Länderporträt Dänemark

Die internationale Finanzkrise hat auch Dänemark getroffen. Nach langjähriger Hochkonjunktur schrumpfte das BIP 2009 um 5,7 Prozent, konnte sich inzwischen jedoch wieder erholen. Die Arbeitslosenquote wuchs von ihrem Tiefstand von 3,1 Prozent im April 2008 bis 2010 auf fast 8 Prozent und pendelt sich mittlerweile bei knapp 7 Prozent ein. In der Medienbranche hat sich die Krise vor allem durch einen Rückgang der Werbeeinnahmen bemerkbar gemacht. Anzeigenpreise werden durch einen verstärkten Wettbewerb zusätzlich gedrückt.

Die dänische Medienlandschaft unterlag in den vergangenen Jahren massiven Veränderungen, ausgelöst vor allem durch zunehmende Digitalisierung: Neue Player drängten auf den lange Zeit stabilen Radio- und Fernsehmarkt; Zeitungsunternehmen versuchen ihrem zunehmenden Bedeutungsverlust vor allem durch Ausweitungen ihres Angebots entgegenzuwirken und wandeln sich hin zu Multimediaunternehmen. Die Nutzung von Video- und Musikstreams in Dänemark hat in den letzten Jahren rasant zugenommen, mit weiterhin steigender Tendenz.

Basisdaten

Einwohner: 5,56 Mio. (Juli 2013, CIA World Factbook)
Religionen: Evangelisch-lutherische Volkskirche 80,4 Prozent, Muslime 3,8 Prozent, Katholiken 0,6 Prozent (Auswärtiges Amt)
Größte Stadt: Kopenhagen (0,56 Mio. Einwohner)
Regierungsform: Konstitutionelle Monarchie mit parlamentarisch-demokratischem Regierungssystem
Staatsoberhaupt: Königin Margrethe II. (seit 14.1.1972)
Regierungschefin: Helle Thorning-Schmidt (Sozialdemokraten, seit 3.10.2011)
EU-Mitglied seit: 1973 (damals EG)
Arbeitslosenrate: 7,1% (September 2013, Eurostat)
Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 2013: 44,7%; 2009: 40,7%; 2007: 27,1% (Eurostat)
Haushaltssaldo in Relation zum BIP: 2012: -4,1%; 2009: -2,7%; 2007: +4,8% (Eurostat)
Anteil am globalen BIP 2012: 0,25% (IMF)
Werbeumsätze insgesamt: 2012: 12,7 Mrd. DKK (ca. 1,7 Mrd. €); 2007: 14,5 Mrd. DKK (ca. 1,94 Mrd. €) (Dansk Oplagskontrol)
Tägliche Fernseh-Dauer pro Einwohner: 2012: 195 Minuten, 2007: 148 Minuten (TNS Gallup Tv-Meter)
Zeitungsauflage pro Kopf pro Tag: 0,23 (2012)
Rundfunkgebühr („Medielicens“): 203 DKK pro Monat und Haushalt (ca. 27,20 €)

Die größten Medienkonzerne Dänemarks

Fernsehen

Der dänische Rundfunk ist geprägt von einem stark dominierenden öffentlich-rechtlichen Sektor, der jedoch mittlerweile in zunehmendem Maße der Konkurrenz durch Privatanbieter ausgesetzt ist. Finanziert werden die öffentlich-rechtlichen Anstalten durch eine Medienlizenz (Medielicens), die von allen Haushalten mit entsprechenden Empfangsgeräten gezahlt werden muss. Die Gebühreneinnahmen, die 2013 nach Schätzungen des Kulturministeriums 4,37 Mrd. DKK (ca. 586 Mio. Euro) betrugen, wurden zu knapp 84 Prozent an die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt DR und zu 11,6 Prozent an die Regionalsender von TV 2 ausbezahlt. Der Rest verteilt sich unter anderem auf Zuschüsse zu nicht-kommerziellen lokalen Radio- und Fernsehsendern oder das Dänische Filminstitut.

Da der dänische Werbemarkt für eine größere Senderzahl zu klein ist, handelt es sich bei den allermeisten Privatsendern um geringpreisige Bezahl-Sender, die sich sowohl aus Werbeeinnahmen als auch Abo-Gebühren finanzieren. Dieses Geschäftsmodell hat sich im Zuge eines Einbruchs der Werbeeinnahmen 2009 in Folge der globalen Finanzkrise bewährt. Die gesetzlichen Vorgaben bei der Ausstrahlung von Fernsehwerbung, geregelt im Gesetz zur Radio- und Fernsehübertragung (Lov om radio- og fjernsynsvirksomhed), sind zudem vergleichsweise streng: So darf Werbung nur zwischen einzelnen Programminhalten platziert werden, bezahltes Product Placement ist verboten.

DR (Danmarks Radio) ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Dänemarks. Sie wurde 1925 als Statsradiofonien gegründet und 1959 in Danmarks Radio umbenannt. Die Anstalt finanziert sich ausschließlich durch die eingezogenen Mediengebühren und den Verkauf von eigenproduzierten Programmen; Werbung wird nicht geschaltet. Die Einnahmen durch die Medienlizenz lagen 2013 bei 3,66 Mrd. DKK (ca. 474 Mio. Euro). DR wird geleitet durch ein elfköpfiges Direktorium, dessen Mitglieder für jeweils vier Jahre vom Kulturminister benannt werden. Drei der Mitglieder werden zuvor vom Kulturminister selbst nominiert, sechs vom Parlament und zwei von den DR-Mitarbeitern.
DR betreibt mehrere Sender. Allen voran DR1, gegründet 1951, der mit 1,62 Mrd. DKK (ca. 218 Mio. Euro) den größten Budgetposten für sich vereinnahmt. Seit 1954 strahlt DR1 ein reguläres Programm aus und ist somit der älteste Fernsehsender Dänemarks. Erst 1988, mit der Gründung von TV 2, verlor der Sender sein Monopol als einziger nationaler Fernsehsender. Die wichtigste nationale Nachrichtensendung „TV Avisen“ wird seit 1965 auf DR1 ausgestrahlt. In den 1990ern verlagerte sich DR1 zunehmend von der Produktion von Spielshows und Fernsehfilmen auf dramatische Serien, welche sich vor allem durch ihren Trend zu einer amerikanischen Genre-Orientierung auszeichnen; zuletzt beispielsweise „Borgen“ oder „Kommissarin Lundt – Das Verbrechen“ („Forbrydelsen“). Mit durchschnittlich 19,4 Prozent Marktanteil im Jahr 2012 ist DR1 der zweitstärkste Sender Dänemarks.
DR2, seit 1996 auf Sendung, hatte 2012 einen Marktanteil von 4,2 Prozent. Beide Sender, DR1 und DR2, sind sogenannte Must-Carry-Sender, sie müssen somit in jeder Kabelanlage weiterverbreitet werden.
Mit der Umstellung der terrestrischen Übertragung auf DVB-T kamen viele neue, kleinere Sender hinzu: Der Kulturkanal DR K und der Kinderkanal DR Ramasjang, die nach wie vor auf Sendung sind, sowie DR HD und DR Update, die Anfang 2013 durch die Jugendsender DR3 und DR Ultra ersetzt wurden.
Das Unternehmen DR Multimedia, welches das Merchandising zu den DR-Programmen betreibt, funktioniert auf kommerzieller Basis und hat ein von den Sendern unabhängiges Budget.

TV 2 wurde 1988 als halböffentlicher Sender im Besitz der dänischen Regierung gegründet und zunächst noch teilweise aus Gebührengeldern finanziert. TV 2 ist mit 24 Prozent Marktanteil im Jahr 2012 nach wie vor der stärkste Sender Dänemarks, auch wenn er mittlerweile weit entfernt liegt von früheren Ergebnissen: 2005 hatte der Sender noch einen Marktanteil von 36 Prozent. Seit 2003 wurde TV 2 schrittweise privatisiert und ist mittlerweile eine private Aktiengesellschaft im Besitz des dänischen Staates. Finanzielle Unterstützung durch Gebührengelder erhält der Sender nicht mehr. Seit Januar 2012 ist TV 2 ein Pay-Channel. Das Budget des Senders wurde 2013 auf 100 Mio. DKK aufgestockt (ca. 13,4 Mio. Euro).
Zur TV-2-Sendergruppe gehören außerdem acht regionale TV-Sender, die wiederum als unabhängige öffentlich-rechtliche Unternehmen funktionieren. Sie werden durch die Medienlizenz und den Verkauf von Programmen finanziert und gelten wie DR1 und DR2 als Must-Carry-Sender.
Auch mehrere private Nischensender gehören dazu: TV 2 Zulu, TV 2 Film, TV 2 News und TV 2 Charlie – letzterer mit 4,4 Prozent Marktanteil in 2012 erstmals der drittstärkste Sender des Landes. Am 5. Mai 2013 startete zuletzt außerdem der Sender TV2 Fri. TV 2 Sport wurde Ende 2012 an die Modern Times Group verkauft und heißt seitdem TV 3 Sport.

Die größte private Sendergruppe ist TV 3, die sich im Besitz des Satellitenbetreibers Viasat mit Sitz in Großbritannien befindet. Viasat gehört zur schwedischen Modern Times Group (MTG). Die Sender der Gruppe werden von London aus betrieben, wodurch sie die strengen dänischen Werberegelungen umgehen und so auch innerhalb der ausgestrahlten Programmblöcke Werbung platzieren können. Zu der Gruppe gehören die Sender TV 3, TV 3+, TV 3 Puls sowie zuletzt TV 3 Sport. TV 3 nahm 1995 den Sendebetrieb auf und war damit nach DR1 und TV 2 der dritte landesweite Fernsehsender. TV3 war zudem über lange Zeit der Sender mit den dritthöchsten Einschaltquoten, bis er 2012 mit 4,3 Prozent Marktanteil knapp hinter TV 2 Charlie zurückfiel.

Die Mediengruppe SBS Discovery Media entstand im April 2013, nachdem das US-amerikanische Discovery Communications die zu SBS Nordic gehörenden skandinavischen TV- und Radiosender für 10 Mrd. DKK (ca. 1,34 Mrd. Euro) von der deutschen ProSiebenSat.1 Media AG aufgekauft hatte. Discovery stieg damit auf einen Schlag zu einem der wichtigsten Medienunternehmen in Dänemark und Skandinavien auf. Zu SBS Discovery gehören unter anderem die Sender Kanal 4 – der 2006 den 1997 gegründeten Sender TV Danmark ersetzte – Kanal 5, 6’eren und der im Januar 2013 gestartete Sender 7’eren, welcher an die Stelle von Voice TV trat. Kanal 4 und Kanal 5 senden wie die Sender der TV-3-Gruppe aus London.

Die Umstellung der terrestrischen Übertragung auf DVB-T war für die dänische Fernsehlandschaft besonders bedeutend, da mit ihr neue Kapazitäten für die Übertragung mehrerer landesweiter Sender entstanden, wodurch die Sender DR1 und TV 2 ihre privilegierte Stellung zumindest teilweise einbüßten. Der erste DVB-T-Multiplex begann seine Übertragung am 31. Mai 2006, weitere fünf Multiplexe folgten im Laufe der folgenden zwei Jahre. In der Nacht zum 1. November 2009 wurde die analoge terrestrische Übertragung schließlich abgeschaltet. Der Fernsehkonsum ist in dieser Zeit stark angestiegen: von 148 Minuten pro Tag im Jahr 2007 – ein Wert, der sich seit 15 Jahren kaum verändert hatte – stieg die durchschnittliche Sehdauer auf den vorläufigen Höchststand von 201 Minuten im Jahr 2010. Der gemeinsame Marktanteil der beiden Sender DR1 und TV 2 sank währenddessen von stabilen 62 Prozent im Jahr 2006 auf 43 Prozent in 2012. Im Januar 2012 wurde MPEG2 durch MPEG4 als Standard-Kodierung des DVBT-Signals abgelöst, wodurch eine noch größere Anzahl von Kanälen in besserer Qualität übertragen werden kann.

Über die seit 2006 und 2007 frei empfangbaren digitalen Multiplexe MUX1 und MUX2 werden die DR-Programme sowie die regionalen Sender von TV 2 übertragen. Kontrolliert werden sie von DIGI-TV, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft von DR und TV 2, welcher auch das terrestrische Rundfunkübertragungsnetz gehört.

Boxer TV betreibt seit 2008 die vier weiteren Multiplexe MUX3-6, auf denen private Pay-TV-Kanäle übertragen werden. Boxer TV ist Tochter der schwedischen Gruppe Boxer TV Access, die wiederum zu Teracom gehört, einem Rundfunkübertragungsunternehmen im Besitz der schwedischen Regierung. Teracom kaufte 2010 zudem den von DR und TV 2 betriebenen Broadcast Service Danmark auf, der den Betrieb des terrestrischen Rundfunkübertragungsnetzes leitet und im Januar 2011 in Teracom Denmark A/S umbenannt wurde. Teracom Denmark erwirtschaftet nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 300 Mio. DKK (ca. 40 Mio. Euro).

Die Kabelnetzbetreiber geben auf dem Fernsehmarkt jedoch weiterhin den Ton an. Größter unter ihnen ist YouSee, der nach eigenen Angaben ca. 1,2 Mio. Haushalte mit Kabelfernsehen versorgt, knapp die Hälfte der dänischen Bevölkerung. YouSees Umsatz stieg von 3,6 Mrd. DKK im Jahr 2009 (ca. 480 Mio. Euro) auf 4,57 Mrd. DKK in 2012 (ca. 610 Mio. Euro) – also um 27 Prozent. Der Gewinn wuchs im gleichen Zeitraum um 29 Prozent auf 709 Mio. DKK (ca. 95 Mio. Euro). YouSee gehört zu TDC (Tele Danmark Communications), der größten Telefongesellschaft Dänemarks, die 1990 unter dem Namen Tele Danmark als Mutterkonzern der regionalen Telefongesellschaften gegründet wurde und in staatlichem Besitz war. 1998 wurde Tele Danmark dann vollständig privatisiert und benannte sich 2000 in TDC um.

Der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber ist Stofa, von 1995 bis Oktober 2012 im Besitz des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Telia-Sonera, bis es von SE (Syd Energi) übernommen wurde, dem drittgrößten Energiekonzern Dänemarks. Stofa versorgt nach eigenen Angaben 600.000 Haushalte. Der Umsatz stieg von 1,02 Mrd. DKK im Jahr 2009 (ca. 135 Mio. Euro) um 31 Prozent auf 1,34 Mrd. DKK in 2012 (ca. 180 Mio. Euro), während der Gewinn im gleichen Zeitraum von 76 Mio. DKK (ca. 10,2 Mio. Euro) auf 105 Mio. DKK (ca. 14,1 Mio. Euro) anwuchs, ein Anstieg von 38 Prozent.

Der drittgrößte Kabelanbieter, Canal Digital, ehemaliges Tochterunternehmen des norwegischen Telekommunikationskozerns Telenor und führender Anbieter von HDTV-Kanälen, wurde 2012 für 51 Mio. DKK (ca. 6,8 Mio. Euro) an den Konkurrenten Stofa verkauft.

Tab. I: Entwicklung der TV-Einschaltquoten

Quelle: TNS Gallup, Tv-meter Årsrapport

Tab. II: TV-Einschaltquoten 2012

Quelle: TNS Gallup, Tv-meter Årsrapport

Tab. III: Entwicklung der durchschnittlichen Fernsehdauer

Quelle: TNS Gallup, Tv-meter Årsrapport

Radio

Auch die terrestrische Übertragung von Radiosignalen wird sukzessive auf digitalen Standard umgebaut. Noch hat sich das Digitalradio nicht durchgesetzt, doch mit einem digitalen Radioempfänger in 37 Prozent aller Haushalte nimmt Dänemark weltweit eine der Spitzenpositionen bei der Verbreitung ein (vgl.: in Deutschland besitzen lediglich fünf Prozent aller Haushalte einen digitalen Radioempfänger). Nach einer Einigung des Parlaments im Oktober 2012 soll der UKW-Rundfunk 2019 eingestellt werden, sofern bis Mitte 2018 mindestens die Hälfte des Radiokonsums über digitale Plattformen stattfindet. Ob das gelingt ist dabei keinesfalls gewiss. 2012 lag der Anteil des digitalen Radiokonsums bei 14 Prozent. Gleichzeitig soll der Übergang des digitalen DAB-Standards auf DAB+ stattfinden.
Es sind bislang zwei digitale Multiplexe verfügbar, auf dem ersten werden die Sender des DR übertragen, der zweite ist kommerziellen Sendern vorbehalten. Ein dritter Multiplex für Regionalsender ist derzeit in Planung.

Die Dauer, die die Dänen vor dem Radio verbringen, nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Von durchschnittlich drei Stunden pro Tag im Jahr 2005 sank die Hördauer bis 2012 um ein Drittel auf 121 Minuten. Die Werbeeinahmen im Hörfunk lagen 2012 bei 278 Mio. DKK (ca. 37,3 Mio. Euro). Der Anteil des Hörfunks am Gesamtumsatz aller privaten Medien liegt somit wie schon seit Jahren bei ungefähr zwei Prozent und damit weit unter dem europäischen Durchschnitt von sechs bis sieben Prozent.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt DR hat im Hörfunk eine übermächtige Position. Neben zwei Mittelwellen-, 17 DAB- und knapp 30 Internetsendern, betreibt DR noch drei landesweite und elf regionale UKW-Sender.
Die dänische Regierung übernahm am 1. April 1925 den Rundfunkbetrieb und löste damit mehrere private Radioclubs ab, die sich durch Werbung und Sponsoren finanziert hatten. Der Staat hatte fortan das alleinige Monopol auf den Rundfunk. Lange Zeit gab es nur einen einzigen Sender, den heutigen Gesprächssender P1, der erst 1951 – dem Jahr, in dem auch der erste Fernsehsender DR1 den Testbetrieb aufnahm – durch einen zweiten Radiosender ergänzt wurde. Der Kultursender P2 muss sich seit 2011 eine UKW-Frequenz mit P1 teilen, digital sind aber noch beide mit je eigenem 24-Stunden-Programm zu empfangen. Die ersten Regionalsender gingen im April 1960 in Betrieb. Sie teilen sich heute den Kanal P4, 2012 mit einer Einschaltquote von 42,5 Prozent der mit Abstand meistgehörte Kanal. Der Musik- und Unterhaltungssender P3 ist mit einer durchschnittlichen Einschaltquote von 20,8 Prozent in 2012 der zweitstärkste Radiosender des Landes. Er wurde 1963 als Reaktion auf den kommerziellen „Piratensender“ Radio Mercur gegründet, der vier Jahre lang von einem Schiff in internationalen Gewässern aus Popmusik übertragen hatte, bis er 1962 durch eine Gesetzesinitiative gestoppt wurde. Der Informationssender P5 sendet seit 2003. Insgesamt haben die DR-Radiosender einen Marktanteil von fast 80 Prozent.

Nachdem das Parlament 1981 eine entsprechende Gesetzesänderung erlassen hatte, bekam der staatliche Rundfunk ab 1984 Konkurrenz von privaten Anbietern, wobei die Übertragung von Werbung auch für diese bis 1988 verboten blieb. Die ersten privaten Radiosender mit nationaler Reichweite gingen erst 2003 auf Sendung.

Größter – und einziger landesweiter – kommerzieller Anbieter ist das in ganz Skandinavien operierende SBS Radio, dessen Stationen in Dänemark 2012 knapp 14,4 Prozent Marktanteil auf sich vereinigen konnten. Zu ihnen gehören Radio 100, The Voice und der mit 3,8 Prozent stärkste kommerzielle Sender 2012: NOVA.

Neben diesen Anbietern sind fast 300 weitere, lokale Radiostationen auf Sendung.

Print

Der dänische Zeitungsmarkt hat seit Jahren mit massiven Problemen zu kämpfen. Ein starker Rückgang der Abonnementzahlen, zunehmender Verlust von Werbeeinnahmen an Fernsehen und Internet und die Nachwirkungen des „dänischen Zeitungskrieges“, der von 2006 bis 2008 wütete, machen den herkömmlichen Blättern zu schaffen. Staatliche Subventionen in Form von Mehrwertsteuerbefreiungen und reduzierten Portogebühren schaffen da kaum Abhilfe. Die Gesamtauflage der Tageszeitungen sank zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Mio. auf 1,25 Mio. Exemplare, also um knapp 28 Prozent in fünf Jahren. Der Gesamtwerbeumsatz der Tageszeitungen fiel in dieser Zeit um ganze 47 Prozent auf 1,7 Mrd. DKK (ca. 228 Mio. Euro). Viele ehemals reine Zeitungsunternehmen bauen mittlerweile ihre Internetpräsenz aus und wandeln sich zu Multimediaunternehmen.

Berlingske Media, bis 2006 Teil der norwegischen Orkla Media, gehört mittlerweile zur britischen Mecom Group. Bis 2008 trug das Unternehmen den Namen Det Berlingske Officin, 2012 machte es nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,76 Mrd. DKK (ca. 370 Mio. Euro).
Berlingske Media gibt Dänemarks älteste noch erscheinende Tageszeitung heraus: Berlingske (bis 2011 noch: Berlingske Tidende), gegründet 1749. Mit einer Auflage von 81.789 Stück in der ersten Jahreshälfte 2013 gehört die liberal-konservative Berlingske zu den drei großen nationalen Tageszeitungen Dänemarks. Dazu gibt das Unternehmen neben sieben Lokalzeitungen und 49 kostenlosen Regionalzeitungen noch die 1916 gegründete Boulevardzeitung BT sowie die Wochenzeitung Weekendavisen heraus.
Von 2001 bis Januar 2012 veröffentlichte Berlingske Media außerdem die kostenlose Zeitung Urban, die auf Straßen verteilt und in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgelegt wurde. 2006 war Urban mit geschätzten 713.000 Lesern die meistgelesene Zeitung Dänemarks, die Auflage wurde in den darauffolgenden Jahre jedoch drastisch zurückgefahren.
Neben dem herkömmlichen Zeitungsangebot betreibt Berlingske Media mittlerweile 38 Internetseiten, mehrere Web-Shops, acht Online-TV-Sender, mehrere Radiosender sowie eine Werbe- und eine Fotoagentur.

Neben Berlingske gibt es noch zwei weitere seriöse Tageszeitungen in Dänemark. Unter dem Namen JP/Politikens Hus schlossen sich 2003 die Verlage von Morgenavisen Jyllands-Posten und Politiken, zusammen. Die Redaktionen der 1871 gegründeten Jyllands-Posten, die als liberal-konservativ gilt, und der 1883 gegründeten Politiken, die sich selbst als sozial-liberal bezeichnet, blieben jedoch voneinander unabhängig.
JP/Politikens Hus gibt außerdem die 1904 gegründete Boulevardzeitung Ekstra Bladet heraus, die sich auf der Internetseite des Verlags damit brüstet, als erste dänische Zeitung das Bild einer nackten Frau abgedruckt zu haben.
Über die Tochterfirma Politikens Lokalaviser werden zudem mehrere kostenlose Lokalzeitungen vertrieben. JP/Politikens Hus betreibt mehrere Internetseiten, allen voran die Onlinepräsenzen der Zeitungen, aber auch andere, wie zum Beispiel ein Jobportal oder eine Reiseseite. Dazu kommen mehrere Online-TV-Channels, ein Informationsdienst, eine Foto- und eine Werbeagentur. Nach eigenen Angaben will das Unternehmen seinen Hauptfokus in den nächsten Jahren auf den Ausbau der Online-Plattformen und die Web-TV-Sender legen.

Berlingske und JP/Politikens Hus haben bei den kostenpflichtigen Tageszeitungen beide jeweils einen Marktanteil von knapp 30 Prozent. Der Rest des Marktes ist dagegen sehr parzelliert. Kein weiteres Unternehmen kommt in diesem Segment auf einen Marktanteil von über 6,9 Prozent.

In den 90er Jahren wurden in Dänemark die ersten Gratiszeitungen eingeführt. 2009 gab es 235 kostenlos verteilte Lokalzeitungen, insgesamt fünf Mio. Exemplare pro Woche: In diesem Umfang international einzigartig. Auf nationaler Ebene erscheint neben Urban seit 2001 auch MetroXpress, die ebenfalls auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln verteilt wird. MetroXpress gehörte ursprünglich zur luxemburgischen Gruppe Metro International, wurde im Januar 2013 jedoch von der 20 Minuten AG übernommen, die Teil der schweizer Mediengruppe Tamedia ist.

Der „dänische Zeitungskrieg“ brach 2006 aus, als das isländische Medienunternehmen Dagsbrun, die zur isländischen Investorgruppe Baugur gehört, ankündigte, im Oktober des Jahres eine Zeitung namens Nyhedsavisen herauszubringen, die nicht nur kostenlos verteilt, sondern den Dänen kostenlos direkt nach Hause geliefert werden sollte. Darauf reagierten die etablierten Zeitungsverlage gleichermaßen: Im August 2006 veröffentlichten Berlingske Media und JP/Politikens Hus jeweils eigene Zeitungen, die sie ihrerseits kostenlos an die dänischen Haushalte lieferten: Dato und 24timer. MetroXpress gab im gleichen Monat eine zusätzliche Nachmittagsausgabe heraus. Als Nyhedsavisen im Oktober 2006 erschien, war das Land bereits mit kostenlosen Zeitungen überschwemmt. Die Preise für Printwerbung brachen im Zuge dieses Überangebots ein, die Auflage der kostenpflichtigen Zeitungen gingen ebenfalls zurück. Hinzu kamen die Mehrkosten für den Vertrieb der neuen Gratiszeitungen. Die Nachmittagsausgabe von MetroXpress wurde bereits nach drei Monaten eingestellt, Dato im April 2007, nach enormen finanziellen Verlusten. 24timer wurde ab 2008 nur noch auf der Straße verteilt und im Mai desselben Jahres an Metro International verkauft. Im März 2013 wurde die Zeitung eingestellt. Die Nyhedsavisen selbst hatte 2008 zwar über 500.000 Leser, machte aber trotzdem erhebliche Verluste und ging im September 2008 pleite.

Tab. IV: Werbeumsätze der einzelnen Branchen

Quelle: Dansk Oplagskontrol, Reklameforbrugsundersøgelsen i Danmark

Tab. V: Auflagen der größten Tageszeitungen

Quelle: Dansk Oplagsbulletin

Internet

94 Prozent aller dänischen Haushalte hatten 2013 einen Internetanschluss. Drei Viertel aller Dänen nutzen täglich das Internet, in der Gruppe der 25- bis 39-jährigen sind es 92 Prozent Besonders die Internetnutzung über mobile Geräte nimmt rasant zu. 2011 waren 38 Prozent aller Dänen in Besitz eines Smartphones, 2012 schon 52 Prozent. Während sich der Konsum von herkömmlichen Internetseiten in den letzten Jahren nicht bedeutend verändert hat, wuchs der Konsum von Seiten für mobile Endgeräte und die Benutzung von Apps exponentiell an.

Google ist zwar die meistbesuchte Internetseite, doch die meiste Zeit verbringen die Dänen mit Abstand auf Facebook. 2,8 Mio. Nutzer hatte das soziale Netzwerk 2012 in Dänemark, elfmal mehr als Twitter.

Im Oktober 2012 haben sowohl Netflix als auch HBO ihre Streaming-Dienste parallel in ganz Skandinavien gestartet. Der Kabelnetzbetreiber YouSee bietet seit Dezember 2012 mit YouBio ebenfalls einen eigenen Streaming-Service an. Auch die Sendergruppe TV2 sowie die Modern Times Group (MTG) haben eigene Streaming-Plattformen.
Der Musik-Streaming-Dienst Spotify ist seit Ende 2011 in Dänemark verfügbar.

Die Werbeumsätze der gesamten Internetbranche lagen 2012 bei 4,54 Mrd DKK (ca. 609 Mio. Euro) und damit so hoch wie die von Fernsehen, Radio und Tageszeitungen zusammen.

Tab. VI: Die 20 meistbesuchten Internetseiten in Dänemark, Dezember 2013

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

google.dk

Suchmaschine

Google Inc.

2.

google.com

Suchmaschine

Google Inc.

3.

facebook.com

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

4.

youtube.com

Videoportal

Google Inc.

5.

ekstrabladet.com

Boulevard-News

JP/Politikens Hus

6.

wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

7.

linkedin.com

Soziales Netzwerk

LinekdIn Inc.

8.

dr.dk

News

DR

9.

live.com

Email-Dienst

Microsoft

10.

bt.dk

Boulevard-News

Berlingske Media

11.

yahoo.com

Webportal

Yahoo Inc.

12.

dba.dk

Verkaufsplattform

eBay Inc.

13.

tv2.dk

News

TV2

14.

politiken.dk

News

JP/Politikens Hus

15.

amino.dk

Diskussionsforum

Amino ApS

16.

imdb.com

Filmdatenbank

Amazon.com

17.

blogspot.dk

Blogging

Google Inc.

18.

amazon.com

Online-Händler

Amazon.com

19.

dmi.dk

Wetterdienst

Danmarks Meteorologiske Institut

20.

trustpilot.dk

Bewertungsportal

Trustpilot A/S

Medienregulierung

Die dänische Mediengesetzgebung und –regulierung ist auf drei Ministerien verteilt. Für den Rundfunk ist das Kulturministerium verantwortlich, für Printmedien die Staatskanzlei der Ministerpräsidentin und für Telekommunikation das Ministerium für Unternehmen und Wachstum.

Der dänische Radio- und Fernsehrat (Radio- og tv-nævnet) vergibt die Lizenzen an die Rundfunkanbieter und führt Aufsicht über die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben. Außerdem verwaltet er die Subventionen für nicht-kommerzielle lokale Rundfunkanbieter und berät die Kulturministerin in Rundfunksachen. Der Rat besteht aus acht Mitgliedern, die von der Kulturministerin für vier Jahre ernannt werden. Sieben werden vorab von der Kulturministerin selbst nominiert, das achte vom Kooperationsforum der Dänischen Hörer- und Zuschauerorganisation (Samarbejdsforum for Danske Lytter- og Seerorganisationer).
Das Mediensekretariat (Mediesekretariatet) ist für die Umsetzungen der Entscheidungen des Radio- und Fernsehrats verantwortlich. Es untersteht der Kulturministerin.

Über die ethischen Presserichtlinien wacht der Presserat (Pressenævnet), der durch das „Gesetz über die Verantwortung der Medien“ (Medieansvarsloven) legitimiert ist. Er besteht aus acht Mitgliedern, die vom Justizminister ernannt werden. Vorsitzender und Stellvertreter des Rats werden vom Präsidenten des Obersten Gerichtshofs nominiert, die anderen Mitglieder von verschiedenen Verbänden. Der Presserat ist ein unabhängiges, öffentliches Schiedsgericht, das bei Beschwerden über die Medien entscheidet, ob eine Publikation den „allgemeinen ethischen Richtlinien der Presse“ entspricht.

Die Gewerbebehörde (Erhvervsstyrelsen), die dem Ministerium für Unternehmen und Wachstum unterstellt ist, verantwortet mit ihrer Abteilung zur Telekommunikationsregulierung unter anderem die Wettbewerbsoffenheit des Marktes sowie den weiteren Ausbau des Telekommunikationsnetzes. Bis 2011 war dafür noch die IT- und Telekommunikationsagentur (IT- og Telestyrelse) unter dem Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Entwicklung zuständig.

Quellen/Literatur

Diskussion

Kommentar hinzufügen


* - Pflichtfeld







CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


Keine Kommentare