E-Book-Kartell: Apples Rolle größer als bisher angenommen?

15.05.2013

Im Zuge des seit Jahren schwelenden E-Book-Preiskrieg haben sich in den vergangenen Monaten die großen internationalen Buchverlage Hachette, Simon & Schuster, HarperCollins, Penguin und Macmillan außergerichtlich mit europäischen und US-amerikanischen Regulierungsbehörden geeinigt. Unter Androhung von hohen Geldstrafen müssen die Verlage in den kommenden Jahren akzeptieren müssen, dass Online-Kaufhäuser wie Amazon die elektronischen Versionen von Macmillan-Büchern zum Einheitspreis von 9,99 US-Dollar anbieten. 2010 sollen geheime Absprachen zwischen Apple und den Buchverlagen die Preise für E-Books in die Höhe getrieben haben. In den USA hingegen ist Apple die einzige Partei die sich bisher nicht mit den heimischen Wettbewerbsbehörden geeinigt hat. Der iPad-Hersteller ist davon überzeugt, das Justizministerium würde die E-Book-Branche zwingen, ein Amazon-zentriertes Geschäftsmodell zu akzeptieren. Die Aufforderung des Justizministeriums, die als "Apple Agency Agreements" bezeichneten Absprachen mit den Verlagen zu terminieren, lehnt Apple weiterhin ab, da der Konzern der Meinung ist, dies stelle die einzige Möglichkeit dar, die marktbeherschende Stellung von Amazon bekämpfen zu können. Anfang Juni kommt es deshalb nun zum Prozess zwischen Justizministerium und Apple. Wie durch jetzt bereits veröffentlichte Beweismaterialien spielte Apple in der Auseinandersetzung eine noch dominantere Rolle als bisher angenommen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Entwicklungen zusammengefasst:

Worum ging es in dem Disput zwischen Verlagen und Amazon?

Sämtliche Verlage begannen zunächst damit von dem Geschäftsmodell abzurücken, nachdem Online-Verkäufern wie Amazon die Entscheidung überlassen wurde, welchen Preis sie für einzelne Titel verlangen. Nach Einführung des iPads im Januar 2010 soll Apple konspirative Abkommen mit den Verlagen geführt haben, um Amazons Einheitspreis für E-Books von 9,99 US-Dollar zu bekämpfen. Einzelne Verlage wie Macmillan verweigerten daraufhin Amazon nach der Absprache mit Apple ihre Werke weiterhin zum Einheitspreis zu verkaufen, woraufhin Amazon nachgab. Die Folge war eine branchenübergreifende Erhöhung des Preises von E-Books um durchschnittlich bis zu fünf US-Dollar. Der damalige Apple-Chef Steve Jobs überzeugte die Verlage angeblich mit den Worten "der Kunde wird mehr zahlen, aber das ist doch genau das, was ihr wollt." Von den erhöhten Preisen profitierte aber vor allem Apple, da Amazon zuvor für jedes E-Book 15 Dollar an die Verlage bezahlte und so einen Verlust in Kauf nahm (was der Popularisierung von Amazons eigenem Reader Kindle diente).

Welche Rolle spielte Apple?

Laut Informationen des US-Justizministeriums soll Apple das E-Book-Kartell im Stile eines "Zirkusdirektors" gelenkt und kontrolliert haben. Demnach soll der inzwischen verstorbene Apple-Chef Jobs mehrfach Kontakt zu den CEOs der großen Medienkonzerne aufgenommen haben, um diese entweder von seiner Taktik rational zu überzeugen, bzw. zögernde Verantwortliche zwecks Teilnahme am Kartell zu erpressen. So soll Jobs an News Corps Rupert Murdoch gebeten haben mit Apple zu kooperieren, um den Wert von E-Books auf 14,99 US-Dollar anzuheben. Markus Dohle, Chef von Bertelsmanns Buchsparte Random House, hingegen soll angedroht worden eine Random House App aus Apples App Store entfernen zu lassen, wenn sich Random House der Anti-Amazon-Front nicht anschließe.

Apple ist jedoch zuversichtlich, den Prozess zu gewinnen und weigert sich im Gegensatz zu den Verlagen sich aussergerichtlich zu einigen. Laut einem Apple-Sprecher sei das Unternehmen mitverantwortlich für den jüngsten E-Book-Boom und sich keiner Schuld bewußt.

Mehr dazu:

New York Times: U.S. Now Paints Apple as 'Ringmaster' in Its Lawsuit on E-Book Price-Fixing (14.05.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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