Länderporträt Bulgarien

Wie in vielen anderen südosteuropäischen Ländern auch, lässt sich nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1989 in Bulgarien ein vielfältiges Aufblühen der Medienlandschaft verzeichnen. In der ersten postkommunistischen Verfassung von 1991 sind Meinungsfreiheit, Medienfreiheit und Informationsfreiheit fest verankert, sodass sich neben den öffentlich-rechtlichen auch zahlreiche private Hörfunk- und Fernsehsender sowie unabhängige Tages- und Wochenzeitungen etablieren konnten, die erste oppositionelle Tageszeitung Demokracia erschien noch im Dezember 1990.

Nichtsdestotrotz liegt Bulgarien auch heute noch in der internationalen Rangliste für Pressefreiheit weit hinter dem EU-Durchschnitt, was einerseits auf die verhältnismäßig schwache Wirtschaft des Landes und damit einhergehende Abhängigkeit von in- und ausländischen Investoren, aber auch auf die zum Teil autoritäre Mentalität der jeweils machthabenden Politiker zurückzuführen ist, die immer wieder Journalisten durch Klagen und Abmahnungen unter Druck setzen. Aufgrund dessen greift ein zunehmend großer Teil der Bevölkerung auf alternative Informationsquellen wie Webportale und Internetblogs zurück, deren Bedeutung in den letzten Jahren signifikant gestiegen ist.

Basisdaten

Einwohner: 7,21 Millionen (IMF, 2014)
Haushalte: 2,73 Millionen (eurostat, 2013)
Durchschnittliche Haushaltsgröße: 2,7 (eurostat, 2013)
Religion: Orthodox: 59,4%, Muslimisch: 7,8%, Protestantisch: 0,9%, Römisch-Katholisch: 0,7%, keine 9,3% (census 2011)
Größte Städte: Sofia (1,23 Mio.), Plowdiw (380000), Warna (354000) (Nationales Amt für Statistik Bulgarien, 2009)
Regierungsform: Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt: Präsident Rossen Plewneliew (seit 2012)
Regierungschef: Ministerpräsident Bojko Borissow (2009-2013 und seit 2014)
EU-Mitglied seit: 2007
Arbeitslosenrate: 11,1% (eurostat, 2014)
Staatsverschuldung in Prozent des BIP: 2013: 18,9%, 2009: 14,6%, 2007: 12,8% (eurostat)
Haushaltssaldo in Relation zum BIP: 2014: -1,73%, 2009: -0,92%, 2007: 3,26% (IMF)
Anteil am globalen BIP: 0,12% (IMF, 2013)

Werbeausgaben insgesamt: 684 Mio. US $ (ZenithOptimedia, 2012)
Tägliche Fernseh-Dauer pro Einwohner: 221 Minuten (GfK, AGF, Media Control, 2014)
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: BNT, BNR, BTA, BTV, NBMG, Economedia AD, Vivacom, Orbitel, Mobiltel, Telenor Bulgaria
Monatliche Rundfunkgebühr: keine, Finanzierung über Steuern aus dem Staatshaushalt

Die größten Medienkonzerne Bulgariens

Abb I: Werbeumsätze nach Medienart, 2009-2013

Quelle: Piero97, 2014

Historische Grundlagen

Die osmanische Fremdherrschaft über Bulgarien von 1371 bis 1878 verhinderte eine frühzeitige Entwicklung von Presseerzeugnissen und einer eigenen bulgarischen Medienlandschaft. In der ersten demokratischen Verfassung von 1879 waren bereits Meinungs- und Gewissensfreiheit festgeschrieben, woraufhin sich nach dem Vorbild anderer Europäischer Länder ein Medienmarkt etablieren konnte, der allerdings trotz der gesetzlich verankerten Pressefreiheit einer staatlichen Zensur unterlag. 1898 wurde Bulgariens erste Nachrichtenagentur BTA (Bulgaria Telegrafna Agenza) gegründet, die bis heute als eine der seriösesten Informationsquellen des Landes gilt. Die Erstausgabe der ältesten heute noch publizierten bulgarischen Regionalzeitung Tschernomorski Far erschien im Jahr 1920.

Am 19.04.1934 wurde die bulgarische Demokratie erschüttert, als das Bündnis „Zveno“ durch einen Militärputsch ein autokratisches Regime mit Zar Boris III. als Monarchen durchsetzte. Presse und Hörfunk wurden verstaatlicht und eine strenge Zensur eingeführt. In den beiden kommunistischen Verfassungen von 1947 und 1971 unterlag der Medienmarkt einer starken Kontrolle durch die Bulgarische Kommunistische Partei (BKP) und war an die marxistisch-leninistische Ideologie gebunden. Sowohl die Presse als auch der staatliche Hörfunk und das staatliche Fernsehen waren dem kommunistischen ZK unterstellt.

Erst nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1989 erhielten politischer Pluralismus und Pressefreiheit Einzug in Bulgarien, demokratische Institutionen wurden etabliert und der staatliche Hörfunk sowie das staatliche Fernsehen dem Ministerrat unterstellt. In der Folge entwickelten sich unabhängige Wochen- und Tageszeitungen sowie private Hörfunk- und Fernsehsender. Am 25. November 2004 wurde im Rahmen des PHARE-Programms ein Ethik-Kodex verabschiedet, dem sich zahlreiche bulgarische Medien freiwillig unterstellen.

Presse

Bis heute gibt es in Bulgarien kein eigenes Presserecht, sodass nach 1989 eine Vielzahl neuer Tages- und Wochenzeitungen erschienen, von denen sich allerdings nur ein kleiner Teil  am Markt etablieren konnte. Die Veröffentlichung von Zeitungen ist nicht reguliert und die statistische Datenerhebung wird durch das Fehlen eines Rechnungshofes erschwert. 2007 wurde die Zahl der in Bulgarien gedruckten Printmedien-Titel auf 900 geschätzt, jedoch ist die Tendenz im gesamten Zeitungssegment rückläufig. Ein Großteil des Umsatzes der bulgarischen Presselandschaft fällt auf Boulevardmedien wie die Tageszeitung Telegraph oder die Wochenzeitungen Show und Weekend.
Viele Versuche, in Bulgarien eine Qualitätspresse zu etablieren, schlugen fehl. Heute gibt es zwar einige Vertreter wie die wirtschaftlich fokussierte Kapital, deren Auflagenzahlen jedoch weit hinter denen der Boulevardpresse zurückliegen. Die bis 2010 von der deutschen WAZ Mediengruppe publizierten Tageszeitungen 24 Chasa und Trud sind typische Beispiele für sogenannte Hybridzeitungen, die ihrem Selbstverständnis nach zwar der Qualitätspresse zuzuordnen sind, aber auch viele Merkmale der Boulevardpresse aufweisen. Insgesamt ist auch am bulgarischen Printmarkt die Finanzkrise nicht spurlos vorbeigegangen, die wenigsten Zeitungen können ihre Ausgaben durch Verkäufe und Werbeeinnahmen decken und sind auf staatliche Subventionierungen und zunehmend auch internationale Investoren angewiesen.

Funke Mediengruppe
Die deutsche WAZ Mediengruppe (heute Funke Mediengruppe) war der erste Auslandsinvestor am bulgarischen Zeitungsmarkt und nahm bis 2010 eine dominierende Stellung ein. 1997 kaufte sie Bulgariens erste private Pressegruppe 168 Chasa Ltd. und vertrieb die beiden jeweils täglich erscheinenden und für lange Zeit auflagenstärksten Zeitungen Trud (Arbeit) und 24 Chasa (24 Stunden) mit geschätzten täglichen Auflagen von 82000 (Trud, 2010) und 70000 (24Chasa, 2010) sowie die Wochenzeitung 168 Chasa. Noch 2009 wurde die Auflage der Trud auf 130000, die der 24 Chasa auf 100000 und der gemeinsame Marktanteil auf ca. 55% geschätzt. Aufgrund der dramatisch sinkenden Verkaufszahlen verkaufte die WAZ Mediengruppe im Jahr 2010 alle Anteile am bulgarischen Markt an ausländische Investoren und lokale Tycoons. Die ebenfalls zu 168 Chasa Ltd. gehörende einzige bulgarische Abendzeitung Nosten Trud wurde 2009 eingestellt. 24 Chasa wird heute von dem bulgarisch-österreichischem Konsortium 168 Chasa EOOD vertrieben, Trud von der Media Holding AG.

New Bulgarian Media Group
Die heutige Medienlandschaft Bulgariens ist ohne den Namen Irena Krastewa kaum zu denken. 2007 gründete sie gemeinsam mit ihrem Sohn Deljan Peewski die New Bulgarian Media Group Holding (NBMG), der heute ein Großteil der Zeitungen, einige Radiostationen und auch Fernsehsender gehören. Deljan Peewski leitet das Unternehmen und ist sowohl für die redaktionelle Ausrichtung als auch für die Personalpolitik zuständig. Die von der NBMG vertriebene Boulevardzeitung Telegraf ist die einzige bulgarische Tageszeitung, die in den letzten Jahren ihre Auflage signifikant steigern konnte, sie wird auf ca. 115000 geschätzt (2010). Neben dem Telegraf gehören ihr die regierungstreue Tageszeitung Monitor mit einer geschätzten Auflage von 10000 (2010) sowie die Sportzeitung Meridian Match. Die Boulevardzeitung Weekend ist mit ca. 210000 Exemplaren (2012) die auflagenstärkste Wochenzeitung Bulgariens und gehört ebenfalls zur NBMG, ebenso die Wochenzeitungen Politika und Europost sowie die regionale Tageszeitung Borba.

Economedia AD
Eine der seriösesten Zeitungen Bulgariens ist die 2001 gegründete Dnevnik, eine auf Wirtschaftsnachrichten fokussierte Tageszeitung mit starker Onlinepräsenz, die nach eigener Aussage vor allem junge, gebildete und karrierebewusste Menschen ansprechen möchte. Vertrieben wird sie durch die von der deutschen Verlagsgruppe Handelsblatt und der bulgarischen Agency for Investment Information gegründeten Economedia AD und hat eine geschätzte Auflage von 10000 Exemplaren (2010). Gekoppelt an die Dnevnik erscheint wöchentlich die Kapital, die sich durch gut recherchierte und umfangreiche, zum Teil investigative Hintergrundberichte zu vornehmlich wirtschaftlichen Themen auszeichnet und ebenfalls der Economedia AD gehört. Die geschätzte Auflage liegt bei 40000 Exemplaren (Eurotopics, 2010).

Weitere Tageszeitungen
Weitere wichtige Tageszeitungen sind Standart (geschätzte tägliche Auflage 2010: 45000), eine von der Standart News Ltd. des Unternehmers Todor Batkov herausgegebene Mischung aus Qualitäts- und Boulevardzeitung, außerdem die im Besitz des bulgarischen Schriftsteller und Politiker Lyuben Dilov befindliche Novinar mit einer geschätzten Auflage von 10000 Exemplaren (2010) sowie die mehrfach prämierte seriöse Qualitätszeitung Sega, die dem Unternehmer Sascho Dontschew gehört und eine geschätzte Auflage von 9100 Exemplaren hat (2010).

Banker
Thematisch ähnlich gelagert wie die Kapital ist die von Banker OOD vertriebene Banker, die zwar mit einer geschätzten Auflage von 10000 Exemplaren (Eurotopics, 2010) deutlich hinter der Kapital zurückliegt, allerdings durch zielgruppenorientierten Journalismus eine treue Leserschaft festigen konnte.

Kultura
Einen besonderen Status in der bulgarischen Medienlandschaft hat die bereits 1957 gegründete Kultura, eine von der Communitas Foundation vertriebene Wochenzeitung für Kunst, Kultur und Publizistik. Bereits während der kommunistischen Herrschaft 1947-1989 wurden in der Kultura häufig auch regimekritische Artikel publiziert, wodurch sie sich eine kleine, aber treue Leserschaft und den Ruf einer systemkritischen Zeitung erarbeitete. Bis heute veröffentlichen regelmäßig sowohl namhafte bulgarische Autoren, als auch Geisteswissenschaftler Artikel und Kolumnen in der Kultura.

Der bulgarische Zeitungsmarkt wurde in den letzten Jahren zunehmend unübersichtlicher, was nicht nur auf ein fehlendes Presserecht, sondern auch in großem Maße auf die zunehmenden Engagements privater Investoren zurückzuführen ist, die oftmals neben Marktanteilen auch um politischen Einfluss kämpfen. Nicht zuletzt deswegen gilt Bulgariens Zeitungsmarkt als der nach internationalen Standards unfreiste der gesamten EU.

Tab. I: Auflagenzahlen der größten bulgarischen Zeitungen

Tageszeitung

Herausgeber

geschätzte Auflage (werktags)

geschätzte Auflage (samstags)

Telegraf

NBMG

115000

115000

Trud

Media Holding AD

82800

131400

24Chasa

168Chasa EOOD

70000

111100

Standart

Standart News

45000

100000

Republica

Petio Bluskov

22000

22000

Monitor

NBMG

9600

10600

Novinar

Novinar Media

10000

10000

Sega

Sega

9100

10700

Quelle: Štetka Václav, Bulgaria: A country report for the ERC-funded on Media and Democracy in Central and Eastern Europe, (2010).

Radio

Die erste Hörfunksendung in Bulgarien erfolgte am 25.09.1921 durch den Sender „Nauen“, es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis sich das Radio als Medium in Bulgarien etablierte. 1935 wurde es von Zar Boris III instrumentalisiert und sendete als monopolistisches Nationalradio. Dieses staatliche Radiomonopol hatte bis zum Fall des kommunistischen Regimes 1989 Bestand. Im Gegensatz zu den Printmedien ist das Radio durch das Hörfunkgesetz von 1998 besser reguliert und passte sich so internationalen Standards an. Nach einer Änderung des Gesetzes im Jahr 2000 wurde 2001 der Rat für elektronische Medien gegründete und löste damit den Nationale Hörfunk- und Fernsehrat als regulierendes Organ ab. Die neun Mitglieder des Rates werden zum Teil nach dem Mehrheitsprinzip vom Parlament gewählt, vier von ihnen ernennt der Präsident. Der Rat für elektronische Medien wiederum ernennt die Intendanten der öffentlich rechtlichen Sender, des Bulgarischen Nationalradios (BNR) und des Bulgarischen Nationalfernsehens (BNT), außerdem hat er das Lizenzvergaberecht. Neben dem öffentlich rechtlichen Rundfunk nehmen heute zahlreiche private Radiosender eine wichtige Stellung am bulgarischen Radiomarkt ein. Seit dem 11.03.2008 wurden zunehmend keine Lizenzen mehr für analoge Sender vergeben, um den Rundfunk zu digitalisieren. Diese Umstellung erfolgte auf Empfehlung der Europäischen Union und war für die Sender mit erheblichen Kosten verbunden, weswegen viele, vor allem regionale Sender, den Betrieb einstellen mussten.

Öffentlich rechtlich
Das öffentlich rechtliche BNR wurde am 23.1.1935 durch Zar Boris III. mit der Verstaatlichung des seit 1930 bestehenden Volksradios gegründet und hat heute zwei Hörfunksender auf Bulgarisch, Horizont und Christo-Bortev sowie das internationale Radio Bulgaria, das auf Bulgarisch, Russisch, Englisch, Deutsch, Franzo?sisch, Spanisch, Serbisch, Griechisch, Albanisch, Tu?rkisch und Arabisch sendet. Während sich Horizont auf Nachrichtensendungen spezialisiert hat, sendet Christo-Bortev vor allem zu kulturellen, politischen und auch ethnische Minderheiten betreffenden Themen. Christo-Bertov hat weiterhin ein eigenes Hörfunktheater und bietet Fremdsprachenkurse sowie Bildungsprogramme an, auch Opern und Konzerte gehören zum Repertoire. Das BNR ist heute führend am Radiomarkt und genießt das Vertrauen von ca. 55% der Bulgaren. Horizont hat monatlich nach eigenen Angaben ca. zwei Millionen Hörer und ist der am meisten konsumierte Radiosender Bulgariens.

Privat
Die ersten Lizenzen für private Radiostationen wurden 1992 an die ausländischen Sender The Voice of America, BBC-World Service, Free Europe, France International, and Deutsche Welle vergeben, auch um den Demokratisierungsprozess in Bulgarien zu unterstützen. Der erste private inländische Radiosender FM+ ging am 23.10.1992 auf Sendung, es folgte 1993 der populäre Privatsender Darik Radio, der über eine nationale Lizenz verfügt. Ein Großteil der privaten Radiosender ist im Besitz international agierender Großkonzerne. Die Sender BG Radio, Radio 1, Radio 1 Rock, Radio ENERGY, Radio City, Radio Veronika und Radio Nova gehören zur irischen Communicorp Group Ltd., die 2004 in den bulgarischen Markt einstieg und dem irischen Milliardär Denis O’Brien gehört. Die SBS Broadcasting Group war seit 2007 Teil von ProSiebenSat.1 Media AG und vertrieb bis 2011 mehrere Musiksender wie The Voice und Radio Vitosha, verkaufte aber alle Anteile an Best Success Services Bulgaria EOOD. Ebenfalls diesem Konzern gehört der Radiosender mit den meisten Hörern im privaten Segment, Radio Vaselina. Die nationale Radiokette Inforadio, FM+ und Radio Fresh gehören seit 2007 dem US-amerikanische Konzern Emmis Communications Corporation. Eine der größten Sendergruppen auf dem bulgarischen Medienmarkt ist die bTV Media Group mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 145 Millionen US-Dollar, wovon allerdings nur ein kleiner Anteil auf den Radiomarkt fällt. Sie gehört zu 94% der Central European Media Enterprises und betreibt die auf Musik spezialisierten Radiosender bTV Radio, Z-Rock, NJoy, Classic FM, Jazz FM und Melody Radio.

Abb. II: Meistgehörte Radiosender nach Marktanteil, 2012-2013

Quelle: TGI Bulgaria

Fernsehen

Das bulgarische Fernsehen nahm seine Anfänge am 26.12.1959, als die erste Sendung anlässlich des Jahrestages der Oktoberrevolution im damals noch dem ZK unterstellten Bulgarian National Television (BNT) ausgestrahlt wurde. Seit 1970 sendet es auch in Farbe und konnte sich nach dem politischen Umsturz 1989 als öffentlich rechtlicher Sender neben zahlreichen privaten etablieren. Genau wie der Rundfunk ist das Fernsehen seit 1998 durch ein eigenes Fernsehgesetz reguliert. Die Verbreitung des Kabelfernsehens entwickelte sich sehr schnell, im Jahr 2009 verfügten über 70% aller Haushalte über einen Kabelanschluss, an die von über 200 nationalen, regionalen und lokalen Betreibern gesendet wird. Die öffentlich rechtlichen Fernsehsender finanzieren sich überwiegend aus dem Staatshaushalt, was zur Folge hat, dass die Politik starken Einfluss auf die Programmstruktur ausübt und kaum kritische Beiträge gesendet werden. So wurden zum Beispiel 2002 die beiden politischen Sendungen „Frontalno“ sowie „Ekip 4“ aus dem Programm des BNT entfernt und durch die regierungskonforme Sendung „Aktualno“ ersetzt

Öffentlich rechtlich
Das BNT besteht heute aus zwei Kanälen, dem Kanal 1 und dem Satellitenkanal TV Bulgaria, die jeweils ihren Schwerpunkt auf politische Sendungen legen, zumeist aber nicht objektiv sind, sondern dem konstanten Einfluss der Politik unterliegen. Ein 1974 gegründeter dritter öffentlich-rechtlicher Kanal, Efir 2, früher bekannt als zweites Programm, wurde 1998 eingestellt. An seine Stelle trat der private Kanal bTV. Das BNT hat sechs regionalen Funkhäusern, jeweils eins in Blagoevgrad, Varna, Plovdiv, Sofia, Stara Zagora und Russe.

Privat
Der größte private Fernsehsender Bulgariens bTV begann 2000 zu senden und hat heute einen geschätzten Marktanteil von ca. 35%. Er ist Teil der bTV Media Group, die wiederum im Jahr 2010 fast vollständig von der Central European Media Enterprises gekauft wurde. bTV sendet 24 Stunden täglich national terrestrisch in Bulgarien und kann via Satellit auch im Ausland empfangen werden. Die Programmpalette ist breit gefächert, der Fokus liegt aber auf massenkompatiblen Unterhaltungsformaten wie Serien, Talkshows, Musik- oder Quizsendungen. Außerdem betreibt bTV verschiedene Spartenkanäle, wie bTV Action oder bTV Comedy. Neben BNT und bTV ist Nova TV ein weiterer großer landesweit ausgestrahlter Fernsehsender und hat ein ähnlich gelagertes Programm wie bTV, gesendet werden unter anderem die populären Unterhaltungsformate „Big Brother“, „Star Academy“ und „Deal or no Deal“ sowie die Serien „House“, „Lost“, Sex and the City“ und „CSI“. Er wurde 1994 gegründet und am 30.07.2008 von der schwedischen Mediengruppe Modern Times Group (MTG), der außerdem der Infotainmentkanal Diema sowie die Spartenkanäle Diema Family, Diema 2 und Diema Sport gehören, gekauft. Zusammengefasst sind die Sender der MTG unter der Nova Broadcasting Group. Die 7 Media Group gehört der Alegro Capital Ltd. und betreibt den Unterhaltungssender TV7 sowie die Schwesterkanäle News7, Sport7 und Super7. Ein herausstechendes Merkmal der bulgarischen Fernsehlandschaft ist die hohe Dichte an Musiksendern wie MM, The Voice (Ableger des gleichnamigen Radiosenders) oder Balkanika Music TV. Der sogenannte „Tschalga“, eine stark modernisierte Folkloremusik mit verschiedenen Einflüssen aus den Bereichen Pop, Balkan und elektronischer Musik, ist hierbei ein besonderes Phänomen, das vor allem bei jungen Bulgaren sehr beliebt ist und aus intellektuellen Kreisen häufig kritisiert wird. Der Nachrichtenkanal TV Europa sendet seit 2001 und kooperiert unter anderem mit Reuters und Deutsche Welle.

Abb. III: Marktanteile der Privatsender, 2013

Quelle: GARB

Online

Im Laufe der letzten Jahre hat das Internet auch in Bulgarien stetig an Einfluss gewonnen, da es heute als die politisch und wirtschaftlich unabhängigste Informationsquelle gilt. Führend bei den bulgarischen Seiten sind hierbei Webportale wie Abv.bg und Dir.bg, auch Internetblogs gewinnen zunehmend an Bedeutung. Neben genannten Webportalen machen vor allem Suchmaschinen und soziale Netztwerke internationaler Konzerne einen Großteil der Internetnutzung aus. Die Verbreitung des Internets in privaten Haushalten entwickelte sich zwar relativ spät, aber rasant, im Jahr 2006 nutzten nur 28,5% der Bulgaren das World Wide Web, im Dezember 2013 waren es schon 53,1% (Internet World Stats), was vor allem auf eine verbesserte Infrastruktur und die Verbreitung des Breitbandinternets zurückzuführen ist. Nichtsdestotrotz liegt der Anteil der Internetnutzer weit hinter dem EU-Durchschnitt und differenziert stark zwischen den Altersgruppen. Auch die meisten Zeitungen Bulgariens  verfügen über eine eigene Onlinepräsenz, wobei auffällig ist, dass der Zugang zu Artikeln vieler Boulevardzeitungen beschränkt ist oder auf Abomodelle gesetzt wird, während die Artikel der Qualitätspresse meist frei abrufbar sind. Obwohl das Internet weltweit als das freiste Medium gilt, versuchen in Bulgarien sowohl Wirtschaft als auch Politik regelmäßig Druck auf die jeweiligen Seitenbetreiber oder auch Blogger auszuüben. Abmahnungen für Verfasser von nicht regierungskonformen Texten sind keine Seltenheit.

Tab. I: Die beliebtesten Internetseiten 2014

 

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1

Google.bg

Suchmaschine

Google Inc.

2

Facebook.com

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

3

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

4

Youtube.com

Videoportal

Google Inc.

5

Abv.bg

Webportal, E-Mail

Darik Net EAD

6

Wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

7

Dir.bg

Webportal

DIR.BG AD

8

Olx.bg

Online-Auktionshaus

OLX B.V.

9

Zamunda.net

Soziales Netzwerk

WHOISGUARD Inc.

10

Offnews.bg

Nachrichtenportal

Off Media JSC

11

Jobs.bg

Stellenangebote

JOBS.BG EOOD

12

Sportal.bg

Sportportal

Sportal.bg JSC

13

Vbox7.com

Videoportal

V Box JSCo.

14

Mobile.bg

Fahrzeuginserate

Rezon Ltd.

15

Yahoo.com

Webportal

Yahoo! Inc.

16

Blogspot.com

Blog-Hostingdienst

Google Inc.

17

Aliexpress.com

Online-Versandhändler

Hangzhou Alibaba Advertising Co., Ltd.

18

Linkedin.com

Soziales Netzwerk

Linkedin

19

Vesti.bg

Webportal

Darik Net EAD

20

Twitter.com

Mikroblogging-Dienst

Twitter Inc.

Quelle: Alexa.com

Regulierung

In Bulgarien gibt es keine eigenes Pressegesetz, der Printmarkt ist, wie in einigen anderen osteuropäischen Staaten auch, komplett unreguliert. Nichtsdestotrotz können einige Gesetzestexte für die Regulierung elektronischer Medien auch auf den Printmarkt angewendet werden.

1998 wurde auf Druck der Europäischen Union ein Gesetz zur Regulierung der elektronischen Medien verabschiedet, das zwar mehrfach überarbeitet wurde, in seinen Grundzügen aber bis heute Bestand hat. Der aus neun Mitgliedern bestehende Rat für elektronische Medien kontrolliert die Einhaltung der Bestimmungen zu Werbung, Spenden, Urheberrecht sowie Jugend- und Kinderschutz, ist aber in den letzten Jahren häufig in die Kritik geraten. Neben Korruptionsvorwürfen wird vor allem die programmatische Souveränität der einzelnen Sender angezweifelt. 2014 wurde im Eilverfahren ein Gesetz verabschiedet, das Ermittlungen und Geldstrafen gegen Journalisten ermöglichte, die Berichte über Missstände in der Finanzindustrie publizierten. Auf der international anerkannten Rangliste für Pressefreiheit ist Bulgarien in den letzten Jahren stetig gesunken und belegt mittlerweile den niedrigsten Rang der gesamten EU (106). Diese Entwicklung ist sehr problematisch, da die Pressefreiheit einer der wichtigsten Indikatoren für den Zustand einer Demokratie ist.

Abb. IV:

Quelle: Reporter ohne Grenzen

Quellen/Literatur

  • Antonova, Vesislava/Georgiev, Andrian: Mapping Digital Media: Bulgaria. London (2013)
  • Christova, Christiana / Förger, Dirk: "Zur Situation der Medien in Bulgarien mit Blick auf deren zivilgesellschaftlichen Beitrag". In: Wahlers, Gerhard (Hrsg.): KAS-Auslandsinformationen Ausgabe 03/2008, Sankt Augustin (2008)
  • Raycheva, Lilia/Leandros, Nikos: Media Trends and Concentration of Capital in two Balkan Countries: Greece And Bulgaria, Budapest (2011)
  • Raycheva, Lilia: "The Challenges of Digitalization to the Bulgarian Public Service Media." In: Mitschka, Konrad (Redaktionsleitung): Public Value Report 2013/14 - Texte, Wien (2014) S. 11-18.
  • Št?tka Václav, Bulgaria: A country report for the ERC-funded on Media and Democracy in Central and Eastern Europe
  • Stegherr, Marc/Liesem Kerstin: "Das Mediensystem in Bulgarien." In: Die Medien in Osteuropa. Mediensysteme im Transformationsprozess. Wiesbaden (2010). S. 144-155.
  • Tabakova, Wesela: Media Landscapes: Bulgaria
  • Vassileva, Dessislava: Rundfunk und Rundfunkpolitik in Bulgarien. München (2005).

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