5. Electronic Arts
Umsatz 2010/2011: $ 3,589 Mrd. (€ 2,714 Mrd.)
Überblick
Electronic Arts ist einer der größten Game Publisher der Welt. Das in Kalifornien ansässige US-Unternehmen produziert Spiele in zehn Genres, insbesondere Simulationen („Die Sims“ u.a.) und Sports Games („FIFA World Cup 2010“ u.a.), aber auch Rollenspiele wie „Ultima Online“. Das Haus veröffentlicht seine zahlreichen Titel unter den bekannten Labelmarken EA Sports, EA Games, sowie unter EA Play.
Basisdaten
Hauptsitz:
Electronic Arts
209 Redwood Shores Parkway,
Redwood City, CA 94065
Tel.: 001 (650) 628-1500
www.ea.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04.-31.03.
Gründungsjahr: 1982
2010/11 | 2009/10 | 2008/09 | 2007/08 | 2006/07 | 2005/06 | |
Umsatz* | 3.589 | 3.654 | 4.212 | 3.665 | 3.091 | 2.951 |
Gewinn/Verlust** | 276 | -667 | -1.088 | -454 | 76 | 236 |
Beschäftigte | 7.645 | 8.000 | k.A. | 9.000 | 7.900 | 7.200 |
* Net Revenue
** Net Income (Loss)
Geschäftsführung
Management:
- John Riccitiello, Chief Executive Officer
- Stephen G. Bene, Senior Vice President, General Counsel & Corporate Secretary
- Eric Brown, Executive Vice President & Chief Financial Officer
- Frank Gibeau, President EA Games Label
- Peter Moore, President EA Sports
- Gabrielle Toledano, Executive Vice President of Human Resources
- Joel Linzner, Executive Vice President, Business and Legal Affairs
- Ken Barke, Senior Vice President & Chief Accounting Officer
- Rod Humble, Executive Vice President
- John Schappert, Chief Operating Officer
Aufsichtsrat:
- John Riccitiello, Director
- Leonard S. Coleman, Director
- Jeff Huber, Director
- Geraldyne Laybourne, Director
- Gary M. Kusin, Director
- Gregory B. Maffei, Director
- Vivek Paul, Director
- Lawrence F. Probst, Chairman of the Board
- Richard. A. Simonson, Director
- Linda J. Srere, Director
Geschichte und Profil
1982 gründete William „Trip“ Hawkins III die Unterhaltungselektronik-Firma Amazin’ Software, die ein Jahr später in Electronic Arts umbenannt wurde. Anfang der 1980er Jahre entwickelte EA vor allem Spiele für die Heimcomputer von Apple, Atari, Amiga und Commodore. Der erste große Erfolg war dabei der Shooter „Skyfox“, der 1984 erschien und erfolgreich mittels eines eigens eingerichteten Vertriebsnetzes verkauft wurde. Jenes Vertriebsnetz war so ausgeprägt, dass es seit 1985 auch von anderen Softwareherstellern in Anspruch genommen wurde.
1987 landete EA mit „Chuck Yeager’s Advanced Flight Trainer“ für den PC einen weiteren Verkaufshit. Das Spiel warb mit dem lizenzierten Namen von Chuck Yeager, dem ersten US-Piloten, der in einem Jet die Schallmauer durchbrach. Um der wachsenden Nachfrage nach Computerspielen außerhalb der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, eröffnete EA 1987 eine erste europäische Niederlassung in London.
1989 debütierte die EA-Aktie an der NASDAQ. Zwei Jahre später – Gründer Trip Hawkins hatte EA bereits verlassen, um die später gefloppte Konsole 3DO zu entwickeln - führte das Unternehmen die Marke „EA Sports“ für seine Sporttitel ein, die bis zum heutigen Tag wichtigstes Aushängeschild ist. Im selben Jahr lag der Konzernumsatz erstmals bei über 100 Millionen US-Dollar. Zu dieser Zeit produzierte EA auch Titel für 16-Bit-Konsolen wie dem Sega Mega Drive. 1993, nachdem EA die internationale Expansion mit Niederlassungen in Deutschland und Japan vorangetrieben hatte, folgte ein weiterer wichtiger strategischer Schachzug: Das Unternehmen erwarb die Lizenz des Weltfußballverbandes FIFA, die es EA ermöglichte, die jährlich erscheinende „FIFA Football“-Reihe zu etablieren. Als entscheidenden Vorteil gegenüber Konkurrenztiteln verfügt das Spiel aufgrund der erst 2014 auslaufenden Lizenz über die originalen Spieler- und Mannschaftsnamen.
1994, zu Beginn der Einführung der Spielekonsolen der fünften Generation (Sony Playstation, Sega Saturn, Nintendo 64), war Electronic Arts bereits der führende Publisher auf dem Videospielmarkt. Die Einführung von Playstation 2 und Xbox änderte nichts an EAs dominierender Stellung. Zum Jahrtausendwechsel erwirtschaftete das Unternehmen bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar.Die dominierende Marktstellung konnte der Publisher 2000 mit der Übernahme von Dream Works Interactive ,der Spiele-Tochter des gleichnamigen Hollywood-Studios von Steven Spielberg weiter ausbauen. Dream Works ist u.a. für die legendäre „Medal of Honor“-Reihe verantwortlich.
Zudem wurde 2002 mit der Lebenssimulation „Die Sims“ das bis dato erfolgreichste Computerspiel aller Zeiten veröffentlicht (37 Millionen verkaufte Exemplare). Anfang 2005 beteiligte sich EA mit rund 20 Prozent an dem global erfolgreichen französischen Spielentwickler Ubisoft. Bereits frühzeitig investierte man auch in den Onlinebereich, so übernahm man bereits 2005 den damals führenden Entwickler von Mobilfunkspielen Jamdat Mobile. Auch die Expansion nach Asien ließ nicht lange auf sich warten, 2007 erfolgte die Beteiligung an dem chinesischen „The9“-Studio und am südkoreanischen Entwickler „Neowiz“. Neben zahlreichen weiteren Übernahmen von Entwicklerstudios wie „Bio Ware“, „Pandemic“ und „Hands on Mobile“ übernahm Electronic Arts Ende 2009 die vor allem über Facebook aktive Social-Gaming-Plattform "Playfish". Ende 2010 vereinbarte EA einen exklusiven Deal mit Facebook: Zukünftig werden alle EA Social Games auf dem sozialen Netzwerk exklusiv über die Facebook-eigene Währung Facebook Credits abgerechnet. Ferner vertreibt das Unternehmen über 4.000 Spieletitel von Drittanbietern. Daneben betreibt das Unternehmen die Online-Spieleplatform pogo.com. Gleichzeitig unterhält EA auch noch den Game Channel auf dem AOL-Portal.
EA kündigte zudem an, keine Spiele mehr ohne Onlinekomponente zu veröffentlichen.Auch in der Independenttszene aquiriert EA verstärkt: Ende 2010 übernahm man für einen unbekannten Preis den Publisher Chillingo. Es folgte im Juli 2011 der 1,3 Milliarden schwere Kauf des Entwicklerstudios PopCap (u.a. Hersteller der Spiele "Plants vs. Zombies" und "Bejeweled").
EA will seine Social-Games-Sparte weiter ausbauen und hat im Dezember 2011 angekündigt, dafür den Social-Games-Entwickler KlickNation zu kaufen. Dieser soll an das „BioWare“-Entwicklerteam aus San Francisco angegliedert werden, um zukünftig gemeinsam Rollenspiele für Social-Games-Plattformen zu entwickeln.
In die Online-Strategie EA`s passt auch, dass in 2012 ein Multiplayer-Modus für das Rollenspiel "Dragon Age" geplant ist und eine Ego-Shooter-Umsetzung mit Livekomponente für den dritten Teil der Dead-Space-Serie erscheinen soll.
Grundlage von EA`s Geschäftserfolg sind jedoch schon immer die wertvollen Lizenzen gewesen, seien es die der globalen Sportverbände oder die von Hollywood-Studios wie Dream Works oder Warner Brothers („Harry Potter“). 20% des Umsatzes stammen nach Konzernangaben aber inzwischen aus dem Digitalsektor.
Management
Seit 1997 ist John Riccitiello mit einer kurzen Unterbrechung CEO von Electronic Arts. Riccitiello hat keinen Videospiel-, bzw. IT-Hintergrund. Auf seinen Karrierestationen zuvor managte er Chemieprodukte (The Clorox Company), Softdrinks (PepsiCo.), Speiseeis (Haägen-Dasz) und Sportartikel (Wilson Sport). Von 2004 bis 2007 nahm sich Riccitiello eine kurze Auszeit bei EA, um die Private Equity Firma Elevation Partners zu gründen, die vor allem in Medien- und Unterhaltungsfirmen investiert.
Die Strategie von Riccitiello besteht darin, das Portfolio durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse, unter anderem mit Digital Illusions CE, Bioware und Take-Two (letztere Übernahme ist noch nicht abgeschlossen) zu vergrößern. Für 2008 hat er das Ziel ausgegeben, den Konzernumsatz auf 4,9 bis 5,15 Milliarden US-Dollar zu erhöhen und 55 weitere Spieltitel (verstärkt unter der Marke EA) zu veröffentlichen.
Trip Hawkins ist nicht mehr ins operative Tagesgeschäft involviert, bleibt jedoch im Aufsichtsrat vertreten. Für seine Leistungen in der Videospielindustrie wurde er 2005 in die Hall of Fame der Academy of Interactive and Sciences aufgenommen. Gegenwärtig konzentriert sich Hawkins auf seine neue Firma Digital Chocolate, die Spiele für Handhelds und Mobiltelefone entwickelt. Ein dunkler Fleck auf Hawkins Weste bleibt jedoch sein Engagement als Gründer des Konsolen- und Spieleherstellers 3DO, der im Jahr 2003 bankrott ging.
Geschäftsbereiche
Electronic Arts ist grob in zwei Geschäftsbereiche eingeteilt: Entwicklung (Spieldesign, Programmierung und Publishing (Finanzierung, Fertigung, Marketing, Lizenzerwerb und Vertrieb).
Im Bereich Entwicklung produziert EA Spiele für die Playstation 3, Xbox 360, PSP, Nintendo DS, Nintendo Wii, PC und Mobiltelefone.
Im Bereich Publishing wird auch mit externen Entwicklungsstudios zusammen gearbeitet, unter anderem mit Crytek (Deutschland), Kuju Entertainment (Großbritannien), Digital Illusions (Schweden) und Warner Brothers Interactive (USA).
Die wichtigsten Marken von Electronic Arts sind:
- EA (u.a. „James Bond 007“ und „Herr der Ringe“)
- EA Sports (u.a. FIFA-Reihe, “F1 Challenge”, “NBA Live”, “Madden NFL”, “NHL Hockey-Reihe”)
- EA Sports Big (u.a. “Street Homecourt”, “FIFA Street”)
- POGO (Online Minispiele)
- EA Trax (Kooperation mit Major-Musiklabels wie Elektra, Capitol, Atlantic, oder Interscope bei der Produktion von Soundtracks für die EA Sports-Titel. Die in den Spielen benutzten Songs können bei iTunes heruntergeladen werden.)
- EA Games (u.a. "Need for Speed", "Battlefield", "Mass Effect", and "Medal of Honor")
- EA Play (u.a."The Sims Studio", "MySims", "EA's Hasbro", "Maxis" and "Casual Studios")
- Bioware (u.a. "The Dragon Age", "Warhammer Online")
- EA Easy ("Free 2 Play Sparte")
Engagement in Deutschland
Geschäftsführer von EA Deutschland mit Sitz in Köln ist seit Mai 2008 Dr. Olaf Coenen. Der promovierte Diplom-Betriebswirt begann seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Köln. 2001 ging er zu Lycos Europe, wo er dem CEO Christoph Mohn im Vorstand assistierte. Nach weiteren Zwischenstationen landete 2007 schließlich als Strategic Planning Manager in der europäischen Zentrale von Electronic Arts in Genf, ehe er für den deutschen und österreichischen Markt verantwortlich wurde.
Wichtigster Kooperationspartner für Electronic Arts im deutschsprachigen Raum ist das Spielentwicklungsunternehmen Crytek. Crytek gilt als größter Computerspielproduzent Deutschlands. EA verlegte Cryteks Ego-Shooter „Crysis“, dessen Vorgänger „Far Cry“ (vertrieben von Ubisoft) aufgrund der realistischen und physikalisch korrekten Darstellung der Reaktion von getöteten Gegnern in Deutschland indiziert wurde. Beim "Deutschen Entwicklerpreis" 2011 war Crytek der große Gewinner: Crytek war mit fünf Auszeichnungen für „Crysis 2” (u.a. „Bestes Deutsches Spiel" und "Beste Grafik“) der Gewinner der Veranstaltung. Zudem wurde Cryteks Spieleenginge „cryengine3“ als „Beste Gamestechnologie“ ausgezeichnet.
Wie sehr die Grenzen zwischen klassischen Spiele-Anbietern und Onlinepublishern inzwischen verschmelzen, verdeutlicht die im Februar 2011 bekannt gegebene Kooperation zwischen EA und dem aus Hamburg stammenden internationalen Browsergame-Anbieter Bigpoint. Von EA als "Free4play" produzierte Spiele sollen künfitg auch über die reichweitenstarke Plattform und die zahlreichen Kooperationspartner des mit 177 Millionen registrierten Nutzern überaus erfolgreichen deutschen Unternehmens publiziert werden.
Für negative Schlagzeilen sorgte EA im Zusammenhang mit der im Juli 2011 gestarteten Online-Vertriebsplattform "Origin". Die Vorwürfe lauteten, dass Origin wie eine Spyware arbeite und Verzeichnisse auf den PCs der Spieler auslesen könne. Dies ginge soweit, dass sämtliche installierten EA-Spiele auf gültige Lizenzen überprüft würden. In Zusammenarbeit mit externen Fachleuten konnte EA diese Vorwürfe inzwischen zwar weitestgehend zurückweisen, dennoch bleibt die unzureichende Informationspolitik des Publishers im Raum, die sogar zu einer Abmahnung durch die Verbraucherzentrale NRW (EA hat in Köln seinen Deutschlandsitz) führte. Sollte EA nicht eine entsprechende Unterlassungserklärung unterschreiben, die u.a. die ausdrücklichen Einwilligung der Nutzerinnen und Nutzer bei der Erstellung von Nutzungsprofilen beinhaltet, droht dem Unternehmen ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro.
Im Zusammenhang mit den neuen Online-Komponenten droht EA weiterer Ärger: So beschwerten sich viele Kunden über abgelaufene Onlinepass-Codes, die für Neukäufer notwendig sind, um bestimmte Features eines Spiels einmalig freizuschalten.
Aktuelle Entwicklungen
Im März 2011 äußerte sich UK-Marketing Director Stuart Lang auf einem Unternehmensevent zu den aktuellen Geschäftsstrategien EAs. Er präsentierte u.a. vier zentrale Unternehmensgrundsätze für das laufende Jahr: Weniger und größere Einzelmarken; eine verstärkte Aktivität im Download-Bereich mit einem größeren Angebot und einem noch stärkerem Einbeziehen der Verbraucher sowie eine erhebliche Erweiterung des Free-to-Play-Angebots verbunden mit einem kontinuierlichen Engagement für neue IPs und Genres. Zu den konkreten Einzelmaßnahmen zählt zum einen der weitere Ausbau des Shooter-Segments – hier ruhen besondere Hoffnungen auf den Titel “Battlefield 3″, die sich auch schnell erfüllten: der Shooter erwies sich als das Spiel mit der besten Startwoche in der Geschichte von Electronic Arts überhaupt bislang!. Zum anderen forciert man das Schaffen neuer Spielideen wie im Falle des mit einem komplexen Gameplay versehenen RPGs “Kingdom of Amalur: Reckoning”, des Action-Horror Spiels “Shadows of the Damned” oder des viel gehypten Shooters „Portal 2“, der untypischerweise für das Genre ganz ohne zu töten funktioniert.
Desweiteren kündigte EA im Dezember 2011 wenig überrachend zahlreichere weitere Titel für iOS-Geräte wie den iPad, das iPhone und den iPod touch an, darunter: "Battlefield 3" "Aftershock", "Need For Speed The Run", "The Sims Freeplay", "Tetris", "Theme Park" und "Trenches II".
Der aktuelle Blockbuster und Hoffnungsträger ist das komplexe MMO "Star Wars: The Old Republic", das am 22. Dezember 2011 erscheinen und selbst den Blizzard-Megaseller "World of Warcraft" in den Schatten stellen soll. Nach eigenen Aussagen seitens Electronic Arts müssten sich jedoch mindestens 500.000 Abonnenten finden, um allein die Entwicklungskosten wieder einzufahren.
Während in den vergangenen Jahren auch bei EA Personal abgebaut wurde, stellt das Unternehmen im Sommer 2011 wieder verstärkt ein: In Austin/Texas entsteht gerade ein neues Studio, in dem auf Dauer rund 300 Mitarbeiter arbeiten sollen.


