Turner Broadcasting: Entlassungen und neue CNN-Strategie

10.10.2014

Jeff Zucker. Copyright D. Shankbone

Anfang der Woche wurde bekannt, dass die TV-Sparte von Time Warner, Turner Broadcasting, sich von knapp 1500 Mitarbeitern oder zehn Prozent seiner Belegschaft trennen wird. Die Entlassungen, die Angestellte aller drei wesentlichen Turner-Marken betreffen (CNN, TNT, TBS), werden nötig, da Time Warner mehr Geld in Programme und hochwertigen Live-Content investiert. Sie sind außerdem Teil einer Umstrukturierung bei CNN, das momentan so geringe Einschaltquoten hat wie seit 20 Jahren nicht mehr. Allein im vergangenen Jahr verlor CNN knapp acht Prozent seiner täglichen Zuschauer. Der vor zwei Jahren von Konkurrent NBC gekommene Chef Jeff Zucker (Foto) versucht nun, mit Doku-Unterhaltungsformaten CNN langfristig wieder zur Nummer Eins unter den großen News-Sendern zu machen. Bereits jetzt wird deutlich: die Tage von CNN als 24-Stunden-Nachrichtensender sind wohl vorbei.

Entscheidend für Turners Strategiewechsel und die Massenentlassungen war der letzlich gescheiterte Übernahmeversuch von 21st Century Fox im Sommer diesen Jahres. Time Warner-CEO Jeffrey Bewkes muss den Aktionären nun beweisen, dass sein Unternehmen auch ohne Synergien des Murdoch-Konzerns weiterhin hohe Profite abwirft. Dem jüngst verkündeten Milliarden-Deal mit der Basketball-Liga NBA (Turner bezahlt bis einschließlich zur Saison 2024/25 jährlich vermutlich 900 Millionen Dollar für die TV-Übertragungsrechte) kommt hier eine Schlüsselrolle zu. In Zeiten veränderter Sehgewohnheiten durch VoD-Angebote hat Live-Sport für die Sender und die Werbewirtschaft weiter an Attraktivität gewonnen.

Neue, selbst produzierte Serien sollen hingegen helfen, die seit Jahren dahinsiechenden Einschaltquoten von CNN in die Höhe zu treiben. Jeff Zuckers Plan sieht vor, dass Doku-Formate, wie sie seit Jahren erfolgreich von Discovery oder dem History Channel praktiziert werden, die Zuschauer unterhalten, wenn der News-Cycle zum Stillstand kommt. Aktuelle News sollen dagegen eher auf die Online-Präsenz von CNN verlegt werden (die CNN Homepage ist momentan die am dritthäufigsten besuchte News-Website der USA). Statt wie in der Vergangenheit eine Vielzahl an kleinteiligen News-Meldungen auszustrahlen, konzentriert sich das Tagesprogramm von CNN künftig auf zwei bis drei Hauptthemen, über die dann ausführlicher berichtet wird. Diese Strategie hat jedoch auch Risiken, da Doku-Formate wesentlich teurer zu produzieren sind als News-Segmente. Außerdem droht CNN damit seine bisherige Kern-Zielgruppe der Nachrichtenjunkies zu entfremden. Auf der anderen Seite müssten die Doku-Serien bei 'Breaking News' regelmäßig unterbrochen werden. Ein erster Erfolg hat sich jedoch bereits abgezeichnet. Die neue Prime-Time-Serie "Somebody's Gotta Do It", die merkwürdige Jobs dokumentiert, bescherte CNN jüngst einen knapp 150-prozentigen Zuschauerzuwachs.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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