Vor Börsengang: Twitter weitet TV-Aktivitäten aus

26.09.2013

Vor zwei Wochen verkündete das Twitter-Management per Tweet, dass es seinen Börsengang bei der US-Aufsichtsbehörde SEC angemeldet hat. Der Gang an die Börse könnte bereits in den nächsten drei Monaten von Statten gehen. Der Wert des Unternehmens wird gegenwärtig auf 10,5 Milliarden US-Dollar beziffert; ein Börsengang könnte den Wert auf bis zu 15 Millionen in die Höhe treiben. Twitter- Gründer Evan Williams würde mit seinem 15-prozentigen Anteil am Konzern über Nacht zum Multimilliardär avancieren. Nach Facebooks holprig verlaufenden Börsengang im vergangenen Jahr sah es lange schlecht aus für das nächste initial public offering eines großen Internetunternehmens. Nachdem sich Facebooks Kurs aufgrund positiver Ergebnisse in Bezug auf mobile Anzeigen jedoch jüngste verbesserte, sieht das Twitter-Management nun wieder gute Chancen auf den Erfolg an der Börse. Um potenzielle Investoren für Twitter zu begeistern, wurden in den vergangenen Monaten diverse Partnerschaften mit Content-Anbietern eingefädelt und neue Werbetools gelauncht. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuelle Medienstrategie von Twitter näher beleuchtet.

TV-Content-Partnerschaften
Immer mehr Zuschauer sind per Smartphone oder Tablet in sozialen Netzwerken aktiv während sie fernsehen. Eine im Juni veröffentlichte Studie der Nielsen Company behauptete, dass Twitter-Aktivitäten die Einschaltquoten von TV-Serien in die Höhe treiben können. Als Beispiel wird dafür immer wieder die ABC-Serie "Scandal" angeführt, die sich aufgrund von Twitter-Diskussionen von einem Format mit mäßigem Erfolg zu einen Quoten-Hit entwickelte. In Zeiten, in denen klassisches, lineares Fernsehen immer mehr Zuschauer verliert, wird Twitter von Experten als Rettungsanker betrachtet. Deshalb wollen immer mehr Content-Anbieter mit Twitter im Rahmen von Second Screen-Aktivitäten kooperieren. Die neueste Kooperation ist Twitter mit der US-Football-Liga NFL eingegangen. Wie gestern verkündet wurde, wird Twitter mittels gesponsorten Tweets kurze Videoclips von NFL-Spielen (Zeitlupen, Wiederholungen einzelner Szenen) ausstrahlen. Ein ähnliches Abkommen existiert bereits mit TV-Network CBS für 42 Serien dessen Herbst-Lineups.

Amplify
Herzstück der Medienstrategie von Twitter ist das neue Werbetool Amplify, das bereits von Kunden wie unter anderem Time Inc, Discovery Communications, Condé Nast oder Bloomberg genutzt wird. Mittels Amplify hat Twitter es als erstes Onlineunternehmen geschafft, sich einen kleinen, jedoch signifikanten Teil des nach wie vor dominierenden, 70 Milliarden US-Dollar schweren TV-Werbemarkt zu sichern. Twitter, so ein Experte der Pivotal Research Group, werde so mittelfristig zu einem Teil des TV-Ökosystems werden. Insbesondere im News-Business wird Twitter mangels Alternativen seine Quasi-Monopolstellung für Echtzeit-Nachrichten ausbauen und monetarisieren können. Schätzungen zufolge generierte Twitter 2011 140 Mio. US-Dollar an Werbeumsätzen, 2012 waren es 350 Millionen. Dank Amplify sollen die Umsätze in diesem Jahr auf 580 Millionen und im kommenden Jahr auf eine Milliarde US-Dollar ansteigen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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