Charter-Übernahme von Time Warner Cable geht in entscheidende Runde

25.01.2016

CC by Dwight Burdette

Es ist die größte Übernahme des Jahres: Kabelkonzern Charter Communications will seinen Kundenstamm durch die 56 Milliarden Dollar teuren Zukäufe von Time Warner Cable sowie des kleineren Konkurrenten Bright House Networks auf einen Schlag von sechs auf 23,5 Millionen verfielfachen und hinter Comcast zur neuen Nummer Zwei auf dem US-Kabelmarkt avancieren. Die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) sowie das Justizministerium beraten seit Wochen darüber, ob sie grünes Licht für den Deal geben sollen oder ob die Übernahme gegen das geltende Kartellrecht verstößt bzw. nicht im öffentlichen Interesse ist. Doch längst haben sich Gegner und Befürworter des Deals positioniert, um die Entscheidung, die Ende des ersten Quartals erwartet wird, durch öffentliche Statements und Kampagnen zu beeinflussen. Der Ausgang des Prozesses wird nicht nur deshalb mit Spannung erwartet, weil die Obama-Administration die letzte Übernahme von ähnlichen Dimensionen (Comcasts Versuch TWC im Jahr 2014 zu übernehmen) unterbunden hat, sondern auch weil von der Entscheidung zahlreiche weitere Medien- und Onlinekonzerne direkt betroffen sind.

Zu den Gegnern der Übernahme gehören Medien- und Satellitenkonzerne wie Time Warner (das nach einer Abspaltung im Jahr 2009 nicht mehr zu Time Warner Cable gehört) und Dish. Medienunternehmen wie Time Warner befürchten, dass ein größtenteils von Charter kontrolliertes Internet zu Lasten der Streamingportale der Sender gehen könnte, die in den nächsten Jahren weiter wachsen werden, da immer mehr TV-Zuschauer vom Kabelnetz ins Internet emigrieren. Satelliten-PayTV-Anbieter Dish hat ein solches Angebot gerade in Form seines Streamingportals Sling TV ins Leben gerufen und ist deshalb einer lautesten Kritiker des Charter-Deals. Darüber hinaus wird die Übernahme von NGOs und Verbraucherverbänden abgelehnt: Gruppierungen wie FreePress befürchten eine weitere Konsolidierung des bereits quasi-monopolisierten Kabelmarktes, die höhere Preise und anhaltend schlechten Kundenservice zur Folge hätte. Konzerne und Interessensverbände haben sich in der Charta-Causa deshalb in Form der Stop Mega Cable Coalition organisiert.

Zu den Befürwortern zählt hingegen Netflix. Das führende Streamingportal, dem innerhalb der Obama-Administration und der FCC großer Einfluss nachgesagt wird, steht hinter der Übernahme, da Charter sich (im Gegensatz zu Comcast) öffentlich als Vertreter des Netzneutralitätsprinzip positioniert hat. Das bedeutet für Streaminganbieter wie Netflix oder Hulu, dass sie keine zusätzlichen Übertragungsgebühren an Charter entrichten müssten (sowie es in der Vergangenheit zwischen Netflix und Comcast der Fall war).

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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