WM-Rechte: Medienkonzerne geben Rekord-Summen aus

09.06.2010

Internationale Fernsehkonzerne haben für die Übertragungsrechte der Fußball-WM 2010 in Südafrika insgesamt mehr als 1,6 Milliarden Euro (zwei Milliarden US-Dollar) ausgegeben. Laut der Medienforschungsgruppe Screen Digest handelt es sich dabei um einen 50-prozentigen Anstieg gegenüber dem letzten Turnier vor vier Jahren. Doch obwohl es sich bei der Weltmeisterschaft nach Angaben des Kommunikationsunternehmen WPP um das "wertvollste Medienereignis der Welt" handelt, haben Fernsehveranstalter trotz lukrativen Werbezeitverkäufen, Schwierigkeiten, Gewinne aus den Übertragungsrechten zu ziehen. Anders als für die WM 2006 hat der Weltverband FIFA die Übertragungsrechte für das diesjährige Turnier direkt an die jeweiligen Sender verkauft. In den Jahren zuvor trat die FIFA die gesamten Rechte an Vermarkter ab, die die Rechte wiederum weiterverkauften.

ARD und ZDF, die gemeinsam 46 der 64 Spiele der WM nach Deutschland übertragen werden, haben keine offiziellen Angaben bezüglich des Preises der Rechte gemacht. Laut Schätzungen des "Handelsblatt" soll der Preis bei circa 180 Millionen Euro liegen. Experten gehen davon aus, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten diese Summe durch Werbezeitverkäufe nicht wettmachen können. ARD und ZDF dürfen täglich nach 20 Uhr sowie Sonntags keine Werbung ausstrahlen.

In Frankreich zahlte der Privatsender TF1 120 Millionen Euro für die Rechte. Probleme beim Verkauf von Werbezeit sowie die geringe Erwartungshaltung der französischen Öffentlichkeit, die von einem schnellen Ausscheiden ihrer Nationalmannschaft ausgeht, bewogen das Unternehmen jedoch zu einem Weiterverkauf eines Teils der Rechte. So bezahlten France Television und der Bezahlsender Canal+ 25 bzw. acht Millionen Euro an TF1, um ebenfalls Spiele der WM zu übertragen.

In Großbritannien teilen sich die öffentlich-rechtliche BBC und der Privatsender ITV zum zehnten Mal in Folge die Übertragung sämtlicher WM-Spiele. Wie viel die Sender für die Rechte and die FIFA gezahlt haben, ist nicht bekannt. In Großbritannien ist per Gesetz geregelt, dass nur Free-TV-Veranstalter um die Übertragungsrechte mitbieten dürfen, da es sich bei Fußball-Weltmeisterschaften um Ereignisse von nationalem Interesse handelt, von denen niemand ausgeschlossen werden darf.

In den USA übertragen die zur Walt Disney Company gehörenden Sender ESPN und ABC sowie die spanischsprachige Senderkette Univision die Spiele der WM. Unter anderem wegen des hohen hispanischen Bevölkerungsanteils handelt es sich bei den USA mittlerweile um den achtgrößten nationalen Zuschauermarkt der WM. Bei der WM 1998 rangierten die USA noch auf Platz 23 der größten Zuschauermärkte. Für die Übertragungsrechte der WM 2010 zahlten Disney 100 und Univision 325 Millionen US-Dollar. Beim letzten Turnier vor vier Jahren gaben die Unternehmen nur 40 bzw. 125 Millionen für die Rechte aus.

In der Arabischen Welt werden fußballbegeisterte Zuschauer hingegen zusätzlich zur Kasse gebeten. Für die tausend Stunden WM-Berichterstattung von Al Jazeera Sports müssen Interessenten eine Set-Top-Karte im Wert von 100 US-Dollar erwerben. Über die Kosten für die Übertragungsrechte schweigt das Management des Nachrichtensenders aus Qatar. Schätzungen zufolge könnten diese jedoch bei bis zu einer Milliarde US-Dollar liegen.

Mehr dazu:

- New York Times: For ESPN and Univision, the U.S. Is a Soccer Country (07.06.2010)

- livemint: TV, sponsors battle to recoup World Cup costs (02.06.2010)

- Le Monde: Les bonnes affaires de la Coupe du monde de football (07.06.2010)

- Lepoint.fr: Coupe de monde 2010: TF1 gère son déficit financier (08.06.2010)

- Arabian Business.com: Al Jazeera Sport announces World Cup coverage costs (12.05.2010)

Hintergrund:

- New York Times: The Real World Cup Prize? Broadcast Rights (23.05.2010)

- Handelsblatt: ARD und ZDF stechen Private bei WM-Übertragung 2010 aus (30.06.2005)

- Guardian: BBC and ITV get World Cup final rights until 2014 (29.06.2005)

- Arabian Business.com: Al Jazeera wins TV rights for 2010 World Cup (25.11.2009)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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