Neues von Vivendi (2)

05.01.2022

KKR plant die Übernahme von TIM (früher Telecom Italia)

Die amerikanische Fondsgesellschaft KKR, die auch einen Anteil von 47,6 Prozent an der Axel Springer SE besitzt (und größter Aktionär des Springer-Verlages ist), will 100 Prozent des Kapitals des italienischen Telekomkonzerns TIM für rund 10,8 Milliarden Euro kaufen. Zusätzlich allerdings müsste KKR auch Schulden in Höhe von 29 Milliarden Euro übernehmen. Vivendi hält aktuell knapp 24 Prozent der TIM-Aktien und ist größter Anteilseigner. Bei ihrem Einstieg zahlten sie mehr als das doppelte pro Aktie und halten das Angebot daher für zu niedrig, KKR erwägt deswegen eine Angebotserhöhung. Die Bedingung für eine Übernahme ist wohl, dass die italienische Regierung und die Aktionäre von mindestens 51 Prozent der TIM-Aktien dieser zustimmen. Die italienische Regierung hat über eine „Goldene Aktie” ein Veto-Recht, die staatliche Beteiligungsgesellschaft Cassa Depositi e Prestiti (CDP) hält zudem 9,8 Prozent der Aktien. Sie will vor allem den Netzausbau vorantreiben. An die Regierung hat sich KKR schon gewandt, allerdings führt auch kein Weg an Vivendi vorbei. Ein Vivendi-Sprecher verkündete schon, dass man langfristig Aktionär bleiben und weiter mit der Regierung zusammenarbeiten wolle.

TIM musste zuletzt starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Der angezählte Vorstandsvorsitzende Luigi Gubitosi, der vergeblich versuchte, die Umsätze durch Sportübertragungen in Kooperation mit dem Streaminganbieter DAZN zu erhöhen, trat im November zurück. Er warf den Verwaltungsratsmitgliedern vor, die Übernahme durch KKR zu blockieren. Er blieb allerdings noch im Aufsichtsrat und blockierte damit die Ernennung eines Nachfolgers. Im Dezember zog er sich dann doch zurück. Gubitosi war der vierte TIM-Vorstandsvorsitzende in den letzten sechs Jahren.

KKR steht häufig in der Kritik. Dem Finanzinvestor wird vorgeworfen, Unternehmen ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze umzustrukturieren und zu zerteilen, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen. Bezüglich der TIM-Übernahme beteuerte KKR allerdings langfristiges Interesse. Stefano Fassina, Abgeordneter der linksliberalen PD, hat auch Bedenken gegenüber der TIM-Übernahme. „Ein so wichtiges Gut für die Sicherheit und für das nationale Interesse kann nicht von privaten Einrichtungen kontrolliert werden. Der Staat muss eingreifen, um die öffentliche Kontrolle über das Netz, die zu bauenden Glasfaserkabel und die Verwaltung der Cloud zu gewährleisten", wird er in der Mailänder Online-Zeitung Affaritaliani.it zitiert.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi aber schloss eine TIM-Übernahme durch KKR nicht aus. Er sagte bei der Pressekonferenz zum Jahresende 2011 in Rom, dass es Verhandlungen zwischen Vivendi, CDP und weiteren TIM-Aktionären gebe. Die Regierung sei nicht in der Position, Forderungen zu stellen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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