Länderporträt Spanien

Einwohner: 47,04 Mio. (27. Rang weltweit; CIA-Factbook 2012)
Religionen: röm.-kath 94%, andere 6%
Größte Städte: Madrid (5,7 Mio), Barcelona (5,0), Valencia (0,81)
Regierungsform: Parlamentarische Monarchie mit Zweikammern-System, 17 autonome Regionen, zwei autonome Städte
Staatschef: König Juan Carlos (seit November 1975)
Regierungschef: Mariano Rajoy (PP, seit Dezember 2011)
EU-Mitglied seit: 1986
Arbeitslosenrate: 27,16% (April 2013)
Staatsverschuldung: 2013: 1025,9 Mrd. Euro; 2007: 382,3 Mia. (Quelle: IMF)
Haushaltssaldo in Relation zum BIP: 2013: -5,8%; 2009: - 11,2; 2007: +1,2
Anteil am globalen BIP: 2002: 2,16%; 2012: 1,7%
Werbeausgaben insgesamt: 9,3 Mrd. Euro (davon Online 1,1; ZenithOptimedia 2010)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 269 Minuten pro Tag (November 2012)
Durchschnittliche tägliche Zeitungsleser: 14,2 Millionen
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: Telefónica, Grupo PRISA, Unidad Editorial, Grupo Planeta, Grupo Vocento, Grupo Zeta, Grupo Godó, Mediaset.

Die größten Medienkonzerne Spaniens

Überblick

Im Zuge der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise ist Spaniens Mediensystem seit mehreren Jahren von Personalabbau, rückläufigen Umsätzen und Profiten, „Pressekrise“ und Regierungsinterventionen gekennzeichnet. Die Abhängigkeit der Medienunternehmen von Bankenkrediten und branchenfremden Investoren ist drastisch gestiegen, zugleich greift die konservative spanische Regierung publizistisch und finanziell (durch Sparmaßnahmen und Entlassung missliebigen Personals) auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTVE zu. Prinzipiell kann man am Beispiel Spanien analysieren, wie sehr sich das publizistische System in Zeiten umwälzender ökonomischer Krisen als abhängige Variable politischer und ökonomischer Strukturen erweist. Weltweit beachtet wurden die Entlassungen von Journalisten beim linksliberalen Prestigeblatt El Pais, wo 2012 rund 130 Reportern und Redakteuren gekündigt wurde – einem Drittel der journalistischen Belegschaft. Dies führte zu Streiks und öffentlichen Protesten des verbliebenen Personals. Der Mutter-Medienkonzern PRISA ist mit rund drei Milliarden Euro (netto) verschuldet. Im März 2010 war dort der Investmentfond Liberty um den deutsch-amerikanischen Finanzinvestor Nicolas Berggruen mit rund 650 Millionen Euro eingestiegen. Den Strukturwandel bei PRISA (weg vom traditionellen Journalismus, hin zu Pay-TV und Internetgeschäften) hatte der 68jährige Vorstandschef Juan Luis Cebrián (Jahresgehalt mit Boni: 13 Millionen Euro) so begründet: „Wer kein Twitter-Konto hat, hat hier nichts mehr verloren. Diejenigen über 50 haben nicht das berufliche Profil für das von uns angestrebte Zeitungsmodell“.

Im spanischen Pressemarkt fielen die Werbeeinnahmen allein 2012 um 20,6%, der Einbruch des klassischen Print-Anzeigengeschäfts kann auch hier zunächst nicht durch Steigerungen der Online-Werbeeinnahmen kompensiert werden. Insgesamt betrachtet ist die Verbreitung von Print-Zeitungen aber noch relativ hoch und in den vergangenen Jahren sogar teilweise angestiegen (siehe Tabelle I). PRISA als größter spanischer Medienkonzern konzentriert sich aufgrund der anhaltenden Anzeigenkrise jedoch auf das lukrative Lateinamerika-Geschäft (2012 machten „Latam“-Umsätze 26,7% des PRISA-Gesamtumsatzes aus), auf den Ausbau von Pay-TV und Video-on-Demand (VOD) gemeinsam mit Canal Plus - und auf den „Wissensmarkt“ (Education, Datenbanken etc.) im Netz.

Im Fernsehmarkt haben die Sender der öffentlichen-rechtlichen RTVE (Budget für 2013: 941 Mio. Euro) zusammen nur noch einen Marktanteil von rund 16%. Das spanische Fernsehen wird, nach der Exklusion von TV-Werbung 2010, durch einen direkten staatlichen Zuschuss von 550 Mio. Euro finanziert, zuzüglich einer Steuer für Telekommunikationsunternehmen (0,9%) und Privatsender (3%). Nach Ansicht von Kritikern zeigte sich der direkte Einfluss des Kabinetts Rajoy auf die Programmgestaltung signifikant durch die Entlassung der populären Anchorwoman und Interviewerin Ana Pastor  und des RTVE-Nachrichtenchefs Fran Llorente im Sommer 2012.

Insgesamt haben nach Angaben der Journalistenverbände in den letzten drei Jahren rund 8500 Journalisten ihre Stelle verloren. Immerhin gibt es noch wirkungsvollen kritischen Journalismus: Veröffentlichungen in El Pais und anderen Blättern, die Korruptionsvorgänge in der regierenden Partido Popular aufdeckten, führten zur Verschärfung der Legitimationskrise des Kabinetts Rajoy. Bei einer extrem hohen Arbeitslosenquote von 27% in Spanien (vergleichbar in der EU nur noch mit Griechenland), ständigen Massendemonstration und der im Mai 2011 entstandenen Bewegung der Indignados (benannt nach Stéphane Hessels Empörungsschrift) ist bei der spanischen Bevölkerung die grundsätzliche Skepsis über die Leistungen der publizistischen Medien allerdings spürbar – und durch ihre Verkettung mit dem sanierungsbedürftigen Bankensektor werden diese nicht unbedingt glaubwürdiger.

Historische Grundlagen

Spanien wurde nach dem Ende der Ära des Diktators („El Caudillo“) Franco erst 1976 zur parlamentarischen Demokratie. Francisco Franco hatte nach dem  spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis zu seinem Tod 1975 regiert und die Massenmedien nach Art der Faschismen in Deutschland und Italien kontrolliert (Beschlagnahme republikanischer Zeitungen, Zensur, zentrales Berufsregister für Journalisten, Standesgerichte der Presse). Allerdings wurden 70% der Tageszeitungen in privater Hand (konservative Verlegerfamilien, katholische Kirche) belassen. So existieren Blätter wie La Vanguardia (Organ des katalanischen Bürgertums, seit 1881 in Händen der Unternehmerfamilie Godo) oder die monarchistischen Zeitungen ABC oder La Razón noch heute. Auch im Hörfunk ließ die Franco-Administration neben dem staatlichen „Radio Nacional de Espana“ einige private Sender für Unternehmen und gesellschaftliche Gruppen zu, die mit den Franquisten paktierten. „Television Espanola“, vom Franco-Informationsministerium kontrolliert, nahm 1956 seinen regelmäßigen Sendebetrieb auf, von 1959 an wurde dort unter dem Einfluss von US-Beratern auch kommerzielle Fernsehwerbung zugelassen.

Zu den Hauptakteuren der Transformation publizistischer Medien und ihrer Regulierung in der Franco-Ära gehörte der „ewige“ Manuel Fraga Iribarne (1922 – 2012), der von 1962 bis 1969 als spanischer Tourismus- und Informationsminister amtierte. 1966 entstand unter Fragas Patronat ein neues Informationsgesetz mit gewissen (Schein-)Liberalisierungen; allerdings wurde noch 1968 die dem Opus Dei gehörende Zeitung Madrid verboten, nachdem sie im Mai jenes Jahres dem französischen Staatschef de Gaulle in einem Kommentar den „rechtzeitigen“ Rücktritt empfohlen hatte – was durchaus auch auf Franco bezogen werden konnte. Fraga, der von 1989 – 2005 noch als Regierungschef der Autonomen Regien Galicien vorstand,  und andere Strategen der modernisierten Franquismus hatten Ende der 1960er Jahre indes begriffen, dass sich Francos Diktatur im Abschwung befand und sich Spanien früher oder später in eine europäische Demokratisierung einzuordnen hätte. In der berühmten Epoche der „Transicion“, dem weitgehend unblutigen Übergang von der Franco-Herrschaft zur parlamentarischen Demokratie, erwarb Fraga sogar Anteile an „El Pais“, dem neu zu gründenden Flaggschiff der liberalen Presse (von Fraga und seinen Freunden ursprünglich als rechtsliberales Intelligenzblatt begriffen). Mit „El Pais“ und „Diario 16“ kam es nach Francos Tod zu erfolgreichen publizistischen Neugründungen der liberalen Mitte, wobei sich „El Pais“ zu einem Hausblatt der spanischen Sozialdemokratie entwickeln sollte (politisch vergleichbar mit der Frankfurter Rundschau in der Bundesrepublik Deutschland). Die große publizistische Stunde von „El Pais“ kam, als das Blatt während des Putsches durch die Gruppe um den Guardia-Civil-Obersten Antonio Tejero 1981 mit einer Sondernummer die demokratische Verfassung verteidigte, noch bevor sich König Juan Carlos in einer Fernsehansprache gegen die Putschisten wandte.

„El Pais“ stellt einen spanischen Medienmythos für sich dar, vor allem in der internationalen Beachtung, wogegen häufig vergessen wird, dass die Mehrheit der spanischen Tageszeitungen (neben einer ausgeprägten Sport- und Wirtschaftspresse) eher nach rechts tendiert. Bei der (Teil-)Privatisierung des spanischen Rundfunks (Fernsehen/ Radio) und der Zulassung neuer kommerzieller Sender kamen unter den Regierungen Felipe Gonzalés (PSOE, 1982 – 1996), José Maria Aznar (PP, 1996 – 2004) und José Luis Zapatero (PSOE, 2004 – 2011) im wesentlichen politisch befreundete Medienkonzerne zum Zuge. So unterstützte Gonzales die Expansionsbestrebungen von Canal Plus, der Fraga-Zögling Aznar diejenigen von Silvio Berlusconis Mediaset unter Nutzung der finanzkräftigen, gerade privatisierten Telefónica. Heute (2012) hat Berlusconis Sendergruppe (Mediaset Espana, u.a. Telecinco und Cuatro, Minderheitsbeteiligung von PRISA) mit insgesamt 28,4 % Marktanteil die Pole-Position im spanischen Fernsehmarkt inne, gefolgt von der Antena-3-Gruppe (Antena 3, La Sexta), dominiert von RTL-Bertelsmann bzw. Grupo Planeta mit 28,2%, dann mit deutlichem Abstand die öffentlich-rechtliche CRTVE-Gruppe (16,5), Vocento (4,4%) und Unidad Editorial (3,8%).

Medienunternehmen und -konzerne

Der mit weitem Abstand führende Kommunikationskonzern Spaniens ist Telefónica S.A. mit einem Gesamtumsatz von 62,8 Milliarden Euro und einem Gewinn von immerhin 6,2 Milliarden € (2011). Das global agierende Unternehmen mit Töchtern u.a. in Deutschland (O2), Großbritannien, USA, Süd- und Mittelamerika, Kanada und China beschäftigt rund 286.000 Mitarbeiter und entstand aus der 1979 teilprivatisierten staatlichen Compania Telefónica des Espana (gegründet 1924). Wesentliche Shareholder von Telefónica sind spanische Banken. Das Beteiligungskapital und die technische Infrastruktur von Telefónica wurde für die kommerzielle Öffnung des spanischen Fernsehmarktes genutzt; bis 2007 hielt das Unternehmen auch einen 75%-Anteil am ursprünglich niederländischen TV-Produktionsunternehmen Endemol, bis auch dieses im Medienimperium von Silvio Berlusconi landete. Telefónica ist als Sponsor ausgiebig im Motor- und Radsport und im Fußballgeschäft (Real Zaragoza, Valencia FC) aktiv. Aufgrund seiner Monopolstellung im spanischen Telekommunikationsmarkt wurde der Konzern von der EU-Kommission häufiger mit Antitrust-Strafen belegt. Telefónica-CEO Cesar Alierta verkündete 2010 in Sachen „Netzneutralität“ die Absicht, Google und andere Aggregatoren für die Nutzung von der Telefónica-Infrastruktur zur Kasse bitten zu wollen, und darüber hinaus neue eigene Inhalte-Strategien zu entwickeln. Das zuvor von Telefónica und PRISA gemeinsam geführte Pay-TV-Unternehmen Sogecable wurde 2008 von PRISA übernommen und inzwischen auch in PRISA TV umfirmiert.

Bei den spanischen Medienkonzernen im engeren (publizistischen) Sinn dominiert PRISA mit einem Umsatz von 2,720 Mrd. Euro (2013), laut Eigenbeschreibung „the world’s leading Spanish and Portuguese language media group in the fields of education, information and news, and entertainment, thanks to its multi-channel offer of high-quality products.” Prisa betreibt ebenfalls die Sporttageszeitung As, das Wirtschaftsblatt Cinco Días sowie diverse Radiostationen (Cadena Ser, 40 Principales. Cadena Dial, Máxima FM, Radio Olé y M80). Außerdem im Portfolio befinden sich die Verlage Alfaguara, Grupo Santillana, Taurus, Aguilar y Suma.

Trotz der geschilderten Turbulenzen bei El Pais kündigte der Konzern für 2013 den Start von El Pais-TV an, was dem Zug der Unternehmenspolitik zu mehr Engagement im audiovisuellen Markt und im Metamedium Internet folgt (der durchschnittliche TV-Konsum ist in Spanien in der letzten Dekade noch einmal signifikant angestiegen, siehe Tab. II). 1972 in der spanischen Transicion u.a. von José Ortega Spotorno, einem der Söhne des Philosophen Ortega y Gasset gegründet, befindet sich PRISA heute unter der Kontrolle internationaler Investoren wie Nicolas Berggruen oder Carlos Slim Helú. Als lukrativste Märkte bzw. Zielgruppen gelten Lateinamerika und die Hispanics in den USA, nicht so sehr Spanien selbst. So trägt El Pais seit einiger Zeit den Untertitel: „El Periódico Global En Espanol“. 2012 beteiligte sich PRISA mit 50% an der neuen Plattform „El Huffington Post“, wo auch noch einmal Ex-Regierungschef Felipe Gonzales als Blogger verpflichtet wurde. Die massiven Schulden in Höhe von drei Milliarden US-Dollar haben Prisas Investoren (u.a. Silver Point Capital, Monarch Alternative Capital, Knighthead Capital, Davidson Capital) jedoch im Sommer 2013 laut darüber nachdenken lassen, ob das Unternehmen in den USA nicht Konkurs anmelden sollte. Dies wäre möglich, da PRISA auch an der New Yorker Börse gehandelt wird. Außerdem sollen unprofitable Unternehmensbereiche abgespalten werden, darunter der Pay-TV-Anbieter Digital+. Neuer Chefredakteur von "El País" soll am 4. Mai Antonio Caño (56) werden. Caño, der 1982 zu "El País" kam, ist derzeit Washington-Korrespondent der Zeitung. Zuvor war er Leiter des internationalen Ressorts und stellvertretender Chefredakteur der Sonntagsausgabe. Er folgt auf Javier Moreno (50), der neue Aufgaben im Unternehmen übernehmen soll. Unter anderem soll er neuer Inhalte für Presse, Radio, Fernsehen und im Internet entwickeln.

Auf den Anzeigenmärkten in Spanien und Portugal zeichnet sich nach Angaben des Unternehmens eine Erholung ab. Zu Prisa gehört neben den Verlagen Santillana und Alfaguara, dem Radiosender SER, "El País" und Canal Plus auch das portugiesische Medienunternehmen Media Capital. Der Konzern ist in 22 Ländern aktiv.

Am 25. Februar wurden Roberto Alcántara Rojas und John Paton zu neuen Mitgliedern des Verwaltungsrats ernannt. Der mexikanische Unternehmer Alcántara Rojas ist Präsident des Logistikunternehmens Toluca und der Billigfluglinie VivaAerobus. John Paton ist Vorstandsvorsitzender des US-amerikanischen Medienunternehmens Digital First Media. Mit der Ernennung der neuen Verwaltungsratsmitglieder unterstreiche das Unternehmen sein Engagement in Lateinamerika, hieß es.

Mit 1,78 Mia. Euro Umsatz (2011) gehört auch die Grupo Planeta mit Sitz in Barcelona zu den größeren europäischen Medienkonzernen. 1949 als Editorial Planeta gegründet, gibt sie unter der Unternehmensführung von José Manuel Lara Bosch (dem Sohn des Gründers José Lara Hernandez) unter anderem die konservative überregionale Zeitung La Razón heraus,  ist zusammen mit RTL-Bertelsmann maßgeblich an der TV-Senderkette Antena 3 sowie an Onda Cero im Hörfunk beteiligt und betreibt zahlreiche Buchverlage. Im spanischen Medienumsatz-Ranking folgt nach den Fernsehgruppen Mediaset Espana (1,01 Mia. €) und Antena 3 (805 Mio. €)  die Gruppe Vocento S.A. mit Sitz in Madrid, entstanden 2001 aus einer Fusion vom Grupo Correo und Prensa Espanola (690 Mio € Umsatz, 2011).  Hier erscheinen die traditionsreiche überregionale Zeitung ABC (gegründet 1903) und Regionalblätter wie El Diario Vasco, La Rioja oder La Voz de Cadiz. Neben Fernsehkanälen (Intereconomia, Paramount bzw. Disney Channel) gehören auch die beiden größeren TV-Produktionsfirmen Europroducciones und BocaBoca zum Unternehmen (mehrheitlich im Besitz spanischer Familien). Vocento wies in den vergangenen Jahren deutlich rückläufige Umsätze auf. 2010 entstand ein Nettoverlust von 121 Mio. €.

Das 2007 entstandene Konglomerat Unidad Editorial, hervorgegangen aus der Fusion von Grupo Récoletos und Uniedisa (512 Mio. € Umsatz, 2010) gibt u.a. die überregionale Zeitung El Mundo, die Sportzeitung Marca (verbunden mit dem gleichnamigen Sportradio-Sender) und das Wirtschaftsblatt  Expansión heraus. Der Konzern wird zu 96% (Aktienbesitz) von der italienischen RCS-Gruppe kontrolliert. Weitere beachtenswerte Medienunternehmen sind die Grupo Zeta S.A. (Barcelona), 1976 mit von Antonio Asensio Pizarro um das Wochenblatt Interviú in der Transitionsära gegründet. Bei Zeta erscheinen u.a. die Regionalblätter El Periódico de Catalunya und El Periódico di Aragón sowie Sportblätter und Hochglanzmagazine.

Ebenfalls in Barcelona beheimatet ist Grupo Godó, 1998 von der Godó-Familie gegründet. Godó kontrolliert die Zeitungen La Vanguardia (gegründet 1981) und El Mundo Deportivo (erstmals 1906 erschienen). Die Gruppe besitzt zudem 40 Prozent der Tageszeitung Avui sowie sieben Magazine und zwei Radiostationen.

Mediaset España, gegründet 1989, ist fast auschließlich im Fernsehsektor aktiv und kontrolliert die Sender Telecinco, Cuatro, LaSiete, Fiction Factory, Boing, Divinity, Energy und Nine. Mediaset España gehört zu 41,6 Prozent dem italienischen Mediaset-Konzern sowie zu 17,3 Prozent der Prisa-Gruppe.

Der mit einer Schuldenlast von rund 800 Millionen Euro kurz vor dem Bankrott stehende spanische öffentlich-rechtliche Rundfunk (RTVE, Gesamtbudget für 2013: 941 Mio. €) befindet sich in einem krisenhaften Umstrukturierungsprozess, den viele Kritiker für politisch motiviert halten. So brachte die amtierende konservative Regierung Rajoy eine Gesetzesänderung durch, nach der die Besetzung von Führungspositionen bei RTVE nicht mehr mit einer Zweidrittelmehrheit, sondern nur noch mit einfacher Mehrheit bestätigt werden muss. Nach der Ernennung von Leopoldo Gonzáles-Echenique zum RTVE-Präsidenten mussten einige prominente Journalisten und Moderatoren gehen; Javier Gallego, Moderator der kritischen Radioshow „Carne cruda“ sprach von einer „Säuberung“ und die European Broadcasting Union prangerte die mangelnde Unabhängigkeit an.

Beim öffentlich-rechtlichen Regionalsender Telemadrid erhielten Anfang 2012 vor der geplanten Privatisierung von bisher 1170 Beschäftigten 861 die Kündigung; ähnlich bei RTVV in Valencia (700 Entlassungen). Die ehemalige Präsidentin der Regionalregierung von Madrid, Esperanza Aguirre, hatte klargestellt: „Ich glaube nicht an öffentlich-rechtliche Medien“, bevor sie im Herbst 2012 nach Bau- und Bespitzelungsaffären selbst gehen musste.

Der öffentlich-rechtliche Fernsehsektor in Spanien besteht aus den Sendern La 1, La 2, Teledeporte y 24h sowie der Radiogruppe Radio Nacional de España (RNE) zu der die sechs Sender Radio Nacional, Radio 2, Radio 3, Radio 4, Radio 5 und Radio Exterior gehören. Zum öffentlich-rechtlichen Block zählen auch die regionalen TV-Sender TV3 (Cataluña), EITB (Vasc Country), TVGa (Galicia), Telemadrid (Comunidad de Madrid), Canal Sur (Andalucía) und Canal 9 (Comunidad Valenciana). Letzter soll laut Ankündigung des regionalen Ministerpräsidenten Alberto Fabra in Kürze mangels Budgets und hoher Verluste geschlossen werden und rund 1000 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt werden. Zudem gibt es drei Nachrichtenagenturen, die öffentlich-rechtliche Agencia EFE sowie die privaten Anbieter Europa Press und Servimedia.

Von der Finanzkrise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind auch die TV-Produktionsfirmen sowie das spanische Kino (durch ausbleibende Koproduktionsmittel) betroffen. Grupo Mediapro ist das größte AV-Produktionsunternehmen Spaniens (Sport- und Fußballübertragungen, Themenkanäle, Kinoproduktionen etc.), das schon häufiger vor der Insolvenz stand. Mediapro-Chef Jaume Roures, Koproduzent u.a. von Woody Allens „Vicky Christian Barcelona“, zählt zu den schillerndsten Medienunternehmern Spaniens. Im September 2007 gründete der Ex-Trotzkist als linke Alternative zu „El Pais“  die Tageszeitung Público, die seit 2012 allerdings nur noch als Web-Angebot existiert. Das Blatt leistete publizistische Unterstützung für die damalige sozialdemokratische Regierung Zapatero. Roures kämpft mit Mediapro einen langjährigen Fußballrechte-Krieg gegen PRISA – in Spanien können sich die einzelnen Vereine der Profiligen für einen der beiden Anbieter entscheiden. Dadurch entsteht ein skurriler Rechtekampf um jedes einzelne Spiel; im August 2012 kam es erst einen Tag vor Saisonbeginn zu einem „Last-Minute Soccer TV Deal“ (Hollywood Reporter) zwischen MediaPro und PRISA. Real Madrid und der FC Barcelona führen im Übrigen die Rangliste der weltweit umsatzstärksten Fußballclubs an (480 bzw. 450 Mio €).

Tabelle I: Verbreitung der größten spanischen Tageszeitungen, 2000-2012 (in Tsd. Exemplaren)

Quelle: Data Asociación para la investigación de medios de comunicación, Newspaperinnovation.com (eigene Darstellung)

 

Tabelle II: Durchschnittlicher TV- und Radiokonsum, 2000-2011 (Minuten pro Tag/pro Person)

Quelle: Comisión del Mercado de las Telecomunicaciones

 

Tab. III: Primetime-Marktanteile der größten TV-Sender 2011

Quelle: European Audiovisual Observatory

 

Tab. IV: Medienumsätze nach Gattung, 2007-2011

Quelle: European Audiovisual Observatory

 

Tab. V: Die 20 beliebtesten Websites in Spanien

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Google Espana

Suchmaschine

Google Inc.

2.

Facebook

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

3.

YouTube

Videoportal

Google Inc.

4.

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

5.

Amazon

Online-Versand

Amazon.com Inc.

6.

Windows Live

Email

Microsoft

7.

Blogspot.es

Blog-Platform

Google Inc.

8.

Yahoo

Webportal

Yahoo Inc.

9.

Twitter

Microblogging

Twitter

10.

MARCA.com

Sport-News

Unidad Editorial

11.

Wikipedia

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

12.

Milanuncios.com

Kleinanzeigen

Milanuncios SL

13.

Delta-search.com

Suchmaschine

 

14.

Lollipop-Network.com

Traffic-Tool

 

15.

Ask.com

Suchmaschine

IAC

16.

Xvideos

Pornographie

 

17.

El Mundo

News

Unidad Editorial

18.

El Pais

News

Grupo PRISA

19.

Babylon.com

Übersetzungs-Tool

Babylon Ltd.

20.

As.com

Sport-News

Grupo PRISA

Quelle: Alexa.com (Stand: Juli 2013)

Regulierungsstruktur und -behörden

In Spanien gibt es aufgrund der ausgesprägten Autonomiestatute keine zentrale Medienregulierungs-Institution. Es existieren Regionalbehören wie der Consell de l’Audiovisual de Catalunya und der Consejo Audiovisual de Andalucia (dort 40 Mitarbeiter in drei Abteilungen). Diese sind unter anderem für die Vergabe von regionalen Fernseh- und Hörfunklizenzen zuständig. 2008 hat eine iberische Konferenz der Regulierungsbehörden (CICA) konstitutiert, der auch die entsprechenden Behörden aus Portugal (ERC) und Andorra angehören. In einer Erklärung vom Februar 2012 betonte die Konferenz in einer öffentlichen Erklärung die notwendige Unabhängigkeit solcher Behörden von politischen Einflüssen gerade in Zeiten der ökonomischen Krise.

Ausblick

Die Immobilien-, Banken- und Wirtschaftskrise sowie die Korruptionsverwürfe haben in weiten Teilen der spanischen Bevölkerung nicht nur zu anhaltenden öffentlichen Protesten gegen „La Moncloa“ (den Sitz des spanischen Ministerpräsidenten) geführt, also das gegen das Kabinett Rajoy,  sondern auch einen rasanten Vertrauensverlust im Hinblick auf die beiden großen etablierten Parteien, das Königshaus und die EU hervorgerufen. Paradoxerweise hat dies zuletzt in gewisser Weise zu einer Rückbesinnung der spanischen Presse auf ihre Kritik- und Recherchefunktionen geführt. So klagt Mariano Rajoys PP zu Zeit wegen der Veröffentlichung nicht verifizerter Dokumente nicht nur gegen „El Pais“, sondern auch gegen die Zeitung „El Mundo“. Insgesamt ist die Situation der etablierten spanischen Medien wegen der ökonomischen Erschütterungen derzeit labil. Bei der Film- und Musikpiraterie gilt Spanien als Spitzenreiter in der EU. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung hat das Kabinett Rajoy auch für kulturelle Angebote die Mehrwertsteuer von acht auf 21 Prozent angehoben, was die Umsatzkrise der Kinos noch einmal verschärft hat. Im Grunde hätte die spanische Medien- und Kommunikationsindustrie aufgrund der starken globalen spanischsprachigen Community, der beträchtlichen Traditionen und Erfahrungen in der audiovisuellen Produktion und einer immer noch ausreichend diversifizierten publizistischen Szenerie gute Chancen, sich sowohl national als auch international zu behaupten, dafür bräuchte es aber eines medien- und kommunikationspolitischen Rahmenplans, der in Zeiten der Verwirrung und Empörung nicht zu erwarten ist.

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José Priego, 13.01.2014 - 15:21
Der Zustand der (noch jungen!) spanischen Presse- und Medienfreiheit im Zeitalter neoliberaler Krisendoktrin: Im ROG-Ranking hinter El Salvador und Niger, die Nähe des Mediensektors zum Kredit- und Baugewerbe, und der massive Abbau von Redaktionen..einige von vielen Entwicklungen, die nicht gerade dazu beitragen, den Qualtitäts- und demokratischen Funktionsverlust der spanischen Medien entgegenzuwirken und vor allem das Vertrauen der Gesellschaft in die Medienbranche wiederherzustellen.