Web-TV und Online-Radios: Sonys Streaming Strategie

19.11.2014

Sony CEO Kazuo Hirai (CC Jordiferer)

Im vergangenen Monat kündigte Sony an, seine Aktivitäten im Smartphone-Sektor signifikant zurückzufahren. Da die "Xperia"-Marke mit wachsender Konkurrenz aus China zu kämpfen, wird der japanische Konzern rund 1000 Mitarbeiter entlassen. Im Gegensatz zum Technikgeschäft gewinnen die Medienaktivitäten des seit Jahren kriselnden Unternehmens immer mehr an Bedeutung. Insbesondere die Spielkonsole Playstation 4 soll in den kommenden Jahren zu einer Plattform avancieren, auf der sämtliche Multimedia-Inhalte gebündelt werden. Doch während im Frühjahr ein vielversprechender Online-TV-Dienst gelauncht wird, wurden nun erstmals Zweifel laut, Sonys Musikangebot weiterhin im Rahmen von Lizenzdeals kostenlosen Online-Radios und Streamingplattformen zur Verfügung zu stellen.

Für sein PlayStation-TV-Abo "Vue" hat Sony bereits Lizenzdeals mit u.a. CBS, Fox, NBC, MTV und Discovery abgeschlossen. So sollen User ein Programmpaket von rund 75 Sendern abonnieren können. Der Medienkonzern möchte damit vor allem die Zuschauer gewinnen, die noch nie einen Vertrag mit einem Kabelunternehmen abgeschlossen haben ("cord nevers") oder die ihren Kabelanschluss aus Protest gegen teure Programmpakete gekündigt haben ("chord cutters"). Sony beschreitet damit einen Mittelweg zwischen klassischen Kabelfernsehen und VoD-Angeboten (schon jetzt können die über 35 Millionen amerikansichen Playstation-Besitzer Filme und Fernsehserien aus dem Sony-Katalog streamen). Die bekannte PS-Benutzeroberfläche soll die problemlose Navigation durch die Programmangebote ermöglichen. Allerdings konnte bisher kein Abkommen mit Walt Disneys Sportsender ESPN abgeschlossen werden. Live-Sport-Events gelten jedoch als größtes Zugpferd, mit dem man junge Rezipienten überhaupt noch für lineares Fernsehen begeistern kann.

Derweil hat die Entscheidung von Country- und Popsängerin Taylor Swift, ihre Musik künftig nicht mehr der Streaming-Plattform Spotify zugänglich zu machen, ein Fragezeichen hinter die Musikstrategie von Sony Music gesetzt. Unter einigen Verantwortlichen gilt die grundsätzliche Entscheidung, einen Großteil ihrer Kataloge auch solchen Anbietern zugänglich zu machen, die ein kostenloses, werbefinanziertes Modell anbieten, mittlerweile als Fehler. Sonys CFO Kevin Kelleher äußerte gestern ebenfalls erstmal Zweifel und verkündete, künftig müsse mehr Wert auf den Ausbau von kostenpflichtigen Abo-Modellen gelegt werden. Sonys Konkurrenten Apple und Google haben mit Beats und einer Premium-Version von YouTube ebenfalls zahlungswilligen Kunden Priorität eingeräumt. Einige Beobachter gehen deshalb davon aus, dass die Zeit von Gratis-Musik im Netz auf Dauer ausläuft ist.

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