Neuer Streamingdienst: AT&T vs. Google, Dish und Sony

28.11.2016

AT&T-Zentrale. by Tariqmudallal CC BY-SA 3.0

Nach dem 85 Milliarden schweren Übernahmeangebot für Time Warner wagt Telekommunikationskonzern AT&T in der kommenden Woche den Eintritt in den Over-The-Top TV-Streamingmarkt. Wie bereits von CEO Russell Stephenson im Gespräch mit Time Warner-CEO Jeffrey Bewkes vergangenen Monat angekündigt, können Kunden künftig für 35 Dollar im Monat mehr als 100 Kabel-TV-Sender über das Internet streamen. Dafür hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten erfolgreiche Lizenzdeals mit allen wichtigen Playern in der TV-Landschaft abgeschlossen, darunter Fox, ABC und Time Warners Turner Broadcasting (mit CBS fehlt allerdings bislang der zuschauerstärkste TV-Network der USA). Verbraucherschützer und Medienreform-NGOs kritisieren allerdings das Angebot als gefährlichen Präzendenzfall für die Freiheit des Internets. Denn es handelt sich um ein sog. Zero Rating-Dienst, dessen Nutzung das monatliche Datenvolumen für Smartphones nicht berührt. Damit, so Kritiker, bevorzugt AT&T eindeutig die Übertragung seines eigenen Angebotes gegenüber der Konkurrenz.

DirecTV Now, so der Name des Produkts, richtet sich an die rund 20 Millionen Haushalte, die inzwischen komplett auf kostspielige Kabelverträge verzichten. Durch die 50 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Satelliten-Pay-TV-Anbieter DirecTV verfügt AT&T aber noch über mehr als 25 Millionen Kabelkunden - Bedenken, DirecTV Now könnte das eigene Kabelgeschäft kannibalisieren, bestehen offenbar nicht. Es geht vor allem darum, Zuschauer zurück zu gewinnen, die sich im Zuge der Popularisierung von On-Demand aus dem kostenpflichtigen Live-TV-Ökosystem verabschiedet haben. Hohe Gewinne wird AT&T mit seinem neuen Angebot nicht erwirtschaften: Berechnungen des Wall Street Journals zufolge verschlingen die Übertragungskosten, die AT&T an die Sender zahlen muss, bereits bei 34 Dollar pro Abonnent.

Doch es gilt jetzt schnell das Feld abzustecken, da die Konkurrenz bereits ähnliche Dienste gestartet hat, bzw. in den Startlöchern steht. Dish Network bietet mit Sling TV bereits 31 Sender für monatlich 20 Dollar an; der Dienst VUE ermöglicht es Playstation-Besitzern 100 Sender für bis zu 75 Dollar im Monat zu empfangen; und die bisherige On-Demand-Plattform Hulu will in Kürze ebenfalls Live-TV streamen. Der größte Konkurrent könnte jedoch Google werden. Der Konzern arbeitet seit geraumer Zeit an seinem eigenen TV-Streamingangebot (Projektname: Unplugged). Letzteres will sein Kunden ein sog. skinny bundle anbieten, d.h. ein kleineres Senderpaket, dessen Preis unter monatlich 35 Dollar liegen soll.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

Zur Instituts-Website

mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

und der Stadt Köln.