Yahoo: Einstieg ins Kabel-TV-Geschäft?

05.01.2015

Marissa Mayer. CC by Andrew Walker

Ende vergangener Woche berichteten US-Medien, dass Yahoo offenbar Interesse hat, entweder Scripps Network Interactive zu übernehmen oder CNN von Mutterkonzern Time Warner zu kaufen. Seit mehr als fünf Jahren bastelt das eigentlich für seine Such- und Emaildienste bekannte Unternehmen an einer kohärenten Medienstrategie - bisher mit bescheidenem Erfolg. Die Chance, dass ein Internetkonzern in naher Zukunft ein etabliertes Medienunternehmen in Gänze oder zumindest Teilen aufkauft, ist nicht zuletzt seit der gescheiterten Übernahme von Time Warner hoch: damals galten neben Rupert Murdochs 21st Century Fox auch Google und Apple als mögliche Interessenten. Seit der nun 15 Jahre zurückliegenden, grandios gescheiterten Übernahme von Time Warner durch AOL, gelten entsprechende Fusionen als problembehaftet. Doch Yahoo, das seit dem Börsengang von Alibaba durch schrittweise Verkäufe an Beteiligungen am chinesischen Online-Giganten auf milliardenschweren Cash-Reserven sitzt, sucht den Ausweg aus der seit Jahren anhaltenden Krise in exklusiven Video- und TV-Inhalten. Ob eine Investition in den ebenfalls mit Krisensymptomen zu kämpfenden Kabel-TV-Markt die richtige Lösung für Yahoo ist, bleibt abzuwarten. Die Redaktion von mediadb.eu hat die beiden Übernahmekandidaten und ihr Potenzial für Yahoo näher beleuchtet.

Scripps Networks Interactive
Es gilt als gesichert, dass Yahoo-CEO Marissa Mayer seit mehreren Monaten darüber nachdenkt, den vergleichsweise kleinen Medienkonzern  aus Knoxville, Tennessee (Umsatz 2013: 2,45 Mrd. US-Dollar) komplett oder in Teilen zu übernehmen (Experten gehen davon aus, das Yahoo circa 15 Milliarden für Scripps bezahlen müsste). Insbesondere Scripps Herzstück, der Essen- und Kochsender Food Network scheint es Mayer angetan zu haben. Der Grund ist hierbei die Zielgruppe von Food Network, die im wesentlichen aus über 25-jährigen Frauen besteht, und die Yahoo im Onlinebereich versucht stärker zu bedienen. Im Gegensatz zu CNN produziert Scripps keinen tagesaktuellen Content sondern hat sich auf Koch-, Reise- und Do-it-Yourself-Inhalte spezialisiert, die Yahoo im Netz quasi ohne "Verfallsdatum" zum Streamen anbieten und vermarkten könnte (sog. "evergreen"-Content). Doch auch Kabel-TV als neuen Vertriebsweg könnte Yahoo reizen. Das Unternehmen, das für die kommenden Jahre eine millionenschwere Qualitätsserien-Offensive angekündigt hat und es in diesem Bereich mit Amazon Video und Netflix aufnehmen will, könnte seine selbstproduzierten Inhalte so im Fernsehen zweitverwerten. Langfristig gedacht, so Kritiker, macht die Kabel-TV-Strategie jedoch keinen Sinn, schließlich zeigt das amerikanischen Bezahlfernsehen seit geraumer Zeit erste Auflösungserscheinungen.

CNN
Insider Tom Dotan von dem Fach-Blog The Information hat sich bereits festgelegt. Laut seiner Prognose wird Yahoo 2015 CNN übernehmen. Der altehrwürdige 24-Stunden-Nachrichtenkanal bereitet Mutterkonzern Time Warner wegen sinkender Quoten und der zunehmenden Konkurrenz die durch Online-News-Seiten entstanden ist, seit Jahren Kopfzerbrechen. Time Warner, das im letzen Jahr hunderte von CNN-Mitarbeitern im Zuge von Einsparmaßnahmen entließ, würde ein entsprechend dotiertes Übernahmeangebot wohl nur zu gerne annehmen. Yahoo auf der anderen Seite versucht sich bereits seit mehreren Jahren als seriöse Online-Nachrichtenquelle zu etablieren (dazu gehört auch die prestigeträchtige Verpflichtung von der ehemaligen CBS-Nachrichtenmoderatorin Katie Couric als Yahoo-Nachrichtenchefin).

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