Weltweiter Rückgang der Kioskverkäufe von Printexemplaren

07.02.2012

In den letzten Monaten häuften sich die Meldungen über einen Rückgang der Verkäufe von Zeitschriften an den Kiosks, welcher die Auflage sinken lässt und viele Unternehmen dazu bewegt, Stellen zu streichen oder die Printausgabe einzustellen und das Engagement im Online-Bereich zu verstärken. Die Redaktion von mediadb.eu hat diesen Trend beobachtet und die wichtigsten Entwicklungen in den USA, in Frankreich und Deutschland zusammengefasst.

USA:
Die Nummer eins unter den US-Magazinverlagen, die Time Inc. (Time Warner), bietet 115 Titel an, von denen das „People“ Magazin bisher am erfolgreichsten war. Seit dem letzten Jahr befinden sich die Kioskverkäufe des Marktführers jedoch im freien Fall. Dies geht aus vorläufigen Zahlen des Audit Bureau of Circulations hervor. Im ersten Halbjahr 2011 verzeichnete „People“ ein Minus von 10,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fiel der Kioskverkauf im zweiten Halbjahr 2011 um 12,4 Prozent auf 1,1 Millionen Exemplare. Dieser Verlust konnte jedoch durch einen Anstieg der Abonnement-Zahlen um 4,3 Prozent ausgeglichen werden, sodass die Gesamtauflage weiterhin bei etwa 3,6 Millionen Exemplaren verbleibt.

Das Verlagshaus Hearst (The Hearst Corporation) baute noch vor einem Jahr seine Magazinsparte aus, indem es 102 Zeitschriftentitel aus 15 Ländern vom französischen Medienkonzern Lagardère für 650 Millionen Euro abkaufte. Im zweiten Halbjahr 2011 sank jedoch der Verkauf von Hearsts umsatzstärkster Zeitschrift „Cosmopolitan” um 6,4 Prozent auf 1,5 Millionen Exemplare.

Die Magazinsparte von Condé Nast Publications (Advance Publications) musste über ein Portfolio von 18 Titeln einen Rückgang im Einzelverkauf von 10,5 Prozent verkraften. Laut Unternehmensangaben verkaufte das erfolgreichste Kioskmagazin des Unternehmens, „Glamour“, 10 Prozent, die „Vogue“ 5,6 Prozent und die „Vanity Fair“ sogar 20,1 Prozent weniger Exemplare.

Auch die New York Times Company verzeichnete im vierten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahresquartal einen Rückgang des Nettogewinns um 12,2 Prozent auf 58,9 Millionen US-Dollar. Grund dafür sind laut Unternehmensangaben ein Verlust bei den gedruckten Anzeigen von 7,1 Prozent.

David Leckey, geschäftsführender Vizepräsident des US-Verlags American Media (u.a. „Star“, „The Globe“) geht von einem branchenweiten Rückgang des Kioskverkaufs um neun Prozent aus. Branchenkennern zufolge liegen die Ursachen in der Wirtschaftslage und der Abwanderung der Nutzer zu Online-Inhalten.

Frankreich:
Am 30. Januar erschien die letzte gedruckte Ausgabe der französischen Wirtschaftszeitung „La Tribune“, welche eine 26-jährige Geschichte schrieb. Damit reiht sich das renommierte Blatt bei der Tageszeitung „France Soir“ ein, welche ebenfalls vorher landesweit verbreitet wurde und ihre Printausgabe einstellte, um fortan nur noch im Internet verfügbar zu sein. Der Branchenkennern zufolge dramatische Leserschwund führt bei den französischen Zeitungen mit nationaler Verbreitung zu finanziellen Problemen und einem Zeitungssterben, dessen sich inzwischen schon die Politik annimmt. Weitere Ursachen im Leserschwund liegen darin, dass in Frankreich die Reichweite der Presse viel geringer als beispielsweise in Deutschland ist. Außerdem merkte die Redaktion von „La Tribune“ an, dass die Zeitungslandschaft in Frankreich nicht von Verlegern, sondern von großen Industrieunternehmen beherrscht werde, was die Leser misstrauisch mache.

Deutschland:
Auch in Deutschland zeigt sich der Trend des Auflagenrückgangs. Laut Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wurden im zweiten Quartal 2011 im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahresquartal ein durchschnittliches Auflagenminus von 931.304 Exemplaren (-3,7 Prozent) verzeichnet. Die verkauften E-Paper-Ausgaben von 80 verschiedenen Titeln nahmen dagegen um 51,2 Prozent zu. Insbesondere der Umfang der gedruckten Zeitungsanzeigen hat laut BDZV in den ersten vier Monaten des Jahres 2011 um 4,2 Prozent abgenommen.


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