Wer kauft ProSiebenSat.1?

05.02.2013

Lange wurde darüber spekuliert, wann die Investoren KKR und Permira ihre Beteiligungen am Fernseh- und Onlinekonzern ProSiebenSat.1 wieder verkaufen. Nun wurde laut übereinstimmenden Presseberichten die US-Bank JP Morgan Chase und Co. damit beauftragt, potenzielle Käufer zu finden. Die Private Equity Gruppen stiegen 2006 bei ProSiebenSat.1 ein, als sie gemeinsam für (mit Schulden finanzierten) 3,1 Milliarden Euro einen Mehrheitsanteil am Konzern erwarben. Ihr Engagement war von Beginn an auf wenige  Jahre beschränkt. Bereits 2007 hatte der damalige (und derzeit wieder amtierende) Aufsichtsrats-Vorsitzende Götz Mäuser gesagt, als "Investor auf Zeit" pflege Permira bei deutschen Unternehmen durchschnittlich fünfeinhalb Jahre an Bord zu bleiben. Nach dem deutlichen Anstieg des zeitweise auf unter einen Euro gesunkenen Aktienkurses stehen die Zeichen für einen Ausstieg nach Finanzinvestoren-Logik einerseits gut. Auch verringerte der Konzern seine lange abschreckende Netto-Finanzverschuldung von über drei Milliarden Euro zwischen 2010 und 2012 (bei einer auf 29,3 Prozent erhöhten Eigenkapitalquote) auf 1.923 Mrd Euro.

Der momentan schrumpfende Markt für TV-Werbung hat nun offensichtlich den Ausschlag für Permira und KKR gegeben, sich endgültig aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Konkurrent Bertelsmann seinen Anteil an der europäischen RTL-Gruppe von 92,3 auf 75 Prozent verringern will. Bereits 2011 und 2012 waren Fernsehsender in den Benelux-Ländern sowie Skandinavien verkauft worden. Internationale Medienkonzerne sehen jedoch weiterhin Potenzial für ProSiebenSat.1 und zeigen sich an einer Übernahme interessiert. Zu den gehandelten Kandidaten zählen laut Financial Times Time Warner, Comcast und News Corp. Die Axel Springer AG, die 2005 mit einer Übernahme an deutschen Regulierungsbehörden scheiterte, will angeblich keinen weiteren Versuch unternehmen, den Konzern zu kaufen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Chancen und Perspektiven der übrigen Interessenten näher beleuchtet:

Time Warner:
Der sechstgrößte Medienkonzern der Welt gilt momentan als Favorit für eine mögliche Übernahme. Gerhard Zeiler, internationaler Chef von Time Warners Fernsehsparte Turner und ehemaliger RTL-Chef hat mehrfach geäußert, er halte Deutschland für einen Markt, auf dem es Sinn mache, zu expandieren. Allerdings ist der wachsende Markt in Lateinamerika momentan noch attraktiver für den Konzern. 2010 unternahm das Unternehmen einen ersten Schritt und kaufte mit dem chilenischen TV-Sender Chilevision erstmals einen Free-TV-Sender. Damals äußerte Zeiler, er wolle in den nächsten 24 Monatenweitere europäische und südamerikanische Sender übernehmen.

News Corp.:
Bereits 2002 war Rupert Murdoch an einer Übernahme an ProSieben interessiert. Die Chancen haben sich nun jedoch nicht verbessert, da News Corp. mehr als 50 Prozent der Anteile am Bezahl-Sender Sky Deutschland hält. Allerdings fährt der Konzern in den USA und Australien eine aggressive Expansionsstrategie: In Australien arbeitet der Konzern momentan daran, den Pay-TV-Anbieter Consolidated Media Holdings (Fox Sports Australia und Foxtel) für 2,2 Milliarden US-Dollar komplett zu übernehmen. Und im Herbst 2012 erwarb News Corp. für drei Milliarden US-Dollar ein 49-prozentiger Anteil am New Yorker Sport Network YES, dem Haussender des Baseball-Teams New York Yankees.

Comcast:
Bis auf kleinere Pay-TV-Spartenkanäle (13th Street, Sci Fi, E!, History Channale, Biography-Channel) ist ComcastNBCU bisher nicht auf dem deutschen Fernsehmarkt vertreten. Kartellrechtlich könnte einer Übernahme also wenig im Weg stehen. Mittels dem riesigen Arsenal an NBC- und Universal-Inhalten könnte versucht werden, mit den Sender ProSieben und Sat.1 an Marktführer RTL vorbeizuziehen.

Mehr dazu:

Bloomberg: Permira, KKR Said to Tap JPMorgan for ProSiebenSat.1 Exit (04.02.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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