Vor dem Börsengang: Snap Inc. investiert in Medieninhalte

06.02.2017

Snapchat-Gründer Evan Spiegel. CC BY 2.0 Techcrunch

Unmittelbar vor dem offenbar für Ende März geplanten Börsengang von Snap Inc. wird das Unternehmen immer mehr zu Medienkonzern. Snaps Hauptprodukt Snapchat startete als photo messaging Dienst ist jedoch in den letzten Jahren zu einer Art Internet-TV geworden, der hunderte Millionen Dollar an Werbeumsätzen garantiert. Neben User Generated Content haben professionell hergestellte Medieninhalte und Lizenzdeals im letzten halben Jahr immer mehr an Bedeutung gewonnen. Snapchat Discover etwa ermöglicht mit seiner beschränkten Anzahl an 'Kanälen bereits seit 2015 eine Erfahrung, die an das Fernsehen aus den 1970er Jahren erinnert.

Allein 2016 gab Snap 58 Millionen Dollar an Verlagshäuser und TV-Konzerne, was 15 Prozent des Gesamtumsatzes von 404 Millionen entsprach. Jüngst verkündete Snapchat eine Partnerschaft mit der BBC für die Ausstrahlung der Mini-Doku-Serie "Planet Earth II". Noch in der Entwicklung befinden sich sog. companion shows für Hit-Formate wie "The Bachelor" oder "The Voice". Bereits seit Sommer letzten Jahres stieg Snapchat zudem mit der Show "Good Luck America" in eigene politische Berichterstattung ein.

Snapchat ist hinter Google und Facebook zum drittpopulärsten Outlet für werbetreibende Firmen geworden. Die Mediaagentur WPP schaltete 2016 bei Google und Facebook Anzeigen im Wert von fünf, bzw. 1,7 Milliarden Dollar; danach folgte Snapchat mit immerhin 90 Millionen. Investoren erhoffen sich, dass Snapchat nach dem Börsengang, der dem Unternehmen eine Bewertung von bis zu 20 Milliarden Dollar bescheren könnte, zur dritten großen Kraft aufsteigt. Snap generiert jedoch immer noch keine Gewinne und die Frage ist, ob der Konzern das Quasi-Duopol von Google und Facebook in hochgradig konzentrierten internationalen Werbemärkten aufbrechen kann. Hinzu kommt, dass Facebooks Instragram mittlerweile viele der Features von Snapchat übernommen hat. Schließlich ist da noch der relativ langsame Anstieg der User-Zahlen. Die Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy wollen vor allem durch neue Features und Gadgets, wie etwa der Kamera-Brille Spectacles, neue Benutzer anlocken.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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