Merger mit Time Warner Cable: Opposition von Medienkonzernen gegen Comcast wächst

24.09.2014

In vier bis sechs Monaten wird die US-Regulierungsbehörde ihren Prüfungsprozess abgeschließen und eine Entscheidung darüber fällen, ob der größte Medienkonzern der Welt, Comcast, den Kabelkonzern Time Warner Cable übernehmen darf. Da sämtliche im TV-Sektor aktive US-Medienkonzerne direkt und indirekt von Comcast Marktführerschaft im Kabel- und High Speed-Internetbereich abhängig sind, haben sie sich bisher mit offener Kritik an der Fusion zurückgehalten. Nach deutlichen Bedenken, die Netflix und nun auch Discovery Communications an die FCC gerichtet haben, könnte sich dies in den letzten Monaten der Untersuchung jedoch ändern. Eine Ablehnung des 45 Milliarden US-Dollar schweren Deals würde damit wahrscheinlicher werden - insbesondere weil FCC-Chef Tom Wheeler (Foto), Vertretern von Medienkonzernen das Recht eingeräumt hat, off the record ihre Bedenken in persönlichen Gesprächen zu äußern. Auf diese Weise müssen sie keine Benachteiligung in Bezug auf den Vertrieb ihres Contents im Comcast-Netzwerk fürchten.
Comcast selbst hat derweil auf von Bürgern und Verbraucherschützerverbänden zuhauf geäußerten Vorbehalte reagiert und mittels schriftlich eingereichter Statements versucht, den künftigen Größen- und Einflussgewinn kleinzurechnen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Situation zusammengefasst:

Welche Vorbehalte haben konkurrierende Medienkonzerne?
Mit Discovery Communications hat sich erstmals ein großer TV-Content Produzent gegen die Übernahme von Time Warner Cable ausgesprochen (zuvor äußerten bereits Onlinekonzerne wie Netflix und größere und kleinere Kabel- und Satellitenunternehmen wie RFD TV und Dish ihren Unmut; hinzu kommen 75.000 individuelle Beschwerden). Die TV-Unternehmen sind zu erheblichen Teil auf die Lizenzzahlungen von Kabelprovider Comcast angewiesen. Das Unternehmen schüttete im vergangenen Jahr mehr als neun Milliarden US-Dollar an die Sender aus, um diese in das Kabelangebot aufzunehmen. Sollte die Übernahme von der FCC grünes Licht bekommen, würde Comcast (dann in 19 der 20 größten Städte der USA der einzige nennenswerte Kabel- und Internetprovider) seine Verhandlungsposition erheblich verbessern. Die Sender befürchten, Comcast könnte weniger an die Sender bezahlen - oder im Extremfall diese überhaupt nicht mehr übertragen und so deren Geschäftsmodell zerstören.

Doch es geht nicht nur um Kabel-Fernsehen. In Zeiten, in denen immer mehr Amerikaner Online VoD-Dienste benutzen, sind High Speed-Internet Anschlüsse essenziel. Comcast-TWC würde bis zu 70% der schnellen Breitband-Anschlüsse kontrollieren und die Content-Provider entweder aus seinem Breitband-Netz ausschließen oder zwingen können, eine Abgabe für die schnelle und ruckelfreie Übertragung zahlen (wie Comcast es im Fall Netflix bereits getan hat). Viacom, 21st Century Fox, Time Warner und Disney hätten also durchaus Anreize, sich öffentlich gegen die Übernahme zu positonieren.

Wie reagiert Comcast auf die Vorwürfe?
Comcast behauptet, nach der Übernahme würde es nur 30 Prozent der schnellen Internetverbindungen kontrollieren. Einbezogen in diese Rechnung sind allerdings (vor allem international betrachtet) vergleichsweise langsame DSL und Wireless-Verbindungen von vier Megabits pro Sekunde. In einem offiziellen Statement rechnete Comcast vor, dass diese dazu ausreichten, HD videos zu streamen, zumal der durchschnittliche Haushalt nur aus zwei Personen bestehen würde. FCC-Chef Wheeler hat jedoch betont, dass 10 Mb/s das absolute Minimum für HD-Streaming sei und der Markt für schnelles Breitband schon jetzt alles andere als kompetitiv sei. In Reaktion auf die Kritik von Netflix und Discovery behauptete Comcast, diese Unternehmen würden Comcast kritisieren, um günstigere Übertragungsdeals zu erzwingen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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