Ernotte will France Télévisions reformieren

25.08.2015

Delphine Ernotte. CC by Didier Junca

Gestern trat die neue Intendantin France Télévisions, Delphine Ernotte Cunci, ihren Dienst an. Sie ist die erste Frau an der Spitze der französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt. Im Auswahlprozess setzte sie sich gegen sieben Mitbewerber durch, darunter auch den ehemaligen TF1-Chef Pascal Josèphe. Die Auswahlkommission begründete ihre Entscheidung explizit mit Ernotte Cunci's Erfahrungen und Kenntnisse des sich wandelnden TV und Streamingmarktes. Zuvor war sie in leitender Stellung beim Telekommunikationskonzern Orange France (ehemals France Telekom) tätig, wo Sie für den Ausbau von schnellen Internetverbindungen verantwortlich war.

Ernotte, die auf Remy Pflimlin folgt, der 2010 vom damaligen Staatspräsident Sarkozy ernannt worden war, hatte bereits im April unmittelbar nach ihrer Wahl umfassende Reformen für die Anstalt angekündigt. In ihrem Dossier "Audace 2020) hat sie dargelegt, wie sie France Télévisions in die digitale Zukunft führen will. Oberstes Ziel ist es hierbei den Altersdurchschnitt der Zuschauer zu verringern und die Abwanderung von jugendlichen und jüngeren Zuschauern zu Streamingportalen wie Netflix zu verhindern (Netflix launchte im vergangenen Jahr seinen französischen Ableger und produziert dort zurzeit mit "Marseille" eine Art französisches "House of Cards"). So soll der Spartensender France 4 gänzlich in ein Jugendkanal umgewandelt werden.

Außerdem verfolgt sie das ehrgeizige Ziel den Privatsender TF1 langfristig als Marktführer zu überholen. Gelingen soll dies mit einer dezentralisierten Implementierung einer Strategie, die auf den Säulen Content Produktion und Einsparungen fußt. Sie plant, einen auf fünf Jahre angelegten Pakt mit französischen Produktionsfirmen zu schließen um sowohl lokale Formate als auch für den internationalen Markt attraktive Inhalte zu generieren. Zudem soll ein 24-Stunden-Nachrichtenkanal gelauncht werden - die Redaktionen von France 2 und France 3 sollen dazu zusammengelegt werden. Einsparungen hat Ernotte bereits mit dem Hinweis auf die prekäre finanzielle Lage der Anstalt verteidigt (im vergangenen Jahr erwirtschaftete France Télévisions ein Minus von 38 Mio. Euro). Es ist davon auszugehen, dass es ein signifikanter Teil der rund 10.000 Angestellten in den kommenden Monaten aufgrund von Synergien und Sparmaßnahmen entlassen werden könnte. Doch Ernotte Cunci gibt es nur zwei mögliche Szenarien für die Zukunft der Anstalt: "Anpassung oder Niedergang".

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