Bertelsmann: Konzernergebnis sinkt, Strategiewechsel in Planung

28.03.2012

Heute gab der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, Thomas Rabe, die aktuellen Geschäftszahlen des Jahres 2011 auf einer Bilanz-Pressekonferenz bekannt. Das Konzernergebnis verringerte sich auf 612 Mio. Euro (Vorjahr 656 Mio. Euro), was laut Unternehmensangaben auf strukturell rückläufige Märkte zurückzuführen ist. Der Umsatz hingegen stieg leicht um 1,2 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Bertelsmann wird damit weiterhin unter den TOP 10 im Ranking der umsatzstärksten Medienkonzerne der Welt rangieren. Voraussichtlich bleibt es beim Rang 7.

RTL Group
Die RTL Group steigerte 2011 ihren Umsatz auf 5,8 Mrd. Euro (Vorjahr 5,6 Mrd. Euro). Insbesondere im Bereich der Fernsehproduktion konnte der Umsatz erhöht werden. So sorgte die Produktionsfirma Fremantle Media für positive Geschäftsergebnisse. Abgesehen von den Niederlanden stagnierte in Westeuropa der Fernseh-Werbemarkt. In Süd- und Osteuropa gab es noch deutlichere Rückgänge.

Gruner + Jahr
In süd- und osteuropäischen Ländern musste Gruner + Jahr Einbußen verkraften. Zudem schlugen sich die Entwicklungskosten für Titelinnovationen und Digitalprojekte in einem im Vergleich zum Vorjahr um 10,4 Prozent schlechteren Operating EBIT nieder. In Deutschland war das Unternehmen erfolgreich und konnte den Umsatz steigern.

Random House
Deutliche Zuwächse gab es im Digitalgeschäft. Das E-Book-Angebot wurde auf inzwischen fast 40.000 Titel in englischer, deutscher und spanischer Sprache ausgeweitet. Nichtsdestotrotz nahm der Umsatz laut Unternehmensangaben aufgrund des Wechselkurses ab, während das Operating EBIT um 6,9 Prozent auf 185 Mio. Euro stieg (Vorjahr 173 Mio. Euro). Im deutschsprachigen Bereich war Walter Isaacsons Biografie „Steve Jobs“ das meistverkaufte Sachbuch des Jahres.

Arvato
Aufgrund von sich positiv entwickelnden Finanzdienstleistungs- und Customer-Care-Geschäften sowie IT-Services in Europa konnte Arvato den Umsatz auf 5,4 Mrd. Euro steigern. Mit der Ausweitung des chinesischen Logistiknetzwerks konnte dort ein starkes Wachstum verzeichnet werden.

Corporate
Sowohl Umsatz als auch Operating EBIT mussten schwere Rückgänge verkraften. Einmal ergaben sich bei dem gemeinsam mit KKR betriebenen Musikrechteunternehmen BMG hohe Kosten. Zudem liegt dies in der Einberechnung der Rückgänge bei den Club- und Direktmarketinggeschäften begründet. Die Buchclub-Geschäfte der Direct Group wurden in den letzten Jahren mit einem Umsatzvolumen von rund 5 Milliarden Euro verkauft. Die Bereinigung des Portfolios von der Keimzelle des ersten Erfolgs des Konzerns ist damit im Wesentlichen abgeschlossen.

Thomas Rabe strebt seit seinem Amtsantritt zu Beginn dieses Jahres einen Strategiewechsel an, wodurch der Konzern wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufgestellt werden soll. Dies will er durch vier strategische Stoßrichtungen erreichen: „Erstens über die weitere Konsolidierung und Stärkung unseres Portfolios, zweitens durch eine beschleunigte digitale Transformation unserer Kerngeschäfte, drittens die Bildung neuer Wachstumsplattformen und viertens die Expansion in neue geografische Wachstumsregionen.“ Insbesondere China, Indien und Südamerika bergen aus Unternehmenssicht ein großes Potenzial und müssten weiter erschlossen werden. Auch im Bildungsbereich will Bertelsmann zukünftig mehr investieren. Zudem soll der Druckbereich in einer eigenen Sparte gebündelt werden.

Medienberichten zufolge bereitet sich der Konzern auf einen Börsengang vor. Dieser Vermutung liegt die Tatsache zugrunde, dass ein Wechsel der Rechtsform von Aktiengesellschaft in Europäische Aktiengesellschaft SE (Societas Europaea) sowie in Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) geplant ist. Die SE ermöglicht es der Familie Mohn weiterhin, die Kontrolle über den Konzern zu behalten, während „auf Ebene der KGaA frisches Geld“ aufgenommen werden kann.
 

Mehr dazu:

HORIZONT: Wie Thomas Rabe Bertelsmann fit machen will (28.03.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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