Wie groß wäre Springer/ProSiebenSat.1?

07.07.2015

Nach 2005 haben Springer und ProSiebenSat.1 offenbar ein weiteren Anlauf in Bezug auf eine mögliche Fusion genommen. Details über entsprechende Vorgespräche gelangten gestern an die Öffentlichkeit. Die Chancen, dass die Fusion dieses Mal genehmigt wird, sind wohl höher als beim ersten Versuch, als die Regulierungsbehörde KEK dem Deal einen Strich durch die Rechnung machte (später wurde juristisch geklärt, dass die KEK ihre Kompetenzenzen überschritten hatte). Allerdings gibt es da auch noch das Bundeskartellamt das grünes Licht verhindern könnte. Zudem sind beide Konzerne europaweit aktiv, was bedeutet, dass die europäischen Regulierungsbehörden ebenfalls in den Genehmigungsprozess involviert werden sein. Das Handelsblatt bezeichnete den möglichen Deal bereits als "Erdbeben für die Medienlandschaft" Die Redaktion von mediadb.eu hat auf Grundlage der aktuellen Geschäftsberichte der Unternehmen zusammengefasst, welche Dimensionen ein Zusammenschluss haben würde:

Mit einem kombinierten jährlichen Umsatz von rund 5,9 Milliarden würde Springer/ProSieben im Ranking der größten Medienkonzerne der Welt auf Rang aktuell auf Rang 29 einsteigen (Springer und ProSieben rangieren aktuell auf Rang 51, bzw. 53). Der addierte Umsatz wäre immer noch geringer als das jährliche Budget der ARD und würde nur ein Achtel des jährlichen Umsatzes des Führungsduos Comcast und Google betragen. In Deutschland würde Springer/ProSieben auf Rang drei hinter Bertelsmann und der ARD bleiben. Der Umsatz von Bertelsmann wäre mit knapp 17 Mrd. Euro immer noch rund drei Mal höher als von Springer/ProSieben.

Insgesamt halten Springer und ProSieben aktuell Beteiligungen an 519 Tochtergesellschaften. Trotz des Verkaufs eines Teils seiner Regional- und Programmzeitschriften dominiert Springer weiterhin den nationalen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt. Dazu gehören selbstverständlich "Bild", die mit einem Marktanteil von 75,6 Prozent führende Kaufzeitung, die größte Tageszeitung in der Hauptstadt (B.Z.) und die größte überregionale Qualitätszeitung "Welt" (Marktanteil 18,5 Prozent). ProSiebenSat.1 ist in diesem Segment nicht aktiv.

Dafür jedoch im TV-Sektor: Hier kontrolliert das Unternehmen sechs Free-TV-Sender, drei Pay-TV-Kanäle und zwölf Werbesender. Hinzu kommen mit SevenOne Media und SevenOne Ad Factory die beiden führenden TV-Vermarktungsunternehmen. Springer betreibt mit N24 bisher nur einen Fernsehsender ist, hält dafür jedoch über diverse Tochterfirmen das größte private Radioportfolio in Deutschland. ProSieben war hingegen über sein Plattenlabel Starwatch an 56 Prozent aller Top-100-Alben im letzten Jahr beteiligt.

Gleichermaßen aktiv sind beide Unternehmen auf dem Markt für Onlineportale und -medien. Zusammengerechnet würden beide Unternehmen mehr als 130 Onlinemarken kontrollieren: Springer betreibt momentan 13 Job- und Immobilienportale sowie acht weitere Informations- und E-Commerce-Webseiten wie z.B. aufeminin oder finanzen.net. ProSieben hingegen betreibt 50 eigene Plattformen (wie z.B. dieOnlinevideothek Maxxdome) sowie ist an 60 Digital Commerce Plattformen beteiligt.

Auch europaweit würden die Unternehmen eine erhebliche Marktmacht haben. Neben den Onlineangeboten von denen in der Regel länderspezifische Ableger existieren, gab Springer 2014 160 Magazintitel in der Schweiz, Russland, Frankreich, Spanien, Österreich, Belgien, Polen, Ungarn, Slowakei und Serbien heraus, während ProSieben mit Red Arrow und weiteren 13 Tochterfirmen zu den weltweit erfolgreichsten Produktionsfirmen zählt. ProSieben ist zudem einer der Top3-Publisher von Onlinegames in Europa.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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