gleichnamigen Nachrichten-Angebot präsent, das zu den zehn meistbesuchten Webseiten Finnlands gehört. 2013 wurden Radio- und TV-Gebühren abgeschafft und durch eine Steuer ersetzt, die direkt vom versteuerten Einkommen abgezogen wird.

Im Jahr 2022 lag die Yle-Steuer je nach Einkommen zwischen 51 und 143 Euro im Jahr. Der Umsatz von Yle betrug 2020 487,6 Millionen Euro. Der Gewinn lag bei 8,8 Millionen Euro. Im selben Jahr waren 2.885 Mitarbeiter bei Yle beschäftigt.

Alma Media
Alma Media ist ein finnisches Medien- und Digitaldienstleistungsunternehmen, das im Jahr 1849 gegründet wurde und die ehemalige Zeitung "Suometar" herausbrachte.

Heute sind seine bekanntesten Formate mitunter die Zeitungen "Iltalehti", "Kauppalehti" und "Talouselämä". Neben den Nachrichtendiensten bieten diverse Serviceleistungen des Unternehmens Informationen zu Lifestyle, Karriere und Geschäftsentwicklung. Bekannte Formate sind hier die finnsiche Jobbörse Monster.fi und die Immobilienscouting-Webseite Etuovi.com. Im Laufe der Jahre haben sich die Dienstleistungen von Alma Media über Finnland hinaus auf die nordischen Länder, das Baltikum und Mitteleuropa ausgeweitet. Alma Media beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter. Der Konzernumsatz belief sich 2019 auf rund 250,2 Millionen Euro.

 

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitete Alma Media sein Angebot auf Fernsehen und Radio aus. In den 2000er-Jahren begann die Etablierung diverser Online-Formate. Bereits im Jahr 2005 fand bei Alma Media zudem eine umfassende Umstrukturierung statt – das Unternehmen trennte sich von seinem Rundfunkgeschäft und beschloss, sich auf die Herausgabe von Zeitungen, Wirtschaftsinformationen und Online-Marktplätzen zu konzentrieren.

 

Im Dezember 2011 erwarb Alma LMC sro, den tschechischen führenden Anbieter von Stellenbörsen Jobs.cz, Prace.cz und der E-Recruitment-Lösung LMC G2. Ferner wurde im September 2015 beschlossen, Alma Media und Talentum zusammenzuführen. Alma besaß bereits fast ein Drittel von Talentum. Mit dem Kauf erwarb Alma Media die Veröffentlichungen von Talentum, darunter die Zeitschriften "Talouselämä", "Arvopaperi" und "Tekniikka & Talous"  sowie diverse Fachliteratur. Der Betrieb von Talentum wird nun von der zu Alma Media gehörenden Alma Talent fortgesetzt, die zusätzlich zu den ehemaligen Talentum-Magazinen jetzt auch "Kauppalehtä" herausgibt.

 

Im Februar 2020 kaufte Sanoma von Alma Media für 115 Millionen Euro die Nachrichtendienste "Aamulehti", "Satakunta Kansan", "Janakkala Sanomat", "Jämsä Seudu", "Kankaanpää Seudu", "KMV-Lehten", "Nokian Uutiset", "Rannikkoseudu", "Suur-Keuruu", "Merikarvia-Lehten", "Sydän-Satakunna", "Tyrvää Sanomat", "Valkeakoski Sanomat", "Jokilaakso" und "Vekkari" sowie die Druckerei von Alma Manu. Die finnische Wettbewerbs- und Verbraucherbehörde hat die Übernahme am 19. März 2020 genehmigt.

 

Im Jahr 2021 kaufte Alma Media das finnische Medienunternehmen Nettix von der Otava-Group. Der Kaufpreis von Nettix betrug 170 Millionen Euro. Im selben Jahr kaufte Alma Media auch das Vergleichsportal Etua.fi vollständig auf, den es zuvor mitbesessen hatte.

 

TV4 Media AB
TV Media AB ist ein schwedisches Medienunternehmen im Besitz des schwedischen Telekommunikationsbetreibers Telia Company AB, dessen Einzelaktionär der schwedische Staat ist. Im Juli 2018 übernahm TV4 Media AB die schwedische Bonnier Broadcasting, die zuvor zum schwedischen Medienunternehmen Bonnier gehörte und auch im Besitz der finnischen MTV-Sender gewesen ist. Der Kaufpreis betrug 888 Millionen Euro. Durch diese Übernahme ist TV4 Media AB seit jeher der größte kommerzielle TV-Anbieter auf dem finnischen Fernsehmarkt und insgesamt der zweitgrößte Anbieter des Landes.

Die Übernahme wurde in der finnischen Politik und Öffentlichkeit kritisiert, da der schwedische Staat als Einzelaktionär der Telia Company, Besitzer von TV4 Media AB, Einfluss auf die Ausrichtung des TV-Programms der finnischen MTV hat.

 

Bauer Media Group

Die Bauer Media Group ist eine deutsche Mediengruppe mit Hauptsitz in Hamburg. Das Unternehmen ist über Deutschland hinaus in vielen anderen europäischen Ländern aktiv. Im April 2015 übernahm die Bauer Media Group "SBS Discovery Radio" von Discovery Communications und im August 2015 erwarb die Bauer Media Group die Radiosender von SBS Discovery Media in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark.

 

Ende 2015 übernahm die Bauer Media Group das Hörfunkprogramm der "Radio Nova" von MTV, das zur schwedischen Bonnier-Gruppe gehörte. Gleichzeitig wurden auch die Vertriebs- und Marketingaktivitäten von "NRJ" und "Radio Nostalgia" auf Bauer Media übertragen, wobei das Unternehmen jedoch nicht der Eigentümer von "NRJ" und "Radio Nostalgia" ist.

 

 Abb. I: Marktanteile der TV-Gruppen in Finnland 2021

 Quelle: finnpanel.fi

Tab. I: Die meistbesuchten Internetseiten in Finnland, Oktober 2022

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Google.com

Suchmaschine

Alphabet Inc.

2.

YouTube.com

Videoportal

Alphabet Inc.

3.

IS.fi

Nachrichten

Sanoma

4.

iltalehti.fi

Nachrichten

Alma Media

5.

Facebook.com

Soziales Netzwerk

Meta Platforms, Inc.

6.

Yle.fi

Rundfunk

Yle

7.

Google.fi

Suchmaschine

Alphabet Inc.

8.

Wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

9.

HS.fi

Nachrichten

Sanoma

10.

Twitter.com

Soziales Netzwerk

Twitter Inc.

Quelle: Semrush.com

Regulierung

In den 1970er und 1980er Jahren war die finnische Medienpolitik von Motiven wie sozialer Verantwortung und Pluralismus geprägt. Doch in den 1990er Jahren, als der finnische Gesellschaftsvertrag im Zuge eines Rückgangs der Wahlbeteiligung, dem Aufkommen von populistischen Bewegungen und Arbeitskämpfen zu bröckeln begann, geriet auch das lange Jahre internationalen Vorbildscharakter aufweisende finnische Mediensystem unter Druck. Die gemeinwohlorientierte Medienpolitik des vergangenen Jahrhunderts wurde Kritikern zufolge durch eine den allgemeinen von der Europäischen Union vorgegebenen Grundsätzen folgenden Medien-Deregulierung ersetzt. Unter dieser leidet insbesondere der finnische Pressesektor extrem. Tatsächlich ist Finnland einer der wenigen europäischen Länder, in denen Zeitungen keine direkten oder indirekten staatlichen Subventionen erhalten.

Mit Hinblick auf die weltweit führende Stellung von Finnland in Bezug auf Presse- und Meinungsfreiheit stehen deshalb andere Themen im Fokus der jüngsten medienpolitischen Initiativen: Medienkonzentration, Kommerzialisierung, wachsender Wettbewerb. Hauptaufgabe ist hierbei die Sicherung von Pluralität und der Zugang zu diversen Informationsquellen. Wichtigstes Gesetz zur Sicherung der Meinungsfreiheit ist das Laki sananvapauden käyttämisestä joukkoviestinnässä (Gesetz über die Wahrnehmung des Rechts auf freie Meinungsäußerung in den Massenmedien). Es definiert die Verantwortlichkeiten der Medienunternehmen und die Rechte Einzelner, ihre Meinung im medialen Umfeld gemäß eines entsprechenden Passus in der finnischen Verfassung zu äußern.

Die zwei wichtigsten Institutionen der finnischen Medienpolitik sind das Liikenne- ja viestintäministeriö (Ministerium für Transport und Kommunikation, LVM) und das Opetus- ja kulttuuriministeriö (Ministerium für Bildung und Kultur, OKM). Die unter dem Dach des LVM operierende Behörde FICORA (Viestintävirasto) reguliert in erster Linie technische Aspekte wie Frequenzen und Datenschutz, während die OKM für Urheberrechtsfragen sowie die Inhalte von Rundfunkprogrammen zuständig ist. Das LVM hat außerdem 2013 angekündigt, eine Gesetzesreform durchzuführen, die der technischen Entwicklung der vergangenen Jahre Rechnung trägt. In den Reformprozess sollen auch die Bürger mittels Onlinekonsultationen einbezogen werden.
Weitere staatliche Institutionen, die mittelbar in medienpolitische Entscheidungen eingebunden werden, sind die Datenschutzbehörde sowie der oberste Gerichtshof, der als letzte Instanz über das Informationsverhalten von Behörden entscheidet. Hinzu kommen diverse selbstregulative Organe der privaten Medienwirtschaft. Dazu zählen u.a. Finnmedia, die Vereinigung der finnischen Medienindustrie, Suomen Journalistilitto, der finnische Journalistenverband, sowie Julkisen sanan neuvosto (Rat für Massenmedien in Finnland).

Der Fernsehsektor wird gemäß den audiovisuellen Vorgaben der Europäischen Union geregelt, der beispielsweise vorsieht, einen gewissen Prozentsatz des Programms europäischen Themen sowie Minderheiten zu widmen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt YLE wird insbesondere auf Grundlage des Yleisradio Oy-Gesetzes sowie des Gesetzes zur Finanzierung des staatlichen Rundfunk reguliert. YLE selbst wird wiederum von einem 21-köpfigen Administrativorgan kontrolliert, das einen Aufsichtsrat wählt, der wiederum den Generaldirektor berufen oder absetzen sowie über das Budget bestimmen kann. Kartellrechtlich werden die finnischen Medienunternehmen schließlich von der Wettbewerbsbehörde Kipailu- ja kuluttajavirasto (KKV) reguliert, die insbesondere auf eine Einhaltung der Artikel 101 und 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union wachen.

Quellen/Literatur

  • Finnpanel (2022): Jährliche Kanalzuschaueranteile und wöchentliche Reichweite nach Altersgruppe, Finnland, Jahr 2021.
  • Hannu Nieminen et al.: "Finland: The Rise and Fall of a Democratic Subsidy Scheme." In: Paul Murschetz (Hrsg.), State Aid for Newspapers: Theories, Cases, Actions. Heidelberg: Springer (2013), 179-195.
  • Heikki Kuuti: "Finnish Media Policy: Less Restrictive, More Directive." In: Evangelia Psychogiopoulou (Hrsg.), Understanding Media Policies: A European Perspective. New York: Macmillan (2012), 100-116.
  • Salovaara-Moring, I. (2009). "Mind the gap?: press freedom and pluralism in Finland." In A. Czepek, M. Hellwig, & E. Nowak (Eds.), Press Freedom and Pluralism in Europe: Concepts and Conditions. (pp. 213-227). Bristol: Intellect Ltd. (European Communication Research and Education Association series).
  • Semrush (2022): Die meistbesuchten Webseiten in Finnland.


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