Weltbild-Insolvenz: Hintergründe

13.01.2014

Die Gründe für die vergangene Woche bekannt gewordene Insolvenz des Medienkonzerns Weltbild sind noch immer unklar. Zunächst sah es danach aus, dass die Insolvenz der Verlagsgruppe durch eine Finanzspritze von 60 Millionen Euro durch die Gesellschafter des Unternehmens - den Verband der Diözesen Deutschlands, die Soldatenseelsorge Berlin sowie zwölf Bistümer - abgewendet werden könnte. Doch Vertreter der katholischen Kirche konnten sich in der jüngsten Krisensitzung nicht auf eine gemeinsame Strategie zur Weiterfinanzierung durchringen. Erstmals im September 2013 hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass das Unternehmen vor vor einer möglichen Insolvenz stehe. Laut Schätzungen machte Weltbild trotz eines relativ hohen Umsatzes im Jahr 2013 Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Die Redaktion von mediadb.eu hat mögliche Ursachen für die Insolvenz eines der größten deutschen Medienunternehmen zusammengefasst:

1. Falsche Geschäftsstrategie
Laut einer Einschätzung des Buchhändler-Beratungsunternehmens BuchConsult ist Weltbilds Hauptproblem "die abnehmende Attraktivität der DBH-Läden" (DBH ist die gemeinsam mit Hugendubel betriebene Finanzholding zu der die Buchhandelsketten Joker, Wohltat, Weiland, Weltbild-Plus und Hugendubel gehören). Das Konzept der großflächigen, bzw. mehrstöckigen Buchhandlungen wie sie Weltbild Plus und Hugendubel bekannt gemacht haben, hat sich letzlich nicht als probates Mittel herausgestellt, um auf die Online-Konkurrenz von Amazon zu reagieren. Die eigene Online-Strategie bestand im wesentlichen darin, Amazon nachzuahmen, wobei man in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit und technische Umsetzung nie zum Marktführer aufschließen konnte. Auch eine Anfang März initiierte strategische Partnerschaft mit Thalia, Hugendubel, Bertelsmann und der Deutsche Telekom beim Handel mit elektronischen Büchern brachte offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2013/14 kam es zu einem Umsatzrückgang, das essenzielle Weihnachtsgeschäft blieb acht Millionen Euro unter den Erwartungen.

Einer der möglichen Gründe, warum die Gesellschafter nun den Stecker bei Weltbild gezogen haben, ist offenbar wirtschaftliche Vernunft: Der mit der Sanierung betraute Berater Josef Schultheiß musste den Verantwortlichen vergangene Woche mitteilen, dass die ursprünglich geplanten 60 Millionen Euro zu wenig für die Rettung des Konzerns seien. Die stattdessen notwendige Summe von 130 Millionen Euro war den Gesellschaftern angesichts geringer Erfolgsaussichten und wahrscheinlicher Folgekosten zu hoch.

2. Richtungskämpfe in der katholischen Kirche
Ein weiterer Erklärungsansatz sieht kirchenpolitische Motive hinter der Insolvenz. Die mehrheitlich kirchlich-konservative Gesellschafter hätten den von den Banken mitgetragenen Sanierungsplan verweigert, um Weltbild vorsätzlich abzuwickeln. In den vergangenen Jahren war ein Teil der Weltbild-Produktpalette aufgrund von Esoterik- und Erotikbüchern intern als "unchristlich" kritisiert worden. Die Zukunft von Weltbild müsse daher im Zusammenhang mit Richtungskämpfen gesehen werden, die mitten in den aktuellen Wahlkampf um den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz geführt werden.

3. Imagegründe
Schließlich macht sich die deutsche katholische Kirche nach der Verschwendungs-Affäre um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst berechtigte Gedanken um ihr Image und ihre wirtschaftliche Vernunft. Viele der Gesellschafter hätten offenbar Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, eine defizitäre Buchhandelskette durch weitere mit Kirchensteuern finanzierte Investitionen künstlich am Leben zu erhalten. Laut dem Münchner Erzbischoff Kardinal Marx war der nach oben korrigierte Kapitalbedarf angesichts vager Geschäftsprognosen schlichtweg zu groß.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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