17. Facebook, Inc.

Umsatz 2014: $ 12,466 Mrd. (€ 9,384 Mrd.)

Überblick

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Facebook, Inc. ist mit 2,8 Milliarden monatlich aktiven Nutzern (über alle Facebook-Angebote hinweg, Stand: Oktober 2019) die größte Social Networking-Plattform der Welt. 2,8 Milliarden: Wenn man die Gesamtbevölkerungen von China und Indien addiert, kommt man auf eine ähnliche Zahl. 2004 von Harvard-Student Marc Zuckerberg gegründet und 2012 an die Börse gebracht, hat sich Facebook neben Google zum größten und mächtigsten Online- und Wissenskonzern der Welt entwickelt. Längst ist Facebook mehr als ein Tool um Fotos hochzuladen, Status-Updates zu versenden oder mit Freunden zu chatten. Der Konzern kontrolliert nach einer rasanten Expansion zahlreiche weitere Kommunikationskanäle, hat massiv in Virtual Reality-Technologie investiert und die Art und Weise revolutioniert, wie Medieninhalte über das Internet konsumiert werden.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1601 Willow Road
Menlo Park, California 94025
USA
Telefon: 001 650 5434800
Internet: investor.fb.com

Branchen: soziale Netzwerke, Messenger-Dienste
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 2004

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
20182017201620152014
Umsatz (in Mio. $)55.83840.65327.63817.92812.466
Gewinn (in Mio. $)22.11215.93410.2173.6882.940
Aktienkurs (Jahresende)131,09177,92115,04104,6678,02
Mitarbeiter35.58725.10517.04812.6919.199

Geschäftsführung

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Management:

  • Mark Zuckerberg, Founder, Chairman & Chief Executive Officer
  • Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer
  • Dave Wehner, Chief Financial Officer
  • Mike Schroepfer, Chief Technology Officer

 
Board of Directors:

  • Marc Zuckerberg, Facebook
  • Sheryl Sandberg, Facebook
  • Peggy Alford, PayPal Holdings
  • Marc L. Andreessen, Andreessen Horowitz
  • Kennetz Chenault, General Catalyst
  • Susan D. Desmond-Hellmann, Bill & Melinda Gates Foundation
  • Peter A. Thiel, Founders Fund
  • Jeffrey Zients, The Cranemere Group

Geschichte

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Die Geschichte von Facebook begann im Sommer 2004. Mark Zuckerberg, damals noch Student der renommierten Harvard-Universität, verschaffte sich Zugriff auf den Uni-Server und gelangte so an Tausende von Fotos von Studenten, die er auf einer Homepage namens „Facemash“ postete. Das Konzept von Facemash bestand darin, die Personen auf den Bildern nach dem Attraktivitätsgrad zu bewerten. In nur wenigen Stunden verzeichnete die Seite rund 500 Besucher, die zusammen mehr als 20.000 Fotos betrachteten. Zwar flog der Datendiebstahl schnell auf und Zuckerberg musste sich bei seinen Kommilitonen entschuldigen, doch sein Experiment zeigte, wieviel Potential in einem solchen Online-Studentenverzeichnis steckte. Im Februar 2004 ging der Prototyp namens Thefacebook.com exklusiv für Harvard-Studenten online. Es dauerte weniger als zwei Wochen, bis zwei Drittel der Studentenschaft registriert waren. Zuckerberg engagierte seine Zimmernachbarn Dustin Moskovitz und Chris Hughes, die ihm halfen, weitere Anwendungen und Funktionen für die Seite zu entwickeln. Nach und nach erhielten weitere Hochschulen ihr eigenes Facebook-Netzwerk. Zunächst ging es in die Universitätsstädte Stanford und Yale; drei Monate danach verfügten bereits 30 Universitäten über eine Facebook-Community.

Sean Parker, Mitbegründer der Musiktauschbörse Napster, vermittelte den Kontakt zu Peter Thiel, dem Präsident von Clarium Capital, der als erster Investor 500.000 US-Dollar an Risikokapital investierte. Das dreiköpfige Facebook Team entschied sich dafür, wie ihr Vorbild Bill Gates erst einmal Abstand vom Universitätsalltag zu nehmen, um sich auf die weitere Entwicklung ihrer Social-Networking-Seite zu konzentrieren. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Im November 2004 registrierte sich der millionste User bei Facebook. Im Mai 2005 erhielt das junge Unternehmen eine weitere Finanzspritze in Höhe von 13 Millionen US-Dollar von der Risikokapitalfirma Accel Partners. Zuckerberg stellte weitere Internet-Ingenieure ein, darunter Steve Chen, der später mit dem Videoportal YouTube für Furore sorgte. Ende 2005 waren fünf Millionen Benutzer bei Facebook angemeldet. Die Zahl stieg weiter, als die Seite auch für Highschool-Schüler geöffnet wurde und eine Foto-Funktion integriert wurde.

Im September 2006 fielen sämtliche Zugangsbarrieren. Diese Entwicklung führte zwar zu einem weiteren Mitgliederanstieg, wurde jedoch von den alteingesessenen, studentischen Usern mit Skepsis und Unverständnis aufgenommen. Zu einem ersten Aufstand in der Community kam es, als neue Features namens „News Feed“ und „Mini Feed“ den Profilen der Facebook Nutzer hinzugefügt wurden. Auf einmal erschienen auf jedem Benutzerprofil in Form kurzer News alle Facebook-internen Aktivitäten und Änderungen von Freunden und Bekannten. Der Ärger der User war derart groß, dass sich innerhalb kurzer Zeit 700.000 Leute der Benutzergruppe „Students Against Facebook News Feed“ anschlossen. Nachdem Zuckerberg über seinen Blog Fehler eingeräumt und versprochen hatte, die Privatsphäre künftig besser zu schützen, entspannte sich die Situation.

Die Anzahl registrierter Facebook-User stieg weiterhin an. Aber auch kritische Stimmen von Datenschützern wurden laut. Den Betreibern der Social Networking-Seite wurde ein verantwortungsloser Umgang mit persönlichen Informationen vorgeworfen. Medienberichte über Strafverfolgungen und Verhaftungen amerikanischer Teenager, die auf Facebook-Fotos mit Alkohol oder Drogen posierten, häuften sich. Hochschulen und Firmen verboten die Nutzung von Facebook, da Studenten und Mitarbeiter davon abgelenkt würden und weil Gruppen gegründet worden waren, die Lehrer oder Vorgesetzte diffamierten. Jetzt kritisierte man Facebook insichtlich Datenschutz, Missachtung der Privatsphäre und Zensur.

Im November 2007 testete Zuckerberg die Grenzen der User-Toleranz in Sachen Marketing und Privatssphäre weiter aus. Zuckerberg präsentierte auf einer Pressekonferenz ein neues Feature namens Beacon (zu deutsch etwa „Signallicht“). Dieses Marketingtool informierte die Freunde eines Benutzers, sobald dieser über seine Facebook-Seite ein Produkt eines Herstellers kaufte, der eine Partnerschaft mit Facebook abgeschlossen hatte. Unmittelbar nach dem Start von Beacon kam es zu einem Aufschrei, unter Facebook-Nutzern und Datenschützern. Die Anti-Beacon-Bewegung, an dessen Spitze die demokratische Bewegung MoveOn.org stand, kritisierte vor allem, dass das Anzeigenprogramm ohne Zustimmung der Benutzer gestartet worden war. Zwei Wochen nach dem Start erschien eine modifizierte Version. Grund dafür waren wohl weniger die Proteste von Nichtregierungsorganisationen, sondern die Unruhe, die durch die negative Publicity auf Seiten der Beacon-Partnerfirmen entstanden war. Den wachsenden Stellenwert Facebooks in der Gesellschaft symbolisierte auch der 2010 erschienene Film „The Social Network“ (Regie: David Fincher), ein Hollywood-Porträt des Unternehmensgründers Zuckerberg.

2012 erfolgte dann der Börsengang, der zunächst mit technischen Schwierigkeiten verbunden war und wegen Unregelmäßigkeiten von der Aufsichtsbehörde SEC untersucht wurde. Insbesondere weil Facebook zunächst keinen effektiven Weg fand, die wachsende mobile Nutzung seiner Dienste zu monetarisieren, schwankte der Aktienkurse bedenklich. Schon im September 2012 hatte man das konkurrierende soziale Netzwerk Instagram für 737 Millionen Dollar gekauft, doch mit der Entwicklung des Android-Interface Facebook Home und vor allem nach der spektakulären, 19-Milliarden Dollar schweren Übernahme des Messaging-Dienstes Whatsapp (im Februar 2014) konnte Facebook seinen Einfluss auf die Smartphone-Bildschirme ausweiten. In den Markt für Unterhaltungselektronik stieg Facebook mit dem Kauf des Virtual Reality-Technologieunternehmen Oculus ein. Die Oculus Rift-VR-Brille, die 2016 auf den Markt kam, richtet sich in erster Linie an PC-Gamer, könnte aber langfristig in das Facebook-Network integriert werden und die Art und Weise revolutionen, wie Freunde im sozialen Netzwerk kommunizieren. 

Im Mai 2016 wurde im US-Kongress erstmals über die wachsende Meinungsmacht von Facebook diskutiert. Grund dafür war ein Bericht im Technologie-Blog Gizmodo, demzufolge der Konzern systematisch Nachrichten und Meinungsartikel zensiert und aus dem einflussreichen News Feed entfernt haben soll, die eine „konservative Haltung“ vertraten. Nicht auf Popularität basierende Algorithmen bestimmten, was auf die "Titelseite" der User gelangte, sondern - wie in einer traditionellen Zeitungsredaktion - politische Präferenzen der zuständigen Facebook-Mitarbeiter. Artikel, die nicht von den etablierten Mainstream-Medien stammten, sollen schlicht ignoriert worden sein. Bestimmte Themen wiederum wurden aus politischen Gründen angeblich aktiv in den News Feed eingebracht. Die Black Lives Matter-Bewegung, für die sich im Gegensatz zu Twitter-Nutzern auf Facebook vergleichsweise wenig User zu interessieren schienen, soll auf Anweisung von Zuckerberg persönlich zu einem trending Thema auf Facebook gemacht worden sein.

Facebooks neuestes Feature, Live Video push, könnte das soziale Netzwerk langfristig in eine Art Online-TV-Sender transformieren. Schon jetzt bezahlt der Konzern Medien wie die New York Times oder Vox.com um Video-Content für Live Video push zu produzieren. Auch will das Unternehmen Prominente dafür bezahlen, die Video App zu benutzen. Ähnlich wie Instant Articles könnte Facebook so zu ersten Adresse für das Streamen von Videos avancieren. CEO Zuckerberg hat Berichten zufolge Videostreaming zur obersten Priorität gemacht, auch um den Live-Video-Offensiven von Twitter und Snapchat Konkurrenz zu machen.

Bei seinem Vorhaben, die nächste Milliarde Facebook-User in Entwicklungs- und Schwellenländern zu rekrutieren, musste der Konzern 2016 eine Niederlage einstecken. Die indische Regierung lehnte es ab, Facebooks Free Basics-Dienst (zuvor Internet.org) zu genehmigen. Das offizielle Ziel war, die verbliebenen zwei Drittel der Weltbevölkerung ohne Internetanschluss mit dem Internet zu verbinden. Kritiker warfen der Kampagne vor, nur ein als Charity getarnter, neokolonionaler, gegen Netzneutralitätsprinzipien verstoßender Plan zu sein, an die lukrativen persönlichen Daten von Millionen neuer Nutzer zu kommen.

Management

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Facebook-Gründer Marc Zuckerberg wuchs im Großraum New York auf und begann schon in Alter von elf Jahren, sich mit Codes und Programmiersprachen zu beschäftigen. Sein erstes bedeutendes Projekt war eine Computerversion des Brettspiels „Risiko“, das der Studienabbrecher mit Latein- und Altgriechischkenntnissen zur Zeit des Römischen Reiches ansiedelte. Der wegen der Kombination aus Erfolg und Nerd-Image oft als „the next Bill Gates“ titulierte Zuckerberg wurde im Jahr 2007 durch massive Medienpräsenz zum bekanntesten Gesicht unter den Web 2.0-Machern. Er hält 28 Prozent von Facebook und verfügt über ein Gesamtvermögen von 81 Milliarden Dollar.

Die ehemalige Google-Managerin Sheryl Sandberg leitet bei Facebook seit 2008 das operative Tagesgeschäft (COO). Sie ist für die Werbestrategie, Personalentscheidungen und Lobbying zuständig. Während Zuckerberg sich um die technische Seite und die Außendarstellung des Unternehmens kümmerte, war es Sheryl Sandberg, die Facebook in ein milliardenschweres Geschäft verwandelte. Mit ihren Facebook-Anteilen ist Sandberg eine der wenigen Milliardärinnen im Silicon Valley.

Geschäftsbereiche

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Facebook app
Das social network erreichte im dritten Quartel 2019 rund 2,45 Milliarden User, die sich monatlich auf Handys und PCs einloggten, um laut Facebook-Jahresbericht 2018 sich zu verbinden, etwas zu teilen und zu entdecken, um miteinander zu kommunizieren (to connect, share, discover, and communicate with each other). Ein Kernbereich ist hier der News Feed, der den Nutzern individualisierte und auf Algorithmen basierte Artikel und Werbung präsentiert. Der Anzeigenbereich von Facebook nennt sich Facebook Ads, ein System, dass es Unternehmen ermöglicht, auf Facebook zu werben und die gewünschte Zielgruppe zu erreichen. Facebook Ads besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: Facebook Pages erlaubt es Unternehmen und werbenden Künstlern, ein Profil zu erstellen, genau wie es Studenten oder andere Personen tun. Facebook Social Ads ist ein Programm, dass es Werbekunden unter der Berücksichtigung der sozialen Aktivitäten des Facebook-Freundeskreises, ermöglicht, individuell zugeschnittene Anzeigen auf Benutzerprofilen zu schalten.

Instagram
Auch dank Instagram wählte das Oxford English Dictionary „Selfie" 2013 zum Wort des Jahres. Das von Kevin Systrom und Mike Krieger entwickelte soziale Netzwerk, das vor allem für das Teilen von Fotos und kurzen Videos genutzt wird, hat mittlerweile rund eine Milliarde aktiver Nutzer (Stand: Juni 2018).

Messenger
Facebook Messenger ist eine Messaging-Anwendung, um Texte, Bilder, Musik und Videos zu versenden, auch Sprach- und Videotelefonie sind möglich. Ursprünglich 2008 als Facebook Chat veröffentlicht, war der Facebook Messenger zwischen 2011 und 2019 die am zweithäufigsten geladene mobile app mit 1,2 Milliarden Usern im April 2017.

WhatsApp
Der freeware Messaging- und Telefonie-Dienst, seit 2015 „the world’s most popular messaging application“, wird weltweit von 1,5 Milliarden Menschen genutzt (Stand: Februar 2018).

Außerdem: Die im Bereich Virtual Reality aktive Facebook-Tochter Oculus (2012 gegründet, 2014 für 2,3 Mrd. $ gekauft), die VR-Headsets, Apps und Spiele entwickelt und verkauft; die B2B-Plattform Workplace für betriebsinterne Kommunikation; unter der Marke Portal entwickelte „video-calling devices“ und Calibra: die mit der Entwicklung und Markteinführung (voraussichtlich 2020) von Finanzdienstleistungen beauftragte Tochtergesellschaft. Hier im Mittelpunkt die datenschutzrechtlich umstrittene „private Komplementärwährung“ Libra.

Engagement in Deutschland und Europa

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Seit März 2008 gibt es Facebook in deutscher Sprache, im März 2019 wurden für Deutschland die folgenden Nutzerzahlen veröffentlicht: 32 Millionen Facebook Nutzer gab es pro Monat, davon 91% mobil. Martin Ott, der seit 2012 das Nordeuropageschäft, dass auch Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst, von Hamburg aus geleitet hatte, trat im Sommer 2019 von seinem Direktorenposten zurück. Nachfolger als Deutschlandchef: der 1979 geborene Jenaer und Marathonläufer Tino Krause, zuvor Leiter der größten deutschen Mediaagentur Mediacom. Die Situation, die der neue Mann vorfindet, ist schwierig, die Nutzerzahlen stagnieren.

Aktuelle Entwicklungen

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Ist Facebook zu groß? Die fantastische Zahl von 2,8 Milliarden Usern, mehr als alle Inder und Chinesen zusammen, haben wir schon erwähnt. Aber es sind auch mehr als die 2,28 Milliarden Christen und mehr als die 1,75 Milliarden Muslime (Zahlen aus einer Studie des Pew Research Centers). Der Religions- bzw. Sektenvergleich ist nicht neu, ist auch offensichtlich, wenn Facebook etwa mit dem Slogan wirbt: „Facebook – Eine offene und vernetzte Welt.“ Ein Heilsversprechen für das 21. Jahrhundert, das nicht weniger als eine bessere Zukunft für die gesamte Menschheit verspricht. Ermöglicht durch die freie Kommunikation für alle überall.

Wie auch andere soziale Netzwerke, totalitäre Staaten und Religionen versucht Facebook, seine Mitglieder komplett zu vereinnahmen. Mit allen Spielarten der Kommunikation ging es los. Übernimmt Facebook mit seiner Kryptowährung „Libra“ jetzt auch das Geld? Begibt sich Facebook mit seinem für 2021 angekündigten Flirtportal „Facebook Dating” auch noch „auf Neuland in Sachen Liebe“ und verdrängt den aktuellen Partnerbörsen-Marktführer Tinder? Für viele war Facebook zu Beginn ein Ausdruck der Freiheit, die im Internet vorgeblich herrscht. Doch darf man nicht vergessen: Das soziale Netzwerk ist zunächst ein autoritär geführtes, renditeorientiertes Unternehmen. Die Freiheit dort ist eine Freiheit in engen Grenzen, abhängig vom Gutdünken von Management und Anteilseignern einer amerikanischen Firma. Der es am Ende nicht um ihre Nutzer geht, sondern um Profit.

Die Kritik an Facebook betrifft lückenhaften Datenschutz, Missbrauch der Marktstellung, Falschnachrichten und Propaganda. Besonders nach der US-Wahl 2016 gab es für Facebook viel Gegenwind, als man dem Konzern vorwarf, den Wahlkampf im Sinne von Trump beeinflusst zu haben. Schon 2015 wurde Facebooks zunehmende Bedeutung als Nachrichtenkanal durch das Reuters Institute in Oxford belegt. Demnach bezogen 23% von 1.969 deutschlandweit Befragten aller Altersgruppen ihre Nachrichten über ihre Facebook-Timeline. In den USA lag der entsprechende Wert bei 41 % von 23.557 Befragten. Dann hieß es von Facebook, ab Herbst 2019 wolle man Redakteure anstellen für eine eigene News-Rubrik. Es solle also keine automatische Nachrichten-Selektion mehr geben, sondern „weniger als zehn journalistische Veteranen“ (laut New York Times), die die Artikel für Facebook auswählen. Und Mark Zuckerberg, der Facebook-Guru, würde als Chefredakteur mitbestimmen, welche Nachrichten weit mehr als zwei Milliarden Menschen lesen. Soviel zum Thema „Facebooks Wandel vom reinen Technologie-Unternehmen zum Medienkonzern“.

Eine andere, dunkle Seite kam 2018 mit dem Dokumentarfilm „The Cleaners“ ans Licht. Irgendwo in Manila bewerten sogenannte Cleaner Fotos und Videos auf Facebook, und ob sie gegen Community-Regeln verstoßen. Sie überprüfen und reinigen „Ausgeburten menschlicher Abgründe“. Zitat Timothy Garton Ash über Facebook: „Die größte Kloake der Menschheitsgeschichte“. Aus diesen Gründen und nach diesen Vorfällen sehen viele Facebook heute in einem negativen Licht. „Facebook Is Terrible Not Because It's Evil, But Because It's Terrible”, titelte Forbes im Januar 2018.

Ist Facebook also zu groß? Zunehmend gibt es Stimmen, die eine Zerschlagung des Tech-Giganten fordern. Roger McNamee, langjähriger Zuckerberg-Förderer, war im März 2019 der erste, Facebook-Mitgründer Chris Hughes zog im Mai nach (man müsse sich von Instagram und Whatsapp trennen), auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren sprach sich für eine Entflechtung aus.

Der ehemalige Obama-Berater Tim Wu widersprach Zuckerberg („nur Unternehmen von der Größe Facebooks können ausreichend in den Schutz gegen böswillige Akteure investieren“). Wu sagte: „Meiner Meinung nach weiß jeder, der Systeme studiert, dass zentralisierte Systeme gefährlich sind. Denn sie stellen ein großes, riesiges Ziel dar.“ Genau das sei bei den US-Wahlen 2016 passiert. „Was hätte Putin vor 20 Jahren in den Zeiten eines chaotischeren Internets getan? Hätte er ein paar Anzeigen auf Craigslist oder so geschaltet, um zu versuchen, Stimmen zu manipulieren?“

Es ist nach wie vor eine ziemliche Vertrauenskrise, mit der Facebook wegen seiner langen Serie von Datenskandalen zu kämpfen hat. Im Januar 2019 las man von der „Entschuldigungs-Tour in Europa“, auf der Facebook-Topmanagerin Sheryl Sandberg auch in der Alten Kongresshalle in München auftrat, im Rahmen der Digitalkonferenz DLD. „Wir sind nicht dasselbe Unternehmen, das wir im Jahr 2016 waren oder auch nur vor einem Jahr“, so Sandberg. „Wir wissen, dass wir besser darin werden müssen, sicherzustellen, dass wir die Risiken voraussehen, die damit einhergehen, so viele Menschen zu verbinden.“ Das Handelsblatt vom 20.01.2019 schließt seinen Artikel mit: „Nach dem schlimmsten Jahr seiner Unternehmensgeschichte, den Skandalen um Cambridge Analytica, Hasskommentare, Wahlmanipulation und Datenlecks kämpfen das Netzwerk und seine Co-Chefin um die Gunst von Nutzern, Werbekunden und Politik.“ Dann der am 29.1.2020 veröffentlichte Quartalsbericht: Der ganzen Negativ-PR zum Trotz wuchs Facebook weiter und setzte im vierten Quartal 2019 21 Milliarden Dollar um. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum bedeutete das einen Anstieg von nicht weniger als 25 Prozent.

Literatur

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  • Bond, Robert M./Fariss,  Christopher J./Jones,  Jason J./Kramer,  Adam D. I./Marlow,  Cameron/Settle,  Jaime E./Fowler, James H. (2012): A 61-Million-Person Experiment in Social Influence and Political Mobilization. In: Nature 489, S. 295-298. DOI 10.1038/nature11421
  • Ellison, Nicole B./Steinfield, Charles (2007): The Benefits of Facebook “Friends”. Social Capital and College Students’ Use of Online Social Network Sites. In: Journal of Computer-Mediated Communication, 12 Jg., Nr. 4, S. 1143–1168. DOI 10.1111/j.1083-6101.2007.00367.x
  • Mezrich, Ben (2009): The Accidental Billionaires. Sex, Money, Betrayal and the Founding of Facebook. London: William Heinemann. 
  • Valenzuela, Sebastián/Park, Namsu/Kee, Kerk F. (2009): Is There Social Capital in a Social Network Site? Facebook Use and College Students' Life Satisfaction, Trust, and Participation. In: In: Journal of Computer-Mediated Communication, 14 Jg., Nr. 4, S. 875-901. DOI 10.1111/j.1083-6101.2009.01474.x