Was passiert mit P7S1?

08.12.2019

Bereits im Mai 2019 hatte Silvio Berlusconis Mediaset überraschend fast zehn Prozent an der ProSiebenSat1 Media SE gekauft (von uns hier berichtet) und wurde größter Teilhaber der Münchener Sendergruppe. Schon zu der Zeit war von einer möglichen Anteilserhöhung bzw. einer Gesamtübernahme die Rede. Parallel zum Einstieg bei ProSiebenSat1 gaben Berlusconi und sein Sohn Pier Silvio (CEO Mediaset) den Konzernumbau bekannt. Mit der niederländischen Holding MediaforEurope (MFE) solle nichts weniger als eine paneuropäische Antwort auf Netflix entstehen, für eine verbesserte europäische Wettbewerbsposition auf dem globalen Markt.

Gefragt nach dem MFE-Einstieg von bzw. einer eventuellen Fusion mit ProSiebenSat1, verwies Pier Silvio Berlusconi Anfang Juli auf die folgende Priorität: “We’re beginning by finalising the birth of MediaforEurope, so one step at a time. ProSiebenSat1 likes us but there are other possibilities in Europe.” TF1 (Paris) und Media Capital (Lissabon) wurden in dem Zusammenhang als weitere Kandidaten genannt, die man sich auch unter dem Dach der MFE-Holding vorstellen könne. „One step at a time“: Zunächst stand die Zustimmung der Mediaset- und Mediaset España-Aktionäre an, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4.9.2019. Hier gab es keine Probleme, der Plan wurde durchgewunken.

Probleme gab und gibt es aber nach wie vor mit Großaktionär Vivendi (hält 28,8 Prozent an Mediaset), der sich durch die MFE-Gründung benachteiligt sieht und Klage erhob. Auch Ende November 2019 konnte man vor einem Mailänder Gericht keine Einigung erzielen. Jetzt lädt Mediaset zu einer außerordentlichen Hauptversammlung am 10. Januar 2020 ein, wo man auf Klärung des Sachverhalts hofft.

Und ProSiebenSat1 in all dem? Mitte November 2019 hatte Mediaset über die 50,21-prozentige Tocher Mediaset España (Madrid) den P7S1-Anteil um 5,5 Prozentpunkte auf 15,1 Prozent ausgebaut. Was hält Geschäftsführer Max Conze von den Avancen der Mailänder? Muss er sich Sorgen machen um seine Unabhängigkeit? Noch wehrt er sich, könnte man sagen. Schon Ende Mai hatte er zurückhaltend reagiert und Übernahmegerüchte dementiert, las man von „ziemlich schwierigen Beziehungen“ zwischen den Konzernen. Für Conze lag der Fokus „auf der bestehenden, punktuellen Zusammenarbeit mit Mediaset und anderen europäischen TV-Ketten sowie auf dem Videoportal Joyn“.

Jetzt erhöhen die Italiener den Druck. Eine weitere Anteilsanhebung von Mediaset würde ihn auch nicht überraschen, so Conze in einem SZ-Interview am 01.12. Klar, seine Firma ist schon länger im Krisenmodus: An der Börse seit 2016 auf Dauertalfahrt, im dritten Quartal 2019 musste man einen deutlich schwächeren Gewinn und um sechs Prozent gesunkene Werbeumsätze melden. Eine Fusion mit Mediaset aber lehnt Conze deutlich ab: „Ich bin sehr skeptisch, was eine strukturelle Verschmelzung unserer Unternehmen angeht (...) Wir treffen uns an diesem Montag (02.12.2019) und besprechen, wie Mediaset sich das Engagement insgesamt vorstellt. Und wir wollen verstehen, was ,Media for Europe‘ konkret bedeutet.“ Ergebnisse des Treffens wurden nicht bekannt gegeben. Dazu der offene Streit mit Vivendi: Jede Menge offene Fragen. Fortsetzung folgt.

 

 

 

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