Apple: stagnierende Umsätze und Imageprobleme

30.07.2013

Die kostengünstige Herstellung von Hardware in chinesischen Fabriken beschert dem Apple-Konzern weiterhin ein Imageproblem. Trotz entgegenlautender Beteuerungen hat es das Management um CEO Tim Cook (Foto) seit fünf Jahren nicht geschafft, die katastrophalen Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter von chinesischen Zulieferern in den Griff zu bekommen. Gestern veröffentlichte die NGO China Labor Watch einen neuen Bericht über die Zustände in einem Fabrikstandort in Shanghai. Zu den weiteren Baustellen des Unternehmens zählen momentan die einstweilige Niederlage im E-Book-Preiskrieg sowie die umstrittenen Steuer-Tricks, wegen denen sich Cook erst kürzlich vor dem US-Kongress erklären musste.
Parallel attestieren Experten und Analysten dem Konzern, sich seit dem Tod von Gründer Steve Jobs in eine Identitätskrise mavövriert zu haben. Erstmals seit zehn Jahren hat der Konzern wieder Umsatzrückgänge zu verzeichnen, während sich der Konkurrenzkampf mit Google und Samsung in jüngster Zeit verschärft hat. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuelle Lage bei Apple zusammengefasst:

1. Wie ist es um die wirtschaftliche Lage von Apple bestellt?
Der Konzern ist weiterhin meilenweit von einer Situation entfernt, die man guten Gewissens als "Krise" bezeichnen könnte. Allein im vergangenen, dritten Quartal von Apples Geschäftsjahr stieg der Verkauf von iPhones im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Im letzten Quartal 2012 betrug der Gewinn des Konzerns 13 Milliarden US-Dollar; mit 500 Millionen Kundenkonten wird Apple auf Jahre hin signifikante Umsätze auch ohne hohe Absatzzahlen neuer Geräte erzielen können.
Dennoch gibt es seit geraumer Zeit Anzeichen dafür, dass Apple härtere Zeiten bevorstehen. Anfang des Jahres sank der Aktienkurs das erste mal seit 2008 um zwölf Prozent; der Gewinn ist seit 2003 nicht mehr so langsam angewachsen. Investoren haben damit begonnen, ihre Konzernanteile wieder zu verkaufen. Den Titel "Most Valuable Company" verlor das Unternehmen Anfang diesen Jahres an Erdölkonzern Exxon Mobil. Die Verkäufe des iPad waren im Gegensatz zum iPhone zuletzt rückläufig. Grund dafür sind günstigere Konkurrenzgeräte, die mit Googles Betriebssystem Android ausgestattet sind. Insbesondere das iPad Mini ist bisher nicht der gewünschte Verkaufserfolg als billigere Tablet-Variante.
Experten erwarten von Apple neue Hardware-Innovationen, ohne die weiterer Wachstum langfristig nicht mehr möglich ist. Große Hoffnungen sind deshalb mit Apple TV und einer iOS-basierten Gamekonsole verknüpft. Im Smartphone-Sektor, auf dem Samsung sich zum größten Konkurrenten gemausert hat, ruhen die Hoffnungen auf einem Billig-iPhone, mit dem die Märkte von Entwicklungsländern erschlossen werden sollen.

2. Wie lauten die neuesten Vorwürfe von Menschenrechtsaktivisten?
Die kritische Presseberichterstattung über die Arbeitsbedingungen von Apple chinesischen Zulieferern reißt einfach nicht ab. Trotz mehrfacher Beteuerungen der Konzernspitze, die Zustände in chinesischen Fabriken verbessern zu wollen, sind offenbar nur wenig Besserungen eingetreten. Was 2008 mit vereinzelten Berichten über Misstände bei Zulieferer Foxcon begann, hat sich längst zu einem scheinbar nicht aufhörenden PR-Desaster für Apple entwickelt: 2011 gab es Berichte über das Aufhängen von Fangnetzen, um die hohen Selbstmordraten zu senken; ebenfalls 2011 erkrankten hunderte Arbeiter des Zulieferes Wintek durch die Chemikalie n-Hexan mit denen Touchscreens gesäubert wurden; 2012 kam es in einer Fabrik in Taiyuan zu Ausschreitungen nachdem ein Arbeiter von einem Wachmann verprügelt worden war. Der jüngste Bericht über eine Fabrik in Shanghai legt nahe, dass Apple trotz Kooperation mit der US-Arbeitsrechtsorganisation Fair Labor Association und dem Erlassen eines Verhaltenskodex nur wenig interessiert am Wohl der chinesischen Arbeiter ist. China Labor Watch berichtet unter anderem von 11-Stunden-Schichten und Sechs-Tage-Wochen des Zulieferers Pegatron, der darüber hinaus Überstunden nur unzureichend bezahlt und rund 10,000 Minderjährige und vereinzelt schwangere Frauen beschäftigt.

Mehr dazu:

Die Welt: Apple steckt in einer Identitätskrise (23.04.2013)

China Labor Watch: Apple's unkept promises: Cheap iPhones come at high costs to Chinese Workers (29.07.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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