Länderporträt Litauen

Einwohner: 3,5 Mio.
Haushalte: 1,3 Mio. (2012)
Religionen: Römisch-Katholisch (72,2 %), Russisch-Orthodox (4,1%)
Größte Städte: Vilnius
Regierungsform: Republik
Staatschef: Dalia Grybauskaite (seit 2009)
Regierungschef: Algirdas Butkevicius (seit 2012)
EU-Mitglied seit: 2004
Arbeitslosenrate 2012: 12,4%
Staatsverschuldung: 29,6 Mrd. US-Dollar (2013)
Bruttoinlandsprodukt: 67,4 Mrd. US-Dollar (2013)

Werbeausgaben insgesamt: 315 Mio. LTL (2012; ca. 91,2 Mio. Euro)
Fernseh-Dauer pro Einwohner: 220 Minuten pro Tag (2013)
Größte Medien- und Telekommunikationskonzerne: LTV, Modern Times Group, MG Baltic Media Ekspress Group, Schibsted, Respublika Group, Diena Media News
Rundfunkgebühren: keine

Die größten Medienkonzerne Litauens

Geschichte und Profil

Wie in anderen ehemaligen Satellitenstaaten erlebten die litauischen Medien zwischen 1990 und 1991 einen rapiden Prozess der Desowjetisierung. Staatliche Zensur wurde formal eliminiert und die Journalisten konnten erstmals unter Bedingungen der Presse- und Meinungsfreiheit berichten. Mit der Besatzung durch die UdSSR im Jahr 1940 war der gesamte Pressesektor der kommunistischen Partei unterstellt worden. Die Propagandaaktivitäten hatten jedoch den Nebeneffekt das insbesondere der Printsektor massiv subventioniert wurde und eine blühende, wenn auch unfreie, Zeitungslandschaft entstand. Die Medien unter Sowjetherrschaft berichteten durchweg strikt nur über politische und ernsthafte Sachverhalte; Unterhaltungs- und Freizeitformate galten als Überbleibsel der Burgeoisie - mediales Entertainment im klassischen Sinne wurde erst Ende der 1970er Jahre per Dekret erlaubt. Zwar gab es während dieser Zeit auch von der Katholischen Kirche subventionierte Dissidentenzeitungen oder diverse aus dem Ausland empfangbare Radiosender (z.B. das von der CIA finanzierte Radio Free Europe), deren Popularität unter den litauischen Bürgern jedoch in Grenzen hielt.

Doch als Michail Gorbatschow Mitte der 1980er Jahre seine Glasnost-Politik begann, legten die Journalisten sämtliche Fesseln der strikten Sowjet-Zensur ab. Das neu erwachte Politikinteresse der Bürger hatte eine weitere Explosion der Mediennutzung zur Folge. Die Zeitungen, die vorher jahrzehntelang trocken über KP-Politik an ihr ausschließlich aus Parteimitgliedern bestehendes Publikum berichtet hatten, entwickelten sich innerhalb weniger Zeit zu Reformmotoren. Zeitungen wie Komjaunimo tiesa (deren Auflage sich zwischen 1988 und 1989 auf 522.000 Exemplare verfünffachte), die im Ausland produzierte Wochenzeitschrift Gimtasis krastas oder der 1989 gegründete, erste private Radiosender M1 entwickelten sich zu Foren, in der die Idee der Unabhängigkeit von Moskau erstmals formuliert und debattiert wurde.  Zahlreiche Journalisten und Chefredakteure in den größten Zeitungshäusern wurden in dieser Zeit zu einflussreichen Mitgliedern der Sajudis-Unabhängigkeitsbewegung, die mit der Zeitung Respublika im September 1989 auch ihr publizistisches Sprachrohr erhielt.

Als das sowjetische Militär während der Ereignisse im Januar 1991, am sogenannten "Blutsonntag", die verkündete Unabhängigkeit mittels Gewalt rückgängig machen wollte, wurde folgerichtig auch der Fernsehturm in Vilnius besetzt und weitere Kommunikationskanäle blockiert. Die Sajudis-Führung um Vytautas Landsbergis musste deshalb über einen im litauischen Parlamentsgebäude versteckten Piratensender mit der Außenwelt kommunizieren. Fernseh- und Radiostationen in der zweitgrößten Stadt Kaunas ließen sich jedoch nicht einschüchtern und sendeten weiter in litauischer und englischer Sprache. Vor allem wegen des mutigen Einsatzes zahlreicher Medien während der prekären Lage 1990/91, genossen Journalisten in den Folgejahren hohe Anerkennung und Heldenstatus in der Bevölkerung.

Der verfassungsgebenden Versammlung am 11. März schließlich, die die Unabhängigkeit einleitete und als einer der ersten Amtshandlungen ein Gesetz zur Pressefreiheit verabschiedete, gehörten wiederum zahlreiche Journalisten an. Während der ersten Legislaturperiode (1990-1992) waren zehn Prozent der Abgeordneten der Seimas, Autoren und Journalisten. In den Folgejahren blühte die Medienlandschaft weiter auf. Weitere Zeitungen wurden gegründet (den Höhepunkt bildete hierbei das Jahr 1995, in dem es landesweit insgesamt 477 Zeitungen gab) und der private TV-Sektor begann zu florieren. Mit Tele3 ging 1993 der erste Privatsender auf Sendung, wenig später folgten LNK und BTV. Litauen galt Mitte der 1990er Jahre zurecht als Vorbild für einen exzellent entwickeltes liberales post-sowjetisches Mediensystem.

Doch in den Jahren zwischen 1998 und 2009 erlebten die litauischen Medien eine schwere Legitimitätskrise. Das öffentliche Vertrauen in die Massenmedien verringerte sich um ein Drittel im Vergleich zu den unmittelbaren Folgejahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Laut Beobachtern des litauischen Mediensystems ist dies u.a. Folge einer radikalen Liberalisierung, die jedoch nicht mit einer Internationalisierung der Besitzstrukturen einhergegangen ist. Hinzu kamen wirtschaftliche Schwierigkeiten, die 1996 begannen. Weite Teile der Bevölkerung konnten oder wollten sich keine tägliche Zeitungslektüre mehr leisten, die verbleibende Leserschaft wurde mit zunehmend anspruchslosen General Interest- und Celebrity-Themen geködert und die Anzahl von auf Unterhaltungsformaten spezialisierten privaten TV-Sender stieg auf 55 Anbieter an. Heute werden die Medien in Litauen zu großen Teilen von einheimischen Eliten, oder wie sie Irmina Matonyte, Wirtschaftsprofessorin an der ISM Universität Vilnius, nennt, local media barons kontrolliert. Auch aufgrund der historischen Rolle, die Journalisten in der Unabhängigkeitbewegung gespielt haben, sind es heute Eliten aus den Medien, die (vielleicht mehr als in anderen EU-Mitgliedsstaaten) signifikanten Druck auf die handelnde Politik ausüben können.

Medienunternehmen und -konzerne

LRT
Lietuvos Radijas ir Televizija (LRT, ehemals LTV) ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Litauens. LRT startete sein Radioprogramm im Jahr 1926 und nahm 1957 den TV-Sendebetrieb auf. Zunächst gab es im gesamten Land nur dreißig Fernsehgeräte, eine Zahl die jedoch bis 1975, als das Programm in Farbe ausgestrahlt wurde, in die Höhe schnellte. Wichtigste Sendung ist seit jeher "Panorama", die abendliche Nachrichtensendung. Als LRT über die Unruhen von 1991 berichten wollte, wurde die Sendestation von KGB-Agenten und russischen Soldaten für 222 Tage besetzt (siehe Geschichte). Seit Anfang 2015 ist LRT komplett werbefrei. Dies wurde im Rahmen einer Änderung des Gesetzes über den litauischen Rundfunk beschlossen. Künftig finanziert sich LRT ausschließlich über staatliche Ausgaben, Sponsoringhinweise und Einnahmen aus vereinzelten kommerziellen Aktivitäten. Experten gehen für das Jahr 2015 von einem Budget von rund 30 Millionen Euro aus.

MG Baltic Media
Die Investmentgesellschaft MG Baltic kontrolliert über ihre Mediensparte MG Baltic Investment den nach Markanteilen größten Privatsender LNK inklusive den Schwesterkanälen TV1, Info TV, Liuks und BTV. Außerdem gehört MG Baltic Media die Magazin-Verlagsgruppe UPG, die News-Webseite alfa.lt sowie das Telekommunikationsunternehmen Mediafon. Insgesamt verzeichnete die gesamte Gruppe 2014 einen Umsatz von 578 Millionen Euro.

Respublika Group
Respublika Publication Group bringt die gleichnamige litauisch-sprachige Tageszeitung heraus, die seit 2007 auch ein russischsprachiges Pendant hat. Gegründet 1989, publiziert Respublika außerdem noch das Boulevardblatt "Vakaro žinios", sowie "Šiauliu kraštas" und "Vakaru ekspresas" heraus und erreicht damit landesweit erhebliche Reichweiten.

Diena Media News
UAB Diena Media News ist neben der Respublika Gruppe das zweite führende Zeitungshaus Litauens. Wichtigste Publikationen sind "Vilniaus Diena", "Klaipeda" und "Kauno Diena". Letztere ist die größte Regionalzeitung des Landes (Kaunas) und war zwischen 1998 und 2007 im Besitz der norwegischen Orkla Media Gruppe. 2010 erwarb die Investorengruppe Baltic Corporate Finance 50 Prozent der Anteile an Diena Media.

Modern Times Group
Die im gesamten baltischen Raum aktive schwedische Modern Times Gruppe kontrolliert den nach Marktanteilen zweitgrößten litauischen Fernsehsender TV3 sowie die Radiostation Power Hit Radio. Zudem bietet MTG über seine VIASAT-Plattform auch Pay-TV-Dienste in Litauen an.

Ekspress Group
Das estnische Medienunternehmen Ekspress Group betreibt in Litauen (ebenso wie in Lettland, Estland und bis vor kurzen auch in der Ukraine) das populäre Webportal Delfi.lt, das es auch in einer speziellen russischsprachigen Version gibt.

Schibsted
Über seine Eesti Meedia-Arm gibt der norwegische Medienkonzern Schibsted in Litauen die Gratiszeitung "15 Min" heraaus sowie betreibt das verlagshaus ZLG, das 12  Magazine publiziert. Zudem gehört Eesti die Kleinanzeigen-Portale Autoplius.lt und Domoplius.lt.

Abb. I: Werbeumsätze nach Gattungen, 2008-2012 (in Mio. LTL)

Quelle: European Audiovisual Observatory Yearbook 2013

Abb. 2: Prime Time  Marktanteile der größten TV-Sender 2013

Quelle: European Audiovisual Observatory Yearbook 2013

Tab. I: Die beliebtesten Internetseiten 2014

 

Rang

Internetseite

Beschreibung

Mutterkonzern

1.

Facebook.com

Soziales Netzwerk

Facebook Inc.

2.

Google.lt

Suchmaschine

Google Inc.

3.

Google.com

Suchmaschine

Google Inc.

4.

YouTube

Videoportal

Google Inc.

5.

Delfi.lt

Webportal

Ekspress Media

6.

15min.lt

Nachrichten

Schibsted

7.

Lrytas.lt

News

Lietuvos Rytas Media Group

8.

Skelbiu.lt

Kleinanzeigen

Diginet

9.

Plius.lt

Kleinanzeigen

Schibsted

10.

Wikipedia.org

Enzyklopädie

Wikimedia Foundation

11.

Swedbank.lt

Banking

Swedbank AB

12.

Vz.lt

News

 JSC

13.

Aliexpress.com

E-Commerce

Alibaba Group

14.

Linkomanija.net

Torrents

15.

Autogidas.lt

Kleinanzeigen

Diginet

16.

Amazon.com

E-Commerce

Amazon.com Inc.

17.

Yahoo.com

Webportal

Yahoo Inc.

18.

Draugas.lt

Online-Dating

Draugas

19.

Kasvyksta.lt

News

Kaunas Gyvai

20.

Filmai.in

Streaming

 

Quelle: Alexa.com

Regulierung

Am 15. Juli 1996 verabschiedete das Parlament Seimas das Gesetz zur Implementierung der Massenmedien in Litauen, was die Grundlage für die Regulierung des audiovisuellen Sektor darstellt.

Die Behörde Lietuvos radijo ir televizijos komisija (LRTK) wird vom litauischen Parlament mit der Regulierung des Rundfunksektors beauftragt. Die Arbeit der Behörde ist in der Verfassung geregelt und orientiert sich insbesondere an Informationsgesetz aus dem Jahr 2000, einer Aktualisierung des Mediengesetzes von 1996. Gemeinsam mit einer anderen Behörde, der Communications Regulatory Authority (Rysiu Reguliavimo Tarnyra, RRT) ist die LRTK für die Frequenzvergabe und die Einhaltung des Jugenschutzes zuständig.

Der Printsektor reguliert sich hingegen selber. Dies geschieht in erster Linie über die Überwachung und Einhaltung eines Ethikcodes, den die Litauische Journalistenvereinigung sowie diverse weitere Interessensverbände konzipiert haben.

Weiterführende Literatur

  • Audroné Nugaraité, "The Lithuanian Media Landscape". In Georgios Terzis (Hrsg.), European Media Governance: National and Regional Dimensions. Bristol: Intellect Books (2007), 387-399.
  • Miklós Sükösd & Péter Bajomi-Lázár (Hrsg.), Reinventing Media: Media Policy Reform in East-Central Europe. Budapest: Central European University Press (2003).