Comcast: Verstoß gegen Netzneutralität?

08.05.2012

Der US-Senator Al Franken hat den Medienkonzern ComcastNBCU beschuldigt, gegen das Prinzip der Netzneutralität zu verstoßen. Franken bat in einem Brief an die Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) und das Justizministerium darum, die Geschäftspraktiken von Comcast zu überprüfen. Grund ist Comcasts Video-on-Demand-Service Xfinity Streampix, der seit März dieses Jahres auch über Microsofts Spielkonsole Xbox abrufbar ist. Franken sowie Vertreter konkurrierender VoD-Dienste wie Netflix, Hulu oder HBO Go werfen Comcast vor, Xfinity Streampix systematisch zu bevorteilen. Da Comcasts rund 50 Millionen Internetkunden Beschränkungen ihrer monatlichen herunterladbaren Datenpakete haben (sog. Data caps), reduziert jeder gestreamte Videoinhalt die zur Verfügung stehende Downloadkapazität. Nutzen die Comcast-Kunden jedoch Streampix, bleibt die Downloadkapazität davon unberührt. Damit sei genau das eingetreten wovor die Kritiker von Comcasts umstrittener Übernahme von NBC Universal im Jahr 2010 gewarnt hatten: Das Unternehmen, das nun im Besitz attraktiver NBC- und Universal-Inhalte ist, bevorteile eigene Streamingdienste und diskriminiere die Konkurrenz. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Entwicklungen zusammengefasst und die Hintergründe des Konflikts analysiert:

1. Verstößt Comcast gegen die Auflagen der Übernahme von NBCU?
Das Justizministerium hatte Comcasts Übernahme von NBCUniversal Anfang 2010 nur unter der Bedingung genehmigt, dass der Konzern Traffic zu nicht zu Comcast gehörenden Websites weder benachteiligen noch anders berechnen dürfe. Laut Franken, einem der vehementesten Gegner der Übernahme, ist dieser Tatbestand mit der Bevorzugung von Streampix erfüllt. Internet-Kunden von Comcast, die im Besitz einer Xbox sind, hätten nun starke Anreize TV-Episoden und Filme nur bei Streampix anzuschauen. Ähnlich argumentiert Reed Hastings, CEO von Netflix: Im Selbstversuch schaute er sich über seinen Comcast-Internetzugang eine Episode der Comedyshow Saturday Night Live auf verschiedenen VoD-Diensten der Xbox an, wobei seine Downloadkapazität bei der Benutzung der Xfinity Streampix-App nicht belastet wurde. Auf Facebook fragte er sich anschließend: "Das selbe Gerät, die selbe IP-Adresse, das selbe W-Lan, die selbe Internetverbindung, aber totale Ungleichbehandlung. Wie soll das neutral sein?"
Vertreter von Comcast streiten die Vorwürfe hingegen ab. Ihr Video-on-Demand-Service würde nicht über das "öffentliche Internet" laufen und unterstehe deshalb auch nicht den Open Internet Rules der FCC. Vielmehr sei die Xfinity Xbox-App Teil von Comcasts Kabeldiensten.

2. Welche Rolle spielt die Xbox in Bezug auf Internetfernsehen?
Rund 25 Millionen Amerikaner besitzen gegenwärtig eine Xbox. Die Konsole hat sich in den vergangenen Monaten zu einer der populärsten Geräte entwickelt, wenn es darum geht, Internet-Videoinhalte auf dem heimischen Fernseher zu sehen. Besitzer einer Xbox brauchen keine Set-Top-Box eines Kabelanbieters oder einen internetfähigen Fernseher, um Inhalte von Anbietern wie Hulu, ESPN oder HBO zu sehen. In Kombination mit der hohen Nutzerfreundlichkeit - die Xbox lässt sich aufgrund der Kinect-Kamera per Sprach- und Bewegungssteuerung navigieren - ist das Gerät eine neue Konkurrenz für Kabelkonzerne, auf die Comcast nun reagiert.

Mehr dazu:

CNet: Franken: Comcast thumbs nose at Net neutrality rules (07.05.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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