Paradise Papers: Kremlin indirekt an Facebook und Twitter beteiligt

06.11.2017

Yuri Milner und Ehefrau (Debray Riveros CC BY-SA 3.0)

Die von der Süddeutschen Zeitung und dem International Consortium of Investigative Journalists aufbereiteten "Paradise Papers" kommen zur Unzeit für die wegen ihrer Rolle bei der Verbreitung von Russland-gesteuerten Fake News zuletzt massiv in die Kritik geratenen Onlinekonzerne aus dem Silicon Valley. Einer der bislang spektakulärsten Funde: über ein verzweigtes Netz an Investmentfirmen war der Kremlin in der Vergangenheit indirekt finanziell an Facebook und Twitter beteiligt.

So legen die Paradise Papers nahe, dass die Investitionen des russischstämmigen Milliardärs und Investors Yuri Milner durch Kremlingelder finanziert wurden. Milner kontrollierte dank einer Finanzspritze von Gazprom Investments, dem Investmentarm des gleichnamigen russischen Energiekonzerns, 2009 zweitweise acht Prozent der Anteile an Facebook. Zuvor hatte Milner gemeinsam mit dem heute in London lebenden usbekischen Oligarchen Alisher Usmanov die Investmentgruppe Digital Sky Technologies (DST) gegründet und in den russischen Social Media-Marktführer mail.ru investiert. Gazprom Investments vergab offensichtlich Kredite an eine Firma namens Kanton Services, die wiederum Milner und DST ein Teil des Geldes für die Facebook-Investitionen zur Verfügung stellte. Die 380 Millionen Dollar, die Milner für damals 5 Prozent der Anteile an Twitter zahlte, stammten teilweise offenbar von Russlands zweitgrößter Bank VTB, die sich zu sechzig Prozent im Besitz des russischen Staates befindet, und in deren Aufsichtsrat unter anderem der ehemalige ostdeutsche Spion Matthias Warnig sitzt.

Milner, der unter anderem auch eine Immobilienfirma gemeinsam mit Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner betreibt, wehrt sich gegen die Vorwürfe, seine Geschäftsaktivitäten hätten irgendetwas mit den aktuellen Vorwürfen über die von Russland gesteuerte Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahlen zu tun. In einem offenen Brief betonte er, dass er seine Anteile an Facebook und Twitter bereits vor Jahren wieder abgestoßen hat und beklagt die momentane Vorverdächtigung von russischen Internet-Entrepreneuren. In der Tat gibt es keinerlei Anzeichen in den Paradise Papers, die eine direkte russische Strategie hinter der Finanzierung von Milners Geschäftsaktivitäten dokumentieren. Von der New York Times interviewte Experten bezeichneten jedoch Milners Sponsoren Gazprom und VTS als "Kremlin-nahestehende Institutionen, die nicht nur kommerzielle sondern geostrategische Interessen verfolgen."

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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