Netflix: Expansion, Distributionsdeals und Serien-Offensive

28.02.2014

Netflix, das seinen Umsatz im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf 4,4 Mrd. US-Dollar steigern konnte, will 2014 international weiter expandieren und seine Marktführerschaft in den USA zementieren. In den Vereinigten Staaten hat das Streamingportal bereits mehr Abonnenten als Konkurrent HBO und gewinnt jedes Quartal mehr als 1,3 Millionen Abonennten hinzu. Die Netflix-Aktie war mit einem Kursanstieg von 300 Prozent das erfolgreichste börsennotierte Unternehmen des S&P 500 Index. Während bestimmten Tageszeiten entfällt fast ein Drittel des gesamten US-Traffic auf Netlix-Streams. Um den momentanen Stamm von 40 Millionen zahlenden Kunden weiter auszubauen, sollen nach dem Willen von CEO Reed Hastings (Foto) in den kommenden Monaten Märkte in Europa und Kanada und einzelnen asiatischen Ländern erschlossen, bzw. ausgebaut werden. Die wachsende Popularität von Netflix beansprucht immer mehr Internet-Bandbreite, damit der Service ruckelfrei und schnell genutzt werden kann. Netflix geht daher Partnerschaften mit Internet Service Providern und Kabelkonzernen ein, die laut Kritikern jedoch der Grundsatz der Netzneutralität verletzen. Die Redaktion hat die Entwicklungen der vergangenen Wochen zusammengefasst:

Internationale Expansion
Allein in den Launch von Netflix in Europa, wo das Unternehmen bisher nur in Großbritannien, Skandinavien und den Niederlanden präsent war, soll 400 Millionen US-Dollar investiert werden. Als die nächsten beiden Länder, in denen ein Netflix Launch bevorsteht, gelten Deutschland und Frankreich. Allerdings muss sich das Unternehmen in jedem Land mit unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen, die einer schnellen Popularisierung im Weg stehen. So dürfen in Frankreich beispielsweise Filme erst drei Jahre nachdem sie in den Kinos gelaufen sind, über das Internet verbreitet werden. Außerdem müsste Netflix sich verpflichten, einen hohen Prozentsatz von französischem Content zu lizenzieren oder selbst zu produzieren. Ziel ist es in Europa, langfristig einen Stamm von 50 Millionen Kunden zu generieren.
In Kanada, wo Netflix seit 2010 aktiv ist, sollen auf lange Sicht rund die Hälfte der 10 Millionen Haushalte mit Internetanschluss zu Abonnenten werden. Auch in Lateinamerika, wo es Netflix seit 2011 gibt, sollen die Nutzerzahlen in den kommenden Jahren auf acht Millionen steigen. Hier hatte das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren mit langsamen Internetverbindungen, einem Mangel an Kreditkartenverbreitung und einem hohen Ausmaß an Internetpiraterie zu kämpfen. In Japan und Südkorea, wo extrem schnelle Internetverbindungen von 100Mb/s die Regel sind, gibt es diese Probleme nicht. Dort sowie in Indien könnte Netflix auf lange Sicht weitere signifikante Zuwächse einfahren.

Umstrittener Comcast-Deal
Jahrelang hatten Comcasts Internetkunden Probleme mit einer schnellen Netflix-Übertragung. Lange hoffte das Unternehmen, das das Problem im Rahmen von Netzneutralität-Grundsätzen gelöst wurde, kapitulierte dann jedoch. So wird Netflix künftig an Comcast eine unbekannte Summe zahlen, damit der Videodienst eine bevorzugte Übertragung innerhalb des Comcast Netzes bekommt. Kritiker werten dies als Zeichen für die wachsende Marktmacht von Comcast in den USA, wo der Kabel- und Medienkonzern gerade im Begriff ist, seinen größten Konkurrenten Time Warner Cable zu schlucken und somit in Zukunft 55 Prozent des kombinierten Kabel/Internet-Paketabo-Marktes kontrollieren könnte. Für Befürworter von Netzneutralität stellt der Deal einen schlimmen Präzedenzfall dar: Neue Websiten und Dienste, die in Zukunft sich nicht mit langsamen Übertragungsgeschwindigkeiten herumplagen wollen, werden künftig wohl an Internet Service Provider zahlen müssen. Andere wiederum argumentieren, Netflix beanspruche soviel Bandbreite, dass es nur fair sei, dass das Unternehmen einen Extra-Betrag dafür entrichte.

Content-Offensive
Alleinstellungsmerkmal von Netflix sind neben dem im Vergleich zu Pay-TV-Sendern günstigen Preis vor allem selbst produzierte Serien und Filme. "House of Cards", dessen zweite Staffel - basierend auf einer Twitter-Analyse, da Netflix keine Streaming-Zahlen veröffentlicht - momentan die nach "The Walking Dead" zweitpopulärsten Serie ist, gilt mittlerweile als Synonym für revolutionäres Qualitätsfernsehen. Bei der kommenden Oscar-Verleihung ist mit "The Square" erstmals eine Netflix-Produktion in der Kategorie "bester Dokumentarfilm" nominiert. Grundlage für den Erfolg der Netflix-Produktionen ist die enorme Menge an Nutzerdaten und -vorlieben, die systematisch ausgewertet werden. Netflix kann damit quasi bereits im Vorfeld einer Produktion wissen, dass das neue Format zu einem Erfolg wird - Pilotfolgen und Focus Group-Research werden damit obsolet. Die ambitionierten Projekte der kommenden Monate sind vier miteinander verwobene Serien mit Marvel-Charaktern, die gerade in New York gedreht werden sowie das Historien-Drama Serie "Marco Polo".

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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