Satellitenbetreiber vs. Fernsehunternehmen

12.07.2012

Zwei Dispute, die in den USA gegenwärtig zwischen Satelliten-Anbietern und TV-Networks ausgetragen werden, könnten dramatische Folgen für die amerikanische Fernsehindustrie haben. Während Medienkonzern Viacom mit DirectTV über Preise für die Übertragungsrechte seiner Sender streitet, verklagen die CBS-, Fox- und NBC-Senderketten Dish Network wegen einer Technologie, die es Zuschauern ermöglicht, Werbepausen komplett zu überspringen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Konflikte, die das Resultat von veränderten Sehgewohnheiten im Onlinezeitalter sind, zusammengefasst:

Viacom vs. DirecTV
Seit vergangenem Mittwoch können DirecTV-Kunden die von Viacom kontrollierten Fernsehkanäle (Comedy Central, Nickelodeon, VH1, MTV) nicht mehr empfangen, da sich beide Unternehmen nicht auf einen Preis für die Übertragungsrechte einigen konnten. Viacom hatte zuvor eine leicht angehobene Gebühr je Zuschauer pro Tag gefordert; DirecTV hatte die Forderung jedoch nach Ablauf einer Deadline abgelehnt. Das Unternehmen ließ verlauten, die höheren Gebühren würden sich auf rund eine Milliarde US-Dollar belaufen und könnten nur durch eine 30-prozentige Anhebung der Gebühren finanziert werden, was den Kunden nicht zuzumuten sei. DirecTV ärgert es insbesondere, dass Viacom mehr Geld für seine Kanäle einfordert, obwohl diese immer geringere Einschaltquoten haben und ein Großteil der Shows ohnehin kostenlos im Netz angeboten werde. Um zusätzlich Druck auf DirecTV auszuüben, entfernte Viacom daraufhin sogar die Gratisstreams seiner beliebtesten Formate aus dem Internet.

Fernsehsender vs. Dish Network
Dish und diverse US-Fernsehsender prozessieren seit Mai dieses Jahres vor Zivilgerichten in New York und Kalifornien wegen der Einführung des sog. "Auto Hop"-Features, mit dem Dish-Kunden bei aufgezeichneten Sendungen mit ihrem digitalen Videorekorder automatisch Werbeblöcke überspringen können. Die Anwälte von CBS, Fox und NBC argumentieren, ihre Inhalte derart zu modifizieren, stelle eine klare Urheberrechtsverletzung auf Seiten von Dish dar. Vor zehn Jahren wurde die Firma Replay TV wegen des Verkaufs eines Geräts mit ähnlicher Funktion von den gleichen Sendern so lange verklagt, bis das Unternehmen wegen anhaltender Verteidigungskosten in den Bankrott getrieben wurde. Dish, das über weitaus höhere Geldreserven verfügt, wird jedoch nicht so schnell kapitulieren. Der Konzern argumentiert, die Werbespots würden effektiv nicht gelöscht, sondern nur versteckt. Die Funktion sei nichts weiteres, als wenn ein Zuschauer die Werbepause mit der Fernbedienung vorspulen würde und beruft sich dabei auf das sog. Betamax-Urteil des Obersten Gerichtshofs, das 1984 festlegte, dass Hersteller von Videokassetten nicht für Urheberrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden können. Sollten die Gerichte Dish Recht geben und die Technologie für legal erklären, könnte das seit Jahrzehnten erprobte Geschäftsmodell des werbefinanzierten Privatfernsehens obsolet werden. Experten sprechen bereits vom "größten Copyright-Fall seit Napster".

Mehr dazu:

New York Times: DirecTV-Viacom Disput Turns Into Blackout Reality (11.07.2012)

AdAge: Judge sends Dish Ad-Skipping Dispute to California, Where Broadcasters Want It (09.07.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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