Übernahme von Ten: CBS expandiert nach Australien

28.08.2017

Lachlan Murdoch (Eva Rinaldi, CC BY-SA 2.0)

Eigentlich sollte die australische Free-TV Kette Ten Network von Rupert Murdochs Sohn Lachlan und seinem Geschäftspartner Bruce Gordon übernommen werden. Lachlan Murdoch wurde bereits letztes Jahr als CEO des kriselnden TV-Unternehmens installiert, das sich mit mehr als 200 Millionen australischen Dollar Schulden herumschlägt. Doch der Übernahme hätte eine Änderung der Medienkonzentrationsregeln in Australien vorausgehen müssen, deren Umsetzung für Murdoch wohl zu lange dauerte. Das Australische Parlament zögert nach wie vor, ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden, dass es Medienunternehmen erlaubt mehrere Outlets in einem speziellen regionalen Markt zu kontrollieren.

Die amerikanische CBS-Senderkette zögerte deshalb keine Sekunde und schnappte Murdoch und Gordon Ten Network vor der Nase weg. CBS produzierte bereits einen Großteil des Ten-Programms und sieht durch den Kauf eine Möglichkeit in englischsprachigen Länder international zu expandieren. Insbesondere erhofft sich CBS dabei sein Streamingportal CBS All Access in Australien zu promoten, mit dem es auf die wachsende Popularität von Netflix und Amazon Prime Video reagieren will. Die Kartellbehörden werden dem Deal wohl keine Steine in den Weg legen, obwohl es sich bei CBS um ein ausländisches Unternehmen handelt (problematisch sind nur Übernahmen durch staatsnahe, ausländische Unternehmen wie etwa chinesische Konzerne).

Doch CBS steht vor einer Mammutaufgabe: Ten Networks hat seit der Deregulierung des Free-TV-Sektors massiv an Einschaltquoten in der Zielgruppe der 16-30-jährigen verloren und in den letzten 15 Jahren wiederholte Personalwechsel auf der Führungsebene sowie Massenentlassungen vorgenommen. Ohne den Einstieg von CBS wäre der reguläre Sendebetrieb wohl auf Dauer nicht mehr zu gewährleisten.  Die Moderatoren von Tens Flaggschiff-Sender Channel Ten nahmen die Nachricht der CBS-Übernahme deshalb relativ überrascht jedoch auch erfreut zur Kenntnis und begrüßten on air "ihre neuen Amerikanischen Lehnsherren."

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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