Discoverys Europa-Expansion: Interesse an Channel 5 und Fußball-Rechten

07.04.2014

Der auf nicht-fiktionale Unterhaltungsprogramme spezialisierte US-Medienkonzern Discovery Communications will in den kommenden Jahren in Europa weiter wachsen. Nachdem man 2012 bereits die 12 skandinaviasche Sender umfassende SBS Nordic-Gruppe von ProSiebenSat.1 für 1,3 Milliarden Euro übernahm, und Anfang dieses Jahres die Beteiligung am pan-europäischen Sportsender Eurosport auf 51 Prozent erhöht wurde, steht nun Großbritannien im Fokus der Expansionsstrategie. Nach einem Bericht des "Independent" hat Discovery gute Chancen den Zuschlag für den Kauf des britischen Senders Channel 5 zu bekommen, den der Verleger Richard Desmond 2010 von der RTL-Gruppe erworben hatte. Discoverys größter Anteilseigner John Malone ist sogar bereit, eine Partnerschaft mit seinem Erzfeind Rupert Murdoch einzugehen. Würde Discovery als Sieger aus dem Bieterwettstreit hervorgehen, könnte dies die britische TV-Landschaft nachhaltig verändern. Die Redaktion hat die Entwicklungen zusammengefasst:

Was plant Discovery mit Channel 5?
Während Discovery allein in den USA 14 Kanäle (darunter u.a. auch Oprah Winfreys OWN) und selbst in Deutschland mit DMAX und dem am 10. April startenden TLC zwei Sender betreibt, ist das Unternehmen bisher nicht auf dem britischen Free-TV-Markt präsent. So werden die Reality-TV-Formate von Discovery bisher nur von Satelliten-und Kabelanbietern wie Sky oder Virgin Media vertrieben. Damit kann der Konzern bisher nur rund die Hälfte der britischen Zuschauer erreichen. Dennoch ist Großbritannien der wichtigste Auslandsmarkt für Discovery, dessen britische Belegschaft sich in den letzen zwei Jahren auf 1200 Mitarbeiter verdoppelt hat.
Um seine Chancen im Bieterwettstreit zu erhöhen und andere Interessenten wie Viacom und Scripps Network Interactive auszustechen, hat der Konzern sein Angebot gemeinsam mit BskyB abgegeben, das zu rund 40 Prozent von 21st Century Fox kontolliert wird. Eigentlich gelten Discovery-Besitzer John Malone und Fox-Chef Rupert Murdoch als Intimfeinde, doch die Freundschaft von Discovery-CEO David Zaslav mit Murdochs Söhnen James und Lachlan hat die Kooperation möglich gemacht. Der Noch-Besitzer von Channel 5, Richard Desmond, hat die Summe von 700 Millionen Pfund als Verkaufspreis ausgerufen.

Welche Rolle spielen Premier League-Fußballrechte?
Ebenfalls in Partnerschaft mit BskyB (oder alternativ Virgin Media) ist Discovery offenbar am Kauf der Premier League-Rechte für die nächsten drei Jahre interessiert. Damit könnte das Unternehmen die Attraktivität der Eurosport-Sendergruppe signifikant erhöhen. Schon jetzt erreicht Eurosport in Europa mehr Zuschauer als ESPN in den USA. BskyB ist auf Discovery als Partner beim Bieterwettstreit angewiesen, um seinen größten Konkurrenten, den Telekommunikationskonzern BT, auszustechen, der im November 2013 für knapp 900 Millionen Pfund die Rechte an der Champions League erwarb. Eurosport, das bereits jetzt Übertragungsrechte an allen relevanten Events der Bereiche Tennis, Radsport und Wintersport hält, will durch die Rechte an Premier League-Fußball seine führende Marktstellung weiter ausbauen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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