CanalPlus expandiert: Kauf der Pay TV-Gruppe M7 (Luxemburg)

29.05.2019

Herbst 2014: Netflix startet in Frankreich. Kein Grund zur Unruhe, heißt es bei CanalPlus, seit 1984 unangefochtener Marktführer beim französischen Bezahlfernsehen. Die französische Programmware im Netflix-Portfolio sei nur von minderer Qualität. So etwas wie in Großbritannien und Irland, wo Netflix nach dem Start im Januar 2012 bald eine unerwartet hohe Zahl an Neukunden verbuchte, werde in Frankreich nicht passieren.

Weniger als fünf Jahre später: Trotz einer signifikanten Preiserhöhung Ende 2017 zählte Netflix Mitte Februar 2019 fünf Millionen französische Abonnenten und überholte CanalPlus (4,757 Mio. im dritten Quartal 2018. Zur Erinnerung: Ende 2008 waren es noch 6,4 Mio.). Zwar ist der Umsatz pro Kunde noch deutlich höher (ca. 40 € für ein CanalPlus-Abo, ca. 10 € für ein Netflix-Abo), zwar verbringen Franzosen nicht 10 % ihrer Bildschirmzeit bei Netflix, wie US-Zuschauer, sondern nur 1 bis 2 %. Trotzdem war Canal ab dem Zeitpunkt nur noch ein Mitbewerber auf dem Heimatmarkt. Anfang Februar 2019, berichtete „Les Echos“, war Netflix-CEO Reed Hastings in Paris, wo im Sommer ein Netflix-Office mit 20 Angestellten eröffnen wird. Was im Gegenzug bedeutet: Netflix konnte fünf Millionen Kunden in Frankreich gewinnen ohne ein eigenes Büro vor Ort. Man schätzt jetzt aber, dass es in einigen Jahren ca. 70 Pariser Mitarbeiter sein werden, vergleichbar mit dem Standort London. Außerdem seien derzeit etwa 15 Projekte in Frankreich in Produktion; die durchaus positiv rezensierte SciFi-Serie „Osmosis“ hatte bereits am 29.3.2019 Premiere.

Als die zunehmende Konkurrenz durch Netflix 2016 deutlich wurde, musste CanalPlus-Chef Maxime Saada reagieren: „Ich bestreite gar nicht, dass wir in Frankreich noch nicht auf der Höhe sind, um mit der weltweiten Konkurrenz mitzuhalten.“ In der Folge unternahm Saada drastische Sparmaßnahmen in Höhe von 450 Mio. €, schloss die überteuerte VOD-Plattform CanalPlay, organisierte den Launch von Canal+ Series im März 2019 (monatlich ab 6,99 €).

Am 27.5.2019 dann meldet die CanalPlus-Gruppe die Übernahme von M7, einem der führenden europäischen Pay TV-Betreiber, zum Preis von knapp über eine Milliarde Euro. M7 bietet Senderpakete in Deutschland (M7 Germany), in Belgien (TV Vlaanderen und TéléSat), den Niederlanden (CanalDigitaal und Online.nl), Österreich (HD Austria), Skylink in Tschechien und der Slowakei, Ungarn, Rumänien. Mit den insgesamt drei Millionen europäischen M7-Abonnenten erhöht sich die subscriber base von CanalPlus auf 20 Millionen weltweit. Maxime Saada: „This major acquisition allows us to reinforce our distribution capacity and to spread more widely the contents of our catalog and our numerous production activities in Europe.”

 

 

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

Zur Instituts-Website

European Media Pluralism

Mediadb.eu unterstützt die European Initiative for Media Pluralism

Partner

Mediadb.eu wird gefördert vom medienboard Berlin-Brandenburg,

dem Media Program der Open Society Foundations,

der Bundeszentrale für Politische Bildung,

der Rudolf Augstein Stiftung

sowie der Stadt Köln

dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.