Sony: Apple als Vorbild für neue Medienoffensive

12.09.2014

Im vergangenen Jahr hat Sony angekündigt, eine neuartige Web-TV-Strategie verfolgen zu wollen. Der Konzern will - ebenso wie u.a. Dish, DirecTV und Intel - das Kabel-Pay-TV-Modell in die Onlinewelt überführen. Mit einem nun verkündeten umfassenden Lizenzdeal mit Viacom rückt Sony seinem Vorhaben ein Stück näher, sämtliche Sony-Geräte zu einem TV- und Gaming-Netzwerk zusammenzuführen. Neben Smart-TVs und Smartphones kommt hierbei der extrem erfolgreich gestarteten vierten Generation der Spielekonsole Playstation eine Schlüsselrolle zu. Sollte die Synergie zwischen seinem Elektronik- und Content-Geschäft funktionieren, könnte Sony langfristig zu einem ernstzunehmenden Rivalen von Apple in der Distritibution von Medieninhalten über das Internet avancieren.

Der Deal mit Viacom gibt Sony die Rechte für die Online-Übertragung von MTV, Nickelodeon sowie 20 weiteren Viacom-Sendern. Gespräche laufen derweil mit anderen Medienkonzernen, um pünktlich zu einer Testphase, die Ende des Jahres beginnt, möglichst viele Sender übertragen zu können. Die Playstation 4, mit der schon jetzt im Rahmen von Apps diverse Filme und Serien gestreamt werden können, würde so um Live-TV ergänzt und zu einem Medien-Center werden, das sämtliche andere Geräte und Verträge obsolet werden ließe.

Sony will beim Web-TV auf die in der Kabelindustrie gängige Praxis des bundling setzen - der Bündelung von zahlreichen Sendern in Pakete, die dann pauschal bezahlt werden müssen. Die Preise für ein 100-Sender-Paket sollen denen gleichen, die für ein entsprechendes Kabel-Abo fällig werden. Hier scheint der Konzern den großen Kabelunternehmen wie Comcast und Co. entgegengekommen sein, da so ihr klassisches (und häufig von Kundenseite kritisiertes) Geschäftsmodell unangetastet bleibt. Dish, das ebenfalls ein Web-TV-Projekt entwickelt und kürzlich eine Content-Partnerschaft mit den Disney-Sendern einfädeln konnte, bietet ein anderes Modell an: Kunden können zwischen kleineren, günstigeren Paketen bzw. einzelnen Sendern wählen, und so nur für die Sender bezahlen, die sie auch wirklich sehen möchten.

Ob Sony (bisher 10 Millionen verkaufte PS4) langfristig mit Apples iTunes-Store (500 Millionen regelmäßige Nutzer) gleichziehen kann, ist jedoch ungewiss - zumal Apple seit geraumer Zeit an einer neuen Version von Apple TV arbeitet. Die günstigsten Übertragungsrechte erhält zudem in der Regel der Anbieter mit der größten Kundenzahl. Sony müsste also in kurzer Zeit mehr Abonenten als die Kabelkonzerne generieren, um ein preislich konkurrenzfähigen Dienst anbieten zu können. Viele Vertreter in der TV-Industrie stehen den Plänen aufgeschlossen gegenüber, da sie die Anzahl ihrer Zuschauer vergrößern. Sie zögern jedoch gleichzeitig, die bewährten Distributionswege für ihre Inhalte - Glasfaser-Kabel oder Satellit - zu ändern und ihre wichtigsten Kunden (die Kabelanbieter) zu verschrecken. Die vor einer weiteren Konsoldierung befindliche Kabelindustrie wehrt sich gegen die over-the-top-Initiative und verweist auf bestehende Abkommen mit Medienkonzernen, die es teilweise verbieten, neue Distributionspartnerschaften einzugehen. Ein Grund warum Kabelkonzerne in absehbarer Zeit ihren Widerstand einstellen könnten wäre jedoch der vermehrte Verkauf von schnelleren DSL-Anschlüssen, die in Zukunft für datenintesive Streaming-Aktivitäten notwendig werden.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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