Tod von Si Newhouse: Wie geht es weiter mit Advance Publications?

02.10.2017

Newhouse School of Public Communications (DASonnenfeld CC BY-SA 4.0)

Am vergangenen Wochenende verstarb der langjährige Condé Nast-Chef und Multimillionär Samuel I., genannt Si, Newhouse im Alter von 89 Jahren. Si hatte gemeinsam mit seinem Bruder Donald Newhouse knapp sechzig Jahre lang Mutterkonzern Advance Publications geleitet und in dieser Zeit Condé Nast zum führenden US-Magazinhaus und Inbegriff für Hochglanz-Journalismus gemacht. Newhouse war dafür bekannt, Redakteure und Journalisten mit hohen Gehältern und Recherchebudgets auszustatten und läutete so in den 80er und 90er Jahren eine goldene Ära des Zeitschriften-Journalismus ein: Durch die Kombination von provokativen Covers  (wie etwa das der hochschwangeren Schauspielerin Demi Moore) und investigativen Journalismus  (z.B. der Vanity Fair-Artikel, der später als "The Insider" von Hollywood verfilmt, die geheimen Strategien der Tabak-Industrie öffentlich machte) setzte Advance unter Newhouse und Chefredakteurs-Legenden wie Tina Brown, Robert Gottlieb und Anna Wintour die (pop-)kulturelle Agenda.

Doch zuletzt ging die Print-Krise auch an Newhouse und Advance nicht spurlos vorbei:  Die Advance-Titel mussten im Zuge des Medienwandels seit 2009 signifikante Rückgänge der Anzeigenerlöse hinnehmen. Nach der Einstellung diverser Titel war die wichtigste Einnahmequelle ein inzwischen 31-prozentiger Anteil an der Discovery-Senderkette. Im Herbst 2012 wurde die Erscheinungsweise von sechs von Advances Tageszeitungen ("The Times-Picayune" aus New Orleans, die "Birmingham News", der "Press Register" und die "Huntsville Times" aus Alabama, "The Post-Standard" aus Syracuse, "The Patriot-News" aus Harrisburg und der "Plain Dealer" aus Cleveland) auf nur noch drei Tage die Woche reduziert; Newhouse wohl ambitioniertestes Projekt der vergangenen Dekade, das Hochglanz-Magazin "Portfolio" wurde nach nur zwei Jahren wieder eingestellt.

Das Ableben von Si Newhouse wird mittelfristig wohl keine gravierenden Konsequenzen für den Advance-Konzern haben - sieht man von den ausschweifenden Parties ab, die Mulitmillionär so gerne für seine Angestellten in Manhattan organisierte. Schon in den letzten Jahren hatte sich Newhouse Schritt für Schritt aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und das Ruder an den Condé Nast-CEO Bob Sauerberg und die immer einflussreicher werdende Vogue-Chefin Anna Wintour übergeben. Insbesondere unter Sauerberg, der die Condé Nast Entertainment Group mit ins Leben rief, sind GQ, Vanity Fair oder Wired nicht bloß Zeitschriften sondern zu Multimedia-Marken mit einem besonderen Fokus auf Online-Videos geworden. Zudem hat er einen E-Commerce-Arm ins Leben gerufen, der Magazin-Lesern den Kauf der Produkte ermöglicht, die in Advance-Titeln beworben werden.

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