4. Electronic Arts
Umsatz 2009: $ 4,212 Mrd. (€ 3,020 Mrd.)
Überblick
Electronic Arts ist seit der Fusion von Activision und Vivendi Games der zweitgrößte Gamepublisher der Welt. Zuvor war EA (so die Kurzform) jahrelang der umsatzstärkste Produzent und Verleger von Videospielen. Das in Kalifornien ansässige Unternehmen hat sich vor allem auf Sportspiele (EA Sports) und Simulationen ("Die Sims") spezialisiert.
Basisdaten
Hauptsitz:
Electronic Arts
209 Redwood Shores Parkway,
Redwood City, CA 94065
Tel.: 001 (650) 628-1500
www.ea.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04.-31.03
Gründungsjahr: 1982
2009 | 2008 | 2007 | 2006 | |
Umsatz | 4,212 | 3,665 | 3,091 | 2951 |
Gewinn* | 339** | 76 | 236 | |
Beschäftigte | 9,000 | 7,900 | 7200 |
*Income before minority interest**Bereinigter Gewinn: diverse Übernahmen führten zu einem de facto Verlust von 454 Millionen US-Dollar.
Geschäftsführung
Management:
- John Riccitiello, Chief Executive Officer
- Stephen G. Bene, Senior Vice President, General Counsel & Corporate Secretary
- Eric Brown, Executive Vice President & Chief Financial Officer
- Frank Gibeau, President EA Games Label
- Peter Moore, President EA Sports
- Gabrielle Toledano, Executive Vice President of Human Resources
- Joel Linzner, Executive Vice President, Business and Legal Affairs
- Ken Barke, Senior Vice President & Chief Accounting Officer
- Rod Humble, Executive Vice President
- John Schappert, Chief Operating Officer
Aufsichtsrat:
- John Riccitiello, Director
- Leonard S. Coleman, Director
- Jeff Huber, Director
- Geraldyne Laybourne, Director
- Gary M. Kusin, Director
- Gregory B. Maffei, Director
- Vivek Paul, Director
- Lawrence F. Probst, Chairman of the Board
- Richard. A. Simonson, Director
- Linda J. Srere, Director
Geschichte und Profil
1982 gründete William „Trip“ Hawkins III die Unterhaltungselektronik-Firma Amazin’ Software, die ein Jahr später in Electronic Arts umbenannt wurde. Anfang der 1980er Jahre entwickelte EA vor allem Spiele für die Heimcomputer von Apple, Atari, Amiga und Commodore. Der erste große Erfolg war dabei der Shooter „Skyfox“, der 1984 erschien und erfolgreich mittels eines eigens eingerichteten Vertriebsnetzes verkauft wurde. Jenes Vertriebsnetz war so ausgeprägt, dass es seit 1985 auch von anderen Softwareherstellern in Anspruch genommen wurde.
1987 landete EA mit „Chuck Yeager’s Advanced Flight Trainer“ für den PC einen weiteren Verkaufshit. Das Spiel warb mit dem lizenzierten Namen von Chuck Yeager, dem ersten US-Piloten, der in einem Jet die Schallmauer durchbrach. Um der wachsenden Nachfrage nach Computerspielen außerhalb der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, eröffnete EA 1987 eine erste europäische Niederlassung in London.
1989 debütierte die EA-Aktie an der NASDAQ. Zwei Jahre später – Gründer Trip Hawkins hatte EA bereits verlassen, um die später gefloppte Konsole 3DO zu entwickeln - führte das Unternehmen die Marke „EA Sports“ für seine Sporttitel ein, die bis zum heutigen Tag wichtigstes Aushängeschild ist. Im selben Jahr lag der Konzernumsatz erstmals bei über 100 Millionen US-Dollar. Zu dieser Zeit produzierte EA auch Titel für 16-Bit-Konsolen wie dem Sega Mega Drive. 1993, nachdem EA die internationale Expansion mit Niederlassungen in Deutschland und Japan vorangetrieben hatte, folgte ein weiterer wichtiger strategischer Schachzug: Das Unternehmen erwarb die Lizenz des Weltfußballverbandes FIFA, die es EA ermöglichte, die jährlich erscheinende „FIFA Football“-Reihe zu etablieren. Als entscheidenden Vorteil gegenüber Konkurrenztiteln verfügt das Spiel aufgrund der erst 2014 auslaufenden Lizenz über die originalen Spieler- und Mannschaftsnamen.
1994, zu Beginn der Einführung der Spielekonsolen der fünften Generation (Sony Playstation, Sega Saturn, Nintendo 64), war Electronic Arts bereits der führende Publisher auf dem Videospielmarkt. Die Einführung von Playstation 2 und Xbox änderte nichts an EAs dominierender Stellung. Zum Jahrtausendwechsel erwirtschaftete das Unternehmen bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar. Zudem wurde 2002 mit der Lebenssimulation „Die Sims“ das bis dato erfolgreichste Computerspiel aller Zeiten veröffentlicht (37 Millionen verkaufte Exemplare).
Management
Seit 1997 ist John Riccitiello mit einer kurzen Unterbrechung CEO von Electronic Arts. Riccitiello hat keinen Videospiel-, bzw. IT-Hintergrund. Auf seinen Karrierestationen zuvor managte er Chemieprodukte (The Clorox Company), Softdrinks (PepsiCo.), Speiseeis (Haägen-Dasz) und Sportartikel (Wilson Sport). Von 2004 bis 2007 nahm sich Riccitiello eine kurze Auszeit bei EA, um die Private Equity Firma Elevation Partners zu gründen, die vor allem in Medien- und Unterhaltungsfirmen investiert.
Die Strategie von Riccitiello besteht darin, das Portfolio durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse, unter anderem mit Digital Illusions CE, Bioware und Take-Two (letztere Übernahme ist noch nicht abgeschlossen) zu vergrößern. Für 2008 hat er das Ziel ausgegeben, den Konzernumsatz auf 4,9 bis 5,15 Milliarden US-Dollar zu erhöhen und 55 weitere Spieltitel (verstärkt unter der Marke EA) zu veröffentlichen.
Trip Hawkins ist nicht mehr ins operative Tagesgeschäft involviert, bleibt jedoch im Aufsichtsrat vertreten. Für seine Leistungen in der Videospielindustrie wurde er 2005 in die Hall of Fame der Academy of Interactive and Sciences aufgenommen. Gegenwärtig konzentriert sich Hawkins auf seine neue Firma Digital Chocolate, die Spiele für Handhelds und Mobiltelefone entwickelt. Ein dunkler Fleck auf Hawkins Weste bleibt jedoch sein Engagement als Gründer des Konsolen- und Spieleherstellers 3DO, der im Jahr 2003 bankrott ging.
Geschäftsbereiche
Electronic Arts ist grob in zwei Geschäftsbereiche eingeteilt: Entwicklung (Spieldesign, Programmierung und Publishing (Finanzierung, Fertigung, Marketing, Lizenzerwerb und Vertrieb).
Im Bereich Entwicklung produziert EA Spiele für die Playstation 3, Xbox 360, PSP, Nintendo DS, Nintendo Wii, PC und Mobiltelefone.
Im Bereich Publishing wird auch mit externen Entwicklungsstudios zusammen gearbeitet, unter anderem mit Crytek (Deutschland), Kuju Entertainment (Großbritannien), Digital Illusions (Schweden) und Warner Brothers Interactive (USA).
Die wichtigsten Marken von Electronic Arts sind:
- EA (u.a. „Medal of Honour“ (Kooperation mit Sony und DreamWorks), „Die Sims“, „James Bond 007“, „Herr der Ringe“)
- EA Sports (u.a. FIFA-Reihe, “F1 Challenge”, “NBA Live”, “Madden NFL”, “NHL Hockey-Reihe”)
- EA Sports Big (u.a. “Street Homecourt”, “FIFA Street”)
- POGO (Online Minispiele)
- EA Trax (Kooperation mit Major-Musiklabels wie Elektra, Capitol, Atlantic, oder Interscope bei der Produktion von Soundtracks für die EA Sports-Titel. Die in den Spielen benutzten Songs können bei iTunes heruntergeladen werden.)
Engagement in Deutschland
Geschäftsführer von EA Deutschland mit Sitz in Köln ist seit Mai 2008 Dr. Olaf Coenen. Der promovierte Diplom-Betriebswirt begann seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Köln. 2001 ging er zu Lycos Europe, wo er dem CEO Christoph Mohn im Vorstand assistierte. Nach weiteren Zwischenstationen landete 2007 schließlich als Strategic Planning Manager in der europäischen Zentrale von Electronic Arts in Genf, ehe er für den deutschen und österreichischen Markt verantwortlich wurde.
Wichtigster Kooperationspartner für Electronic Arts im deutschsprachigen Raum ist das Spielentwicklungsunternehmen Crytek. Crytek gilt als größter Computerspielproduzent Deutschlands. EA verlegte Cryteks Ego-Shooter „Crysis“, dessen Vorgänger „Far Cry“ (vertrieben von Ubisoft) aufgrund der realistischen und physikalisch korrekten Darstellung der Reaktion von getöteten Gegnern in Deutschland indiziert wurde.