Yahoo: Medienkonzern ohne Content?

18.02.2016

Unternehmenszentrale von Yahoo. CC by Coolcaesar

Yahoo stellt den Großteil seines Magazin-Angebots ein. Die Kanäle Food, Health, Parenting, Makers, Travel, Autos und Real Estate werden nicht weitergeführt. News, Sports und Lifestyle bleiben hingegen bestehen. Diesen Schritt kündigte die Chef-Herausgeberin des Unternehmens Martha Nelson am 17. Februar in einem Blogpost an. Fortgeführt werden soll indes Yahoo Tech. Allerdings nimmt das Management auch hier personelle Veränderungen vor. Den für das Portal verantwortlichen Redakteur Dan Tynan erreichte bereits die Kündigung.

Seine und weitere Entlassungen stehen im Zusammenhang mit den enttäuschenden Geschäftszahlen des Unternehmens. Das Kerngeschäft von Yahoo, das Portal yahoo.com und der Maildienst verloren im Vergleich zu 2014 im Jahr 2015 Nutzer im niedrigen zweistelligen Bereich. Die Yahoo-Suche verzeichnete ein Minus der Nutzerzahlen von 8,8 Prozent. Relativ erfolgreich ist hingegen tumblr.com. Die Zahl der DAUs (Daily active users) auf Mobilgeräten stieg im Vergleich zu 2014 um 34 Prozent.

Mit massiven Einschnitten versucht das Management, Kosten zu senken. Geführt wird das Unternehmen von CEO Marissa Mayer. Sie wechselte 2012 von Google zu Yahoo. Seit 2012 hat sich die Zahl der Beschäftigen um 34 Prozent verringert. Damit nicht genug: bis Ende 2016 will das Unternehmen 42 Prozent weniger Mitarbeiter beschäftigen als noch 2012. Zwischen 1500 und 1700 Entlassungen sind vorgesehen. Rund 15 Prozent der Belegschaft steht die Kündigung ins Haus.

Martha Nelson trat indes erst im Oktober 2015 bei Yahoo ein, sie kam von Time Inc., und untersteht direkt Yahoo-CEO Marissa Mayer. Mayer erhoffte sich von der Personalie langfristiges Wachstum in digitalen Magazin-Segment. Nelson, mit einem Jahreseinkommen von 5 Millionen Dollar, war nur eine mehrerer kostspieliger Personalentscheidungen von Mayer. Mayer holte die Kosmetikunternehmerin Bobbi Brown (im April 2014), den ehemaligen gestalterischen Direktor der Elle, Joe Zee (ebenfalls im April 2014), und den Tech-Autor David Pogue (im Oktober 2013) zu Yahoo. Ihr teuerster Einkauf war wohl die TV-Nachrichtensprecherin Katie Couric (im Januar 2014). Couric verlängerte ihren Vertrag 2015 und handelte eine Gehaltserhöhung von sechs auf zehn Millionen Dollar jährlich aus. Ob Couri und andere hochkarätige Personalien eine Zukunft bei Yahoo haben ist jedoch nach der Einstellung des hauseigenen Streamingportals und angesichts des enormen Spardrucks fraglich

Spitzenpersonal führte für Yahoo jedoch nicht zu Spitzenergebnissen. Die Zahlen für das Jahr 2015 offenbarten die bittere Wahrheit, dass Yahoos größtes Kapital die 15 Prozent der Anteile an der chinesischen Unternehmensgruppe Alibaba sind. Ihr Wert von rund 26 Milliarden Dollar entspricht fast dem gegenwärtigen Marktwert von Yahoo selbst. Allerdings ist ein Verkauf der Unternehmensanteile nicht ohne größere Steuerzahlungen möglich, und so sucht Yahoo auf den steigenden Druck der Investoren hin nach neuen „strategic alternatives“. Eine Formulierung, die im Wall-Street-Englisch nichts anderes als die Zerschlagung und den Verkauf des Unternehmens bedeutet.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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