Länderporträt Malta

Einwohner: 413.000
Haushalte: 146.000
Religionen: Römisch-Katholisch (90%)
Größte Städte: Valletta
Regierungsform: Republik
Staatschef: Marie-Louise Coleiro
Regierungschef: Joseph Muscat
EU-Mitglied seit: 2004
Arbeitslosenrate: 6,4% (2013)
Staatsverschuldung 2013: 51 Milliarden USD
Bruttoinlandsprodukt: 9,5 Mrd. USD

Werbeausgaben insgesamt: 24 Millionen Euro (2012)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 151 Min. pro Tag (2010)
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: PBS, One Productions, Media.link Communications, MediaToday, Eden Leisure Group
Rundfunkgebühren: keine

Die größten Medienkonzerne Maltas

Geschichte und Profil

Im Gegensatz zur von vermeintlicher Objektivität geprägten angloamerikanischen Tradition zeichnet sich die maltesische Journalismuskultur durch Meinungsstärke aus. Aufgrund der von Fremdherrschaft bestimmten Geschichte, der geringen Bevökerungsdichte und der kulturellen Nähe zu Italien ist Malta ein Mediensystem mediterraner Prägung. In einem Land, in dem traditionell Klientelismus und Verwandschaft das politische System bestimmen, hat sich ein starker einheimischer Mediensektor entwickelt. Durch das Aufkommen moderner Kommunikationstechnologien hat sich Maltas Medienlandschaft zwar ein Stück weit globalisiert; dennoch weist der Inselstaat im europäischen Vergleich noch immer Besonderheiten auf.Dazu zählt insbesondere die Verzahnung zwischen Medien und politischen Parteien sowie der Katholischen Kirche.

Der britische Telekommunikationskonzern Rediffusion startete 1935 den ersten Radiosender auf Malta, der fast ausschließlich BBC-Inhalte wiederholte. Ziel war es, die faschistische Propaganda italienischer Radiosender, die die Insel erreichten, zu kontern. Beginnend im Jahr 1957, als die italienische Rundfunkanstalt RAI Signalverstärker in Sizilien installierte, konnten die Malteser auch italienische Fernsehübertragungen verfolgen. Rediffusion war es auch, das 1953 mit Malta Television den ersten einheimischen Sender ins Leben rief. Die regierende Arbeiterpartei verstaatlichte Malta TV Mitte der 1970er Jahre, nachdem Rediffusion-Mitarbeiter rebelliert und diverse Stationen unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Während der nächsten 15 Jahre befanden sich fast sämtliche Medien unter direktem staatlichen Einfluss. Dies änderte sich erst, als die Anfang der 1990er Jahre regierende nationalistische Partei zunächst mittels eines White Papers und später im Rahmen des Broadcasting Act von 1991 sich dazu verpflichtete eine unabhängige öffentlich-rechtlichen Anstalt namens Public Broadcasting Services Ltd (PBS) zu gründen.

Als Malta  mit der Deregulierung des Rundfunksektors begann, griffen bei der Lizenzvergabe als erstes die Parteien und Kirche zu. Heute ist das Malta wohl das einzige EU-Mitglied, dessen Fernsehsender sich in ihrer Berichterstattung so deutlich entlang parteipolitischer und konfessioneller Linien orientieren. 13 landesweite und 25 Community Radiosender sowie fünf maltesische TV-Stationen zeugen von einer beachtlichen Mediendichte in Malta: es kommt einen Radiosender auf je 10.000 und ein TV-Sender auf je 51.000 Bewohner.

Medienunternehmen und -konzerne

PBS
Die öffentlich-rechtliche Anstalt Public Broadcasting Service betreibt mit Television Malta den mit 35 Prozent Marktanteil in der Prime Time reichweitenstärktsten Fernsehsender in Malta (siehe Abb. 2). Das überwiegend maltesisch sowie englischsprachige Programm wird durch staatliche Zuwendungen sowie durch Werbeeinnahmen finanziert. Die täglich um 20.00 Uhr ausgestrahlte Nachrichtensendung "L-Ahbarijiet TVM" ("Die Nachrichten") genießt einen Sonderstatus im Land, da es sich um de facto das einzige News-Medium handelt, das formal nicht von einer politischen Partei, Gewerkschaft oder Kirche beeinflusst ist. Mit TVM 2 wurde im Herbst 2012 ein weiterer Kanal gelauncht, der insbesondere Dokumentationen und Sportinhalte ausstrahlt.

One Productions
One Productions ist ein privates Radio- und Fernsehunternehmen, das der sozialdemokratischen Partei Laburista nahe steht. Der zunächst auch als Rainbow Productions firmierende Konzern erhielt 1989 als einer der ersten von Broadcasting Authority eine Lizenz für den Betrieb einer privaten Radiostation (ONE Radio). 1993 kam dann mit ONE TV ein TV-Sender hinzu, der mit rund 20 Prozent Marktanteil der zweitbeliebteste hinter TVM ist. Über die Unternehmenstocher redtouch tritt One Productions auch als Mobilfunkdiscounter in Erscheinung sowie betreibt eine Rundfunk-Akademie.

Media.link Communications
Media.link, das eng mit der christlich-konservativen Partit Nazzjonalista verbunden ist, betreibt mit NET TV seit 1998 den drittgrößten maltesischen Privatsender sowie mit Radio 101 einen der beliebtesten 24 Stunden-Radiosender. Außerdem ist Media.link im Printbereich aktiv, gibt die Tageszeitung "IN-NAZZJON" (gegründet 1970) und die Wochenzeitung "Il-Mument" (seit 1972) heraus sowie betreibt einen Bücherverlag (Pin Publication). Die News-Website MaltaRightNow.com zählt zu den beliebtesten Webadressen Maltas (siehe Tab I).

Allied Newspapers
Allied Newspapers gibt mit "The Times" die älteste und renommierteste Tageszeitung des Landes heraus. Die "Times wurde 1935 als Parteiblatt für die Partit Nazzjonalista gegründet, legte jedoch ihren strengen parteipolitische Prägung in den 1960er Jahren ab. Wesentlich beteiligt an der Entwicklung der Zeitung war die Journalistin und erste Chefredakteurin Mabel Strickland, Tochter des gleichnamigen Premierminister, der Malta von 1927 bis 1932 regierte. Obwohl offiziell ein überparteiliches Blatt, ist die "Times" sowie der Allied Newspapers Konzern (der außerdem noch die "Sunday Times" publiziert) weiterhin eng mit der Strickland Foundation verbandelt und steht deshalb indirekt weiter der christlich-konservativen Partei nahe.

MediaToday
Drei Zeitungen gehören zum Portfolio von MediaToday. Die englischsprachige "Malta Today", die 1999 gegründet wurde und zweimal wöchentlich erscheint; die in maltesischer Sprache erscheinende Wochezeitung "illum" sowie das Wirtschaftsblatt "Business Today". "Malta Today" gilt seit ihrem Erscheinen als liberale publizistische Alternative zu den zuvor von Konservativen und Sozialdemokraten geprägten Presselandschaft. Die Zeitung sprach sich während der Debatte über den EU-Beitritt, die das Land 2002-2003 beherrschte, in Leitartikeln klar für den Anschluss an Europa aus. Prägende Figur im MediaToday-Unternehmen ist Geschäftsführer und Besitzer Saviour Balzan, einer der Gründer der grünen Partei Alternattiva Demokratika.

Eden Leisure Group
Mit dem 1991 gegründeten Bay Radio kontrolliert Eden den beliebtesten Radiosender in Malta. Die Gruppe hat sonst keine weiteren Medienbeteiligungen, sondern betreibt Kinos, Bowlinghallen und Fitnessclubs.

Abb. I: Werbeumsätze nach Gattungen, 2008-2012 (in Mio. Euro)

Quelle: European Audiovisual Observatory Yearbook 2013

Abb. 2: TV-Marktanteile der größten Sender (2. Quartal 2013)

Quelle: European Audiovisual Observatory Yearbook 2013

Tab. I: Die beliebtesten Interneseiten 2014

 

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Timesofmalta.com

Nachrichten

Allied Newspapers Ltd.

2.

Facebook.com

Suchmaschine

Facebook Inc.

3.

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

4.

Maltapark.com

Kleinanzeigen

Maltapark Ltd.

5.

Google.com.mt

Suchmaschine

Google Inc.

6.

Youtube.com

Videoportal

Google Inc.

7.

Independent.com.mt

Nachrichten

Standard Publications

8.

Maltatoday.com.mt

Nachrichten

MediaToday

9.

LinkedIn.com

Karriere

LinkedIn Inc.

10.

Wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

11.

Yahoo.com

Webportal

Yahoo Inc.

12.

Amazon.com

E-Commerce

Amazon.com Inc.

13.

Ebay.co.uk

Auktionen

Ebay Inc.

14.

Live.com

Email

Microsoft

15.

Diply.com

Entertainment

Goviral Inc.

16.

Dailymail.co.uk

Nachrichten

Daily Mail and General Trust

17.

Theladbible.com

Männerportal

18.

Twitter.com

Microblogging

Twitter Inc.

19.

Yellow.com.mt

Suchmaschine

Yellow Pages Ltd.

20.

Ebay.com

Online-Auktionen

Ebay Inc.

Quelle: Alexa.com

Regulierung

Wichtigstes Organ der maltesischen Medienpolitik ist die gemäß den Artikeln 118 und 119 der Verfassung 1961 gegründete Broadcasting Authority. Die Behörde reguliert und überwacht sämtliche Radio- und TV-Sender des Landes, insbesondere im Hinblick darauf, ob die Politiker unterschiedlicher Parteien gleich viel Redezeit erhalten. In der parteipolitisch dominierten Medienlandschaft kommt der Broadcasting Authority damit eine Schlüsselfunktion zu. Zuschauer können Programmbeschwerden bei der Behörde einreichen, auf die innerhalb von einem gewissen Zeitraum schriftlich Bezug genommen werden muss. Zusammensetzt sich die Behörde aus einem Vorsitzenden und vier weiteren Mitgliedern, die vom maltesischen Präsidenten gewählt werden. Dieser muss sich im Vorfeld vom Premierminister und dem Oppositionsführer grünes Licht für die Entsendung abholen - ein Mechanismus, der eine Gremienzusammensetzung garantieren soll, mit der beide großen Parteien leben können.

Kritiker bemängeln den mangelnden Einfluss der Zivilgesellschaft auf die Behörde: der maltesische Think Tank "The Today Public Policy Institute" forderte 2014, dass die Institution mit der zweiten wichtigen ,Kommunikationsbehörde des Landes, der  Malta Communications Authority zu einer übergreifenden "Media Authority" zusammengelegt werden solle. Dieses neue Organ sollte sowohl Medien- als auch kommunikationspolitische Kompetenzen haben und deren Gremien mit Mitgliedern aus der privaten Medienwirtschaft, Telekommunikationsunternehmen, der Regierung, Journalisten und Medienexperten besetzt sein.

Quellen/Literatur

  • Carmen Sammut, Media and Maltese Society. Plymouth: Lexington Books (2007)
  • Joseph Borg, "Countering the Challenges of Media Liberalization in a Small Island State." In: Indrajit Banerjee & Kalinga Seneviratne (Hrsg.), Public Service Broadcasting in the Age of Globalization, Singapur: AMIC (2006), 244-261.

Diskussion

Kommentar hinzufügen


* - Pflichtfeld







CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.


Keine Kommentare