Yahoos Video-Offensive

08.05.2013

Gestern wurde bekannt, dass der Online- und Medienkonzern Yahoo seine Bemühungen verstärkt hat, Hulu.com zu übernehmen. Das gemeinschaftlich von Comcast, News Corp. und Walt Disney betriebene Streaming-Portal wäre die erste größere Akquisition, die Yahoo unter CEO Marissa Mayer vornähme. Mayer hat sich laut Berichten von Allthingsd.com bereits zu ersten informellen Treffen mit dem Hulu-Management getroffen. Auf der Konferenz des Branchenblatts Wired erklärte Mayer Online-Videos zum wichtigsten Format in der zukünftigen Ausrichtung ihres Unternehmens. Vergangenen Monat scheiterte eine Übernahme des Videoportals Dailymotion, das noch der Französischen Telekom gehört, aufgrund von Opposition französischer Regulierungpolitiker. Yahoos Vorstoß fällt in eine Zeit, in der Online-Videomarkt immer umkämpfter wird und Videoportale wie Netflix, Amazon Video und YouTube zunehmend eigenen Video-Content produzieren. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Entwicklungen bei Yahoo zusammengefasst:

Übernahme von Hulu.com
Bereits vor zwei Jahren wollte die ehemalige Yahoo-Chefin Carol Bartz Hulu kaufen, um den damals stagnierenden Verkauf von Display-Werbung anzukurbeln. Marissa Mayer hingegen weiß aufgrund ihrer Vergangenheit bei Google wie wichtig ein erfolgreiches Videoportal für Onlinekonzerne ist. Google übernahm den heutigen Marktführer YouTube im Jahr 2006; damals zeigte sich auch Yahoo an einem Kauf interessiert. Allerdings stehen hinter einem jetzigen Kauf von Hulu mehrere Fragezeichen. Über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens herrscht nach dem Ausscheiden des langjährigen CEOs Jason Kilar Unklarheit. Das im Gegensatz zu Konkurrent Netflix kostenlose, werbefinanzierte Hulu könnte in absehbarer Zeit in ein Abonnement-basierten Dienst umgewandelt werden - eine Maßnahme die Anteilseigner News Corp. favorisiert. Walt Disney allerdings möchte, dass Hulu weiterhin kostenfrei und anzeigenfinanziert bleibt (der dritte Anteilseigner Comcast darf aufgrund regulierungspolitischer Beschränkungen, die aus der Übernahme von NBC Universal resultieren, keinen Einfluss auf die strategische Ausrichtung von Hulu nehmen). Noch entscheidender für Interessent Yahoo ist jedoch, ob Comcast, News Corp. und Disney auch nach einem Verkauf weiterhin bereit wären, ihre TV-Inhalte an Hulu zu lizenzieren. Ohne die TV-Rechte wäre Hulu für Yahoo fast wertlos.

Eigene Video-Inhalte
Im vergangenen Jahr wurde von Yahoo die Produktion zahlreicher neuer Serienformate und Talkshows in Auftrag gegeben, darunter "Katie's Take", moderiert von der renommierten CBS-Journalistin Katie Couric, eine Talkshow mit Schauspieler Jeff Goldblum sowie mit "Electric City" eine Science-Fiction Show von und mit Tom Hanks. Sechs weitere Original-Serien werden in diesem Jahr gelauncht, darunter "Tiny Commando" mit Hangover-Darsteller Ed Helms. 70 Prozent der Inhalte der Yahoo News-Seiten werden bereits von Yahoo selbst produziert. Seit April 2013 ist Yahoo zudem im Besitz der exklusiven Rechte des Archivs der berühmten US-Comedyshow "Saturday Night Live". Durch eine Übernahme von Hulu.com würde Yahoo den Anteil selbst produzierter Formate weiter steigern, unter anderem durch Web-Shows wie "Spoilers with Kevin Smith" oder "Battleground".

Mehr dazu:

Allthingsd.com: Yahoo’s Mayer Has Met With Hulu Execs in a Preliminary Look-See at Premium Video Unit (07.05.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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