Netflix: Preiserhöhungen und Opposition gegen Comcast

22.04.2014

Netflix präsentierte gestern erneut glänzende Geschäftszahlen: Im ersten Quartal 2014 erwirtschaftete das Streaming-Unternehmen einen Umsatz von mehr als einer Milliarde und einen Gewinn von 53 Millionen US-Dollar sowie erhöhte seinen internationalen Kundenstamm um vier auf insgesamt nun 48 Millionen Abonnenten. Allein in den USA haben mehr als 35 Millionen Menschen einen Netflix-Account, was rund einem Drittel aller Haushalte entspricht. Im Zuge der anstehenden internationalen Expansion (der Deutschland-Start wird im September 2014 erfolgen) liegt der Schlüssel für weiteren Wachstum in der Produktion eigener Inhalte. Damit diese angesichts der jüngsten Serien-Offensiven von Amazon oder Yahoo wettbewerbsfähig bleiben, verkündete Netflix eine moderate Preiserhöhung, deren Erlöse ausschließlich für die Herstellung neuer Serien und Filme verwendet wird. Auf dem nach wie vor wichtigen US-Markt (der jedoch in Sachen Umsatz in den kommenden Jahren vom internationalen Geschäft überholt werden soll) sieht sich der Konzern jedoch mit einem Hindernis konfrontiert: eine im internationalen Vergleich defizitäre und quasi-monopolisierte amerikanische Netz-Infrastruktur, die eine Nutzung des breitband-intensiven Netflix-Dienstes in Zukunft erschweren könnte.

Preiserhöhungen
Gegenwärtig beträgt die monatlich Netflix-Gebühr in den USA 7,99 US-Dollar. Eine Preiserhöhung von sieben auf acht Euro, die Anfang des Jarhes testweise in Irland durchgeführt wurde hatte wenige bis keine Auswirkungen auf die Kundenentwicklung und soll jetzt auch in den USA und anderen Märkten für Neukunden erfolgen (bestehende Kunde sind bis auf weiteres davon befreit). Allerdings sorgte eine Preiserhöhung im Zusammenhang mit einer Umstrukturierung des Unternehmens im Jahr 2011 für ein PR-Desaster mit kurzeitiger anschließender Kundenabwanderung. Doch aufgrund der anhaltend hohen Kosten für die Lizenzierung Inhalte Dritter (u.a. im Rahmen von Abkommen mit DreamWorks, CBS, oder der Weinstein Company) und Eigenproduktionen (2014 wird Netflix dafür circa drei Milliarden US-Dollar ausgeben) sind die Preiserhöhungen unabwindbar will man weiter profitabel operieren. Konkurrent Amazon Prime erhöhte seine Gebühren jüngst ebenfalls auf 99 US-Dollar pro Jahr.

Kooperation/Konfrontation mit Comcast
Überraschend kritisierte Netflix zeitgleich Comcasts anvisierte Übernahme von Time Warner Cable, über deren Genehmigung US-Regulierungsbehörden gerade entscheiden. Netflix ist damit der erste Medienkonzern, der sich eindeutig gegen Comcasts Pläne ausgesprochen hat (ob Vertreter des Unternehmen auch bei Anhörungen  des Kongresses bezüglich der Übernahme aussagen werden, ist jedoch nicht bekannt). Netflix Opposition gegen den Mega-Deal, der Comcasts Kabel/ISP-Kundenstamm auf rund 30 Millionen ansteigen lassen würde, kommt jedoch überraschend: erst Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Netflix künftig an Comcast eine unbekannte Summe zahlt, um eine bevorzugte Übertragungsrate innerhalb des Comcast-Netzes zu bekommen. Netflix-CEO Reed Hastings hat mittlerweile zugegeben, dass dieses Abkommen den Grundsatz der Netzneutralität verletzt. Im Licht der nun geäußerten Kritik ist klar, dass der Netflix-CEO sich zu dem Abkommen gezwungen sah, um den enormen Traffic seines Dienstes zu bewältigen und den Kunden einen einwandfreien Service zu ermöglichen. Ein weiterer Dorn im Auge von Hastings ist der Internet Service Provider AT&T, dessen sog. High-Speed-Dienst teilweise langsamer sei als ältere DSL-Verbindungen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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