Eigene Streaming-Portale: Comcast warnt TV-Sender

24.10.2014

Die jüngste Ankündigung der TV-Sender CBS und HBO, eigene Streamingportale zu launchen, sorgt weiterhin für Aufregung in der US-Medienbranche. Nun hat sich der größte Kabel- und Internetprovider Comcast zu Wort gemeldet und die TV-Konzerne davor gewarnt, mit Streamingangeboten würden sie ihr erträglichstes Geschäftsmodell kanibalisieren. Haupteinnahmequelle der Sender sind nämlich nach wie vor die Übertragungsgebühren der Kabel- und Satellitenanbieter. Wie wichtig diese Zahlungen sind, wird aktuell am Disput zwischen Nachrichtenkanal CNN und Satellitenbetreiber Dish deutlich. Sind die Streaming-Dienste nur ein zusätzlicher Kanal für internet-affine Zuschauer oder droht eine Massenauswanderung aus den Kabel-Netzen? Die Redaktion von mediadb.eu hat die Positionen von Comcast und den Sendern näher beleuchtet:

Comcast befürchtet naturgemäß, dass eine wachsende Zahl an Kunden ihren Kabelvertrag kündigen und HBO - einen der attraktivsten Sender in Comcasts Programmpaketen - nur noch einzeln online streamen. Da HBO bei Comcast nur in entsprechenden bundles angeboten wird, würden insbesondere kleinere und obskure Sender darunter leiden und müssten mit geringeren Werbeeinnahmen kämpfen. Wenn tatsächlich ein Teil der Kunden, die HBO bisher über Kabel geschaut haben, ins Netz abwandert, würden die Übertragungsgebühren, die Comcast an HBO zahlt zurückgehen. In diesem Fall würden tatsächlich Kanibalisierungseffekte eintreten. Paradoxerweise wollen die TV-Konzerne trotz der sich abzeichnenden Krise des Kabelsektors seit Jahren höhere Gebühren von den Kabelunternehmen und damit den Rückgang der Zuschauer zu kompensieren. So können Kunden des Satelliten-TV-Betreibers Dish gegenwärtig kein CNN empfangen, da Mutterkonzern Time Warner (dem ebenfalls HBO gehört) höhere Gebühren für die Übertragung verlangt. Ein mögliches Szenario ist, dass ein Mega-Konzern wie Comcast, das mit NBC Universal selbst über einen Top 4-TV-Network verfügt und im kommenden Jahr durch die umstrittene Übernahme von Time Warner Cable (nicht mehr Teil von Time Warner) weiter wachsen will, künftig geringere Gebühren an die Sender ausschüttet, sollten diese ihre Inhalte auch online anbieten.

Für HBO und CBS sind ihre Streamingportale jedoch nur eine Ergänzung ihres Angebots, das in erster Linie rund 10 Millionen jüngere Kunden anlocken soll, die überhaupt keine Kabelverträge abgeschlossen haben. Diese "cord-nevers" würden für zusätzliche Einnahmen parallel zum Kabelgeschäft sorgen (die Angebote sollen in etwa genau so teuer sein, wie im Kabel). Außerdem weisen sie zurecht daraufhin, dass für einen störungsfreien Streaming-Dienst ohnehin eine schnelle Internetverbindung nötig ist. Comcast, das auch größter Internet Service Provider der USA ist, wird also unabhängig von dem Ausgang des aktuellen Disputs profitieren.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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