Tencent steigt bei UMG ein

10.08.2019

„China greift nach Bob Dylan und den Beatles“, so der leicht übertrieben alarmistische FAZ-Titel. Gemeint war der sich abzeichnende Einstieg des chinesischen Internet-Riesen Tencent (Platz acht im IfM-Ranking der weltgrößten Medienkonzerne 2018) bei der Universal Music Group. UMG-Eigner Vivendi (Paris) gab am 6.8.2019 bekannt, man sei sich weitgehend einig über den Verkauf von zunächst zehn Prozent des UMG-Kapitals an Tencent, zum Preis von etwa drei Milliarden Euro. Auch wurde eine Option für Tencent verabredet, weitere zehn Prozent innerhalb eines Jahres zu übernehmen.

Alle würden profitieren, wenn Universal also demnächst „ein Stück weit chinesisch“ (FAZ) wird. UMG bekäme privilegierten Zugang zum weltweit bevölkerungsreichsten Markt und die Möglichkeit, gemeinsam mit Tencent (bekannt vor allem für den Whatsapp-Konkurrenten WeChat) eine Infrastruktur für Streaming und die entsprechende Monetarisierung zu etablieren. Eine Infrastruktur, die bislang in China noch nicht existiert. UMG-Mutterkonzern Vivendi könnte mit den bis zu sechs Milliarden einen angekündigten Aktienrückkauf bezahlen. Auch einen weiteren Verkauf von UMG-Anteilen bis unterhalb der Mehrheitsschwelle strebe man an. Potentielle Investoren: Liberty Media und die Investmentfirma KKR.

Auch für Tencent ist es natürlich eine Motivation, auf das Know-how bei der Nummer Eins unter den großen Musikfirmen (vor Sony und Warner Music) zurückgreifen zu können und mit Tencent Music den gewaltigen Universal-Rechtekatalog zu nutzen (Bob Dylan, Beatles usw.). Der Kaufpreis von maximal sechs Milliarden Euro wäre für einen Konzern von Tencent-Format ohnehin überschaubar.

Heikel oder, wie „Les Echos“ schreiben, die „Ironie“ an der Sache: Ein chinesischer Akteur, der eine nicht unwesentliche Beteiligung am wahrscheinlich größten Katalog auch von US-amerikanischer Musik (Lady Gaga, Taylor Swift, Drake) inmitten eines chinesisch-amerikanischen Handelskriegs kauft. Politische Hürden, die daraus entstehen können, werden von Aktionären und Investoren zunächst nicht gesehen. Von Tencent vielleicht schon. Beobachter erklären sich die Tatsache, dass Tencent nur 10 bis 20 Prozent von UMG übernehmen will, mit der Unsicherheit darüber, wie die Trump-Administration reagieren wird.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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